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Veröffentlicht am 18.12.2024

Nur für Hartgesottene

Über dem Tal
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Wer das wunderschöne Buchcover von "Über dem Tal" sieht, stellt sich vielleicht ein nettes, idyllisches, angenehm zu lesendes Buch vor. Hier vorab eine Warnung: dem ist nicht so. Dieses Buch trieft vor ...

Wer das wunderschöne Buchcover von "Über dem Tal" sieht, stellt sich vielleicht ein nettes, idyllisches, angenehm zu lesendes Buch vor. Hier vorab eine Warnung: dem ist nicht so. Dieses Buch trieft vor Gewalt gegenüber Tieren und Menschen, und ist definitiv nur für Hartgesottene etwas.

Sprachlich kann der Autor durchaus etwas und mit Feingefühl und Poetik zeigt er das Leben zutiefst verzweifelter und abgebrühter Menschen, die mit Schafen arbeiten und denen nach der behördlich angeordneten Keulung ihrer Schafherden aufgrund der Maulen- und Klauenseuche in den 00er-Jahren einfach mal so ihr Lebensinhalt und ihre Existenzgrundlage genommen werden. Finanzielle Entschädigungen gibt es, aber die machen das entstandene Leid wohl nicht wett... wütend und verzweifelt zerreißt einer der Bauern die entsprechenden Antragsformulare.

Die Keulung, also massenhafte Tötung, aller Schafe in einem angeordneten Umkreis ist etwas, was wir nicht nur abstrakt hören, sondern miterleben, mitfühlen, mitriechen, mitleiden... schon in den ersten Kapiteln wird das detailliertest geschildert, in einer Form, die sehr starke Bilder im Kopf erzeugt und für das Thema sensibilisiert. Sehr schwierig zu lesen für alle, die auch nur ein bisschen Mitgefühl mit Tieren haben.

Und dann geht es um die Menschen und die Bewältigung der Krise und hier wird das Ganze unrealistisch bis surreal und der in der bäuerlichen Landschaft angesiedelte Roman geht in einen Banditenroman über: der angekündigte Diebstahl einer fremden Schafherde ist nur der Anfang einer Spirale immer weiter zunehmender Verwahrlosung und Gewalt, die auch vor Folter und Mord nicht zurückschreckt. Hier wurden Geister gerufen, die man nicht mehr los wird.

Ob der Roman eine klare Botschaft hat, weiß ich nicht. Mir erschließt sie sich nicht, auch wenn er mich auf vielen Ebenen zum Nachdenken anregt, z.B. über unseren Umgang mit Tieren und Landwirtschaft und darüber, ob ein Unrecht manchmal zwangsläufig das andere nach sich zieht.

Schwierig war für mich, neben der überbordenden Gewalt, die sich durch den ganzen Roman zieht, dass mir keiner der Charaktere emotional wirklich nahe gekommen ist, ich mit keinem von ihnen mitfühlen konnte und mir auch ihre Motive weitgehend im Unklaren blieben. Emotional am stärksten berührt haben mich die Schafe und ihr Schicksal, ihnen gilt auch mein größtes Mitgefühl in diesem Roman.

Menschen, denen ich dieses Buch empfehlen würde, kenne ich nicht. Dennoch lässt sich bestimmt auf einigen Ebenen etwas daraus lernen, wenn man bereit ist, sich auf dieses harte Buch einzulassen.

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Veröffentlicht am 10.12.2024

Sehr süß und absolut treffend

Widder Willi will aber!
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Nachdem das "Neinhorn" - ein Buch zu einem ähnlichen Thema - uns schon ein bisschen langweilig geworden war, war ich auf der Suche nach einem neuen lustigen und kindgerechten Buch zum Thema Autonomiephase ...

Nachdem das "Neinhorn" - ein Buch zu einem ähnlichen Thema - uns schon ein bisschen langweilig geworden war, war ich auf der Suche nach einem neuen lustigen und kindgerechten Buch zum Thema Autonomiephase für meine kleine Tochter. Schon der Titel "Widder Willi will aber!" hat mich schmunzeln lassen - genau diese Worte bringen es auf den Punkt.

Ich öffne das Buch und entdecke lauter entzückend gezeichnete Widder inmitten ihrer Schafherde. Dazu die Beschreibung: "Widder Willi lebt glücklich und zufrieden inmitten seiner Schafherde" - und ein unzufrieden schauender Widder Willi mit Sprechblase dazu: "Das stimmt überhaupt nicht!". Schon da bringt das Buch Eltern zum Lachen, die diese schwierige Phase ihres Kindes hier treffend widergespiegelt finden.

Aber auch für Kinder, die eigentliche Zielgruppe, ist es ein absolut entzückendes Buch und sehr kindgerecht für die Altersgruppe der 3- bis 5-jährigen mit vielen ansprechenden Illustrationen und nur kurzen begleitenden Texten. Widder Willi kann eine wichtige Identifikationsfigur für die Kinder sein, und das Buch zeigt auch Verständnis dafür, wie es sich für ihn aus der Innenperspektive anfühlt und was für Stürme in ihm toben können.

