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Veröffentlicht am 20.08.2025

Hat meine Erwartungen nicht erfüllt

My Haunted Heart – Ich sehe dich
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„My haunted Heart: Ich sehe dich“ ist die neue Romance aus der Feder von Mimi Kylling und erzählt die Geschichte von Flora, einer stillen, in sich gekehrten Floristin, und Sawyer. Der die Dunkelheit nach ...

„My haunted Heart: Ich sehe dich“ ist die neue Romance aus der Feder von Mimi Kylling und erzählt die Geschichte von Flora, einer stillen, in sich gekehrten Floristin, und Sawyer. Der die Dunkelheit nach Bishop’s Hope bringt, festgefahrenen BewohnerInnen das Fürchten lehrt und der 23-Jährigen die Liebe schenkt. Und so viel mehr.

Es war jener Tag, an dem sich Flora von ihrer Großmutter verabschieden muss, als sie die Präsenz eines Fremden zum ersten Mal spürt. Als sie die Ahnung überkommt, beobachtet zu werden. Aus den Schatten ihres erinnerungsschweren Gartens.

Nur einmal wollte er sie sehen. Ihr ins Gesicht blicken. Ihren Duft atmen. Ein einziges Mal, bevor nichts mehr eine Rolle spielt. Doch Flora ist betörend. Unberührt. Einsam. Und verdient es, wie eine Königin behandelt zu werden …
Doch nicht von ihm, nicht von Sawyer, der mit seinen Dämonen und dem Schicksal kämpft …

Kylling schildert das Geschehen aus wechselnder Perspektive, was uns die Protagonisten und ihre gegenwärtigen Situationen zu einem gewissen Teil näherbringt.
Flora fühlt sich seit dem Tod ihrer Grandma verlorener als jemals zuvor, da helfen auch Kater Wilson, Layla oder der Reverend der Gemeinde nicht. Bisher war die junge Frau nie verliebt, nie interessiert an Dates mit den Männern des Dorfes, und dass gerade ein wortkarger, unheimlicher Unbekannter ihre Nerven auf die bestmögliche Weise strapaziert, in ihr Mut und Abenteuerlust weckt, entfacht Sorge in Bishop’s Hope... Die Zeit mit Sawyer ist heiß, intensiv und schnell – keines seiner Geheimnisse, nicht seine Vergangenheit, seine Taten oder harsche Worte schrecken Flora ab. Dabei hat Sawyer die Hölle gesehen, erlebt sie jede Nacht wieder und blickt einer Zukunft entgegen, in der die Dunkelheit präsent ist.

Obgleich sich Beweggründe und Ausmaße von Sawyers Obsession erst mit fortschreitendem Verlauf enthüllen, ist von Anfang an deutlich, dass der 25-Jährige gebrochen ist, erschüttert, mit Ängsten ringt, um Fassung. Einblicke hinter seine Fassade, in weiche Seiten, in Traumata und Gefühle, die zerstören können – oder heilen – verleihen der Handlung, in Kombination mit seiner Unberechenbarkeit und der emotionalen Labilität, zumindest leichte Spannungsspitzen. Schüren Interesse.

Jedoch entpuppte sich „My haunted Heart“ insgesamt weder als besonders dark – nimmt man die inneren Kämpfe des Ex-Soldaten beiseite – noch als Suspense-Story. Wer diese Erwartungen vorzeitig loslässt, wird von der Geschichte samt der einen oder anderen Offenbarung, den Problemen der Figuren, Sawyers Erfahrungen und den tragischen Themen sicherlich mitgerissen.
Ich habe mich auf das Marketing verlassen und suchte inmitten von Kleinstadtcharme vergeblich den Adrenalinkick und die Gefahr. Die wattierte Lovestory geht rasch – für die Ausgangssituation mMn viel zu einfach und unkompliziert – voran. Ich konnt das Gerede von „Liebe“ zumindest nicht greifen oder nachvollziehen. Auch Sawyers wiederholendes „Ich bin nicht gut für dich/Es kann kein uns geben …“ wirkte eher unpassend als heroisch, sodass es mir häufiger an konsequentem Verhalten und echter, erwachsener Kommunikation fehlte. Dafür liegt der Fokus zu keiner Zeit auf expliziten Szenen; Körperliches wurde stimmig in die Storyline integriert, ebenso wie die Bedenken von Floras Umfeld, das die Stalking-Allüren nicht romantisiert. Stilistisch vermisste ich die gewohnte Lebendigkeit und Poesie, die malerischen, atmosphärischen Worte, dennoch erzählt die Autorin ihre Romance in einem lockeren und verständlichen Ton.

