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Veröffentlicht am 22.09.2025

Gelungene Gesellschaftskritik

Gym
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Das Cover des Buches gefällt mir tatsächlich erst auf den zweiten Blick. Ich war zunächst ein bisschen irritiert, warum man diese Darstellung für einen Roman über die Arbeit in einem Fitnessstudio ein ...

Das Cover des Buches gefällt mir tatsächlich erst auf den zweiten Blick. Ich war zunächst ein bisschen irritiert, warum man diese Darstellung für einen Roman über die Arbeit in einem Fitnessstudio ein Bild von er sitzenden Person verwendet. Nachdem ich das Buch allerdings gelesen habe, finde ich die Darstellung mehr als passend und trifft das Gefühl, das das Buch vermittelt nahezu perfekt.

Die Geschichte als solche fand ich auch reizvoll: Die namenlose Erzählerin braucht unbedingt einen Job und als sie sie im Bewerbungsgespräch mit dem Eigentümer des MEGA GYM das Gefühl hat, dass sie nicht seinen Ansprüchen genügt, rutscht ihr die kleine Notlüge raus, dass sie gerade erst entbunden habe und deswegen nicht in Form sei. Ihr neuer Chef Ferhat, ganz der überzeugte Feminist, bietet ihr direkt die Möglichkeit in seinem Fitnessstudio hinter der Theke am Empfang zu arbeiten. Doch nun wollen alle Fotos von dem Baby sehen und es wird immer schwieriger, die Lüge aufrecht zu erhalten, zumal es nicht das einzige ist, wo sie nicht ganz ehrlich war.
Ich war mir nicht so richtig sicher, was ich von dem Buch erwarten sollte, schließlich ging es vor allem um eine Frau, die durch eine Lüge einen Job in einem Fitnessstudio bekommen hat. Doch das Buch hat mich überrascht, der Schreibstil hat oft einen leicht ironischen Unterton und beschreibt selbst die absurdesten Szenen in einer sehr trockenen Art, was ich immer wieder zum Schmunzeln gebracht hat. Genau das macht den Schreibstil von Verena Keßler so besonders. Ich musste mich gar nicht groß an den Schreibstil gewöhnen, sondern bin ab den ersten Seiten in das Buch eingetaucht und habe gar nicht gemerkt, wie schnell ich es durchgelesen habe.

Die Story war ebenfalls spannender, als ich zunächst erwartet hätte, weil ich mir nie sicher war, was die Protagonistin als nächstes macht. Das hat für mich den Reiz des Buches ausgemacht, es gibt immer wieder Klischees, die werden aber so überzeichnet und ins Lächerliche gezogen, das einem klar wird, dass es eben Klischees sind und nichts, was erstrebenswert wäre. Vor allem die Darstellung des Fitness-Wahns und der Obsession mit Selbstoptimierung fand ich perfekt auf den Punkt gebracht. Ich musste zwischendurch kurz pausieren und darüber nachdenken, was gerade passiert ist und wie schnell Sachen kippen können. Ich fand es faszinierend, wie perfekt eingefangen wurde, was hinter glitzernden Oberflächen steckt und wie weit man gehen kann, wenn man Sachen plötzlich nicht mehr so laufen, wie man es sich das vorgestellt hat. Dazu passte auch gut, dass man erst nach und nach mehr über die Protagonistin erfährt, aber nie ihren Namen, dadurch wirkt sie trotz ihrer Individualität fast austauschbar. Man bekommt das Gefühl, es könne jedem passieren und jeder könnte so handeln, wie sie, wenn bestimmte Parameter erfüllt sind.

Alles in allem ist das Buch eine gelungene Gesellschaftssatire, die in klaren Worten und mit viel Humor zeigt, was passiert, wenn Obsession und gesellschaftlicher Druck zu viel werden.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Leider nicht so spannend wie erhofft

Death at Morning House
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Ich mag das Cover des Buches recht gerne, weil es direkt einen guten Hinweis auf das Genre des Buches und sogar den Inhalt gibt, ohne dabei zu viel zu verraten. Außerdem gefällt mir die Farbkombination ...

Ich mag das Cover des Buches recht gerne, weil es direkt einen guten Hinweis auf das Genre des Buches und sogar den Inhalt gibt, ohne dabei zu viel zu verraten. Außerdem gefällt mir die Farbkombination aus dem dunkeln Grün und leuchtendem Gelb, die hervorragend die Kombination aus einer vergangenen und einer aktuellen Geschichte hervorhebt.