Witzig auch der Widderonkel, der Willi und seinem neu gefundenen Steinbockfreund vorschlägt, sie sollten mal über ihren Schatten springen - eine Metapher, die Kinder so noch nicht verstehen, die die beiden Böcklein dann aber wörtlich nehmen und dabei viel Spaß haben. Insgesamt ein abwechslungsreiches, wunderschön gezeichnetes und lustiges Buch, das uns sicher noch an vielen Vorleseabenden begleiten wird!

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Veröffentlicht am 10.12.2024

Hat mich von Anfang an gepackt

22 Bahnen
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Dieses Buch hat mich gleich gepackt - wir sind im Kopf der begabten, verantwortungsbewussten Tilda, die versucht, ihr Mathematikstudium mit ihrem Nebenjob an der Supermarktkasse und der Verantwortung für ...

Dieses Buch hat mich gleich gepackt - wir sind im Kopf der begabten, verantwortungsbewussten Tilda, die versucht, ihr Mathematikstudium mit ihrem Nebenjob an der Supermarktkasse und der Verantwortung für ihre kleine Schwester und ihre alkoholkranke Mutter zu verbinden... und zur Entspannung schwimmen geht. Es ist nicht hohe Literatur, es ist ein Unterhaltungsbuch, und das merkt man an einigen Stellen... trotz der schwierigen Thematik mit dem Alkoholismus gibt es viel Leichtigkeit in dem Buch und eine Romanze mit einem prototypischen erfolgreichen Mann. Und doch liest es sich leicht, locker, angenehm, mit einem ganz besonderen Schreibstil. Ein gutes Buch zur Entspannung und Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 10.12.2024

Mitreißend und spannend

The Girl Before - Sie war wie du. Und jetzt ist sie tot.
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Auf dem schwierigen Londoner Mietmarkt findet sich nicht leicht etwas Erschwingliches, in dem man angenehm leben kann. Umso erstaunlicher, dass es ein hochmodernes, wunderschönes Haus gibt, mit allen Annehmlichkeiten ...

Auf dem schwierigen Londoner Mietmarkt findet sich nicht leicht etwas Erschwingliches, in dem man angenehm leben kann. Umso erstaunlicher, dass es ein hochmodernes, wunderschönes Haus gibt, mit allen Annehmlichkeiten ausgestattet, in dem man zu einer günstigen Miete leben kann. Wenn der Vermieter einen auswählt, was gar nicht so leicht ist. Und doch, Jane darf dort leben... doch irgendwas stimmt nicht. Bald erfährt sie, dass ihre Vormieterin in dem Haus gestorben ist und dass diese ihr auf unheimliche Weise ähnlich war. Es wird immer unheimlicher... und die Geschichte dahinter ist nicht so vorhersehbar wie gedacht, es gibt mehrere Kandidaten, die der Mörder sein könnten, und es bleibt bis zum Schluss spannend, so wie man es sich von einem guten Thriller erwartet - Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 10.12.2024

Ein zeitloser Klassiker, der auch heute noch sehr nachdenklich macht

Wer die Nachtigall stört ...
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Gibt es Gerechtigkeit? Wie können wir uns für eine gerechtere Gesellschaft einsetzen? Diese Frage hat die Menschheit wohl schon zu vielen Zeiten beschäftigt, damals wie früher. Die hochbegabte Volksschülerin ...

Gibt es Gerechtigkeit? Wie können wir uns für eine gerechtere Gesellschaft einsetzen? Diese Frage hat die Menschheit wohl schon zu vielen Zeiten beschäftigt, damals wie früher. Die hochbegabte Volksschülerin Scout und ihr Bruder, leben gemeinsam mit ihrem Vater, dem Anwalt Atticus, in den Südstaaten der USA. In einer Zeit, in der Schwarze, die eines Verbrechens beschuldigt werden, zwar ein Gerichtsverfahren bekommen, aber kaum Chance auf einen fairen Ausgang desselben haben. In dieser Zeit setzt Atticus sich leidenschaftlich für Gerechtigkeit für einen jungen Schwarzen ein, der zu Unrecht beschuldigt wurde, und nimmt dabei viele Nachteile für sich und seine Familie in Kauf.

Durch die Augen des hochbegabten Mädchens erleben wir die damalige Gesellschaft, die bestehenden Vorurteile und den Gerichtsprozess mit. Eine mitreißende Perspektive, und ein Buch, das sich ausführlich Zeit für Details nimmt, um uns zum Nachdenken anzuregen. Ein Buch, das lange nachhallt, und zu Recht seit Jahrzehnten ein Klassiker.

Schade finde ich einzig, dass "Mockingbird" mit Nachtigall übersetzt wurde, was eindeutig ein ganz anderer Vogel ist, und wodurch auch manche Bezüge im Buch nicht mehr so klar sind wie im Original. Diese Wahl des Titels ist aber wohl historischen Gründen zuzuschreiben und ich verstehe die Entscheidung des Verlags, den Titel nicht nach Jahrzehnten zu ändern.

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