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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.02.2025

Tolles Mut- und Mitmachbuch

Mach mit, Mausi Maus!
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Mach mit, Mausi Maus! von Simone Sommerland ist ein süßes Mut- und Mitmachbuch für Kinder. Es geht um Mausi Maus, der gerne beim Waldkonzert mitmachen möchte. Zur Vorfreude mischt sich allerdings ...

Mach mit, Mausi Maus! von Simone Sommerland ist ein süßes Mut- und Mitmachbuch für Kinder. Es geht um Mausi Maus, der gerne beim Waldkonzert mitmachen möchte. Zur Vorfreude mischt sich allerdings auch großes Lampenfieber und am Ende ist er kurz davor, zu kneifen. Mit Hilfe seiner Freunde überwindet er dann aber die Angst und erlebt ein wunderbares Konzert.
Schön finde ich, dass hier die Freunde nicht kommen, um ihn zu überreden, sondern einfach wie selbstverständlich davon ausgehen, dass sie alle gemeinsam das Konzert geben. Auch die interaktiven Elemente (die Kinder können beim Vorlesen die Übungen der kleinen Maus mitmachen) sind toll und die wunderschönen Illustrationen runden das Ganze ab.
Lediglich an ein zwei Stellen sind meiner Meinung nach kleine Brüche in der Geschichte, bzw. werden dort Zwischengedanken übersprungen. Aber hier kann man ja zur Not als erwachsene Person beim Vorlesen kreativ werden, falls man das Gefühl hat, das sei nötig.
Insgesamt ein wirklich niedliches Kinderbuch, das Lust auf gemeinsames Musizieren macht.

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Veröffentlicht am 15.02.2025

Spannend und atmosphärisch

Halbe Leben
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Halbe Leben von Susanne Gregor ist wieder so ein Buch, das zunächst unscheinbar daherkommt und dann aber mit jeder Seite an Intensität zulegt. Der Titel hat mich sofort an ein Zitat von Mareice Kaiser ...

Halbe Leben von Susanne Gregor ist wieder so ein Buch, das zunächst unscheinbar daherkommt und dann aber mit jeder Seite an Intensität zulegt. Der Titel hat mich sofort an ein Zitat von Mareice Kaiser erinnert, die in ihrem Buch Das Unwohlsein der modernen Mutter schreibt, sie „möchte nicht überall nur halb sein, sondern ganz“. Und um den Zwiespalt zwischen Familie und beruflichen Verpflichtungen soll es auch hier gehen – wenn auch mit einem etwas anderen Fokus.
In einer Art Rahmenhandlung beginnt es mit einem Sturz, dessen Hintergründe erst am Ende der Geschichte aufgeklärt werden. War es ein Unfall? Absicht? War Paulina beteiligt oder ist Klara ganz alleine gefallen? Was ist direkt davor geschehen? Und wie ist das Verhältnis der beiden Frauen? Die Antworten gibt es erst, nachdem wir die beiden Frauen und ihre jeweiligen Familien ein paar Monate begleitet haben und genügend Chancen hatten, Vermutungen anzustellen und uns über unsere Sympathien klar zu werden.
Paulina zieht bei Klaras Familie als Pflegerin für deren Mutter ein, die nach einem Schlaganfall nicht mehr ohne Hilfe zurechtkommt. Im 14-tägigen Wechsel mit Radek kümmert sie sich um alle Belange der älteren Dame und übernimmt dabei schleichend und stillschweigend immer mehr Pflichten im Haushalt. Die Familie ist begeistert und freut sich über den Glücksgriff, während Paulina hin und her gerissen ist. Ihr Leben teilt sich auf in zwei Hälften, die sich alle zwei Wochen abwechseln: sie ist Mutter zweier Söhne in der slowakischen Heimat oder Pflegerin in Österreich. Beide Situationen beeinflussen sich auf gewisse Weise, doch sie verweben sich nicht zu einem Ganzen, sondern stehen hauptsächlich in Konkurrenz zueinander.
Die Meisterleistung des Buches liegt für mich vor allem in der Atmosphäre. Susanne Gregor schafft es, die Beklemmung und den Druck, der auf Paulina lastet, stetig ansteigen zu lassen, und dies beim Lesen spürbar zu machen. Man fühlt sich ein wenig wie der Frosch im Kochtopf, der erst merkt, dass es zu heiß wird, wenn es zu spät ist. Und wenn es mir beim Lesen schon so geht, wie muss sich dann erst Paulina gefühlt haben, deren Gutmütigkeit und finanzielle Lage von der Familie so schonungslos ausgenutzt wird? Klara und Jakob stellen immer mehr und immer übergriffigere Ansprüche an die Pflegerin, die aufgrund ihrer prekären Verhältnisse kaum eine Chance hat, sich dagegen zu wehren. So geht Machtmissbrauch in gutbürgerlich.
Die Themen Mutterschaft, Klassismus und Ausbeutung werden hier kombiniert zu einer Symphonie, die sich crescendoartig immer weiterschraubt und die Lesenden in ihren Bann zieht. Am Ende bleibt die Ernüchterung, dass zwei halbe Leben eben kein ganzes ergeben. Und eine ganz wunderbare Leseerfahrung. Von mir gibt’s eine klare Empfehlung!

