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Veröffentlicht am 01.09.2025

Unterhaltsam und aufregend

Ein Cookie für den Dämon
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„Ein Cookie für den Dämon“ ist der Auftakt einer neuen Reihe aus dem ,Guild Codex-Universum‘ von Annette Marie und meiner Meinung nach genauso unterhaltsam wie die „Spellbound“-Bücher.

Nach dem Tod ihrer ...

„Ein Cookie für den Dämon“ ist der Auftakt einer neuen Reihe aus dem ,Guild Codex-Universum‘ von Annette Marie und meiner Meinung nach genauso unterhaltsam wie die „Spellbound“-Bücher.

Nach dem Tod ihrer Eltern ist Robin Page gezwungen, bei ihrem Onkel, dem die Verwaltung ihres Erbes zugesprochen wurde, unterzukommen. Dass Jacks Familie den Neuankömmling nicht toleriert, und er keinerlei Interesse daran hat, seiner Nichte zu geben, was ihr zusteht, verleitet die introvertierte, schüchterne junge Frau dazu, sich in ihrer zeitweiligen Bleibe genauer umzusehen, um vielleicht zumindest das Grimoire ihrer Mutter aufzuspüren. Stattdessen stößt sie im verbotenen Kellerabteil auf ein Geheimnis, vor dem sie seit ihrer Kindheit gewarnt wurde: Jack und Co. sind Dämonenbeschwörer, die unter ihrem Dach zwei der mächtigen Wesen gebannt haben und – vergeblich – auf deren Kooperation hoffen.
Dass es gerade die Mischung aus waghalsiger Neugier und Cookies ist, die Robin in ein gefährliches Abenteuer, mehrfach in die Nähe des Todes und in ein emotionales Chaos treiben, hätte der Bücherwurm wohl selbst am allerwenigsten gedacht …

Erstmal: Ich finde ja auch, dass Kekse und Kuchen sämtliche Barrieren durchbrechen und Herzen erweichen können, scheinbar sogar ausreichen, um lebensverändernde Pakte zu treffen. Immerhin geht auch Zylas, der den Menschen eigentlich misstraut und sie verabscheut, nun aber fortan das Leben seiner unfreiwilligen Bekanntschaft im Austausch für Leckereien beschützt, auf diesen Deal ein. Dabei will der Dämon einfach nur nach Hause, ohne seine Autonomie gänzlich aufgeben zu müssen.

Ich musste im Verlauf aufgrund der Skurrilität mehrmals herzlich lachen, und auch die komplett verschiedenen Protagonisten, wobei wir das Geschehen nur aus einer Perspektive verfolgen, ihre Interaktion und Kommunikation waren amüsanter Natur. Während Robin oft unbeholfen wirkt, zurückhaltend und möglichst gesetzestreu, jedoch auch selbstlos handelt, ist Zylas unverschämt, impulsiv und agiert nach seinen eigenen, blutigen Regeln. Dennoch wachsen beide an- und miteinander, helfen und schützen sich.
Da Page keine Ahnung von all dem hat, ist es Amalia zu verdanken, dass sie sich einigermaßen durch die magische Welt der Beschwörer winden und ihre Rolle als Kontraktorin, die ihren Dämon unter Kontrolle hat, glaubwürdig spielen kann. So ist ihre anfänglich abweisende Cousine ein tragender Bestandteil der Story, die insgesamt actionreich und witzig vonstattengeht.

Annette Marie gibt ihrem Roman durch einige sinnig gestreute Hintergründe und Informationen über die Regeln, Gesetze und die Arbeit der Gilden Kontur. Kämpfe und Flucht wurden bildreich inszeniert, während Gefühle – von Robins Überforderung, ihrer Angst und der Wut – greifbar waren. Auch die Frage, weswegen sie nie von ihrer Mutter in das Erbe ihrer Linie eingeweiht, stets von allem Magischen ferngehalten wurde, arbeitet in ihr (und uns).
Stilistisch verfolgen wir die kurzweilige Urban-Fantasy in einem authentischen, lockeren Ton, sodass es ein Leichtes ist, sich komplett in die Geschichte fallen zu lassen und mitzufiebern. Es warten Spannung, süße Momente, charakterliche Entwicklungen und die eine oder andere Wendung.
Fakt ist: Ich hätte gerne einen Zylas auf meiner Seite.

