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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.07.2024

Bunt und gesund

Healing Kitchen - Quick & Easy
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Mit ihrer persönlichen Geschichte über den eigenen Umstieg auf anti-entzündliche Ernährung beginnt Shabnam Rebo ihr Kochbuch „Healing Kitchen - Quick & Easy“. Im Einstiegsteil bietet sie des Weiteren Kombinationsmöglichkeiten ...

Mit ihrer persönlichen Geschichte über den eigenen Umstieg auf anti-entzündliche Ernährung beginnt Shabnam Rebo ihr Kochbuch „Healing Kitchen - Quick & Easy“. Im Einstiegsteil bietet sie des Weiteren Kombinationsmöglichkeiten für die einzelnen Gerichte zur Vorbereitung oder Resteverwertung an.
Die achtzig Rezepte werden eingeteilt nach Basics, Frühstück & Brunch, Für jeden Tag, Comfort Food und Sweets. „Zu jedem Rezept findest du einen Tipp, der den gesundheitlichen Nutzen der Zutaten kurz und knapp erklärt.“ Außerdem gibt als Appetithäppchen immer eine kleine Botschaft der Köchin, die beispielsweise zu Alternativen anregt. Die weitere Formulierung ist dann sachlich gehalten.
Mir gefällt die Vielfalt der veganen Gerichte - da trifft Italien auf Marokko oder Persien, und auch ganz Bodenständiges, wie eine Erbsenstulle, ist dabei. Das Kochbuch ist ansprechend mit ganzseitigen Fotos gestaltet, der Text übersichtlich in Zutaten und Zubereitung aufgeteilt. In der Testküche wurden ein Dattel-Curry-Dip und eine grüne Frühlingsminestrone ausprobiert, was einfach gelang, schmeckte und gut verträglich war.
Aufgefallen ist jedoch, dass den Hinweisen nicht unbedingt intuitiv zu folgen war (Ist nun die rohe oder die gefrorene Variante gemeint, die eine oder die andere Bohnensorte, wenn einfach nur von Bohnen gesprochen wird?). Zudem empfand ich die Mengenangaben als unpraktisch (ich gebrauche ja nicht 80 g Fenchel und lasse den Rest der Knolle übrig); meine Verwendung größerer Mengen und vorwiegend frischer Zutaten hat also zu einem höheren Zeitaufwand geführt als angegeben. Davon lasse ich mich aber nicht abschrecken, denn es lachen mich noch viele Rezepte an, die ausprobiert werden wollen!

Veröffentlicht am 07.07.2024

Schamlos

Schambereich
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„Scham lebt davon, dass wir versuchen, sie weiträumig zu umfahren. Scham ist eine Instanz, deren Macht und Fortbestand von der Angst abhängt, die wir vor ihr haben, von unseren Vermeidungsstrategien, die ...

„Scham lebt davon, dass wir versuchen, sie weiträumig zu umfahren. Scham ist eine Instanz, deren Macht und Fortbestand von der Angst abhängt, die wir vor ihr haben, von unseren Vermeidungsstrategien, die wir pflegen, um uns ihr nicht auszusetzen. Davon zehrt sie.“
Hier soll es um verschiedene Dinge gehen, über die zu reden bei uns ein Schamgefühl verursacht, allen voran um Sex. Und „Frau Koschmieder“, wie sich die Autorin selbst nennt, nimmt kein Blatt vor den Mund, dessen kann man sich gewiss sein.
Das Buch wird mal als Roman, mal als Sachbuch gelistet, je nachdem, wo man schaut. Während sich die Auseinandersetzung mit der Sucht im Vorgänger „Dry“ wie ein Roman las, werden hier zahlreiche Recherche-Ergebnisse und fachliche Referenzen zitiert, die sehr viel mehr nach einem Sachbuch anmuten.
Ebenjene Einschübe verursachten, dass ich mich von der Erzählerin entfernte, während die Entblößung ihres Innersten mich sehr berührte. Dafür musste sie nicht etwa auf sexuelle Spielarten anspielen, sondern nur die alltäglichen Dinge so nachvollziehbar in ihren Bericht einbinden, wie sie es eben tut.
Während das Buch viele Themen beleuchtet, von Pornographie übers Kinderkriegen bis hin zu Feminismus, habe ich mir eigentlich mehr die persönliche Betrachtung gewünscht und bin deshalb ein kleines bisschen enttäuscht von diesem Buch.

Veröffentlicht am 18.06.2024

Der Verlust der Unschuld

Ich stelle mich schlafend
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Yasemin verliebt sich als Teenager in Vito, der auch Jahrzehnte später noch eine große Anziehung auf sie auswirkt. Dazwischen ist sie in Behandlung einer körperlichen Fehlstellung nach einem Sturz vom ...

