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Fannie

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Ein liebevoller Fingerzeig auf das, was wirklich wichtig ist im Leben

Jetzt gerade ist alles gut
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Mit seinem Debütroman „25 letzte Sommer“ hat Stephan Schäfer im Frühjahr 2024 die Spiegel-Bestseller-Liste gestürmt. Heute erscheint bei park x ullstein, einem Imprint der Ullstein Buchverlage, ein weiteres ...

Mit seinem Debütroman „25 letzte Sommer“ hat Stephan Schäfer im Frühjahr 2024 die Spiegel-Bestseller-Liste gestürmt. Heute erscheint bei park x ullstein, einem Imprint der Ullstein Buchverlage, ein weiteres Buch aus seiner Feder. Doch diesmal handelt es sich nicht um einen Roman. Wenn man sein neues Werk „Jetzt gerade ist alles gut“ in nur einem Genre zu verorten versucht, wird man scheitern. Stephan Schäfers aktuelles Buch ist eine Mischung aus autobiografischer Erzählung, Ratgeber, Anthologie und Geschenkbuch. Vor allem aber ist es ebenso berührend wie entschleunigend.

Worum geht’s? An einem Sommertag, an dem der Autor und Familienvater das Reisegepäck für die Ferien in Frankreich ins Auto lädt, überkommt ihn plötzlich ein nie gekanntes Krankheitsgefühl. Sein Zustand verschlechtert sich und schließlich landet Stephan Schäfer in der Notaufnahme. Wie sich herausstellt, hat ein kleiner Schnitt in den Finger zu einer Blutvergiftung geführt. Was sich gemeinhin nach „Kann mir nicht passieren“ anhört, ist tatsächlich die dritthäufigste Todesursache in Deutschland, wie der Autor erklärt. Auch bei ihm war es knapp – doch er überlebt glücklicherweise. Aber von einer Minute auf die andere dem Tod ins Auge zu sehen, war für Stephan Schäfer eine prägende Erfahrung. Er betrachtet das Leben danach aus einer ganz anderen Perspektive und beschließt, von nun an schöne Momente zu sammeln.

Wer eine detaillierte Krankengeschichte erwartet, wird in „Jetzt gerade ist alles gut“ nicht fündig. Vielmehr ist die Sepsis, die Stephan Schäfers Leben bedrohte, der Prolog für alles Folgende. Der Autor berichtet nämlich in kleinen Episoden von vorher ganz alltäglichen Momenten, die plötzlich eine tiefe Bedeutung für ihn bekommen. Wäre da nicht die bedrohliche Ausgangslage, könnte man diese kleinen Begebenheiten glatt für trivial halten. Und genau dort setzt Stephan Schäfer an: Mit einem liebevollen Fingerzeig erinnert er den Leser an die kostbaren Momente, die wirklich wichtig sind, im Alltag aber in schnöder Selbstverständlichkeit untergehen.

Gespräche beispielsweise bekommen für ihn eine neue Bedeutung. Wie gut kennt man seine Lieben wirklich? Nur wer Fragen stellt, wird Antworten bekommen.

Stephan Schäfer erzählt unaufgeregt, sympathisch und lebendig. Damit gelingt es ihm nicht nur, den Leser zum Nachdenken anzuregen und dazu, sich selbst zu hinterfragen, sondern auch, ihn zum Innehalten zu bewegen. Die Lektüre des 176-seitigen Büchleins war wie eine Dusche für die Seele. Fasziniert bemerkte ich, dass mich beim Lesen eine wunderbare Ruhe überkam. Ich konnte das Knirschen im Getriebe fast hören, als mein Geist einen Gang zurückgeschaltet hat.