Dass die Hobbybäckerin ihrem Grimoire am Ende noch keinen Schritt näher gekommen ist, sie ihrem dämonischen Gefährten ein Versprechen gab, für das sie sicher noch die eine oder andere Regel brechen muss, und die „Crow and Hammer“-Fraktion ebenso viele Geheimnisse hat wie ihre neuen Mitglieder ... ist reichlich Stoff für Band 2 der ,Demonized'-Reihe.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Eine Geschichte über den Mut, den es braucht, um sich gegen Unrecht aufzulehnen.

Göttin der Vergessenen
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„Göttin der Vergessenen“ erzählt nicht nur die Geschichte der unverstandenen Herrscherin über die Welt der Toten, sondern auch jene über die Entstehung von Helheim – des Reichs, vor dem sich am Ende selbst ...

„Göttin der Vergessenen“ erzählt nicht nur die Geschichte der unverstandenen Herrscherin über die Welt der Toten, sondern auch jene über die Entstehung von Helheim – des Reichs, vor dem sich am Ende selbst die Asen zu verneigen wissen.

Schon mit der ,Greek Goddesses'-Trilogie konnte mich Lucia Herbst von ihrem Talent, mythische Überlieferungen modern zu interpretieren, überzeugen. So finden wir auch in ihrem neuen Roman eine beeindruckende Menge an Recherche, die die nordischen Sagen authentisch aufgreift, kombiniert mit künstlerischer Freiheit.

Abgeschottet und unter den wachsamen Augen von Angrboda wuchs Hellia mit ihren Brüdern Fenrir und Jörmungandr versteckt in Jötunheim auf. Nur selten ließ sich ihr Vater, Loki, blicken, doch bereitete er seine Kinder stets spielerisch auf das vor, was sie außerhalb des Berges erwarten würde. Erst das Wissen um die Gefahr weckte die Vernunft in der Jüngsten, bis eine Täuschung der Asen, die bereits zu nah waren, ihr Dasein und das ihrer tierischen Geschwister für immer veränderte …
Gefangen genommen und vorgeführt, voneinander getrennt und weggesperrt – eine Zukunft, schlimmer als der Tod, den die Unterstützung von Balder und ein mysteriöser Pakt zwischen dem selbsternannten Allvater und dem Täuscher Loki abgewendet haben. Doch Hellia schwört – von dem Verrat ihres Vaters, der Feigheit und dem Unrecht der Asen schockiert, von der Verbannung aus Asgard gezeichnet und den Worten der Nornen, der Sehnsucht nach ihrer Familie getrieben – Rache. Und wird nicht ruhen, bis sie diese und ihre Brüder bekommen hat …
Auf ihrem beschwerlichen Weg durch die Welten, an Ymirs Wurzeln, seinem Wesen entlang, geführt von einem Freund, der sie in tiefster Not fand, Richtung Wissen und Macht, streift Hellia ihr altes Sein ab, wird zu Hel, zu einer Göttin, die nicht vergisst und so viel mehr ist als das nordische Oberhaupt und seine Getreuen je sein könnten …

„Hel“ ist ein gleichermaßen faszinierender wie bewegender Roman, bringt uns Lucia Herbst nicht nur Wachsen und Erkennen ihrer Protagonistin nah, sondern ruft uns auch in Erinnerung, dass wir im Jetzt leben müssen – wir nur aus der Vergangenheit lernen können, während die Zukunft nie mehr als eine sich wandelnde Ahnung bleibt. Dass unser Schicksal bei uns liegt, mit jeder unserer Entscheidungen beschlossen, jedoch nicht von Prophezeiungen und Ängsten vorgegeben wird. Dass Wissen und Macht aus derselben Quelle fließen; Antworten kommen, wenn wir bereit für die richtigen Fragen sind, und wir ohne die Natur und die Umwelt, die alles vereint und speist, nichts wären. Dass jedeR vergänglich, nur der Tod für die Ewigkeit ist.