Yasemin verliebt sich als Teenager in Vito, der auch Jahrzehnte später noch eine große Anziehung auf sie auswirkt. Dazwischen ist sie in Behandlung einer körperlichen Fehlstellung nach einem Sturz vom Pferd und baut sich ihr eigenes Leben auf.
Mir gefiel die Darstellung kindlicher Fantasie, die Yasemin beim Spielen mit der Freundin oder beim Heraufbeschwören des Geliebten an den Tag legt. Und ich habe einige Stellen markiert, die mich durch eine poetische Sprache oder ihre humorvolle Art begeisterten.
Doch in erster Linie geht es in diesem Buch um Scham nach dem Verlust ihrer Unschuld, um ein Minderwertigkeitsgefühl der Protagonistin nach dem Missbrauch durch andere. „War Yasemins Wille gebrochen oder nur gebeugt? Eine Mikrowellenstrahlung, die in ihr Leben hineinragte wie der Nachhall eines Urknalls.“
So wichtig ich dieses Thema empfinde, so unzufrieden macht mich die Umsetzung in diesem Buch. Ich habe mir eine Reaktion gewünscht, zu sehen, wie sich Yasemin in ihrem Leben weiterentwickelt. Stattdessen gibt es unzählige Exkurse, die von den Gefühlen der Hauptfigur ablenken. So fehlt mir der Nachhall, der diesen Roman für mich zu einem besonderen machen würde.

Veröffentlicht am 10.06.2024

Hin und weg

Man sieht sich
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Friederika, kurz Frie genannt, und Robert sind seit Schulzeiten befreundet. Während ihrer Begegnungen in den darauffolgenden dreißig Jahren fragen sie sich immer wieder, ob da mehr sein könnte.
Jede der ...

Friederika, kurz Frie genannt, und Robert sind seit Schulzeiten befreundet. Während ihrer Begegnungen in den darauffolgenden dreißig Jahren fragen sie sich immer wieder, ob da mehr sein könnte.
Jede der beiden Figuren erhält ihre eigene Stimme, mit der wir sie durch ihren Handlungsstrang begleiten. Wir sehen die beiden in Momentaufnahmen, durch die wir sie durchaus gut kennenlernen mit ihren Träumen und Problemen, in ihren Beziehungen und beim Umgang miteinander.
„In der Mitte zwischen den Schlüsselbeinen hat sie eine ausgeprägte Vertiefung, auf die sie stolz ist seit jenem Frühsommerabend vor hunderttausend Jahren, in der Robert plötzlich den Arm nach ihr ausgestreckt und sie berührt hat, nachdem sie in Pottloch baden waren.“
Der Roman ist lesenswert, weil er authentisch die verschiedenen Lebensphasen beleuchtet, weil er liebenswerte Charaktere bei ihrer Entwicklung begleitet, weil der passende Ton für eine ansprechende Lektüre gewählt wurde.

Veröffentlicht am 25.05.2024

Orte und Worte

An einem anderen Ort
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„An einem anderen Ort“ ist die Autorin schon, weil sie ihr Heimatland (die damalige Tschechoslowakei) verlassen hat und nun in Österreich lebt. Darüber hinaus kommt sie viel herum in der Welt. Zdenka Beckers ...

„An einem anderen Ort“ ist die Autorin schon, weil sie ihr Heimatland (die damalige Tschechoslowakei) verlassen hat und nun in Österreich lebt. Darüber hinaus kommt sie viel herum in der Welt. Zdenka Beckers Essays handeln vom Aufbrechen und Ankommen, vom Reisen und Verweilen, vom Zuhören und Kommunizieren.
Das Buch bietet einen bunten Blumenstrauß an Episoden aus vergangenen Zeiten, alltäglichen Begegnungen und Situationen aus dem Schriftstellerleben. So lese ich gespannt von verbotenen Treffen zwischen Slowaken und Österreichern „vor vielen Jahren“, von Gesprächen mit Mitreisenden im Flugzeug oder Lesungen in Asien und der Anpassung an lokale Gegebenheiten.
Die Autorin versteht es, mich mit ihrer Weltoffenheit und Beobachtungsgabe mitzureißen. „Ich schreibe in einer fremden Sprache, die für mich zur zweiten Haut geworden ist. Gern spiele ich mit neuen Worten, verleihe ihnen Eigenschaften, entlocke Gefühle. Ich spaziere durch die Sprachen und erlebe Geschichten, ernste und lustige Geschichten, die mich vereinnahmen.“ Ihre Begeisterung für Sprache ist dem Text und den Wortspielen anzumerken und tut ihr Übriges, um mich für dieses Buch brennen zu lassen. Es ist zudem hochwertig verarbeitet und mit Fotografien von Nikolaus Korab angereichert, die das Gefühl vermitteln, mittendrin zu sein „an einem anderen Ort“.