Mimi Kylling greift einige sensible Punkte auf – von Verlust und Trauer über Akzeptanz, Bewältigung und Vergebung, vor allem jene für sich selbst. Spricht von Krieg und den Opfern, die auch Überlebende bringen. Erinnert uns daran, dass die Sonne immer wieder aufgeht, auch wenn wir sie nicht sehen …

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Deutliche Schwächen im Text selbst und der Handlung

Fleur de Lavande (Band 1) - Wie du liebst
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Privat und beruflich ausgebrannt, frisch getrennt und am Bestsellerstatus vorbeigeschrammt, gönnt sich Viola eine dringend benötigte Auszeit in Südfrankreich bei ihrer besten Freundin Jules. Zwischen tröstenden ...

Privat und beruflich ausgebrannt, frisch getrennt und am Bestsellerstatus vorbeigeschrammt, gönnt sich Viola eine dringend benötigte Auszeit in Südfrankreich bei ihrer besten Freundin Jules. Zwischen tröstenden Worten, Kindheitserinnerungen und Meeresrauschen trifft sie auf Lucas Rausch – geforderter Erbe eines Imperiums und gehypter Profisportler. Trotz Differenzen kommen sich die beiden langsam näher, lernen die gegenwärtige Version des anderen kennen. Erwecken nie vergangenes Herzklopfen erneut. Doch wartet nach der sonnigen Zeit, hinter Lavendelfeldern eine echte Chance?

Gabriella Santos de Lima schreibt in einem sehr gefühlvollen Ton, bringt Emotionen und Empfindung malerisch zur Geltung und erweckt mit ihren Worten die atmosphärische Kulisse zum Leben. Leider steht die mangelnde inhaltliche Qualität der Geschichte im Weg. Zusätzlich sind es die eine oder andere (nicht getätigte) Reaktion, Violas wiederholende Selbstzweifel und ein rasches Ende, welches nicht zu den eingebundenen, sensiblen Themen passt, die die anfängliche Euphorie trüben. Dabei begann „Wie du liebst“ toll; das erste Aufeinandertreffen der Protagonisten sorgte für Unterhaltung, doch Viola macht es den LeserInnen nicht einfach, sie zu mögen. Gefangen in negativen Gedanken, blockt sie Spaß, (eigene) Entwicklungen sowie Einsichten rege ab, sieht nur ihre Fehler, ihr „mehr tun können“ statt Offensichtliches. Luc ist, obgleich seiner anfänglichen ruppigen Distanz, ein klasse Mann. Wenn der Sport selbst und seine Leidenschaft zu diesem auch keine gewichtige Rolle einnehmen, sind es sein familiäres Erbe, der Druck der auf ihm lastet, und ein tragisches Geheimnis, welches konstant die Neugier erhält. Dass Santos de Lima mit Vi nicht nur authentisch den Stress aufzeigt, den das Leben als veröffentlichte Autorin mit sich bringt, der Zwang, sich immer wieder neu zu beweisen, sich zu vergleichen, besser zu sein, sondern auch die Sexualisierung von Männern gibt der Romance etwas Gewichtiges – unabhängig der Umsetzung. Abgesehen der Liebesgeschichte, die ein Auf und Ab ist und mehrfach von fehlender Kommunikation ins Schlingern gebracht wird, sind es hauptsächlich äußere, interessante Umstände, bewegende Offenbarungen und andere Figuren, die dafür sorgen, dass Viola und Luc für sich selbst einstehen und auf Unrecht reagieren. Zudem ist Jules eine Schwester, Freundin und Feministin die der melancholischen, soften Erzählung Humor und Lebendigkeit beschert.