Die Geschichte hat mich ebenfalls gereizt: Marlowe will eigentlich nur ein Date mit ihrer absoluten Traumfrau, doch alles läuft schief und plötzlich steht das Haus in Flammen, auf das sie eigentlich aufpassen sollte. Überall wo sie hinkommt, muss sie sich Witze darüber anhören und sie ist erleichtert, als sie das Angebot bekommt, während der Ferien auf einer abgelegenen Insel zu arbeiten. Dort soll sie gemeinsam mit einer Gruppe örtlicher Teenager Führungen durch Morning House, eine verfallene Villa, wo es in den 30er Jahren zu zwei Todesfällen kam, anbieten. Doch die Vergangenheit wirft ihre Schatten bis in die Gegenwart und als plötzlich jemand verschwindet, erkennt Marlowe, dass sie nicht jedem ihrer neuen Freunde trauen kann und sie sich in großer Gefahr befindet.

Ich war sehr gespannt auf die Geschichte, weil ich es liebe Jugendthriller zu lesen und ich das Setting so passend für das Ende des Sommers fand, allerdings konnte mich die Story nicht komplett überzeugen. Das liegt allerdings nicht am Schreibstil, dieser konnte mich wirklich fesseln. Er ist leicht und flüssig, sodass man wirklich leicht in die Geschichte finden konnte und dadurch auch vergleichsweise schnell durchlesen konnte.
Mein Problem mit der Geschichte war vielmehr, dass es sich um zwei parallele Stories handelte, was ich unter anderen Umständen liebe, hat mich hier jedes Mal wieder aus der Geschichte gezogen. Das liegt vor allem daran, dass beide Storylines keinerlei Berührungspunkte hatten außer den Ort der Handlung. Vielleicht lag das daran, dass ich bei Marlowes Geschichte nie das Gefühl hatte, wirklich vorwärts zu kommen, sondern eine lange Zeit noch in der Einleitung zu stecken. Es passierte einfach vergleichsweise wenig und ich wollte lieber mehr darüber herausfinden, wie es zu den zwei Todesfällen in der Familie Ralston kam. Obwohl ich auch hier eine ungefähre Vorstellung davon hatte, was genau passiert ist, wollte ich dennoch unbedingt wissen, wie es wirklich war. Ich hatte schnell das Gefühl, die Personen gut zu kennen und einschätzen zu können, sodass ich wirklich an ihrer Geschichte interessiert war. Das war bei der Geschichte in der Gegenwart ein bisschen anders. Zwar mochte ich auch Marlowe, aber die anderen Personen konnte ich nicht so richtig greifen. Ich musste mich manchmal wirklich aktiv erinnern, welche Personen zu der Gruppe gehörten und wer nochmal wer war. Mein Problem dabei war vor allem, dass die Geschichte der Ralstons und die Flashbacks nahezu wahllos in die Geschichte eingebaut wurden, es hätte deutlich mehr Sinn ergeben, wenn die Teenager verschiedenen Hinweise, Briefe oder Tagebucheinträge gefunden hätten und man dadurch auf einem ähnlichen Stand wie sie gewesen wäre. So kannte man als Leser Einzelheiten und wollte auch wissen, was genau passiert ist, aber Marlowe kennt nur einen kleinen Ausschnitt davon und sucht auch nicht aktiv nach Antworten, weil es eigentlich keine Rolle für die Gegenwart spielt. Deswegen hat mich die Gegenwart auch nicht so richtig interessiert, es ging vor allem um typische Teenagerprobleme, was ich normalerweise vollkommen in Ordnung finde, aber es hatte wenig von einem Thriller. Das ändert sich erst zum Ende, was ich schade fand, weil das Buch wirklich viel Potenzial gehabt hat.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Spannender historischer Roman

Rabenthron
4

Ich liebe die Gestaltung des Buches einfach. Es passt hervorragend zu den Neuauflagen der anderen Bücher der Helmsby-Reihe und sticht durch das schöne Cover und den Farbschnitt mit den hervorragend gestalteten ...

Ich liebe die Gestaltung des Buches einfach. Es passt hervorragend zu den Neuauflagen der anderen Bücher der Helmsby-Reihe und sticht durch das schöne Cover und den Farbschnitt mit den hervorragend gestalteten Details heraus.

