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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.08.2024

Sehr wichtiges und aktuelles Thema - Buch leider unzureichend lektoriert

Leading Mothers: Warum sich gerade Mütter eine Führungsposition zutrauen können
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Ich habe mich sehr darüber gefreut, als ich erfahren habe, dass zu so einem wichtigen und längst überfälligen Thema ein Buch erschienen ist. Ein Buch, das zeigt, wie Kompetenzen, die Frauen in der Mutterschaft ...

Ich habe mich sehr darüber gefreut, als ich erfahren habe, dass zu so einem wichtigen und längst überfälligen Thema ein Buch erschienen ist. Ein Buch, das zeigt, wie Kompetenzen, die Frauen in der Mutterschaft erwerben können, aufs Berufsleben und insbesondere auch auf eine Führungsrolle umgelegt werden können.

Das Buch von Anette Lippert ist ein wichtiger erster Schritt in diese Richtung. Anhand von der persönlichen Erfahrung der Autorin sowie Interviews mit anderen Müttern in Führungspositionen legt sie dar, wie durch Kindererziehung Skills in den Bereichen Projektmanagement, Empathie, Resilienz, Weiterentwicklung und Vision entwickelt werden können - und wie diese Skills professionell so kommuniziert werden können, dass sie von der Berufswelt auch verstanden werden.

Damit inspiriert das Buch dazu, die eigene Mutterschaft mit neuen Augen zu betrachten und auch selbst weiter zu überlegen, welche Skills man dabei tagtäglich übt und wie diese beruflich einsetzbar und kommunizierbar sein könnten.

Ginge es nur um die Relevanz des Themas und den Mut, sich endlich dafür einzusetzen, würde ich dem Buch volle fünf Sterne geben.

Leider wurde aber offensichtlich ausgerechnet beim Lektorat gespart: stellenweise wimmelt das Buch nur so von Rechtschreibfehlern. Begriffe wurden falsch oder unzureichend definiert, z.B. "Empathie bedeutet, alle mit Respekt zu behandeln" (das ist ein Aspekt, aber nicht die Definition von Empathie).

Auch hätten dem Buch einige wissenschaftliche Belege und Zitate anstelle streckenweise sehr plakativer persönlicher Meinungen (z.B. dazu, dass Kinder grundsätzlich keine Lust hätten, sich anzustrengen, wenn man sie nicht dazu bringt, was in so pauschaler Form wissenschaftlich nicht belegbar ist und auf ein fragwürdiges Menschen- und Kinderbild hindeutet) gut getan.

Diese teilweise sehr subjektiven Darstellungen kombiniert mit den Rechtschreibfehlern machen das Buch deutlich unglaubwürdiger und die gute Botschaft fast zunichte - schade darum.

Ich wünsche dem Buch eine neue Auflage mit einem sorgfältigeren Lektorat, das diese Dinge berücksichtigt.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Ein ehrliches Buch einer mutigen Frau über die notwendigen Veränderungen in der Geburtshilfe

Ich, Hebamme, Mittäterin
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Schon als kleines Kind wünscht sich Eva Placzek - inspiriert durch die positiven Berichte der Mutter über ihre Erfahrung mit ihrer Hebamme - einmal Hebamme zu werden, und beginnt dann als junge Frau tatsächlich ...

Schon als kleines Kind wünscht sich Eva Placzek - inspiriert durch die positiven Berichte der Mutter über ihre Erfahrung mit ihrer Hebamme - einmal Hebamme zu werden, und beginnt dann als junge Frau tatsächlich auch diese Ausbildung.

Schnell wird sie verzweifelt und desillusioniert, es ist unglaublich, von welcher Gleichgültigkeit bis Boshaftigkeit sie berichtet, die sie in diesem System erlebt. Wie ältere Hebammen davon sprechen, dass es nötig sei junge Hebammenschülerinnen zu "brechen". Wie Empathie und Mitgefühl als Schwächen angesehen werden, die es auszutreiben gilt und die man auf keinen Fall zeigen darf (Aussage: "Hebammen sind nicht zum Kuscheln da"). Und wie sie selbst als Hebammenschülerin zur Mittäterin physischer Gewalt an Gebärenden gemacht wird (z.B. schmerzhafte vaginale Untersuchungen mitten in der Wehe, ohne medizinische Notwendigkeit, und während die Gebärende "Nein" schreit).

Es ist nicht mein erstes Buch zu dem Thema. Seit ich selbst Mama geworden bin und selbst die Bedingungen im Spital absolut schrecklich erlebt habe, beschäftige ich mich viel mit dem Thema Geburt. Und doch ist es noch einmal anders erschütternd, diese Seite des Geschehens zu lesen und zu begreifen, dass diese schrecklichen Zustände und die so weite Verbreitung von nicht nur Empathielosigkeit und Gleichgültigkeit, sondern regelrechter Gewalt unter der Geburt nicht nur ein Zufallsprodukt der Unterfinanzierung der Spitäler sind, sondern die Hebammenschülerinnen regelrecht in diese Richtung trainiert werden.