Meiner Meinung nach fehlt es „Fleur de Lavande - Wie du liebst“ nicht nur an einem Korrektorat, sondern auch an Stärke, griffigen Entwicklungen und Tiefe. Wer eine seichte Story sucht, in dem wichtige Punkte (teilweise zwar nur oberflächlich und einfach) zur Sprache kommen, die Urlaubsvibes versprüht und insgesamt „nett“ ist kann hier ruhig einen Blick hineinwerfen.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Wieder ein sehr gutes Buch der Autorin.

How to Fight Fate: Ist es wahre Liebe, wenn das Schicksal den Seelenpartner vorherbestimmt? Enemies-to-Lovers-Romantasy Young Adult Buch ab 14 Jahren mit Farbschnitt nur in der 1. Auflage (Fate Dilogie, Bd. 1)
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Endlich ist der Tag gekommen, auf den Kiana so viele Jahre hingearbeitet, den sie mehr als alles andere herbeigesehnt, sie mit Hoffnung erfüllt hat – der Tag der Schicksalszeremonie. Jene Feierlichkeit, ...

Endlich ist der Tag gekommen, auf den Kiana so viele Jahre hingearbeitet, den sie mehr als alles andere herbeigesehnt, sie mit Hoffnung erfüllt hat – der Tag der Schicksalszeremonie. Jene Feierlichkeit, die für viele Menschen Animas das Ende von Einsamkeit, einen sicheren Platz und Liebe bis zum Tod bedeutet …

Als Waisenkind aufgewachsen, nie in den Genuss von Wärme und Fürsorge gekommen und mit der Bürde gezeichnet, durch eine einzige Berührung die Zukunft anderer zu sehen, tief in sich zu spüren, war das Leben der 19-jährigen Novizin, das sie bereits in jungen Jahren voll und ganz ihrem Orden widmete, nie leicht. Doch nun – gesegnet von der Göttin Moyra, mit Zuversicht erfüllt und dem starken Wunsch, einen Unterschied zu machen, das Kriegstreiben zu beenden – wird sich Kianas wahrer Weg offenbaren …
Aber Glück ist vergänglich, das Schicksal nicht in Stein gemeißelt und Hoffnung ein flüchtiges Gut. In der Nacht, bevor sich alles ändern und endgültig fügen sollte, wird die junge Frau zu einer Verlorenen, einem wertlosen Menschen ohne Seelenpartner – und somit zu einem kurzen Dasein an der Front verdammt.
Dass es gerade ein unausstehlicher Kriegsnovize ist, der mit seinen tückischen Fähigkeiten erneut ihr Blatt zu wenden vermag, hat die Anhängerin des Schicksals nicht kommen sehen …

»(…) 𝗱𝗶𝗲 𝗭𝘂𝗸𝘂𝗻𝗳𝘁 𝗶𝘀𝘁 𝘄𝗲𝗿𝘁𝗹𝗼𝘀, 𝘄𝗲𝗻𝗻 𝗱𝘂 𝗱𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗚𝗲𝗴𝗲𝗻𝘄𝗮𝗿𝘁 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗹𝗲𝗯𝘀𝘁.«

Saskia Louis führt uns in einem wunderbaren, bildreichen und verständlichen Ton in und durch ihre Geschichte, sodass wir im Verlauf immer wieder mit den harschen, grausamen Gegebenheiten von Anima, mit den strikten Regeln und den meist tödlichen Strafen der Götter sowie dem bereits seit 300 Jahren andauernden Krieg konfrontiert werden. Jedes Kapitel wird mit Ausschnitten aus Gesetz- und Lehrbüchern eingeleitet, was das Ganze noch griffiger werden lässt und unweigerlich ein beklemmendes Gefühl verursacht.

