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Veröffentlicht am 08.07.2025

Tragische Idee, nicht optimal umgesetzt.

Bis mein Herz wieder schlägt
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Mit fünf Jahren stirbt Emery Wilson das erste von vielen Malen.
Aufgrund einer seltenen und unerforschten (fiktiven) Erkrankung reicht ein kleiner Schockmoment, um ihr Herz zum Stillstand zu zwingen. Statt ...

Mit fünf Jahren stirbt Emery Wilson das erste von vielen Malen.
Aufgrund einer seltenen und unerforschten (fiktiven) Erkrankung reicht ein kleiner Schockmoment, um ihr Herz zum Stillstand zu zwingen. Statt nichts zu sehen oder zu fühlen, landet Em in einer aus ihren Erinnerungen erschaffenen Zwischenwelt – bei Nick.
Nick, ein Geist, ein Wegbegleiter.
Während sie ihr Leben in der Realität auf Sparflamme führt, sie die Fürsorge ihrer Familie, die Erwartungen des Erwachsenwerdens, die Pflichten und der Gedanke, eine Last zu sein, zu erdrücken drohen, weigert sich Emery, Pläne zu schmieden, an die Zukunft zu denken und ernste Beziehungen einzugehen, immer die Angst im Nacken, jederzeit sterben – endgültig sterben – zu können. Je älter sie wird und je öfter sie in Nicks Reich tritt, zu dem Mann, der in ihr Dinge auslöst, die sie nie für möglich gehalten hätte, umso häufiger ertappt sich Em dabei, wie sie sich nach diesen friedlichen Auszeiten sehnt.
Doch eines Tages muss sich die Mittvierzigerin entscheiden, auch wenn es sie innerlich zerreißt. Wählt sie das Leben, echt und ohne Fluchtweg, oder das Sterben auf Raten für eine Liebe, die niemals sein kann?

»𝗗𝗮𝘀 𝗟𝗲𝗯𝗲𝗻 𝗶𝘀𝘁 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗳𝗮𝗶𝗿. 𝗗𝗲𝗿 𝗧𝗼𝗱 𝘂𝗲𝗯𝗿𝗶𝗴𝗲𝗻𝘀 𝗮𝘂𝗰𝗵 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁.«

Becky Hunter schrieb einen Roman über die Endlichkeit des Seins, über das Leben, das uns allen eines Tages durch die Finger rinnt, über Schicksale, die unfairer nicht sein können, und die verschiedenen Arten der Liebe.

Erzählt wird in einem einfachen, dafür klaren Ton, der, wie auch der sprunghafte Verlauf, eine Distanz aufrechterhält, die es schwer macht, die Geschehnisse zu greifen und wahrhaftig mitzuleiden. Auch der charakterliche Stillstand der Protagonistin, die den Großteil der Handlung trotzig und unreflektiert – authentisch in anbetracht ihrer Lage? – wirkt, trug nicht zu anhaltender Sympathie bei.
Da viele Jahre in dieser Geschichte vergehen, bleibt weder Zeit zum Ankommen noch für die nötige Tiefe – wir sind hauptsächlich Teil von den Momenten kurz bevor Emerys Herz aussetzt und von den darauffolgenden Begegnungen mit Nick, die nicht selten von purer Verzweiflung erfüllt waren. Diese, dem Aufbau bedingte, „Oberflächlichkeit“ – die nicht nur Emery als Figur betrifft, sondern auch die „romantischen“ Verbindungen und die Zwischenwelt, wenn diese auch malerische Akzente erhielt – verschluckte mMn eine Vielzahl von Gefühlen. Zugleich zeigt die Autorin aber, wie gehemmt und zögernd die Protagonistin angesichts der Unberechenbarkeit ihrer Erkrankung ist. Wie zwanghaft sie versucht, im Moment zu leben, nichts zu verpassen, sich nicht festzulegen. Am Ende nichts bedauern zu müssen.