„Jetzt gerade ist alles gut“ ist ein wunderbares Buch voller kluger und doch simpler Impulse, an das man noch gerne denkt, wenn man es schon längst beendet hat. Nach der Lektüre dient das wunderschöne Cover als Eyecatcher im Regal – besonders, wenn man den Schutzumschlag entfernt. Aber ich werde nicht spoilern: Schaut (und lest!) selbst! 🙂

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Veröffentlicht am 21.03.2025

Ungewöhnlicher Roman

Armes Ding
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Zu Beginn von Matias Faldbakkens Roman "Armes Ding" wähnt man sich in einem Märchen. Oskar, ein Waisenjunge, der sich auf dem Hof der Blums in der Abgeschiedenheit Norwegens verdingt, entdeckt im Wald ...

Zu Beginn von Matias Faldbakkens Roman "Armes Ding" wähnt man sich in einem Märchen. Oskar, ein Waisenjunge, der sich auf dem Hof der Blums in der Abgeschiedenheit Norwegens verdingt, entdeckt im Wald ein Mädchen. Das ist wild, klein, stinkt bestialisch und kann nicht sprechen. Oskar fängt es ein und nimmt die Kreatur, ein im wahrsten Sinne des Wortes armes Ding, mit nach Hause. Dort wird es den Alltag auf dem Hof gehörig durcheinanderwirbeln. Als das Mädchen sich mit Oskars Hilfe zu einer zivilisierten jungen Frau entwickelt, gehen beide fort: In die Stadt. Doch diese Entscheidung wird Oskar bereuen ...

Der Roman "Armes Ding" (erschienen am 11. September 2024 bei btb/Penguin Random House) lässt sich ebenso schwer einordnen wie seine seltsame Hauptdarstellerin. Die Zeit auf dem Hof wird von Matias Faldbakken in einer einfachen Sprache dargestellt - so einfach wie das Leben selbst, das Oskar dort führt, gepaart mit rohen und expliziten Ausdrücken - so barbarisch wie das Mädchen, das Oskar im Wald findet. Ins Deutsche übersetzt wurde der norwegische Originaltitel "Stakkar" von Maximilian Stadler.

In welcher Zeit der Roman spielt, lässt sich nicht ausmachen. Vielleicht in den Neunzehnhundertzwanzigern, vielleicht aber auch in den Sechzigern. Über allem liegt die Atmosphäre vergangener Zeiten, als das Leben scheinbar noch simpel war und noch nicht durchdigitalisiert.

Als Oskar und das Mädchen dann in die Stadt gehen, wirken die beiden wie aus der Zeit gefallen, denn die Stadt ist modern und belebt: Ein spürbarer Bruch in der Geschichte. Und auch das Mädchen verändert sich. Oskar hingegen verelendet zusehends, er fühlt sich nicht mehr gebraucht.

Zum Schluss driftet Faldbakken zu sehr ins Philsophische, Künstlerische ab. Aber das ist wohl nicht verwunderlich, schließlich hat der Autor in Bergen und Frankfurt am Main Kunst studiert. Das Ende des Romans empfand ich als unbefriedigend.

Auf dem Weg dorthin liest man sich allerdings durch ein ganz und gar ungewöhnliches Stück Literatur, auf das man sich einlassen muss.

Was Faldbakken fantastisch kann, ist Atmosphäre. Poetisch beschreibt er eine Szene, in der Oskar und das Mädchen über einen See rudern, nur vom Mond beschienen. Die Stille, das Mondlicht, das Wasser, das gegen den den Bootsrumpf schwappt: Davon erzählt der Autor mit grandioser Sinnlichkeit.

"Armes Ding" ist ein ungewöhnliches Märchen über zwei einsame Seelen, die sich nicht gesucht haben, aber gegenseitig brauchen.

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Veröffentlicht am 21.03.2025

Ein Buch, wie es eine KI niemals schreiben könnte

Wildhof
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"Wildhof" ist Eva Strassers Romandebüt. Und was für eins! Das am 20. Februar 2025 im Verlag Klaus Wagenbach erschienene, 208 Seiten starke Buch ist schon jetzt mein Jahreshighlight!

In "Wildhof" geht ...