Die Story hat mich ebenfalls direkt gereizt: Als Aelfric of Helmsby sich weigert, seinen dänischen Gefangenen seinem Onkel und Thane auszuhändigen, droht dieser ihm seinen kleinen Sohn Penda in die Sklaverei zu verkaufen. Deswegen entschließt sich der junge Engländer ihn direkt bei Hofe in London abzuliefern, um ein mögliches Lösegeld zu kassieren. Doch die Stadt liegt in Trümmern und der König Aetheldred schafft es nicht, sein Volk vor den ständigen Wikingerangriffen zu schützen. Als Königin Emma zusammen mit ihren Kindern kurzfristig aus England fliehen muss, begleiten Aelfric und sein dänischer Gefangenen Hakon, der mittlerweile sein Freund geworden ist, sie auf dem Weg in die Normandie. Bald gehören beiden zum engsten Kreis rund um die einflussreiche Königin und Penda wird zusammen mit den beiden Prinzen ausgebildet. Doch die Macht des Königs wackelt und plötzlich sind die Dänen nicht mehr nur eine Gefahr für die englischen Küsten, sondern für das gesamte englische Reich.

Ich liebe den Schreibstil von Rebecca Gablé. Sie ist eine der wenigen Autorinnen, die es jedes Mal wieder schafft, mich in die Geschichte zu ziehen und so zu fesseln, dass ich trotz der vielen Seiten gar nicht mehr aufhören kann, zu lesen. Das ist auch in diesem Buch wieder der Fall, obwohl mich diesmal die Zeitsprünge in der Geschichte deutlich mehr aus dem Konzept gebracht haben, als das in vorherigen Büchern der Fall gewesen ist.

Das Setting der Story fand ich extrem spannend, weil es vor den anderen beiden Teilen der Helmsby-Reihe spielt und die Geschichte von Caedmons Urgroßvaters Aelfric Eisenfaust und seiner Familie erzählt. Diesen kennt man nur aus Erzählungen und schon, als ich zum ersten Mal „Das zweite Königreich“ gelesen habe, war ich neugierig, wer er war und wie er zu seinem Spitznamen kam. Außerdem wusste ich wirklich wenig über das angelsächsische England, bevor William der Eroberer es eroberte. Deswegen war mir auch gar nicht so klar, wie viel Einfluss die Dänen auch abseits ihrer Überfälle auf die englische Küste hatten und dass es sogar mehrere Dänen auf dem englischen Thron gab. Dabei fand ich vielleicht weniger die Könige an sich in diesem Buch spannend als vielmehr Königin Emma, die zweimal die Frau eines Königs war und zweimal deren Mutter. Dies alleine zeigt schon ihren großen Einfluss auf die Zeit, die sich indirekt zumindest auch auf die normannische Eroberung ausgewirkt hat.

Doch es sind vor allem die Charaktere, die keinen historischen Hintergrund haben, die das Buch ausmachen. Aelfric habe ich schon direkt zu Beginn des Buches in mein Herz geschlossen, weil er sich für seine Ideale einsetzt und sich weigert, diese zu verraten, selbst wenn er sich dadurch immer wieder das Leben schwer macht. Ein noch viel wichtigerer Punkt für mich war aber, wie sehr er seine Kinder und vor allem Penda liebt. Er stellt deren Wohl über alles andere, ist immer ehrlich zu ihnen und setzt sich dafür ein, dass sie glücklich sind, selbst wenn er dafür ungewöhnliche Entscheidungen treffen muss. Er wird dafür zwar oft von anderen belächelt, aber das hält ihn nicht davon ab, seinen Weg so weiterzugehen. Auch Penda, den man als sechsjährigen Jungen kennenlernte, hat es sehr schnell geschafft, dass ich ihn liebgewonnen habe. Zu Beginn ist er ein kluges Kind, das erstaunlich viel mitbekommt und erfassen kann, der mich immer wieder zum Lächeln gebracht hat. Ich mochte, dass er auch als Erwachsener immer jemand ist, der eher zu viel als zu wenig Vertrauen zu Menschen hat. Das ist ihm durchaus bewusst, aber obwohl es ihm mehr als einmal auf die Füße fällt, will er es nicht ändern, sondern glaubt lieber an das Gute in Menschen. Damit stellt er ein gutes Gegenstück zu Prinz Edward (dem späteren Edward dem Bekenner) dar, der der Welt eher skeptisch gegenübersteht und dem es hilft, wenn Penda ihn manchmal daran erinnert, dass nicht jeder schlechte Absichten hat.