Erst später verweilen wir hier und da länger, um Details bzw. Veränderungen aus Ems Leben und ihrem Umfeld zu erhaschen. Die realitätsnahen Probleme von Familie und FreundInnen geben dem Roman zu einem gewissen Grad etwas Handfestes, etwas, womit es sich identifizieren lässt. Vor allem die Rollen von Amber und Robin, Bonnie und Colin sowie Emerys Eltern und Nicks Hintergründe umrahmen das hier geschilderte Schicksal und bereichern die Storyline. Welche der Geschichten, die hier zu finden sind, die tragischste ist? Müsst ihr selbst herausfinden!
Hatte die Idee des Ortes, der sich zwischen Leben und Tod befand, etwas Tröstendes, gar Mystisches, und boten Nicks und Emerys Gespräche einiges an Input, über den es sich lohnt, nachzudenken, einiges an Dramatik und Schmerz, empfand ich manch impulsive Reaktion nicht ganz stimmig. Und doch war diese einmalige Verbindung bittersüß.
Mit fortschreitendem Verlauf wird die Monotonie immer häufiger von Spannung durchbrochen, von kleinen Toden, die mitfiebern lassen, echten Verlusten und (Selbst)Erkenntnissen, die treffen und aufwühlen. Gerade das letzte Viertel verursachte mir mehrfach Gänsehaut – und Herzschmerz. 💔

Unerwartete, ergreifende Ereignisse, Loslassen und Lebenstragik, Melancholie und ein zarter Hauch Hoffnung, die Erinnerung daran, jetzt zu leben und zu lieben, voller Überzeugung und nicht zu warten – all das und noch mehr findet ihr hier.

„𝐁𝐢𝐬 𝐦𝐞𝐢𝐧 𝐇𝐞𝐫𝐳 𝐰𝐢𝐞𝐝𝐞𝐫 𝐬𝐜𝐡𝐥𝐚𝐞𝐠𝐭“ war nicht das emotionsgeladene Highlight, das ich mir gewünscht habe, und ist doch ein Buch, das nachklingt.
Lebe. Jetzt. Denn jede Sekunde kann unsere letzte sein.

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Veröffentlicht am 04.07.2025

Feurige Romantasy in einem eiskalten Reich.

Blazing Hearts - Das Schicksal der Drachen
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„Blazing Hearts – Das Schicksal der Drachen“ ist die neue Romantasy von B. E. Pfeiffer, in der wir dem Höhepunkt einer jahrhundertealten Fehde beiwohnen dürfen.
Perfide Intrigen, erzwungene Bündnisse und ...

„Blazing Hearts – Das Schicksal der Drachen“ ist die neue Romantasy von B. E. Pfeiffer, in der wir dem Höhepunkt einer jahrhundertealten Fehde beiwohnen dürfen.
Perfide Intrigen, erzwungene Bündnisse und eine Prinzessin – hin- und hergerissen zwischen Pflicht und Herz.

Als Alaric – König der Drachenformwandler – beschließt, das verfeindete Volk der Fae um Unterstützung im Kampf gegen die Gorgonen zu ersuchen, ist dem Weißen Drachen bewusst, dass er Solaris – Herrscherin des Sonnenhofes – etwas anbieten muss, das schwerer wiegt als magische Edelsteine. Etwas, das ihn und sein Volk verwundbar werden lässt … Gemeinsam mit seinem General und engstem Vertrauten macht er der hochnäsigen Königin ein Angebot.
Lyneria – jüngste der drei Fae-Prinzessinnen – kann weder die Enttäuschung noch die Bestürzung über den Beschluss ihrer Mutter verbergen. Doch wie jeder weiß: Die Mondgeborene-Tochter ist ersetzbar. Und so muss die kühne Kriegerin – als Braut und Spionin – ihrer warmen, blühenden Heimat den Rücken kehren, ihre Schwestern und Vorbehalte hinter sich lassen und gemeinsam mit Kethan und Alaric in den kalten Schattenkontinent reisen.
Die erste Lüge der Drachenwandler wird schnell enthüllt – und statt Respekt und einem Leben, wie es einer Königin gebührt, fristet Lyneria einsame Tage in der Fremde. Bis ein unerwarteter Angriff dafür sorgt, dass ihre Träume wahr werden – und nicht nur ihre …
Während Bürde und Verantwortung Alarics Eismauern daran hindern, zu schmelzen, bringen Lyns Aufrichtigkeit, ihre Sanftmut und ihre Stärke Kethans Vorurteile rasch ins Wanken...

