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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.05.2025

Stilistisch hervorragend

Die Schrecken der anderen
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Die Schrecken der Anderen von Martina Clavadetscher ist ein Roman, den man sich erarbeiten muss, der aber dafür umso eindringlicher die wichtigen Themen behandelt.
Es geht um ein Dorf in der Schweiz, in ...

Die Schrecken der Anderen von Martina Clavadetscher ist ein Roman, den man sich erarbeiten muss, der aber dafür umso eindringlicher die wichtigen Themen behandelt.
Es geht um ein Dorf in der Schweiz, in dem mehrere Erzählstränge zunächst scheinbar unverbunden nebeneinanderher laufen. Irgendwann wird klar, dass sie sich auf verschiedenen Zeitebenen abspielen und vielleicht doch nicht so unverbunden sind wie gedacht. Spiralförmig nähern sich die Erzählungen immer mehr einem Zentrum, das tiefer und verwobener ist als man es anfangs für möglich gehalten hat. Manche Sachverhalte werden klarer, andere in Frage gestellt und es werden Hypothesen aufgestellt und dann doch wieder verworfen. Ein Roman, der die Lesenden aktiv mit einbezieht, die die Leerstellen im Sinne Isers füllen müssen (in einer Art Metareflexion stellt dies auch eine der Figuren fest) und so unheimlich tief in das Geschehen eintauchen.
Das wird unterstützt durch den Schreibstil der Autorin: der Erzähler tritt oft in den Hintergrund und präsentiert das Geschehen sehr szenisch – ich kann es mir so gut als Film vorstellen! Dazu kommen Tempuswechsel, treibende Endlossätze (die jedoch den Lesefluss keineswegs hindern) und semantische Übertragungen, die Verbindungen herstellen, ohne sie auch nur ansatzweise anzusprechen – überaus gelungen!
Inhaltlich finden sich einige wichtige Themen, aber ich will dazu gar nichts weiter sagen, da diese nicht alle auf den ersten Blick ersichtlich sind und ich hier nichts vorwegnehmen möchte.
Schade, dass im Lektorat ein paar sprachliche Fehler übersehen wurden, aber dem Roman selbst soll dies nicht angelastet werden. Den Verzicht auf Anführungszeichen bei direkter Rede finde ich furchtbar (aber das scheint gerade en vogue zu sein) und es trägt hier auch nichts inhaltlich bei, sodass ich diese Wahl nicht verstehe.
Fazit: Mir hat die Geschichte sehr gefallen, auch wenn es ein bisschen gedauert hat, bis ich drin war. Doch dann hat sich die ganze Arbeit gelohnt! Ein Roman, auf den man sich einlassen muss, der einem aber so viel zurückgibt.
4,5/5

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Veröffentlicht am 27.05.2025

Leider etwas zu wirr

Wo wir uns treffen
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Wo wir uns treffen von Anna Hope, übersetzt von Ulrike Kretschmer, ist ein Roman über eine britische Familie und deren koloniale Vergangenheit.
Nach dem Tod des Familienoberhaupts versammeln sich dessen ...

Wo wir uns treffen von Anna Hope, übersetzt von Ulrike Kretschmer, ist ein Roman über eine britische Familie und deren koloniale Vergangenheit.
Nach dem Tod des Familienoberhaupts versammeln sich dessen Witwe und Kinder und diverse andere Personen, die der Familie in der ein oder anderen Weise nahestehen, zur Beerdigung und um darüber zu sprechen, wie es mit dem Familienbesitz nun weitergehen soll. Natürlich hat jede:r eine eigene Meinung, eine eigene Hintergrundgeschichte und nicht selten auch ein eigenes Geheimnis.
Die Fülle der Personen hat es mir sehr schwer gemacht, in die Geschichte zu finden. Einige von ihnen konnte ich recht lange nicht auseinanderhalten und viele blieben bis zum Ende blass. Dadurch habe ich leider auch keine emotionale Verbindung zum Buch aufbauen können – dabei hatte ich mir das sehr gewünscht, denn das Thema an sich ist unheimlich spannend. Als dann auch noch ziemliche Längen dazukamen, habe ich ehrlich kurz überlegt, das Buch abzubrechen. Weil mich die Auflösung des Plots dann aber dennoch interessiert hat, habe ich mich bis zum Ende „durchgekämpft“ und wurde ein wenig versöhnt. Wer sich für das postkoloniale Erbe Großbritanniens interessiert, findet hier einen interessanten Aspekt auf „individueller“ Ebene (das Ganze ist natürlich immer strukturell und politisch bedingt).
Dennoch kann ich das Buch nicht empfehlen: zu lang, zu distanziert und trotz des wichtigen Themas zu wenig fesselnd. Schade.