Auch wenn ich vor allem Aelfric und Penda gerne mochte, hatte ich mit den anderen Personen manchmal so meine Probleme. Zwar konnte ich Königin Emma und auch ihre Söhne Edward und Alfred nach einer Weile recht gut einschätzen, aber bei vielen anderen Personen war das nicht so. Durch die zum Teil sehr großen Zeitsprünge hatte ich oft das Gefühl, zwar zu wissen, wer die Person war, aber sie nicht wirklich zu kennen. Am auffälligsten war das bei Aelfrics Familie, bei der ich abseits von Penda immer wieder darüber nachdenken musste, wer nochmal wer war. Das lag auch daran, dass sich die politischen Verhältnisse in dieser Epoche oftmals innerhalb kürzester Zeit drastisch geändert haben und Personen, die zuvor einen gewissen Einfluss hatten, diesen dann wieder verloren haben. Ich hatte da oft das Gefühl ein bisschen hinterher zu hinken und nicht immer einen vollständigen Überblick zu haben, wer gerade welche Agenda verfolgt und wer im Streit mit wem liegt. Dadurch habe ich deutlich mehr als sonst historische Ereignisse nachgeschlagen, um mir einen besseren Überblick zu verschaffen und nichts zu übersehen. Das ist nicht unbedingt schlecht, schließlich habe ich dadurch noch einmal deutlich mehr über diese Zeit des Mittelalters gelernt, auch in Bezug auf Dänemark und Norwegen, aber es hat mich in gewisser Weise natürlich auch gespoilert, weil ich dadurch viele historische Ereignisse schon kannte.

Alles in allem mochte ich das Buch gerne, besonders weil Rebecca Gablé eben einfach eine besondere Art hat, mich für historische Ereignisse (vor allem in England) zu begeistern und ich habe mich sehr darüber gefreut, eine gewisse Vorgeschichte zu den Helmsbys zu bekommen, aber gleichzeitig war es manchmal schwer in dieser chaotischen Epoche den Überblick zu halten. Ich hatte dadurch hin und wieder das Gefühl, dem ganzen nicht richtig folgen zu können und im Gegensatz zu anderen Büchern keine so starke persönliche Bindung zu den historischen Charakteren aufbauen zu können.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Spannende Geschichte über Außenseiter in einer mittelalterlichen Gesellschaft

Hiobs Brüder
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Ich mag die neue Gestaltung des Buches ehrlich gesagt deutlich lieber als die ursprüngliche. Das liegt vor allem daran, dass sie nun deutlich besser zu den anderen Teilen der Reihe passt und dass es ein ...

Ich mag die neue Gestaltung des Buches ehrlich gesagt deutlich lieber als die ursprüngliche. Das liegt vor allem daran, dass sie nun deutlich besser zu den anderen Teilen der Reihe passt und dass es ein absolutes Schmuckstück im Regal ist.

Die Story hat mich auch dieses Mal wieder gereizt: Gegen seinen Willen wird Simon de Clare, Sohn einer angesehenen normannischen Familie, auf eine abgelegene Inselfestung abgeschoben und das nur weil er seit seiner Kindheit an der Fallsucht leidet. Zusammen mit anderen Ausgestoßenen, wie Losian, der sich weder an seinen Namen noch an sein Leben vor der Festung erinnern kann, Edmund, der sich für den verstorbenen Märtyrerkönig hält und dem Mörder Regy fristen sie ein Leben abseits der Gesellschaft, weil sie nicht zu den Kindern Gottes gehören. Doch dann eröffnet sich nach einem schweren Unwetter plötzlich ein Weg in die Freiheit. Unter der Führung von Losian, der unbedingt herausfinden will, wie sein Leben aussah, bevor er sein Gedächtnis verloren hat, machen sie sich auf den Weg durch England. Mitten im Bürgerkrieg versuchen sie ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, doch nicht für alle ist das möglich und als Losian mehr über sich herausfindet, ist er sich nicht sicher, ob er sich nicht besser nicht erinnert hätte.

Ich liebe den Schreibstil von Rebecca Gablé einfach. Sie hat eine unnachahmliche Art, mich in die Geschichte zu ziehen und mich für die Handlung zu begeistern, sodass ich nur so durch das Buch fliege und unbedingt mehr über den historischen Kontext wissen will.