Pfeiffer lässt uns das Geschehen aus drei Perspektiven verfolgen – so lernen wir die Königin und ihren Gemahl sowie dessen Vertrauten, ihre Hoffnungen und versteckten Intentionen kennen, gehen Geheimnissen auf den Grund, sind Teil von ihrer Überraschung, von langsam bröckelnder Distanz, von Unruhen im Reich und dem Zwiespalt, der alle drei zerreißt. Denn Lyneria bringt in den komplett unterschiedlichen Drachen – trotz jedweder Versuche, sie auszusperren – etwas zum Klingen, verändert mehr als nur deren Meinung über das Fae-Volk. Dass über all den zarten Entwicklungen, dem Zueinander- und sich selbst finden eine unberechenbare Bedrohung zischt, die stetig tiefer in das Zentrum der Wandler vordringt, zu nah ist und Opfer fordert, Angst schürt, hält das gesamte Schattenreich in Aufregung – und Vorsicht. Aber manchmal ist alle Vorsicht, jede Vorkehrungsmaßnahme nicht genug, wenn der Feind aus unerwarteter Richtung kommt.

Prinzipiell bleibt nur zu sagen, dass die Autorin erneut eine schlüssige Geschichte konzipiert hat, in der Twists und Romantik, explizite Szenen und viel Gefühl nicht zu kurz kommen. Im temporeichen Verlauf finden sich ausreichend integrierte Nebenfiguren und Details über die verfeindeten Gattungen samt der geschaffenen Welt. Vor allem die Gegebenheiten der Drachen – in deren Mitte sich die LeserInnen hauptsächlich befinden – wurden griffig ausgearbeitet. Die Tropes „Love-Triangle“ und „Why-Choose“ fügen sich wunderbar in die Dynamik der Protagonisten, die mit Liebe und Sorgfalt gezeichnet wurden. Auch charakterlich findet eine deutliche Entwicklung statt, was in Kombination mit nicht vorhersehbaren Ereignissen, einem gewissen royalem Flair und der Vorahnung von Verrat an die Handlung fesselt.

Wer nach einer Spicy-Fantasy, einer seichten Lovestory und nach einer kämpferischen Frau sucht; wer sich nur zu gerne in die Arme zweier Männer fallen lassen will, der sollte die magische Drachen-Romantasy „Blazing Hearts“ sofort in den Warenkorb werfen.

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Veröffentlicht am 03.07.2025

INTERESSANTES THEMA, UMMANTELT VON EINER AUSSCHWEIFENDEN, ÜBERLADENEN STORYLINE

Hello Stranger
1

Kennt ihr das, wenn ein zu viel das Interesse schmälert?
So ging es mir in „Hello Stranger“ – aber von vorn …

Acht Jahre ist es her, seitdem sich Sadie gegen ein Medizinstudium – und somit gegen ihren ...

Kennt ihr das, wenn ein zu viel das Interesse schmälert?
So ging es mir in „Hello Stranger“ – aber von vorn …

Acht Jahre ist es her, seitdem sich Sadie gegen ein Medizinstudium – und somit gegen ihren Vater – entschieden und den Weg einer Künstlerin – jenen, den auch ihre Mutter einst mit Leidenschaft ging – eingeschlagen hat. Mittlerweile hält sich die junge Frau mit Porträtmalerei und dem Geplänkel mit ihrer besten Freundin gerade so über Wasser, vermeidet peinlich genau jeden nicht notwendigen Kontakt mit ihrer Familie und versucht ihr Glück regelmäßig bei verschiedenen Talentwettbewerben ‐ erfolglos. Bis jetzt. Denn nun hat es Sadie Montgomery endlich geschafft und zählt zu den 20 FinalistInnen des prestigeträchtigsten Porträtwettbewerbs des ganzen Landes. Ihre große Chance! In sechs Wochen muss sie ein Kunstwerk einreichen, dass das Beste ist, was je aus ihrem Pinsel floss …
Doch binnen eines Wimpernschlags ändert sich das Leben der Endzwanzigerin auf drastische Weise und plötzlich ist alles Talent nicht genug …