"Wildhof" ist Eva Strassers Romandebüt. Und was für eins! Das am 20. Februar 2025 im Verlag Klaus Wagenbach erschienene, 208 Seiten starke Buch ist schon jetzt mein Jahreshighlight!

In "Wildhof" geht es um Lina, die mit ihren knapp 30 Jahren schon mehrere Verluste erlitten hat. Kurz vor ihrem 13. Geburtstag verschwand ihre Zwillingsschwester Luise. Kürzlich sind Linas Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Lina steht nun vor der Aufgabe, Mutter und Vater zu begraben und ihr Elternhaus in Wildhof im Schwarzwald zu verkaufen.

Als sie nach vielen Jahren erstmals wieder in ihr Heimatdorf zurückkehrt, reißt sie damit alte Wunden auf. Kleinste Details genügen, und schon spielen sich vor ihrem geistigen Auge vermeintlich bis in die hintersten Winkel des Bewusstseins verbannte Erinnerungen ab. Das Bellen eines Hundes oder der Anblick eines alten Fußballs lösen bei Lina regelrechte Flashbacks aus, in denen die Gegenwart von Kindheitserinnerungen überlagert wird.

Lina, die als letzte Überlebende eigentlich nur ihren Pflichten nachkommen wollte, nämlich ihre Eltern beerdigen und das Haus verkaufen, wird von ihrer Vergangenheit überwältigt. Das gilt für schlimme Erlebnisse, aber auch für die schönen. Sie begegnet in Wildhof ihrer einstigen besten Freundin wieder, ihrer Jugendliebe und unverarbeiteter Trauer.

Mit ihrer wütenden und unangepassten Art ist Lina mitten in mein Herz getrampelt. Trotz ihres Schicksals strahlt die Protagonistin eine trotzige Kraft aus, die sich auf den Leser überträgt. Sie lässt sich nicht entmutigen. Da gehen Scheiben zu Bruch, da wird geflucht und es werden Türen eingetreten, aber schicksalsergebener Rückzug ist keine Option für Lina, die Kämpferin, die in Jogginghosen und mit Hut zu Beerdigungen geht.

Doch nicht nur starke Figuren sind Eva Strassers Steckenpferd. Sie hat vor allem ein Händchen für Atmosphäre! In "Wildhof" reißt sie ihre Leser schon allein durch das Setting mit: Das alte Haus am Waldrand, der Bach, die Forellen, das Mühlrad.

Dieses Buch ist angefüllt mit Gerüchen, Empfindungen und Geräuschen, die Geschichte so bildhaft erzählt, dass man als Leser zwischen die Buchdeckel schlüpft und Lina hautnah dabei begleitet, wie sie sich ihrer Vergangenheit stellt.

Ich habe dieses Buch nicht gelesen, ich habe es inhaliert. Und am Ende gedacht: Ein solches Buch könnte eine KI niemals schreiben. Denn es wäre ihr schlichtweg nicht möglich, mit der Wucht Eva Strassers zu erzählen, Linas Schmerz so authentisch zu transportieren und den Wald oder den verwilderten Garten in seiner verschwenderischen Schönheit zu beschreiben. Und auf den grandiosen Plottwist, den die Autorin im Laufe des Buchs hinlegt, wäre die KI wohl auch nicht gekommen.

Danke für dieses bildgewaltige Meisterwerk, Eva Strasser!

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Veröffentlicht am 10.03.2025

Großartiger Reihenauftakt!

Der Junge, der Rache schwor
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Trude Teige ist eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen Norwegens. Sie hat unter anderem den Bestseller „Als Großmutter im Regen tanzte“ verfasst, aber auch mit ihrer Krimi-Reihe um die Fernsehreporterin ...

Trude Teige ist eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen Norwegens. Sie hat unter anderem den Bestseller „Als Großmutter im Regen tanzte“ verfasst, aber auch mit ihrer Krimi-Reihe um die Fernsehreporterin Kajsa Coren feiert sie – nicht nur in ihrer norwegischen Heimat – große Erfolge.