Erzählt wird aus wechselnder Perspektive von Kiana und Tyron, einem Schicksalsbrecher, der seit nunmehr als vier Jahren gemeinsam mit Vynia und seinem besten Freund Nevin auf der Flucht ist. Narben zieren seinen Körper, während Verlust und Elend seine Seele quälen und mit seinem Namen versehene Stricke überall auf ihn warten. Aber selbst die zahlreichen Waffen des talentierten, mächtigen Kriegers, die ernste Miene und der harte Blick täuschen nicht über Tyrons Aufrichtigkeit, über seine bedingungslose Loyalität gegenüber seinen Gefährten hinweg, über gut versteckte Reue und die aufkeimende Liebe...

Es war aufregend und unterhaltsam, die Figuren und ihre leisen Veränderungen zu verfolgen, zu sehen, wie sie einander ergänzen und halten. Kiana wird durch Tyrons provokante und direkte Art, mithilfe von Wahrheiten, die das Volk von Anima nie erreichten, immer häufiger mit der Frage konfrontiert, ob der Weg, dem sie blind folgt, tatsächlich der einzig Wahre ist. Bis Zweifel an der Güte und Selbstlosigkeit der Götter sie überwältigen und Kiki einen waghalsigen Entschluss fasst. Einen, den sie den Kopf kosten wird...

Obgleich Täuschungen und Verrat auf die Schicksalsnovizin einprasseln, Offenbarungen, die alles aus den Angeln heben und ihr eigentliches Ziel in Nebel hüllen, sie Regeln bricht und vielleicht für immer vor den Götzen und ihren Getreuen flüchten muss, erfährt Kiana dank dem charmanten Liebesnovizen, den steifen Martia-Anhänger und dem beschützerischen Silberflughörnchen zum ersten Mal uneingeschränkte Akzeptanz, lernt, was es heißt, Freunde und Familie zu haben und mehr zu sein.
Vage Andeutungen über noch verborgene Hintergründe, Intentionen und Vergangenheiten des Einzelnen sowie actionreiche Szenen und bedrohliche Abschnitte aus der Sicht der unantastbaren Instanzen halten das Interesse konstant aufrecht. Dass Louis – wie gewohnt – nicht an Humor und Sarkasmus spart, nicht an spritzigen Schlagabtauschen und speziellen, mit Tiefe bestückten Charakteren, gibt der Story – trotz ernster Themen, Ungerechtigkeiten und Tragik – eine leichte Note.

Zwar hätte ich gerne noch mehr Details über das Worldbuilding erfahren, mehr über die drei Orden, die Schicksalsfäden und die unabdingbaren Seelenpartnerschaften, doch insgesamt empfand ich das in „𝐇𝐨𝐰 𝐭𝐨 𝐅𝐢𝐠𝐡𝐭 𝐅𝐚𝐭𝐞“ dargelegte System originell und spannend – ebenso wie ich die diversen Botschaften als ungemein wichtig, aber leicht zu vergessen erachte:
▪︎Die Zukunft ist nicht in Stein gemeißelt.
▪︎Jedes Wesen hat es verdient, mit Respekt behandelt zu werden.
▪︎Das Leben ist jetzt, nicht morgen. Immer jetzt.
▪︎Nur wir selbst bestimmen unseren Wert – keine Partnerschaft, keine Gangzugehörigkeit, kein Rang oder Geld, nicht mal die Fähigkeiten, die wir (nicht) besitzen, oder die Vergangenheit, die uns im Nacken sitzt. Jede und jeder Einzelne ist wertvoll und hat das Recht, zu leben, zu lieben und eigene Entscheidungen zu treffen. Denn unser Schicksal liegt nur in unseren Händen …