„Hello Stranger“ beschäftigt sich mit der »erworbenen apperzeptiven Prosopagnosie« – mit einer Erkrankung, von der ungefähr 2 Prozent der Weltbevölkerung betroffen sind und die bekannter ist unter „Gesichtsblindheit“. Dies war auch der Grund, wieso ich den Roman von Katherine Center unbedingt lesen wollte.
Erzählt wird einzig aus der Sicht von Sadie, sodass wir nicht nur Teil von ihrer gegenwärtigen Überforderung, der Verzweiflung und ihrer Angst sind, der mit jedem Tag weiter schwindenden Hoffnung auf eine (schnelle) Genesung, sondern auch innerhalb des Verlaufs etliche Informationen aus ihrer – einsamen, von Trauer durchzogenen – Vergangenheit zusammentragen können. Dass der anstehende Wettbewerb für die Zukunft der Protagonistin – ihre finanzielle Unabhängigkeit und ihre Karriere – ungemein wichtig, sie jedoch nicht mehr in der Lage ist, Porträts zu schaffen, erhöht Sadies inneren Druck. Jeder Schritt außerhalb ihrer Wohnung – tief erschrocken von Fragmenten, wo einst Mimik war, Sicherheit, Orientierung – wird von Gefühlen der Ohnmacht und Unsicherheit begleitet, bringt die Künstlerin an emotionale Grenzen. Und genau jetzt, als Sadie am verletzlichsten ist, sucht sie das Unheil ihrer Jugendjahre heim. Zudem kratzt der zwielichtige Nachbarstyp an ihren Nerven, Peanut braucht dringend Hilfe und Sue? Die steckt in einem ganz eigenen Abenteuer …

War der Beginn vielversprechend, aufgrund des lockeren Stils, etlicher herzerwärmender, skurriler Momente und der mitschwingenden (Selbst-)Ironie unterhaltsam, Sadies Beeinträchtigung interessant, verlor sich die anfängliche Euphorie in vielerlei Hinsicht stetig. Denn nach und nach kommt so einiges zusammen, dass die Gesichtsblindheit und den Umgang mit dieser kontinuierlich in den Hintergrund drängt.
Sadie, auf ihre Art durchaus sympathisch, rebellisch und darauf geeicht, mit Humor auf Niederlagen zu reagieren, verliert mehrfach binnen zwei Sätzen jeden frischen Tatendrang und neuerlichen Schub Selbstbewusstsein. Nur, um sich in etlichen, schier endlosen, irrelevanten Monologen und (wiederholenden) Überlegungen zu verlieren. Dieser Umstand ging mir ebenso rasch auf die Nerven wie die Masse an Konflikten und Missverständnissen. Ein Schritt vor, drei zurück – und das in einer Tour.
▪︎Seiten überblättern, ohne etwas zu verpassen? Ist hier problemlos und oft möglich.
▪︎Den Fokus verlieren, weil ein Gedankenstrom auf den nächsten, ein Drama auf das andere folgt? Ja! Einfach ja.
▪︎Parkers Sticheleien und Auftritte sollten vermutlich als Spannungskomponente fungieren, waren aber unnötig und too much.
▪︎Das distanzierte Vater-Tochter-Verhältnis erhielt zwar eine Basis, das „klärende Gespräch“ empfand ich jedoch als zu einfach/plötzlich – aber am Ende wird eben alles gut, oder?
▪︎Ebenfalls weist der Plot Schwächen und Unstimmigkeiten auf. Ob dies auch der Fall gewesen wäre, wenn sich die Autorin auf eine gute Ausarbeitung von nur ein, zwei Punkten konzentriert hätte?

Aber es gab auch Positives:
▪︎Die romantische Entwicklung bspw.: Vorhersehbar? Auf jeden Fall. Amüsant? Definitiv. Gerade die ernsten Gespräche und der spritzige Schlagabtausch mit Joe sorgten für einige Schmunzler. Das sich verändernde Verhältnis zwischen ihm und Sadie war insgesamt schön zu verfolgen.
▪︎Peanut: Weil Hunde die besseren Menschen sind.
▪︎Center greift „Trauer“ und den individuellen Umgang mit dieser authentisch auf. Manche Verluste tun auch Jahrzehnte später noch weh, und das ist vollkommen ok.
▪︎Der medizinische Aspekt wurde u. A. mithilfe von Dr. Nicole, in Kombination mit Sadies Empfindungen und den bildhaften, teilweise sehr emotionalen Schilderungen vorstellbar dargelegt.
Montgomerys Erfahrungen regen zusätzlich zum Nachdenken an: Denn wenn optische Attraktivität, die wir hauptsächlich in Gesichtern suchen, nicht erkennbar ist, müssten wir unser Gegenüber aufgrund von Taten, Können und Verhalten bewerten. Eine spannende Betrachtungsweise, oder?