Alle sieben Bände der Kajsa Coren-Reihe sind im Aufbau Verlag bereits in den vergangenen Jahren auf Deutsch erschienen. Nun, pünktlich zum Auftritt Norwegens als Gastland der diesjährigen Leipziger Buchmesse, veröffentlicht der Aufbau Taschenbuch Verlag erneut alle sieben Bände – und das mit wirklich großartigen neuen Covern.

Am 12. Februar 2025 erschien der Auftaktband „Der Junge, der Rache schwor“. Das war meine erste Begegnung mit Trude Teige – aber keinesfalls meine letzte. So viel muss ich schon einmal vorwegnehmen. 🙂

Bei „Der Junge, der Rache schwor“ handelt es sich um einen erschütternden Krimi, der sich mit misshandelten Kindern auseinandersetzt. Die Handlung geht über einen bloßen Krimi hinaus, denn Trude Teige hinterfragt darin gesellschaftskritisch den Umgang mit den Opfern, die in Kinderheimen einst Gewalt erfahren haben, und die Haltung der Politik hinsichtlich der Entschädigung für das erlittene Unrecht.

Dass Trude Teige selbst als Journalistin arbeitet, dürfte es ihr leicht gemacht haben, mit ihrer Protagonistin Kajsa Coren eine TV-Reporterin auf Recherchetour zu schicken. Kajsa geht beruflich aktuell dem Thema Misshandlungen in Kinderheimen auf den Grund. Sie ahnt nicht, dass sich ihre Recherchen bald schon mit den Mordermittlungen kreuzen …

„Der Junge, der Rache schwor“ ist harte Kost, aber gleichzeitig so spannend und voller Atmosphäre, dass man dieses Buch nur schwer weglegen kann. Der abgelegene Hof der beiden Mordopfer am Waldrand, unweit eines großen Sees, bildet eine schaurig-schöne Kulisse, die man als Leser deutlich vor Augen hat.

Obwohl Kajsa als Hauptfigur bis zum Schluss ein wenig unnahbar bleibt, wird mich das nicht davon abhalten, wohl auch die Folgebände regelrecht zu verschlingen. Ab dem 14. Mai 2025 gibt es Nachschub: Dann erscheinen „Das Haus, in dem das Böse wohnt“, „Totensommer“, „Das Mädchen, das schwieg“, „Die Frau, die verschwand“, „Der Mann, der nicht vergessen konnte“ und „Das Haus der Lügen“ auf einen Streich! Ins Deutsche übersetzt wurden alle Bände von Gabriele Haefs und Andreas Brunstermann.

„Der Junge, der Rache schwor“ enthält neben einem Interview mit der Autorin auch eine vielversprechende Leseprobe des zweiten Bandes „Das Haus, in dem das Böse wohnt“.

Trude Teige wird in diesem Jahr auf der Leipziger Buchmesse zu Gast sein.

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Veröffentlicht am 06.03.2025

Lagerfeuerromantik inklusive: Ein vielseitiger und atmosphärischer Spannungsroman made in USA

Der Gott des Waldes
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Liz Moores Roman „Der Gott des Waldes“ hat es aus dem Stand von Null auf Platz 20 der Spiegelbestsellerliste Hardcover Belletristik geschafft.

Erschienen ist das 590 Seiten starke Buch am 20. Februar ...

Liz Moores Roman „Der Gott des Waldes“ hat es aus dem Stand von Null auf Platz 20 der Spiegelbestsellerliste Hardcover Belletristik geschafft.

Erschienen ist das 590 Seiten starke Buch am 20. Februar 2025 bei C.H. Beck. „The God of the Woods“, so der Titel der amerikanischen Originalausgabe, wurde von Cornelius Hartz ins Deutsche übersetzt.

Nahezu die gesamte Handlung spielt sich im Van Laar-Naturreservat in den nordamerikanischen Adirondacks ab. Im Reservat, seit drei Generationen im Familienbesitz der Bankiersfamilie Van Laar, wird jeden Sommer im dazugehörigen Camp Emerson ein Sommercamp für Kinder und Jugendliche veranstaltet, das den Teilnehmern das (Über-)Leben in der Natur näherbringen soll.