Ich bin gespannt, wie es nach diesem Ende weitergeht!
„𝐇𝐨𝐰 𝐭𝐨 𝐊𝐢𝐥𝐥 𝐅𝐚𝐭𝐞“ erscheint im Januar 2026.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Insgesamt eine solide Dilogie

Knights & Heirs 2. Die Erben der Schlange
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„𝐃𝐢𝐞 𝐄𝐫𝐛𝐞𝐧 𝐝𝐞𝐫 𝐒𝐜𝐡𝐥𝐚𝐧𝐠𝐞“ führt Mags Flucht aus Nathair Manor fort – weg von Adam Flux' Manipulation, den Experimenten und den Lügen von Cyrus. Doch wohin gehen, wenn man nirgendwo sicher ist, niemandem ...


„𝐃𝐢𝐞 𝐄𝐫𝐛𝐞𝐧 𝐝𝐞𝐫 𝐒𝐜𝐡𝐥𝐚𝐧𝐠𝐞“ führt Mags Flucht aus Nathair Manor fort – weg von Adam Flux' Manipulation, den Experimenten und den Lügen von Cyrus. Doch wohin gehen, wenn man nirgendwo sicher ist, niemandem vertrauen kann und die Knights womöglich jede Behörde und jedes Überwachungssystem infiltriert haben?

Erzählt wird erneut aus verschiedenen Perspektiven, so bereichern in diesem Band auch Stella und Orion das Geschehen mit ihren Sichtweisen und Vermutungen. Obgleich sich Mags Freundin bereits in „𝐃𝐞𝐫 𝐑𝐮𝐟 𝐝𝐞𝐫 𝐒𝐜𝐡𝐥𝐚𝐧𝐠𝐞“ als äußerst hilfreich und intelligent erwiesen hat, kam ich nun nicht umhin, ihr des Öfteren zu misstrauen – aber in einer Geschichte, in der etliche schwer einschätzbare Figuren mitmischen, unklar ist, wer echt ist und wer nicht, Intrigen und Verrat an jeder Ecke lauern … gehört das wohl einfach dazu.

Immer noch unter den Fittichen seines Vaters, streng beobachtet, kann sich Cys keinen Fehler erlauben, weder seine Abscheu gegen die Organisation und ihre verwerflichen Methoden noch seine Enttäuschung darüber zeigen, dass alles, woran er geglaubt hat, eine Farce ist ...
Margaret MacKenzie darf sich niemals in Sicherheit wiegen – in Kombination mit ihren Zweifeln und den herben Rückschlägen trägt die stets ungewisse Situation der Protagonistin signifikant zur Spannung bei. Denn wie viel kann sie noch verkraften, ohne zu zerbrechen? Ohne ihre störrische, kämpferische Ader zu verlieren?

Rena Fischer schreibt wiederholt in einem klaren, leicht verständlichen Ton, der uns die vielschichtigen Gegebenheiten zumindest zu einem gewissen Teil näherbringt. Denn wenn nun auch die rivalisierenden Geheimlogen mehr Kontur bekommen, gerade die Intentionen und Zwecke – ehemals gut und im Sinne der Gemeinschaft, für den Schutz der Menschen – thematisiert werden, war das ganze Konzept für mich nicht so greifbar und detailreich ausgebaut wie erhofft.
Auch die variierenden „Kräfte der Schlange“ sind zwar definitiv ein interessantes Element, jedoch wirkten die Schilderungen auf mich lückenhaft – letztlich hätte ich mir einfach mehr Fakten zum und Tiefe im Worldbuilding gewünscht.