Insgesamt schafft „Hello Stranger“ ohne Frage Aufmerksamkeit für Prosopagnosie und die ‚Sichtweise' Betroffener, bietet zeitgleich aber eine vollkommen überladene Storyline. Zwischen ausschweifenden Gedankenkreisen und etlichen Längen finden sich jedoch auch romantische Augenblicke, tiefgehende Überlegungen, Schmerz und eine an sich selbst zweifelnde Frau, die nicht bereit ist, aufzugeben – allen Widrigkeiten des Lebens zum Trotz.

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Veröffentlicht am 27.06.2025

Wie ein Trostpflaster und eine wärmende Umarmung.

All the words we believe - Hearts of Paris
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Wie ein Trostpflaster und eine wärmende Umarmung.

Worte haben Macht – „𝐀𝐥𝐥 𝐭𝐡𝐞 𝐖𝐨𝐫𝐝𝐬 𝐰𝐞 𝐁𝐞𝐥𝐢𝐞𝐯𝐞“ erzählt eine emotionale Body-Positivity-Slow-Burn-Romance unter den Wundern von Paris.

Gleich an ihrem ...

Wie ein Trostpflaster und eine wärmende Umarmung.

Worte haben Macht – „𝐀𝐥𝐥 𝐭𝐡𝐞 𝐖𝐨𝐫𝐝𝐬 𝐰𝐞 𝐁𝐞𝐥𝐢𝐞𝐯𝐞“ erzählt eine emotionale Body-Positivity-Slow-Burn-Romance unter den Wundern von Paris.

Gleich an ihrem ersten Arbeitstag taucht Elodie mit einem Fleck auf der Bluse auf, verhaspelt sich bei der Vorstellungsrunde und bekommt zudem noch eine äußerst delikate Aufgabe. Doch sie darf es nicht verpatzen, denn die junge Frau braucht den Job bei dem beliebten Single-Magazin Le Clic dringend – hauptsächlich, um ihrer Katze Mimi die nötige Physiotherapie zu ermöglichen. Dass Aufreißer und Star-Kolumnist Klartext-Lucas ihren Blick wie magisch anzieht, dieser nicht der erwartete Playboy ist, von dem sie sich fernzuhalten geschworen hat, sie eng mit ihm zusammen- und sogar gemeinsam mit ihm ein Projekt erarbeiten muss, trägt nicht zu Elodies Gelassenheit bei … Dafür zu einem intensiven Kennenlernen, einem Offenlegen seelischer Wunden und einem Näherkommen, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist – denn eine ernste, romantische Beziehung ist ein fristloser Kündigungsgrund …

Laurie Jixon schafft es, dass Mensch sich in der Geschichte wiederfindet, berührt und auf eine Reise mitgenommen wird, die tiefer geht, Wachstum bereithält, Akzeptanz und so viel Mut. Elodie, die vor Jahren nach einer schmerzlich gescheiterten Beziehung aus der Bretagne und nach Paris geflüchtet ist, um Journalismus zu studieren, hat es nie geschafft, Rèmis Worte, die sich in sie einbrannten wie Wunden, hinter sich zu lassen. Noch immer quält sie seine Abneigung gegen ihren Körper, verwehrt es ihr, sich zu verlieben. Sich selbst zu lieben. Sich zu berühren, ohne Ekel in den Spiegel zu sehen.
Klartext-Lucas, bekannt für seine Ehrlichkeit, frönt dem Single-Dasein genauso wie seine neue Kollegin. Seine Kolumnen, in denen der attraktive Redakteur ohne Tabus, ungeschönt, von seinem Sexleben schreibt, sind der Verkaufsschlager von Le Clic. Seine traumatische Kindheit lehrte ihn, dass nichts und niemand bleibt, Sicherheit nur ein Mythos ist, für den er keine Risiken eingeht – eine emotionale Bindung – außer zu seiner Schwester – kommt daher nicht infrage. Doch Elodie – mit den ständig Scham geröteten Wangen, der Schüchternheit und ihrer unverstellten Art – bringt seine Überzeugungen gefährlich ins Wanken – doch nichts darf seinen Job – sein Herz – gefährden …

,𝐄𝐬 𝐭𝐮𝐭 𝐦𝐢𝐫 𝐥𝐞𝐢𝐝, 𝐝𝐚𝐬𝐬 𝐝𝐢𝐫 𝐣𝐞𝐦𝐚𝐧𝐝 𝐞𝐢𝐧𝐠𝐞𝐫𝐞𝐝𝐞𝐭 𝐡𝐚𝐭, 𝐝𝐚𝐬𝐬 𝐦𝐚𝐧 𝐝𝐢𝐜𝐡 𝐧𝐢𝐜𝐡𝐭 𝐥𝐢𝐞𝐛𝐞𝐧 𝐤𝐚𝐧𝐧.'