Herbst führt uns in einem klaren, unkomplizierten Ton durch die lebendige, von Dunkelheit und Bedrohungen ummantelte Handlung. Hel verändert sich im Angesicht von Hürden und Erkenntnissen, erstarkt im Inneren, lernt, verschiebt, unter der wachsenden To-do-Liste und ihrer Bestimmung, die langsam, aber stetig Kontur bekommt, ihre Ziele. Gab es auch einige Kapitel im seichten Slow-Modus, war doch kein (Um)Weg, den Hel geht, keine Begegnung, kein Gespräch vergeudete Zeit. Die Riesin wird achtsamer und aufmerksamer, demütig und ehrfürchtig im Angesicht des Großen Ganzen, und sieht Wahrheiten, vor denen sich die Mächtigen verschließen, sieht Unrecht, dass Odin und seine Schergen ignorieren.
Immer wieder warten Spannungsspitzen und temporeiche Ereignisse, Rückschritte und Stillstand gaben der Erzählung genauso viel Authentizität wie Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Wut, wie Hels Wunsch, aufzugeben und alles niederzubrennen. In Kombination mit detailreich ausgearbeiteten Welten, tieferen Themen, verschiedenen Schicksalen und neuen FreundInnen, die sich der Flüchtigen anschließen, wurde angenehm für Abwechslung gesorgt.
Vor allem der Bezug zur nordischen Mythologie und zu den Wesen- sowie Gottheiten sorgte bei mir für anhaltendes Interesse. Die Autorin gab bekannten Figuren frische Facetten, verzichtete nicht auf göttliche Gräuel und schuf eine einnehmende, dichte Atmosphäre, in der treue Verbündete jene sind, die Zuversicht bringen.

Herzerwärmende Augenblicke, spaßige Szenen, erkenntnisreiche Gespräche, Found-Family, (Nächsten)Liebe, Female Rage und Nordic-Mythologie – der neue Fantasy-Roman von Lucia Herbst kommt mit grausamen Ereignissen, überraschenden Entwicklungen und einschneidenden Offenbarungen daher, mit vielen Wahrheiten und Input zum Nachdenken. Zeitgleich finden sich eine tröstende Ruhe und die befreiende Akzeptanz des Unausweichlichen. „Göttin der Vergessenen“ ist eine Geschichte über den Mut, den es braucht, um sich gegen Unrecht aufzulehnen, über Selbstfindung, das Leben und das Sterben.

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Ergreifend, spannend und wunderbar geschrieben.

King of Ash and Dust
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„King of Ash and Dust“ setzt knapp vier Wochen nach den tragischen, unerwarteten Ereignissen, mit denen Yvonne Westphal den Auftakt ihrer Vampir-Romance beendete, an und spielt in einem Zeitraum von mehr ...

„King of Ash and Dust“ setzt knapp vier Wochen nach den tragischen, unerwarteten Ereignissen, mit denen Yvonne Westphal den Auftakt ihrer Vampir-Romance beendete, an und spielt in einem Zeitraum von mehr als einem Jahr.

Zugegeben: Band 1 konnte mich nur bedingt von sich überzeugen, doch diese Fortsetzung hat es in sich. Statt sich in Schmachten und Stillstand zu verlieren, ist das Tempo konstant hoch, Ereignisse, unerwartete Offenbarungen und schockierende Informationen reihen sich mit herzzerreißenden Momenten und schweren Entscheidungen aneinander, um eine aufregende, bittersüße Komposition zu bilden.