Das liegt aber auch an den Charakteren, die ich wirklich schnell in mein Herz geschlossen habe. Bei Losian fiel mir das zu Beginn ein bisschen schwer, weil er ja selbst nicht wusste, wer er ist. Dadurch fiel es mir auch ein bisschen schwer, am Anfang eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Je mehr er sich aber für die anderen Menschen auf der Insel einsetzt, desto mehr habe ich ihn in mein Herz geschlossen. Ich mochte, dass er sich trotz aller Schwierigkeiten, besonders außerhalb der Insel, immer für seine ehemaligen Mitbewohner einsetzt. Dabei spielt es auch keine große Rolle, dass er ab einem gewissen Punkt nicht mehr wirklich einer von ihnen ist. Aber genau das war es, was dieses Buch so besonders macht. Es stehen hier vor allem Menschen im Mittelpunkt, die in vielen anderen historischen Romanen keinen Platz haben, weil sie auch in der mittelalterlichen Gesellschaft eher eine Außenseiterrolle einnehmen. Deswegen fand ich es so spannend zu sehen, wie verschiedene Behinderungen oder Krankheiten in diesem Buch behandelt werden. Natürlich ist klar, dass dies immer nur Beispiele sind und beispielsweise Oswald vielleicht unter anderen Umständen seine Kindheit gar nicht überlebt hätte oder sogar bewusst von seiner Familie als Baby sich selbst überlassen worden wäre, sobald aufgefallen wäre, dass er krank ist. Es wird immer wieder deutlich, dass er mit seinem schwachen Herzen bei Anstrengungen auch schon in der Kindheit ohne Weiteres hätte sterben können. Gerade deswegen fand ich es aber so spannend, wie unterschiedlich verschiedene Menschen damit umgehen und dass viele der Menschen auf der Insel eigentlich ein recht normales Leben hätten führen können, wenn klar gewesen wäre, was genau ihre Krankheit ist oder wie man damit hätte umgehen können. Das macht das ganze auch so tragisch, weil man heute vielen der Menschen hätte helfen können und sie vielleicht nicht einmal starke Beschwerden gehabt hätten, aber alleine durch den Glauben der Kirche, dass diese Menschen aus irgendwelchen Gründen bestraft werden und deswegen oft gar nicht nach Möglichkeiten gesucht wurde, ihnen zu helfen.

Das Setting gefiel mir ebenfalls wirklich gut, auch wenn das Buch wirklich umfangreich ist. Es passiert eben in der Zeit auch politisch so viel, dass es schwierig ist, alles in diesem Buch unterzubringen. Rebecca Gablé gelingt das aber doch wieder einmal recht gut. Ich fand die Zeit extrem spannend erzählt und auch wenn die Perspektive zunächst ungewöhnlich war, hat man dennoch viel über die Machtkämpfe und politische Verstrickungen in England erfährt. Dabei fand ich besonders den Anfang fast schon erfrischend anders, weil man die politischen Gegebenheiten anders als in ihren anderen Bücher eher am Rande mitbekommt. Vor allem Regy und Simon sind, weil sie aus einflussreichen Familien kommen, gut informiert, aber auf der Insel sind alle so isoliert, dass es eben keine Rolle spielt, ob gerade König Stephan oder Kaiserin Maud an der Macht sind. Selbst als sie von der Insel entkommen, ist das erst einmal kein zentrales Thema, vielmehr geht es darum, zu überleben und einen Platz zu finden, an dem sie alle sicher sind. Dadurch wird deutlich, wie austauschbar für viele Menschen die Herrschenden sind, wenn sie nicht unmittelbar im Kreise dieser handeln.

Alles in allem ist das Buch wieder einmal extrem gelungen, besonders weil die ungewöhnliche Perspektive, die Außenseiter in den Fokus rückt, einen neuen Zugang zur mittelalterlichen Geschichte schafft, die im Gedächtnis bleibt.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Emotionale Geschichte über toxische Beziehungen und Neuanfänge

Lost Girls − Breathing for the First Time
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Die Gestaltung des Buches ist wirklich hervorragend gelungen. Ich finde, dass das dunkle Violett, das manchmal fast in ein schwarz übergeht, in Kombination mit der goldenen Schrift ästhetisch schon sehr ...