In „All the Words we Believe“ werden wir mit unseren Makeln konfrontiert, mit Hass und den Vorurteilen der Gesellschaft, mit Fatshaming und mit Charakteren, die uns an ihren puren Selbstzweifeln, an ihren Ängsten und bewegenden Erfahrungen teilhaben lassen. Es war so leicht, Elodie, die Befangenheit, die sie ihrem Körper gegenüber empfindet, die Sorge vor Häme und Bewertungen, zu verstehen – und sich selbst zu erkennen. Ebenfalls aufgegriffen und stimmig, auf interessante Weise integriert, werden der (offene) Umgang mit Sexualität und die Enttabuisierung dieser sowie das Singleleben. Elodies aufrichtige Liebe zu Mimi, der Wunsch, mit ihrer Arbeit etwas zu bewirken, und der Mut, den sie mehr als einmal beweist, während sie Komfortzonen überschreitet, sind nur wenige Beispiele, die sie zu einer wunderbaren Protagonistin machen. Nahbar – und authentisch.
Genauso einfach war es, sich in Lucas zu verlieben – immer dann, wenn er Professionalität und Distanz fallen lässt. Bisher Ungesagtes ausspricht. Der Verlauf ist ein Auf und Ab, angefüllt mit Unsicherheiten und falschen Glaubenssätzen – Jixon lässt all das, die sensiblen, aktuellen, realen Themen, intensiv mitklingen. Sanft und eindringlich erzählt die Autorin von einer Liebe, die weder perfekt noch einfach, nicht geradlinig oder immer zu sehen ist: jener zu sich selbst.

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Veröffentlicht am 26.06.2025

Interessantes Thema, ummantelt von einer ausschweifenden, überladenen Storyline

Hello Stranger
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Kennt ihr das, wenn ein zu viel das Interesse schmälert?
So ging es mir in „Hello Stranger“ – aber von vorn …

Acht Jahre ist es her, seitdem sich Sadie gegen ein Medizinstudium – und somit gegen ihren ...

Kennt ihr das, wenn ein zu viel das Interesse schmälert?
So ging es mir in „Hello Stranger“ – aber von vorn …

Acht Jahre ist es her, seitdem sich Sadie gegen ein Medizinstudium – und somit gegen ihren Vater – entschieden und den Weg einer Künstlerin – jenen, den auch ihre Mutter einst mit Leidenschaft ging – eingeschlagen hat. Mittlerweile hält sich die junge Frau mit Porträtmalerei und dem Geplänkel mit ihrer besten Freundin gerade so über Wasser, vermeidet peinlich genau jeden nicht notwendigen Kontakt mit ihrer Familie und versucht ihr Glück regelmäßig bei verschiedenen Talentwettbewerben ‐ erfolglos. Bis jetzt. Denn nun hat es Sadie Montgomery endlich geschafft und zählt zu den 20 FinalistInnen des prestigeträchtigsten Porträtwettbewerbs des ganzen Landes. Ihre große Chance! In sechs Wochen muss sie ein Kunstwerk einreichen, dass das Beste ist, was je aus ihrem Pinsel floss …
Doch binnen eines Wimpernschlags ändert sich das Leben der Endzwanzigerin auf drastische Weise und plötzlich ist alles Talent nicht genug …

„Hello Stranger“ beschäftigt sich mit der »erworbenen apperzeptiven Prosopagnosie« – mit einer Erkrankung, von der ungefähr 2 Prozent der Weltbevölkerung betroffen sind und die bekannter ist unter „Gesichtsblindheit“. Dies war auch der Grund, wieso ich den Roman von Katherine Center unbedingt lesen wollte.
Erzählt wird einzig aus der Sicht von Sadie, sodass wir nicht nur Teil von ihrer gegenwärtigen Überforderung, der Verzweiflung und ihrer Angst sind, der mit jedem Tag weiter schwindenden Hoffnung auf eine (schnelle) Genesung, sondern auch innerhalb des Verlaufs etliche Informationen aus ihrer – einsamen, von Trauer durchzogenen – Vergangenheit zusammentragen können. Dass der anstehende Wettbewerb für die Zukunft der Protagonistin – ihre finanzielle Unabhängigkeit und ihre Karriere – ungemein wichtig, sie jedoch nicht mehr in der Lage ist, Porträts zu schaffen, erhöht Sadies inneren Druck. Jeder Schritt außerhalb ihrer Wohnung – tief erschrocken von Fragmenten, wo einst Mimik war, Sicherheit, Orientierung – wird von Gefühlen der Ohnmacht und Unsicherheit begleitet, bringt die Künstlerin an emotionale Grenzen. Und genau jetzt, als Sadie am verletzlichsten ist, sucht sie das Unheil ihrer Jugendjahre heim. Zudem kratzt der zwielichtige Nachbarstyp an ihren Nerven, Peanut braucht dringend Hilfe und Sue? Die steckt in einem ganz eigenen Abenteuer …