»Ich habe dich einmal verloren. Ich werde dich kein zweites Mal verlieren.«

Trotz der zahlreichen Vorbehalte, die die treuen Konsuln von Salvatore Massimo di Ferrara hegen, ihrem Wunsch, auf festgefahrenen Wegen zu verweilen und weiter in der Sicherheit der Großstadt auszuharren, sieht sich Alyssa, als neues Oberhaupt, in der Pflicht, die veralteten Strukturen der Vampirgesellschaft zu reformieren und ihren Ruf als Königin des Blutes zu festigen – über die Grenzen Portlands hinaus. Liegt doch in Prag – einst das Herrschaftsgebiet der Untoten, die Geburtsstätte der Nachtwesen und der Ort, an dem sich zwei Größen ihrer Geschichte den Todesstoß versetzten – das, was Vlad Dracula mit kryptischen Worten in seinem Tagebuch als Ende des Kriegs zwischen seinesgleichen und den JägerInnen bezeichnet. Wenn die einstige Vampirhochburg auch schon längst von den Feinden infiltriert wurde …

Abgesehen davon, dass sich der Ort des Geschehens verschoben hat, liegt der Handlungsschwerpunkt nun auf dem Suchen und Finden jener Waffe, die alles zu ändern vermag. Dass auch Abtrünnige und der unerbittliche Jägerclan von deren Existenz wissen, eine Konfrontation unumgänglich ist, sorgt für Action, viele Fragen und eine vorsichtheischende Grundlage. Wir werden in uralte Intrigen gezogen, in Kämpfe und in Hinterhalte, werden Teil von Folter, Verlust und Rachegelüsten. Aber auch von Geschichten, die von der großen und unendlichen Liebe erzählen, von Loyalität bis zum Ende und bedingungsloser Freundschaft.

Alyssa – die ihren inneren Aufruhr, die Schuld und Leere, die Seelenqualen, die das Ableben ihres Gefährten in ihr hinterlassen hat, hinter einer starken und stolzen Haltung verbirgt – nimmt ihren Platz an der Spitze ein. Mit der Unterstützung ihres engsten Kreises und der machtvollen, von Sehnsucht zerfressenen Königin der Nacht geht sie ihren eigenen Intentionen nach – zu Tatsachen, für die niemand bereit scheint …
Kaum wieder bei Bewusstsein wird der Totgeglaubte nicht nur mit schrecklichen Erinnerungsfetzen konfrontiert, mit Empfindungen, die er versucht, tief in sich, hinter Hass, zu verschließen, sondern auch mit der personifizierten Wahrheit seiner Abstammung, mit menschlicher Grausamkeit, fanatischen Plänen und einer Bürde, die schwerer wiegt als Gabriels bloßes Antlitz …

Durch die wechselnden Perspektiven werden wir zwar in die vorherrschenden zwiespältigen Gefühle beider Protagonisten gesogen, jedoch überwiegt der Blick auf die äußere Situation. „King of Ash and Dust“ war durchweg spannend, mitreißend und einnehmend. Die Autorin konzipierte eine durchdachte, von Dunkelheit und Gefahren durchzogene Handlung, in der sich nach und nach einzelne Hintergründe erschließen, sich Lügen herauskristallisieren und Verrat sichtbar wird. Wut. Beißender Schmerz. Dramatik.
Neben ihrem Talent, Stimmungen einzufangen, Settings malerisch zur Geltung zu bringen und eine drückende, mystische Atmosphäre zu erzeugen, hat Yvonne ein Händchen dafür, Emotionen in wunderschöne Worte zu packen, in solche, die nahe gehen. Auch überrascht Westphal mehrfach, sät Misstrauen, lüftet Geheimnisse und platziert gekonnt einige Twists. Ebenso positiv war die Ausarbeitung und Integration verschiedener Nebenfiguren, die der Romance trotz der Düsternis, des melancholischen Tons und hoffnungsloser Prophezeiungen, der mitschwingenden Verzweiflung, eine warme Komponente gaben:
Lucy, die etwas Quirliges mitbringt, Cassandra, die liebevolle Strenge walten lässt, oder Kyle, den wahren Helden. Auch mischen einige neue, schwer einschätzbare Charaktere mit, die zwar Abwechslung bringen, jedoch auch Argwohn entfachen.
Wie schon im ersten Teil war es aber Kataleyna Ferraras, der meine Faszination gehört – wie wäre denn eine tragische Geschichte über die Herrscherin der Nacht?