„Die Erben der Schlange“ wandelt sich ab der Hälfte deutlich mehr zu einer »Romantasy« als es der Auftakt war, dennoch drängt sich der romantische Aspekt nicht in den Vordergrund – dabei knistert es nicht nur zwischen Cyrus und Margaret. Die relevanten Figuren, wie bspw. Leo, Stella, Castor, Ophelia und Jerry, sind ausreichend integriert, sorgen für Abwechslung und halten mit schwer einzuschätzenden Zügen das Interesse aufrecht.
Immer wieder schafft es die eine oder andere Überraschung – bspw. Unterstützung aus unerwarteter Richtung oder die mit Bedacht geschmiedeten Pläne und deren niederschmetternde Vereitelung –, den Verlauf zu wenden und die Dynamik der Story zu verändern, während langsam etliche Wahrheiten an die Oberfläche drängen und nicht nur für die jüngeren Knights und Mags, die sich ihrer Identität und Herkunft langsam gewahr wird, alles infrage stellen.
Diese Fortsetzung ist reich an Ereignissen und Erkenntnissen, wird von nie abflauendem Misstrauen und Zweifeln durchflutet. Humanexperimente, Lügen, Verluste und Rebellion warten neben schweren Entscheidungen, echten Freundschaften, Familie und der Liebe. Wurde das Ende recht flott abgehandelt, mochte ich es, weist es doch Unerwartetes auf.

Abgesehen davon, das einiges offen blieb – u. A. Details zu den mysteriösen Uraeusblautabletten –, hätte ich eine kurze Zusammenfassung der bisherigen Geschehnisse/einen Überblick über die Gegebenheiten sowie ein Namensverzeichnis (+Funktion/Rang) praktisch gefunden, um besser und schneller zurück in die Story finden zu können.
Trotz kleiner Kritik ist „„𝐊𝐧𝐢𝐠𝐡𝐭𝐬 & 𝐇𝐞𝐢𝐫𝐬“ durchaus eine spannende Young Adult-Romantasy-Serie, die mMn jedoch nicht an „Cursed Worlds“ heranreicht.

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Veröffentlicht am 05.08.2025

Spannende Welt und unterhaltsame Romance

Der Flammenkrieger - Die Chroniken von Atulis 1
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„Der Flammenkrieger“ ist der Auftakt der neuen High-Romantasy-Tetralogie von Sabine Schulter und entführt uns in eine Welt, in der die Elemente gegeneinander kämpfen, Vorurteile und uralter Hass die Reiche ...

„Der Flammenkrieger“ ist der Auftakt der neuen High-Romantasy-Tetralogie von Sabine Schulter und entführt uns in eine Welt, in der die Elemente gegeneinander kämpfen, Vorurteile und uralter Hass die Reiche trennen und das Schicksal der Völker auf schmalen Schultern lastet …

Yuri ist die Wasserpriesterin von Atulis und kennt nur das Leben im goldenen Käfig – abgeschottet von dem Volk, dem sie dient, von Wissen, das sie braucht, trainiert sie unermüdlich ihre Kräfte, um alsbald ihre Bestimmung erfüllen zu können: das Land vor dem Austrocknen, die Menschen vor dem Verdursten zu bewahren. Als dieser Tag plötzlich bevorsteht, ringt die junge Frau mit gemischten Gefühlen – Aufregung und Euphorie, Stolz und zugleich Angst wüten in ihr. Denn diese Mission führt sie hinter den schützenden Wall. In das Reich, das für die Hitze verantwortlich ist, HändlerInnen den Weg abschneidet; in dem Feuer und Grausamkeit über kargen Stein und Lava herrschen …
Aber alles kommt anders, als die Wasserpriesterin geglaubt hat, als die wenigen Überlieferungen vorhersagten … Noch bevor die Auserwählte und ihr Tross den ersten Anblick, der sich ihnen in feindlichen Gefilden bietet, verdauen können, wartet die nächste unschöne Überraschung auf sie. Von einem auf den anderen Augenblick ist Yurisha auf sich allein gestellt und läuft geradewegs in die Arme ihres Widersachers, der so gar nichts mit den Bildern der Aufzeichnungen gemein hat. Statt sie anzugreifen, schlägt ihr der Eisflammenkrieger einen Deal vor: Er bringt sie sicher zu ihrem Ziel, wenn Yuri sich der Schönheit von Kaschrett nicht entzieht.