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Veröffentlicht am 25.05.2025

Schöne Streichgeschichten

Das Übelchen zieht ein ... und aus und wieder ein
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Das Übelchen von Jan Strathmann und Dominik Rupp (Ill.) ist ein lustiges Kinderbuch, das sich gut zum Vorlesen eignet.
Das Übelchen ist ein kleines Wesen, das sich weiterentwickelt, indem es anderen Leuten ...

Das Übelchen von Jan Strathmann und Dominik Rupp (Ill.) ist ein lustiges Kinderbuch, das sich gut zum Vorlesen eignet.
Das Übelchen ist ein kleines Wesen, das sich weiterentwickelt, indem es anderen Leuten Streiche spielt. Im Laufe der Geschichten denkt es sich dazu unterschiedlichste Dinge aus und merkt aber auch, dass es manchmal auch schön sein kann, Menschen zu helfen, statt ihnen Streiche zu spielen. So wichtig diese Entwicklung auch ist, ist sie für mich im Buch leider nicht ganz rund (soll das Übelchen nun einfach nicht mehr weiter wachsen?).
Meinem Sohn hat das Buch gut gefallen und er hat an einigen Stellen laut gelacht. (Leider hat er sich dann das Übelchen zum Vorbild genommen und ist einige Zeit lang schnipsend durch die Gegend gelaufen… ). Für ihn hätte es eine Prise mehr Abenteuer sein dürfen, aber das ist ja von Kind zu Kind sehr unterschiedlich und soll hier keine Kritik am Buch sein. Die Figuren sind sehr gut ausgestaltet. Bei meinem Sohn ist besonders das Nachbarshuhn gut angekommen und mir hat gefallen, dass trotz der für die Geschichte gewählten Stereotypisierung auch Graustufen gezeigt wurden und dass Mirandoline dem kleinen Kerlchen mit so viel Wohlwollen begegnet ist.
Die einzelnen Kapitel hatten eine gute Länge zum Vorlesen und die Zeichnungen haben die Geschichte toll unterstützt.
Insgesamt ein schönes Kinderbuch für Fans von z.B. Pumukl und Michel aus Lönneberga.

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Veröffentlicht am 19.05.2025

Gute Geschichte, die den Horizont erweitert

Hello Baby
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Hello Baby, geschrieben von Kim Eui-kyung und übersetzt von Inwon Park, thematisiert künstliche Befruchtung in Südkorea. Dabei geht es nicht nur um die verschiedenen Möglichkeiten, sondern vor allem auch ...