Die Entwicklung der Story war griffig, jene der Protagonisten – unabhängig voneinander und gemeinsam – authentisch und den Umständen entsprechend. Ihr Sehnen nacheinander und der Widerwille, diesem nachzugeben, ihr Verlangen flossen durchgängig mit und sorgten für kribbelige Vorfreude, für Aufatmen. Gaben dem Geschehen ein prickelndes Feuer. Trotz des Zorns, der Unsicherheiten und Ängste, die in Lincoln und Alyssa schwellen, ist ihre Bindung besonders – wie die Vampirin und ihr menschlicher Gefährte selbst. Aber reicht diese Liebe tiefer als die jahrhundertealte Feindschaft?

„Rise of the Night“: eine verführerische Dilogie, die seicht startet und sich zu einer einnehmenden, ergreifenden Geschichte wandelt.

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Veröffentlicht am 27.08.2025

Rasante Fortsetzung mit Schwächen

Revenant Games - Jagd des Schicksals
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»𝗗𝘂 𝗯𝗲𝘀𝗶𝘁𝘇𝘁 𝗱𝗮𝘀 𝗛𝗲𝗿𝘇 𝗲𝗶𝗻𝗲𝗿 𝗩𝗮𝗺𝗽𝗶𝗿𝗶𝗻. 𝗨𝗻𝗱 𝘄𝗶𝗿 𝗩𝗮𝗺𝗽𝗶𝗿𝗲 𝗯𝗲𝗸𝗼𝗺𝗺𝗲𝗻 𝗶𝗺𝗺𝗲𝗿, 𝘄𝗮𝘀 𝘄𝗶𝗿 𝘄𝗼𝗹𝗹𝗲𝗻, 𝗲𝗴𝗮𝗹, 𝘄𝗲𝗿 𝗱𝗮𝗳𝘂𝗲𝗿 𝗯𝗹𝘂𝘁𝗲𝗻 𝗺𝘂𝘀𝘀.«


Seit Bly die gefürchteten »Revenant Games« gewonnen hat, sind keine zwei Monate vergangen. ...

»𝗗𝘂 𝗯𝗲𝘀𝗶𝘁𝘇𝘁 𝗱𝗮𝘀 𝗛𝗲𝗿𝘇 𝗲𝗶𝗻𝗲𝗿 𝗩𝗮𝗺𝗽𝗶𝗿𝗶𝗻. 𝗨𝗻𝗱 𝘄𝗶𝗿 𝗩𝗮𝗺𝗽𝗶𝗿𝗲 𝗯𝗲𝗸𝗼𝗺𝗺𝗲𝗻 𝗶𝗺𝗺𝗲𝗿, 𝘄𝗮𝘀 𝘄𝗶𝗿 𝘄𝗼𝗹𝗹𝗲𝗻, 𝗲𝗴𝗮𝗹, 𝘄𝗲𝗿 𝗱𝗮𝗳𝘂𝗲𝗿 𝗯𝗹𝘂𝘁𝗲𝗻 𝗺𝘂𝘀𝘀.«


Seit Bly die gefürchteten »Revenant Games« gewonnen hat, sind keine zwei Monate vergangen. Ihrer Schwester, die sie vor anderthalb Jahren an die Hexen verlor, ist sie jedoch noch immer keinen Deut näher. Nur die Gewissheit, dass Elise zumindest irgendwo am Leben ist, die „Heiler“ – ein Rebellentrupp, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, unrechtmäßige Gefangene zu befreien – und die Unterstützung von Emerson halten das gnadenlose Menschenmädchen aufrecht.