Hier liegt ganz viel im Argen in der Geburtshilfe und ich frage mich, wie viele mutige Bücher, Artikel, Podcasts, Zeitungsberichte usw. es noch braucht, damit es hier endlich zu einem großen gesellschaftlichen Aufschrei kommt, der nachhaltig etwas ändert. Es sind unsere Kinder, die unter diesen unwürdigen Bedingungen geboren werden, und wir Frauen, die dabei traumatisiert werden! Mit allen schrecklichen Langzeitwirkungen, z.B. vermehrtem Auftreten von postpartalen Depressionen, Bindungsprobleme zwischen Mutter und Kind, Partnerschaftsprobleme und Verzicht auf weitere Kinder.

Eva Placzek ist mutig ihren Weg gegangen... hat die Ausbildung erst einmal unterbrochen und sich in anderen Bereichen weitergebildet, und später dann bei einem bewusst gewählten, anderen Anbieter fortgesetzt und abgeschlossen. Nun setzt sie sich auch medial für mehr Bewusstsein für die dringend nötigen Verbesserungen in der Geburtshilfe ein, vielen Dank dafür! Möge der gute Wandel bald beginnen und mögen bald alle Frauen die Möglichkeit haben, ihre Kinder in einer angenehmen Atmosphäre mit der Unterstützung durch freundliche, einfühlsame Menschen zur Welt sicher zur Welt zu bringen.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Optimistisch, inspirierend, generationenverbindend!

Du bist mehr als eine Zahl
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"Du bist mehr als eine Zahl" von Irène Kilubi ist ein Sachbuch, das ich so richtig verschlungen habe. Es liest sich locker-flockig-angenehm und ist gleichzeitig tiefgründig, professionell und sehr spannend! ...

"Du bist mehr als eine Zahl" von Irène Kilubi ist ein Sachbuch, das ich so richtig verschlungen habe. Es liest sich locker-flockig-angenehm und ist gleichzeitig tiefgründig, professionell und sehr spannend!

Es hat mich von der ersten Seite an mit seiner optimistischen, inspirierenden Botschaft angesteckt. Frau Kilubi hat als Kind aus einer Familie mit Fluchterfahrung schon früh sehr viel Verantwortung übernehmen müssen, so hat sie z.B. schon als Volksschülerin ihre Mutter mit Übersetzungstätigkeiten im Umgang mit Behörden oder Ärzten unterstützt. Dadurch hat sie schon früh die notwendigen Skills entwickelt, um dann als junge Erwachsene schon in ihren 20ern sehr verantwortungsvolle Positionen in großen Unternehmen übernehmen zu können - und ist genau da mit dem Thema konfrontiert worden, dass ihr aufgrund ihres jungen Alters erst einmal nicht von allen so viel zugetraut wurde und sie sich mehr beweisen musste als andere.

Auch von Diskriminierungserfahrungen auf ihrem Weg hat sie sich schon als Kind nicht unterkriegen lassen und hat beispielsweise als Zehnjährige nach einer ersten diskriminierungsbedingten Abweisung selbständig und ohne ihre Mutter den Direktor eines zweiten Gymnasiums besucht und überzeugt, sie in die Schule aufzunehmen. Hut ab vor dieser Resilienz und diesem Glauben an sich selbst und die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten!

Vor diesem Hintergrund setzt sich Frau Kilubi mit Leidenschaft und Herzblut für ihr Anliegen ein: dass es auch gesellschaftlich und in Unternehmen und Institutionen wichtig sei, Menschen nicht nur aufgrund ihres Alters zu beurteilen, sondern den ganzen Menschen zu betrachten, mit all seinem Potential. Dabei gelingt es ihr hervorragend, den Spagat zwischen Berücksichtigung der Individualität jedes Einzelnen und trotzdem Sensibilisierung für die möglichen Gemeinsamkeiten einer Generation zu schaffen und damit beide Seiten zu verbinden.

Gleichzeitig regt sie auch im Buch durch Fragen und praktische Übungen immer wieder zur Reflexion der eigenen Glaubenssätze an, z.B.: Wenn viele Medien auf einmal eingesetzt und schnell zwischen diesen gewechselt wird und sich jemand davon überfordert fühlt, muss das zwangsläufig mit dem Alter der Person zu tun haben? Vielleicht fühlen sich ja viele, und auch jüngere, davon überfordert?

Frau Kilubis persönliche Gedanken werden professionell durch die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien, Stimmen aus ihrer Community, Fallbeispiele und Anregungen für praktische Übungen und innovative Konzepte ergänzt (z.B. Reverse Mentoring - auch Jüngere können Mentor*innen für Ältere sein, speziell in den Bereichen, in denen sie ihnen individuell voraus sind).