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Veröffentlicht am 10.02.2025

Was für eine Überraschung

Achtzehnter Stock
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Der Roman Achtzehnter Stock von Sara Gmuer ist ein richtig gutes Buch, obwohl es mir nicht gefallen hat. Wie das sein kann?
Die Autorin schafft es, die Protagonistin in all ihren Graustufen zu porträtieren ...

Der Roman Achtzehnter Stock von Sara Gmuer ist ein richtig gutes Buch, obwohl es mir nicht gefallen hat. Wie das sein kann?
Die Autorin schafft es, die Protagonistin in all ihren Graustufen zu porträtieren und bei der Lektüre habe ich eine negative Emotion nach der anderen durchlaufen: Wut, Angst, Trauer, Anspannung, Verzweiflung, … Noch schlimmer war, dass ich oft eine krasse Ambiguität aushalten musste, denn ich konnte die Beweggründe von Wanda verstehen, habe ihr Verhalten aber doch insgeheim verurteilt. Dadurch war mir zum einen die Protagonistin unsympathisch, zum anderen musste ich mich aber auch sehr mit meinen eigenen Vorurteilen und internalisierten Klassismus auseinandersetzen. Und ganz ehrlich – wer macht das schon gern?
Für mich ist es aber genau das, was gute Bücher ausmacht: das Unbequeme, das den Finger in Wunden legt, von denen wir gar nicht wussten, dass wir sie haben. Die Konfrontation mit eigenen Stereotypen, Vorurteilen und Glaubenssätzen. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Privilegien, die dahinter stehen.
Das kann dieses Buch ganz hervorragend. Ebenso wie das Pacing. Durch die kurzen Sätze und den eher schroffen Stil liest es sich wie eine wilde Achterbahnfahrt und bevor man es realisiert, ist man am Ende der Geschichte angekommen. Es gibt keine langweiligen Passagen oder auch nur Momente der Ruhe, alles passiert zack, zack, zack, wie die Schicksalsschläge (und auch das Glück) in Wandas Leben. Am liebsten hätte ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen, und falls ihr mal ein paar Stunden am Stück habt: macht das!
Auch wenn ein paar der anderen Figuren wenig Tiefe haben und doch sehr stereotyp dargestellt sind (was auch Absicht sein mag, denn der Plattenbau bringt eben in den Augen der meisten keine Individuen hervor), wirkt die Geschichte nachhaltig und ich denke immer wieder darüber nach und habe Redebedarf
Wenn ihr das Buch also schon gelesen habt: ich freue mich auf den Austausch mit euch. Und wenn nicht: dann holt das nach, vor allem, wenn ihr keine glattgebügelte Literatur braucht und durchaus auch rotzige Stimmen genießen könnt.

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Veröffentlicht am 29.01.2025

Nicht meins

Only Margo
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Only Margo von Rufi Thorpe (übersetzt von Heike Reissig) handelt davon, wie Margo ihr Leben gestaltet, nachdem sie ungewollt schwanger und vom Vater des Kindes sitzengelassen wird (wie der Klappentext ...

