Tragische Idee, nicht optimal umgesetzt.
Bis mein Herz wieder schlägtMit fünf Jahren stirbt Emery Wilson das erste von vielen Malen.
Aufgrund einer seltenen und unerforschten (fiktiven) Erkrankung reicht ein kleiner Schockmoment, um ihr Herz zum Stillstand zu zwingen. Statt ...
Mit fünf Jahren stirbt Emery Wilson das erste von vielen Malen.
Aufgrund einer seltenen und unerforschten (fiktiven) Erkrankung reicht ein kleiner Schockmoment, um ihr Herz zum Stillstand zu zwingen. Statt nichts zu sehen oder zu fühlen, landet Em in einer aus ihren Erinnerungen erschaffenen Zwischenwelt – bei Nick.
Nick, ein Geist, ein Wegbegleiter.
Während sie ihr Leben in der Realität auf Sparflamme führt, sie die Fürsorge ihrer Familie, die Erwartungen des Erwachsenwerdens, die Pflichten und der Gedanke, eine Last zu sein, zu erdrücken drohen, weigert sich Emery, Pläne zu schmieden, an die Zukunft zu denken und ernste Beziehungen einzugehen, immer die Angst im Nacken, jederzeit sterben – endgültig sterben – zu können. Je älter sie wird und je öfter sie in Nicks Reich tritt, zu dem Mann, der in ihr Dinge auslöst, die sie nie für möglich gehalten hätte, umso häufiger ertappt sich Em dabei, wie sie sich nach diesen friedlichen Auszeiten sehnt.
Doch eines Tages muss sich die Mittvierzigerin entscheiden, auch wenn es sie innerlich zerreißt. Wählt sie das Leben, echt und ohne Fluchtweg, oder das Sterben auf Raten für eine Liebe, die niemals sein kann?
»𝗗𝗮𝘀 𝗟𝗲𝗯𝗲𝗻 𝗶𝘀𝘁 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗳𝗮𝗶𝗿. 𝗗𝗲𝗿 𝗧𝗼𝗱 𝘂𝗲𝗯𝗿𝗶𝗴𝗲𝗻𝘀 𝗮𝘂𝗰𝗵 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁.«
Becky Hunter schrieb einen Roman über die Endlichkeit des Seins, über das Leben, das uns allen eines Tages durch die Finger rinnt, über Schicksale, die unfairer nicht sein können, und die verschiedenen Arten der Liebe.
Erzählt wird in einem einfachen, dafür klaren Ton, der, wie auch der sprunghafte Verlauf, eine Distanz aufrechterhält, die es schwer macht, die Geschehnisse zu greifen und wahrhaftig mitzuleiden. Auch der charakterliche Stillstand der Protagonistin, die den Großteil der Handlung trotzig und unreflektiert – authentisch in anbetracht ihrer Lage? – wirkt, trug nicht zu anhaltender Sympathie bei.
Da viele Jahre in dieser Geschichte vergehen, bleibt weder Zeit zum Ankommen noch für die nötige Tiefe – wir sind hauptsächlich Teil von den Momenten kurz bevor Emerys Herz aussetzt und von den darauffolgenden Begegnungen mit Nick, die nicht selten von purer Verzweiflung erfüllt waren. Diese, dem Aufbau bedingte, „Oberflächlichkeit“ – die nicht nur Emery als Figur betrifft, sondern auch die „romantischen“ Verbindungen und die Zwischenwelt, wenn diese auch malerische Akzente erhielt – verschluckte mMn eine Vielzahl von Gefühlen. Zugleich zeigt die Autorin aber, wie gehemmt und zögernd die Protagonistin angesichts der Unberechenbarkeit ihrer Erkrankung ist. Wie zwanghaft sie versucht, im Moment zu leben, nichts zu verpassen, sich nicht festzulegen. Am Ende nichts bedauern zu müssen.
Erst später verweilen wir hier und da länger, um Details bzw. Veränderungen aus Ems Leben und ihrem Umfeld zu erhaschen. Die realitätsnahen Probleme von Familie und FreundInnen geben dem Roman zu einem gewissen Grad etwas Handfestes, etwas, womit es sich identifizieren lässt. Vor allem die Rollen von Amber und Robin, Bonnie und Colin sowie Emerys Eltern und Nicks Hintergründe umrahmen das hier geschilderte Schicksal und bereichern die Storyline. Welche der Geschichten, die hier zu finden sind, die tragischste ist? Müsst ihr selbst herausfinden!
Hatte die Idee des Ortes, der sich zwischen Leben und Tod befand, etwas Tröstendes, gar Mystisches, und boten Nicks und Emerys Gespräche einiges an Input, über den es sich lohnt, nachzudenken, einiges an Dramatik und Schmerz, empfand ich manch impulsive Reaktion nicht ganz stimmig. Und doch war diese einmalige Verbindung bittersüß.
Mit fortschreitendem Verlauf wird die Monotonie immer häufiger von Spannung durchbrochen, von kleinen Toden, die mitfiebern lassen, echten Verlusten und (Selbst)Erkenntnissen, die treffen und aufwühlen. Gerade das letzte Viertel verursachte mir mehrfach Gänsehaut – und Herzschmerz. 💔
Unerwartete, ergreifende Ereignisse, Loslassen und Lebenstragik, Melancholie und ein zarter Hauch Hoffnung, die Erinnerung daran, jetzt zu leben und zu lieben, voller Überzeugung und nicht zu warten – all das und noch mehr findet ihr hier.
„𝐁𝐢𝐬 𝐦𝐞𝐢𝐧 𝐇𝐞𝐫𝐳 𝐰𝐢𝐞𝐝𝐞𝐫 𝐬𝐜𝐡𝐥𝐚𝐞𝐠𝐭“ war nicht das emotionsgeladene Highlight, das ich mir gewünscht habe, und ist doch ein Buch, das nachklingt.
Lebe. Jetzt. Denn jede Sekunde kann unsere letzte sein.