Kerrigan meidet sie seit ihrem Verrat und verfolgt eigene Ziele: die Befreiung seines Bruders. Beide kämpfen mit den Regeln ihrer Welt und gegen die Zeit. Beide sind bereit, für ihre Geschwister bis zum Äußersten zu gehen. Doch immer neue Hürden, Aufträge und falsche Deals, Angriffe und Kämpfe stellen sich ihnen entgegen. Offenbarungen, die alles ändern und vor allem in Bly die Frage wecken, ob sie mit all dem Blut an ihren Händen, der Schuld auf ihrer Seele leben kann …

„𝗪𝗮𝗲𝗵𝗿𝗲𝗻𝗱 𝗱𝗲𝗿 𝗦𝗽𝗶𝗲𝗹𝗲 𝗵𝗮𝘁𝘁𝗲 𝘀𝗶𝗲 𝘀𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗪𝗲𝗹𝘁 𝘇𝘂𝗺 𝗘𝗶𝗻𝘀𝘁𝘂𝗿𝘇 𝗴𝗲𝗯𝗿𝗮𝗰𝗵𝘁. 𝗜𝗺 𝗚𝗲𝗴𝗲𝗻𝘇𝘂𝗴 𝗿𝗶𝘀𝘀 𝗲𝗿 𝘀𝗲𝗶𝘁𝗱𝗲𝗺 𝗶𝗵𝗿 𝗛𝗲𝗿𝘇 𝗶𝗻 𝗦𝘁𝘂𝗲𝗰𝗸𝗲, 𝗹𝗮𝗻𝗴𝘀𝗮𝗺 𝘂𝗻𝗱 𝗾𝘂𝗮𝗹𝘃𝗼𝗹𝗹.“

„𝐉𝐚𝐠𝐝 𝐝𝐞𝐬 𝐒𝐜𝐡𝐢𝐜𝐤𝐬𝐚𝐥𝐬“ ist eine ereignis- und entwicklungsreiche Fortsetzung, die uns erneut die tristen Gegebenheiten und die unfairen Züge der Mächtigen – Vampire und Hexen – vor Augen führt. Margie Fuston unterstreicht dies mit einer hoffnungslosen, düsteren Atmosphäre, mit unberechenbaren Figuren, Gier und Blut. Wie schon zu „𝐒𝐩𝐢𝐞𝐥 𝐚𝐮𝐟 𝐋𝐞𝐛𝐞𝐧 𝐮𝐧𝐝 𝐓𝐨𝐝“ erwähnt, gelangen die malerischen Schilderungen der Gefühle hervorragend, nichtsdestotrotz fehlt es erneut an stilistischer Raffinesse und Fokus. Dazu muss gesagt werden, dass sich die Geschichte trotz etlicher Längen, Wiederholungen, ausufernder Gedankengänge und eines insgesamt holprigen Storytellings flott lesen lässt, hauptsächlich aber dank einer gewissen Originalität – frischen Elementen und der spaßig-spannenden Umsetzung von Bekannten – fesselt. Flüche und Tod, Rebellion, Manipulation und Täuschungen gibt's on top, wenn viele schmerzhafte und entscheidende Szenen mMn viel zu flott und einfach abgehandelt wurden.

Mit ihren moralisch verwerflichen Taten und Ansichten sorgten einige Charaktere für wohlwollendes und interessiertes Augenbrauenheben, mehrfach für Überraschungen und tiefe Einblicke. Die Fülle an schwer einschätzbaren Vampiren und Hexen sowie Wendungen und Action verleiht dem Geschehen rege Abwechslung. Zusätzlich finden sich in dieser Dilogie Gesellschaftskritik und echte Missstände – gleich neben der Liebe, die vielleicht alles überwindet.

Mein großer Kritikpunkt geht an die Protagonistin: Bly strapazierte meine Nerven und zeigt auch erst seeeeeehr spät Größe. Ein derart selbstherrliches, ich-bezogenes und anmaßendes Persönchen kam mir bisher nur selten unter. Unreflektiert, mit subtilen Vorwürfen um sich werfend, jegliche Schuld von sich weisend und auf das eigene Verhalten heroisch blickend – das ist diese Heldin …

Mit dem Aufbruch einer kleinen, von den Übermächten zusammengewürfelten und auf eine heikle Mission entsandten Gruppe erhält der Verlauf Dynamik und der Einzelne etwas Nahbares. Weitreichende Entscheidungen müssen getroffen, hohe Opfer gebracht und ungeahnte Risiken eingegangen werden. In den letzten 25 % überschlagen sich neue Erkenntnisse und Pläne, Tragik, Verlust und Wandel greifen ineinander und beenden die dystopische Fantasyserie.