War der Beginn vielversprechend, aufgrund des lockeren Stils, etlicher herzerwärmender, skurriler Momente und der mitschwingenden (Selbst-)Ironie unterhaltsam, Sadies Beeinträchtigung interessant, verlor sich die anfängliche Euphorie in vielerlei Hinsicht stetig. Denn nach und nach kommt so einiges zusammen, dass die Gesichtsblindheit und den Umgang mit dieser kontinuierlich in den Hintergrund drängt.
Sadie, auf ihre Art durchaus sympathisch, rebellisch und darauf geeicht, mit Humor auf Niederlagen zu reagieren, verliert mehrfach binnen zwei Sätzen jeden frischen Tatendrang und neuerlichen Schub Selbstbewusstsein. Nur, um sich in etlichen, schier endlosen, irrelevanten Monologen und (wiederholenden) Überlegungen zu verlieren. Dieser Umstand ging mir ebenso rasch auf die Nerven wie die Masse an Konflikten und Missverständnissen. Ein Schritt vor, drei zurück – und das in einer Tour.
▪︎Seiten überblättern, ohne etwas zu verpassen? Ist hier problemlos und oft möglich.
▪︎Den Fokus verlieren, weil ein Gedankenstrom auf den nächsten, ein Drama auf das andere folgt? Ja! Einfach ja.
▪︎Parkers Sticheleien und Auftritte sollten vermutlich als Spannungskomponente fungieren, waren aber unnötig und too much.
▪︎Das distanzierte Vater-Tochter-Verhältnis erhielt zwar eine Basis, das „klärende Gespräch“ empfand ich jedoch als zu einfach/plötzlich – aber am Ende wird eben alles gut, oder?
▪︎Ebenfalls weist der Plot Schwächen und Unstimmigkeiten auf. Ob dies auch der Fall gewesen wäre, wenn sich die Autorin auf eine gute Ausarbeitung von nur ein, zwei Punkten konzentriert hätte?

Aber es gab auch Positives:
▪︎Die romantische Entwicklung bspw.: Vorhersehbar? Auf jeden Fall. Amüsant? Definitiv. Gerade die ernsten Gespräche und der spritzige Schlagabtausch mit Joe sorgten für einige Schmunzler. Das sich verändernde Verhältnis zwischen ihm und Sadie war insgesamt schön zu verfolgen.
▪︎Peanut: Weil Hunde die besseren Menschen sind.
▪︎Center greift „Trauer“ und den individuellen Umgang mit dieser authentisch auf. Manche Verluste tun auch Jahrzehnte später noch weh, und das ist vollkommen ok.
▪︎Der medizinische Aspekt wurde u. A. mithilfe von Dr. Nicole, in Kombination mit Sadies Empfindungen und den bildhaften, teilweise sehr emotionalen Schilderungen vorstellbar dargelegt.
Montgomerys Erfahrungen regen zusätzlich zum Nachdenken an: Denn wenn optische Attraktivität, die wir hauptsächlich in Gesichtern suchen, nicht erkennbar ist, müssten wir unser Gegenüber aufgrund von Taten, Können und Verhalten bewerten. Eine spannende Betrachtungsweise, oder?

Insgesamt schafft „Hello Stranger“ ohne Frage Aufmerksamkeit für Prosopagnosie und die ‚Sichtweise' Betroffener, bietet zeitgleich aber eine vollkommen überladene Storyline. Zwischen ausschweifenden Gedankenkreisen und etlichen Längen finden sich jedoch auch romantische Augenblicke, tiefgehende Überlegungen, Schmerz und eine an sich selbst zweifelnde Frau, die nicht bereit ist, aufzugeben – allen Widrigkeiten des Lebens zum Trotz.

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