Das Buch ist für alle empfehlenswert, die sich differenziert mit den Themen Individualität und individuelle Potentiale, Altersgruppen und -generationen, Altersdiskriminierung und Generationentraining auseinandersetzen möchten und die sich für einen weiten, vielfältigen Blickwinkel auf das Thema interessieren.

Ganz besonders möchte ich das Buch allen ans Herz legen, die beruflich mit diesen Themen zu tun haben, etwa im Personalbereich, denn es sensibilisiert nicht nur für das Thema, sondern enthält auch viele praktische Anregungen, die im Unternehmensumfeld ausprobiert oder umgesetzt werden können, z.B. zu den Themen Jobcrafting, Shadow Board, Mentoring & Reverse Mentoring, Appreciation of Wisdom, neue Arbeitsmodelle, Werte und vieles mehr.

Im Sinne der Inklusion aller - auch derer, denen die verwendeten Generationsbezeichnungen sowie die modernen, englischen Fachbegriffe zu dem Thema noch nicht so geläufig sind - enthält das Buch außerdem am Ende eine Beschreibung der typischen Merkmale der beschriebenen Generationen sowie ein umfangreiches Glossar.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

100 Jahre im Leben einer Frau in Chile

Violeta
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"Violeta" war mein zweites Buch von Isabel Allende. Davor hatte ich schon "Das Geisterhaus" gelesen und großartig gefunden, das legt die Maßstäbe hoch an. Erzählen kann Isabel Allende, ihre Geschichten ...

"Violeta" war mein zweites Buch von Isabel Allende. Davor hatte ich schon "Das Geisterhaus" gelesen und großartig gefunden, das legt die Maßstäbe hoch an. Erzählen kann Isabel Allende, ihre Geschichten sind interessant und die Figuren vielschichtig gezeichnet. Das Buch liest sich grundsätzlich flüssig und es war eine interessante Lebensgeschichte. Anhand von Violetas Lebensgeschichte und der Geschichten ihrer Angehörigen werden diverse historische Entwicklungen des Chiles der letzten 100 Jahre (angefangen von der Spanischen Grippe über die Wirtschaftskrise Ende der 1920er über den Militärputsch und schließlich die Rückkehr zur Demokratie bis zur Coronapandemie 100 Jahre später) lebendig.

Als ich in das Buch einmal hineingefunden hatte, habe ich es gerne gelesen... das hat allerdings gut 80 bis 100 Seiten gedauert. Am Anfang hat mich das Buch nicht sonderlich gefesselt, deutlich weniger als "Das Geisterhaus" und weniger als viele andere Bücher, die ich sonst lese... ich glaube, es war zu beschreibend und hatte zu wenig Spannungsbogen. Das wurde im Verlauf des Buches dann aber besser.

Insgesamt ein empfehlenswertes Buch für alle, die sich für chilenische Geschichte interessieren und diese gerne locker in Romanform nahe gebracht bekommen möchten... also unterhalten und dabei etwas lernen möchten. Grundsätzlich guter Erzählstil, allerdings speziell im ersten Teil des Buches noch etwas ausbaufähig, deshalb nur vier von fünf Sternen.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Die Welt der ultraorthodoxen Juden in London - einfühlsam, klug und aus verschiedenen Perspektiven nahe gebracht

Die Hoffnung der Chani Kaufman
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Dieses Buch und sein Vorgängerband "Die Hochzeit der Chani Kaufman" (die beiden können grundsätzlich auch unabhängig voneinander gelesen werden, dennoch empfehle ich, mit dem ersten Band zu beginnen, um ...

Dieses Buch und sein Vorgängerband "Die Hochzeit der Chani Kaufman" (die beiden können grundsätzlich auch unabhängig voneinander gelesen werden, dennoch empfehle ich, mit dem ersten Band zu beginnen, um die ganze Geschichte in chronologischer Reihenfolge genießen zu können) sind sicher zwei der besten Romane, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.

Die beiden Bücher bieten Einblick in verschiedene Leben in einer ganz spezifischen Welt (die chassidischen Juden in London) und sind sehr interessant, empathisch und humorvoll geschrieben, von einer Autorin, die diese Welt als Lehrerin gut kennen gelernt hat.

Es geht bei weitem nicht nur um Chanis Hochzeit bzw. Kinderwunschzeit selbst, sondern auch um die Geschehnisse davor und um die Leben weiterer Personen.

Das Buch ist aus den Perspektiven verschiedenster darin vorkommender Figuren geschrieben, die alle detailgenau ausgearbeitet und authentisch sind. Es liest sich leicht, locker und angenehm und gleichzeitig nimmt man dabei eine Menge mit... ich mochte besonders die Perspektivenvielfalt und dass das Buch mich dabei begleitet hat, die Motive und Perspektiven ganz verschiedener Menschen innerhalb dieser Community nachfühlen zu können.

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