Die Gestaltung des Buches ist wirklich hervorragend gelungen. Ich finde, dass das dunkle Violett, das manchmal fast in ein schwarz übergeht, in Kombination mit der goldenen Schrift ästhetisch schon sehr gelungen ist. Es passt aber auch mit der Darstellung der fliegenden Scherben nahezu perfekt zum Inhalt des Buches.

Die Geschichte hat mich ebenfalls direkt gereizt: Nach außen hin führt die 21-jährige Darcy Sullivan ein perfektes Leben. Sie ist mit dem erfolgreichen Quarterback Jason Miller verheiratet, der sie auf Händen trägt und wohnt in einem wunderschönen Strandhaus. Doch in Wahrheit ist ihr Leben ein wahrer Albtraum. Jason kontrolliert jeden ihrer Schritte und erwartet absolute Perfektion von seiner Frau. Wenn sie einen Fehler macht, wird sie bestraft. Jeden Tag plant Darcy ihre Flucht, immer mit der Angst, dass ihr Mann entdecken könnte, was sie vorhat. Während ihrer Vorbereitungen trifft sie auf den Engländer Ellis, der scheinbar auf den ersten Blick erkennt, was Darcy so verzweifelt zu verbergen versucht. Doch sie kann sich auf keinen Fall erlauben, einen anderen Menschen in ihre Nähe zu lassen, schließlich weiß sie genau, dass Jason sie erst gehen lassen wird, wenn sie tot ist.

Ich bin immer ein bisschen unsicher, wenn in Büchern toxische Beziehungen behandelt werden, weil sie nicht immer als solche eingeordnet werden, sondern zum Teil romantisiert werden. Doch ich mochte die vorherigen Bücher von Nikola Hotel immer sehr gerne und wollte mal sehen, wie es hier umgesetzt wurde. Ich bin froh, dass ich das getan habe, weil das Buch mich wirklich mitreißen konnte. Dazu trägt der Schreibstil sein Wesentliches bei. Ich habe in letzter Zeit einige gute Bücher gelesen, aber es ist schon eine Weile her, dass ich noch bis tief in die Nacht gelesen habe, um zu wissen, wie die Geschichte ausgeht. Doch dieses Buch hat es geschafft, die gelungene Mischung aus Zeitungsartikeln und der Geschichte sorgt dafür, dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin.

Aber auch die Story als solche fand ich wirklich gut. Man merkt auf jeder Seite, wie groß die Angst von Darcy vor Jason ist und wie gut er es schafft, diese aufrechtzuerhalten. Seine Unberechenbarkeit sorgt dafür, dass sie sich nie sicher sein kann, welche Person sie gerade antrifft und seine Beliebtheit dafür, dass sie sich niemandem anvertrauen kann. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie schrecklich es sein muss, immer in dieser Anspannung leben zu müssen und sich niemals sicher zu fühlen, während man komplett isoliert von der Außenwelt ist und niemanden hat, dem man sich anvertrauen kann. Ich fand, dass gut gezeigt wurde, wie er Darcy genau in diese Position bringen konnte und es ihr dadurch so schwer macht, sich von ihm zu lösen. Zunächst fand ich es nicht ganz nachvollziehbar, warum sein Verhalten nach den drei Jahren, die sie jetzt zusammen sind, plötzlich eskaliert, aber mit der Zeit wird deutlich, dass er seine Art mit ihr umzugehen sich einfach nur weiterentwickelt, weil er merkt, dass sie versucht, sich ihm zu entziehen. Ich mochte den Gegensatz den Ellis zu Jason darstellt. Er ist sich den Grenzen immer bewusst und überschreitet sie nie, selbst wenn es Darcy schwerfällt, überhaupt welche zu setzen, sie durfte es in ihrer Beziehung schließlich nie. Außerdem ist er deutlich reflektierter, er hinterfragt vieles, egal ob es Gespräche mit Darcy oder patriarchale Strukturen sind, was ihn mir wirklich sympathisch gemacht hat.

Alles in allem hat mir das Buch trotz des schwierigen Themas wirklich gut gefallen, ich musste ein paar Mal tief durchatmen, weil ich mit dem toxischen Umfeld von Darcy so schwer umgehen konnte und es mir weh tat, wie viel Schmerz sie in der Beziehung erleiden musste. Umso mehr hätte ich mir ein bisschen anderes Ende der Geschichte gewünscht, aber leider ist es so deutlich realistischer.

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