Obgleich „Revenant Games“ Schwächen im Plot und der Erzählweise aufweist, lohnt sich ein Blick hinein. Die Autorin spricht von Träumen, Familie, Freundschaften, Ungerechtigkeiten und dem Ungleichgewicht innerhalb der (unserer) Gesellschaft. Von Macht(missbrauch) und dem Sehnen nach Freiheit, von dem Überwinden von Vorurteilen und (Selbst)Vergebung. Fuston stellt die Frage, was wir bereit sind zu tun, um die Menschen, die wir lieben, zu retten; welche Wagnisse wir für eine bessere Welt und essenzielle Veränderungen auf uns nehmen würden. Sind wir mutig genug, hinter den Schein, hin zu den unbequemen Wahrheiten zu blicken und unseren eigenen Wohlstand zu riskieren?
Und wer sind wir überhaupt, zu entscheiden, welches Leben kostbar ist – und welches nicht?!

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Veröffentlicht am 25.08.2025

Intensive, mitreißende und spannende Trilogie.

Baby, I'm yours forever
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Mit „𝐁𝐚𝐛𝐲, 𝐈'𝐦 𝐲𝐨𝐮𝐫𝐬 𝐟𝐨𝐫𝐞𝐯𝐞𝐫“ endet die 𝐏𝐨𝐞𝐭𝐫𝐲-𝐌𝐞-𝐓𝐫𝐢𝐥𝐨𝐠𝐢𝐞 auf dramatische Weise und hinterlässt ein Gefühl von „Verstanden und Gesehen werden“, von Dankbarkeit – für das Leben und die Liebe, die Familie, ...

Mit „𝐁𝐚𝐛𝐲, 𝐈'𝐦 𝐲𝐨𝐮𝐫𝐬 𝐟𝐨𝐫𝐞𝐯𝐞𝐫“ endet die 𝐏𝐨𝐞𝐭𝐫𝐲-𝐌𝐞-𝐓𝐫𝐢𝐥𝐨𝐠𝐢𝐞 auf dramatische Weise und hinterlässt ein Gefühl von „Verstanden und Gesehen werden“, von Dankbarkeit – für das Leben und die Liebe, die Familie, die man selbst wählt, und die eigene Stärke, die man viel zu oft vergisst.

Das Finale setzt dort an, wo „Baby, I'm obsessed you“ endete –
Hanna, die in Unglaube und Zweifeln, vor Sorgen vergeht.
Luca, der versucht, mit dem klarzukommen, was sich ihm zwischen Abschiedsküssen und Bahngleisen offenbarte. Alles tut, um seine Liebe zu schützen. …

Uns erwartet ein aufschlussreicher dritter Teil, der nicht nur neue Fragen stellt, sondern am Ende jede einzelne beantwortet, Ungereimtheiten aufdeckt und bis zum Schluss rege mit frischen Wendungen und Wahrheiten schockiert. Bereits die Vorgänger waren durch ungute Vorahnungen, unberechenbare Ausbrüche, Drohungen aus unbekannter Richtung mit Spannung versehen, doch nun toppt Ayden diese ungemütlichen Vorkommnisse. Denn verschiedene Situationen spitzen sich zu: tätliche Angriffe, Intrigen, Manipulation und Lügen, bis Misstrauen durch die Seiten pulsiert und selbst während heißer Zweisamkeit, in romantischen Augenblicken, leichten, genießerischen Momenten eine bedrohliche Nuance, wachsame Vorsicht, Unbehagen zu spüren ist.