Only Margo von Rufi Thorpe (übersetzt von Heike Reissig) handelt davon, wie Margo ihr Leben gestaltet, nachdem sie ungewollt schwanger und vom Vater des Kindes sitzengelassen wird (wie der Klappentext bereits erwähnt spielt die Plattform OnlyFans dabei eine entscheidende Rolle).
Während ich bei einigen Stellen etwas schmunzeln musste, hat mich der Roman dennoch nicht richtig abgeholt. Eventuell bin ich zu alt, um zur Zielgruppe zu gehören, aber einige der Szenen kamen mir einfach überzogen vor (zum Beispiel das Kennenlernen mit den anderen beiden Frauen und die Interaktion beim Podcast, sowie die Inhalte der geskripteten TikToks). Ebenso war mir der Vater zwar durchaus sympathisch, aber die Wrestling-Inhalte waren mir einfach zu viel. Mit der Vorstellung, vom eigenen Vater bei der Erstellung eines OnlyFans-Profils gecoacht zu werden, bin ich dann auch das gesamte Buch hindurch nicht wirklich warm geworden.
Die Protagonistin ist auf ihre Weise sehr liebenswert dargestellt und mir in vielerlei Hinsicht sympathisch – aber auch hier habe ich wieder den Altersunterschied gemerkt und fand sie unfassbar naiv (was sie selbst ja sogar stellenweise thematisiert). So richtig genervt hat mich dann allerdings der ständige Wechsel der Perspektive, ohne dass ich dabei einen Mehrwert erkannt hätte (ich habe verstanden, warum sie es tut – finde es nur einfach nicht stimmig).
Was mich weiter gestört hat, war, dass die Entwicklungsphasen des Babys oft keinen Sinn ergeben haben. Ein drei Monate altes Baby, das bewusst an einem Strauß Rosen riecht? Ich weiß ja nicht…
Insgesamt kein schlechtes Buch, und eine wichtige Thematik, aber einfach nicht für mich. Klassischer Fall von It’s not you, it’s me.

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Veröffentlicht am 28.01.2025

Positive Überraschung

Von hier aus weiter
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Von hier aus weiter von Susann Pásztor ist ein ganz leiser Roman, der auf den ersten Blick wesentlich unscheinbarer wirkt, als er letztendlich ist. Wir begleiten Marlene in den Wochen nach dem ...

Von hier aus weiter von Susann Pásztor ist ein ganz leiser Roman, der auf den ersten Blick wesentlich unscheinbarer wirkt, als er letztendlich ist. Wir begleiten Marlene in den Wochen nach dem Tod ihres Mannes und lernen sie und die Beweggründe für ihr Handeln dabei immer besser kennen.
Beim Lesen habe ich mir immer wieder gedacht, dass ich das Buch eigentlich schrecklich langweilig finden müsste, aber das tat ich absolut nicht. Ich habe es unheimlich schnell durchgelesen (in mehr oder weniger zwei Happen), denn es ließ sich so locker leicht weg lesen. Und das liegt meiner Meinung nach vor allem an zwei Aspekten:
Zum einen ist die Sprache komplett unauffällig, was ich als sehr angenehm empfunden habe. Die Geschichte steht dadurch im Vordergrund und es wird nicht versucht, durch gekünstelte Formulierungen oder besonders raffinierte Wortwahl den Fokus davon abzulenken.
Zum anderen spielt die Autorin ununterbrochen mit unseren Erwartungen. Sobald wir meinen, die Charaktere zu kennen und ihr Handeln vorhersehen zu können, brechen sie aus dem erwarteten Verhaltensmuster aus und überraschen uns. Dadurch bleibt die Geschichte unberechenbar, obwohl gar nichts wirklich außergewöhnliches passiert. Das hat mich wirklich fasziniert und zeugt von einer Autorin, die ihr Handwerk beherrscht.
Thematisch geht es um Trauerbewältigung, das Älterwerden, Freundschaften, Zufälle und zweite Chancen. Den ein oder anderen Aspekt fand ich etwas überzogen, aber im Großen und Ganzen gelingt hier eine gute Balance zwischen den verschiedenen Themen, ohne dass der Roman überfrachtet wirkt.
Alles in allem eine unaufgeregte, ruhige Geschichte, die dennoch immer wieder zu überraschen vermag und meine Erwartungen tatsächlich übertroffen hat.

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