Statt die größte Bedrohung für sein Volk auszulöschen, klammert sich Ranok an die Hoffnung auf Veränderung, an den Wunsch, eine Lösung zu finden, die keinen Tod bringt. Der Krieger reicht der Feindin die Hand, fällt KameradInnen und dem König in den Rücken, setzt alles, was ihn ausmacht, was ihm am Herzen liegt, auf eine Karte – nun liegt es einzig an Yuri: Wird sie seine Heimat in die Fluten stürzen?

Sabine Schulter schuf für ihre High-Romantasy-Serie „Die Chroniken von Atulis“ eine beachtliche Welt, die malerisch, mit all den Wundern und Tücken zur Geltung kam. Da aus wechselnder Perspektive erzählt wird, können wir Yuris Erstaunen, ihre Begeisterung und ihre Wertschätzung hautnah miterleben – und werden uns dadurch bewusst, wie selten wir uns die Zeit nehmen, uns unserer Umgebung wirklich gewahr zu werden.

Zugegeben, in vielen Momenten war ich der Priesterin nicht sonderlich zugetan, lebte sie doch bisher ohne Eigeninitiative, ohne hinter- oder nachzufragen. Auch im Verlauf blitzen Prinzessinnen-Attitüden, verbohrte Denk- und Sichtweisen auf. Beharrlich trainiert, an ihrer Bestimmung festzuhalten – trotz der Ungereimtheiten, die ihr im Laufe ihres Abenteuers förmlich ins Gesicht springen. Und doch sind da weiche Züge, Unsicherheiten und Zweifel, der immer größer werdende Zwiespalt und die Angst, zu enttäuschen, sich (falsch) zu entscheiden. Reue. Tonnenschwere Schuld.
Ranok hingegen ist – nun, hat da jemand Greenflag gesagt? Ja! Der Krieger ist weitsichtig und selbstlos, reflektiert und mutig. Mutig genug, um sein Leben für den Feind zu opfern, für eine Utopie zu kämpfen und sich zu verlieben …
Die romantische Entwicklung ist im Auftakt der Serie hauptsächlich ein Hintergrundrauschen, ein sachtes Vortasten und dagegen Ankämpfen. Und nichts anderes wäre hier passend. Im Verlauf warten so viele Hürden und Kämpfe, Flucht und Konflikte, Fragen, die nach Antwort verlangen, dass nur selten echte Ruhe einkehrt.
Bedrohungen und Ungewissheit gehören zur Story wie die atemberaubende Kulisse, Elementarmagie, gute Herzen und schlagfertiges Geplänkel. Beide Protagonisten wurden mit Tiefe gezeichnet, sodass sich Verstehen für die jeweiligen Reaktionen und Intentionen abzeichnet, sie wachsen auf ihrer gemeinsamen Reise, lernen voneinander.

Das Worldbuilding wurde mit Logik und greifbaren Details bestückt und auch das Mysterium um die Zwietracht zwischen Atulis und Kaschrett ist eine Komponente, die das Interesse aufrechterhält. Richtig toll war der tierische, oft rettende Sidekick – Ruufin –, die anderen Wesen – wie Shamira-Wölfe und flammende Löwen –, denen wir begegnen, und Shania und Ron – Ranoks treueste Freunde.
Jedoch empfand ich, dass sich viele der ausschweifenden Monologe im Kreis drehen, sich Zweifel und Abwägen wiederholen und die Storyline demnach Längen aufweist. Ebenfalls hätte ich mir insgesamt mehr Raffinesse im Stil gewünscht, wirkte es hier und da ziemlich … einfach und lasch. Trotz dieser Kritik, die nichts am Lesevergnügen oder der Aufregung ändert, bin ich gespannt, wie es nach DEM Cliffhanger weitergeht.

Fazit: Klare Empfehlung!

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