Abgesehen von dem gegenwärtigen Plot, in dem Hanna und Luca so einige Probleme und Gefahren überwinden, Hürden meistern, sich jeden Tag neu füreinander entscheiden müssen, um endlich „wir“ sein – bleiben – zu können, wird die Handlung mit verschiedenen, oftmals Gänsehaut und Mitgefühl erzeugenden Rückblenden bereichert. So werden u. A. die Anfänge ihrer gemeinsamen Geschichte beleuchtet – dies gibt dem Geschehen sowie den Protagonisten noch mehr Griffigkeit und Tiefe: Alex, der nie aufhörte, seine Belle zu suchen, zu vermissen; der aufgrund seiner Hochsensibilität schon immer deeper fühlte, mehr. Und Johanna, die bis heute in Vorwürfen verbrennt, sich in Narzissmus verfing, mit Verlusten kämpft.

Die „Poetry-Me-Trilogie“ beinhaltet sensible und aktuelle, authentisch eingebettete Themen – von psychischen Erkrankungen und Tod über Missbrauch und Traumata bis hin zu mangelndem Selbstwert und „Nie gut genug sein“ –, zusätzlich finden sich ganz alltägliche Dinge, wie bspw. Menstruation und die Tatsache, dass (eigene) Kinder nicht der Lebenssinn sind.
Die Stimmung des Finales wankt, schmiegt sich an die unterschiedlichen Situationen – zwischen himmelhochjauchzend-hellstrahlend und tränennass-gewitterwolkengrau ist alles dabei. Was im nächsten Kapitel, im nächsten Absatz kommt, welche Enthüllungen es zu ertragen gilt, ob sie Erleichterung oder neue Sorgen schaffen? Bleibt stets eine Überraschung. Julie lässt ihre LeserInnen in der Poesie zergehen, berührt mit ihren Worten, den puren Emotionen und dieser intensiven Liebe. Zeitgleich bringt die Autorin uns mit damn hotten Spicy-Szenen zum erröten und schwitzen.

Verhalten und Reaktionen des Einzelnen waren nachvollziehbar und schlüssig. Vor allem beeindruckt hat mich Hanna, die die Wahrheit hinter den Lügen gesehen und sich nicht von verletztem Stolz und Eifersucht hat abhalten lassen; an Luca & sich glaubte. Auch in den grauen Stunden, durch Ungewissheit hinweg.
Dass diese Romance nicht nur in einem wunderschönen, den speziellen und feinfühligen Charakteren entsprechenden Stil geschrieben wurde, bildlich, angereichert mit Liebe und Schmerz, sondern Ayden auch eigens für diese Serie diverse Poetry-Slam-Texte entwickelte und eine gekonnt inszenierte Suspense-Komponente einfügte, ist meiner Meinung nach standing ovations würdig!

Neben den aufregenden Entwicklungen von und zwischen Alexander Severin und Johanna Berger, bekamen weitere Figuren viel Raum, um ihr Wesen optimal zu entfalten: Rio, Ruby und Sina zum Beispiel – absolute Herzmenschen. Auch Fiona, Nero und Gila bereichern mit ihren speziellen Eigenschaften und Dämonen das Geschehen und geben Poetry-Me etwas ganz Besonderes.

Eigentlich hätte die Autorin „Baby, I'm yours forever“ mit einem sonnigen, cozy Happy-End schließen, für wohlige Seufzer sorgen können... Aber WIR LIEBEN TWISTS, Tragik und Drama, oder? Oder?! Haltet Schokolade bereit, Taschentücher, jemanden, an dem ihr euch festhalten könnt ...

„Poetry-Me“: eine durch und durch mitreißende, berührende und aufwühlende New-Adult-Serie, die bricht, um zu heilen. Julie Ayden generiert Aufmerksamkeit für schwere Traumata, deren Auswirkungen und für oft unterschätzte mentale Erkrankungen. Zudem wird jenen Menschen, die unter der „gesellschaftlichen Norm“ & Arschlöchern leiden, Mut zugesprochen; während Selbstzweifel ein Stück weit fortgeweht werden, wird jede/r darin erinnert: „Du bist perfekt, vollkommen okay. So wie du bist.“

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