Hello Baby, geschrieben von Kim Eui-kyung und übersetzt von Inwon Park, thematisiert künstliche Befruchtung in Südkorea. Dabei geht es nicht nur um die verschiedenen Möglichkeiten, sondern vor allem auch um die Frauen, die sich diesen Behandlungen unterziehen.
Gemeinsam haben sie vor allem das „fortgeschrittene“ Alter und den Umstand, auf natürlichem Weg nicht schwanger werden zu können. Abgesehen davon könnten die Protagonistinnen jedoch nicht unterschiedlicher sein was familiäres Umfeld, Herkunft, Bildung, Beruf, finanzielle Situation, etc. angeht. Wobei – eine Sache ist doch noch relativ weit verbreitet: die Einmischung der Eltern und vor allem Schwiegereltern und der Druck, den diese auf die Frauen ausüben. Das scheint in Südkorea tatsächlich noch einmal ein ganzes Stück heftiger zu sein als hier bei uns. Klar wünschen sich auch hier viele potenzielle Großeltern Enkelkinder, aber in meinem Umfeld kenne ich zumindest keine Frau, die wöchentlich von ihrer Schwiegermutter telefonisch dazu belästigt wird.
Zum Plot möchte ich gar nicht viel sagen, denn da passt der Klappentext als Orientierung sehr gut. Im Buch begleiten wir mehrere Frauen auf ihrem Weg und kriegen durch den Perspektivwechsel verschiedenste Facetten der Kinderwunschbehandlungen mit: von schmerzhaften medizinischen Aspekten, über die unterschiedlichsten Verhaltensmuster der zugehörigen Partner, bis hin zum gesellschaftlichen und familiären Druck.
Die Frauen stehen zueinander über eine Nachrichtenapp in Kontakt und man spürt richtig, wie wichtig ihnen diese Gruppe ist: nur diejenigen, die selbst die Tortur durchmachen, können das Leiden der jeweils anderen wirklich verstehen und so werden die Frauen einander die wichtigsten Vertrauten, die über alle Aspekte der Situation reden können. Neben dem informativen Gehalt des Buches hat mir der Zusammenhalt unter den Frauen besonders gefallen!
Sprachlich ist das Buch unauffällig (was für eine gute Übersetzung spricht!) und lässt die Geschichte im Vordergrund stehen. So habe ich das Buch ungeplant in einem Rutsch durchgelesen.
Von mir gibt’s eine Empfehlung, vor allem für all diejenigen, die Geschichten über weiblichen Zusammenhalt mögen und auch mal außereuropäische Perspektiven lesen möchten.

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Veröffentlicht am 16.05.2025

Interessante Prämisse, langweilige Umsetzung

Stars
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Stars von Katja Kullmann besticht als erstes durch ein wunderschönes Cover, das mich gleich in seinen Bann gezogen hat. Leider konnte der Inhalt mich dann nicht so ganz überzeugen.
Die Protagonistin ...

Stars von Katja Kullmann besticht als erstes durch ein wunderschönes Cover, das mich gleich in seinen Bann gezogen hat. Leider konnte der Inhalt mich dann nicht so ganz überzeugen.
Die Protagonistin schlägt sich als Teilzeitkraft in einem öden Bürojob durchs Leben und betreibt nebenbei eine Webseite, auf der sie diverse astrologische Serviceleistungen anbietet. Eines Tages fliegt ein Stein durch ihr Fenster und sie findet 10.000 Dollar vor ihrer Tür. Ihr Leben verändert sich daraufhin und sie steigt hauptberuflich ins Horoskop-Business ein.
Was zunächst vielversprechend klingt, zieht sich leider über weite Teile, und die Geschichte bleibt belanglos und plätschert so dahin. Zwischendrin wird uns ein bisschen Philosophie serviert, was sich für mich irgendwie mit den restlichen Inhalten gebissen hat. Ich weiß immer noch nicht, worauf der Roman eigentlich hinaus will und warum so viele Dinge offen gelassen werden und Erzählstränge nicht zu Ende erzählt werden.
Die letzten zwei Seiten fand ich die besten im ganzen Buch und somit bin ich froh, dass ich es nicht abgebrochen habe (ich habe durchaus darüber nachgedacht). Hier versteckt sich meiner Meinung nach auch die Botschaft des Buches, was aber leider insgesamt dann zu wenig ist.
Die Rezensionen, die ich bisher zu diesem Buch gelesen habe, gehen wirklich stark auseinander – lasst euch also von meiner eher mauen Erfahrung nicht davon abhalten, wenn ihr Interesse an dem Buch habt. Und falls ihr es lest (oder schon gelesen habt), lasst mich doch wissen, wie es euch gefallen hat und warum.

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