Zeitgleich lädt die Familie Van Laar jedes Jahr die Reichen und Schönen zu einer rauschenden Partywoche mit dem kreativen Namen „Blackfly Goodbye“ in ihr schickes Haus Self Reliance ein, das sich ebenfalls auf dem Gelände des Naturreservats befindet.

Trotz all des Reichtums liegt ein Schatten über der Familie Van Laar: Deren Sohn Bear verschwand 1961 spurlos. Der Junge wurde nie gefunden. Womöglich ist er ein Opfer des „Schlitzers“ geworden, eines Serienmörders, der Anfang der Sechziger sein Unwesen in den Adirondack Mountains trieb, später inhaftiert wurde und nun, im Sommer 1975, aus dem Gefängnis flieht. Gleichzeitig verschwindet die 13-jährige Barbara Van Laar, die ihren Bruder niemals kennengelernt hat, aus dem Sommercamp. Hat der Schlitzer nach vierzehn Jahren in den undurchdringlichen Wäldern der Adirondacks ein neues Opfer gefunden?

Liz Moores aktueller Roman wird von The Guardian als „literarischer Thriller der Spitzenklasse“ beschrieben. Besser kann man „Der Gott des Waldes“ nicht charakterisieren. Denn dieses Buch birgt so viel mehr als einen Thriller in sich: Es ist die Geschichte einer Familiendynastie, ein Coming of Age-Roman, eine Liebeserklärung an die Natur und eben ein spannender Thriller, dessen Auflösung die Autorin sich bis zum Schluss vorbehält.

Als Leser taucht man tief ein in die Wildheit des abgeschiedenen Naturreservats. Dank einer Karte im Innenteil findet man sich schnell zurecht – und bald schon hat man das Areal bildlich vor Augen, wähnt sich selbst im Camp Emerson und mit der Upper Class im Haus Self Reliance. Die Zwei-Klassen-Gesellschaft ist im ganzen Buch deutlich spürbar: Im Camp die Kids in ihren Stockbetten mit ihren Betreuern, die ganz alltägliche Probleme haben, und oben auf dem Hügel die Van Laars, umgeben von Bediensteten und Luxus – aber keinesfalls sorgenfrei.

Besonders die Mutter von Barbara und Bear, Alice, kann einem nur leidtun, denn ihre Rolle beschränkt sich darauf, Ehefrau, Mutter und vor allem still zu sein. Eine eigene Meinung ist ihr nicht gestattet. Sie ist vollkommen abhängig von ihrem (sehr unsympathischen) Gatten Peter – und vom Alkohol.

Liz Moores Figuren sind scharf gezeichnet und wirken mit all ihren Stärken und Schwächen absolut lebendig. Unabhängig davon, ob sie zur Working Class oder zur feinen Gesellschaft gehören, wird die Geschichte gleichberechtigt aus ihrer jeweiligen Perspektive erzählt.

Den zeitlichen Bogen spannt die Autorin von den Fünfzigerjahren bis zum September 1975. Beeindruckend ist die Tatsache, dass Liz Moore trotz dieses großen zeitlichen Umfangs und der Vielzahl an handelnden Personen den Leser niemals allein lässt und ihn durchweg am roten Faden entlang durch den Roman führt.

Vor dem ganzen Plot muss man seinen Hut ziehen, denn alles hängt miteinander zusammen und auch unterschiedlichste Personen sind miteinander verbandelt, was Liz Moore dem Leser allerdings erst nach und nach offenbart.

Auch die Spannung hält die Autorin durchweg aufrecht – und überrascht mit der unerwarteten Auflösung erst zum Schluss.

„Der Gott des Waldes“ ist ein unglaublich vielseitiger Roman (Lagerfeuerromantik inklusive), in den man dank seiner überwältigenden Atmosphäre vollkommen eintauchen kann.

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