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Veröffentlicht am 05.08.2025

Spannendes Worldbuilding, aber Handlung mit Luft nach oben

Fae Isles − Der Henker der Königin
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Fae Isles hat mich positiv überrascht, ein gutes Beispiel dafür, dass man ein Buch nicht nach seinem (etwas unscheinbaren) Cover beurteilen sollte. Hinter der eher schlichten Fassade steckt eine originelle ...

Fae Isles hat mich positiv überrascht, ein gutes Beispiel dafür, dass man ein Buch nicht nach seinem (etwas unscheinbaren) Cover beurteilen sollte. Hinter der eher schlichten Fassade steckt eine originelle Fantasy-Geschichte mit einigen sehr interessanten Ideen, vor allem im Bereich Magie und Völkerdesign.

Erzählperspektive & Lesefluss
Besonders gefallen hat mir die Entscheidung, die Geschichte aus der Ich-Perspektive von Emelin zu erzählen. Dadurch war man als Leser*in ganz nah an ihren Gedanken und Gefühlen, was insbesondere in emotionalen oder unsicheren Momenten sehr gut funktioniert hat. Man erlebt ihre Verwirrung, Angst und später auch ihre Neugier und Faszination hautnah mit. Das hat den Einstieg in die fremde Welt sehr erleichtert und für einen angenehmen Lesefluss gesorgt.

Schreibstil
Der Stil ist insgesamt sehr emotional und bildhaft. In besonders intensiven Szenen, sei es im zwischenmenschlichen Bereich oder bei den Spice-Elementen, arbeitet die Autorin mit langen, ausschweifenden Sätzen, vielen Wiederholungen und kleinen Details. Das kann für manche etwas überladen wirken, hat für mich meistens in den richtigen Momenten genau die richtige Wirkung erzielt. Besonders gefiel mir, wie genau Emelins Empfindungen beschrieben werden, dadurch war ich emotional wirklich oft sehr nah dran.

Worldbuilding & Magiesystem
Ein echtes Highlight war für mich das Worldbuilding. Die Idee, dass die Fae in dieser Welt Flügel haben, fand ich sehr spannend, eine schöne Abwechslung zu den sonst oft elfischen Darstellungen. Auch die Existenz anderer Wesen wie Dämonen und Phönixe wurde angedeutet und macht Lust auf mehr.

Das Magiesystem war für mich besonders gelungen: klar strukturiert, spannend aufgebaut und verständlich erklärt, vor allem, weil man durch Emelins Lernprozess selbst viel mitnimmt. Man versteht nicht nur was sie tut, sondern auch wie sie es lernt, was das System nachvollziehbar und glaubwürdig macht. So originell und detailliert habe ich das in dieser Form selten gelesen.

Besonders positiv ist mir die Brutalität und Ernsthaftigkeit einzelner Elemente aufgefallen. Die Geschichte richtet sich dadurch eindeutig eher an ein älteres Publikum, nicht nur durch den Spice-Anteil, sondern auch durch die düsteren, teils grausamen Aspekte der Welt. Auch der „Silent Death“ wirkte durch einzelne, brutal geschilderte Szenen sehr mächtig und gefährlich, was seinem Namen definitiv gerecht wurde. Diese etwas raueren, düsteren Elemente haben mir gut gefallen und der ansonsten eher emotionalen Geschichte eine dunklere, erwachsenere Note verliehen.

Charaktere & Dynamik
Emelin ist eine nachvollziehbare, vielschichtige Protagonistin, deren Reise man gern begleitet. Der männliche Protagonist der „Silent Death“ sticht vor allem dadurch hervor, dass er nicht sprechen kann. Das war für mich ein sehr frischer Ansatz. Die Kommunikation zwischen den beiden ist kreativ und glaubwürdig gestaltet, unter anderem auch durch Emelins Vorerfahrungen mit Gebärdensprache, was sehr schön und selbstverständlich eingebunden wurde.

Die Beziehung der beiden entwickelt sich spürbar, allerdings liegt der Fokus stark auf der körperlichen Annäherung. Gefühle kommen zwar dazu, aber für meinen Geschmack fehlte ein wenig die Grundlage das langsame Kennenlernen, das Verstehen, das echte Miteinander auf emotionaler Ebene. Die Neckereien und kleinen Sticheleien waren charmant und haben Spaß gemacht, aber insgesamt hätte ich mir hier mehr Substanz gewünscht, damit die Verbindung zwischen den beiden wirklich greifbar wird. Nebencharaktere waren vorhanden, aber eher am Rand, ich hoffe, dass einige davon in zukünftigen Bänden noch weiterentwickelt werden.

Spice & Emotionen
Der Spice-Anteil im Buch war überraschend hoch, aber grundsätzlich gut geschrieben. Besonders auffällig war der sehr ausschweifende, emotionale Stil der Autorin, der über reine körperliche Beschreibungen hinausgeht. Die Szenen sind intensiv, gefühlvoll und sprachlich stark man spürt, was die Protagonistin empfindet, und wird emotional mitgenommen.

Allerdings wurde mir dieser Aspekt im Verhältnis zur restlichen Handlung einfach zu dominant. Viele dieser Szenen waren sehr lang und detailliert, fast schon überfrachtet, und kamen dafür leider zu häufig vor. Ich hätte es deutlich besser gefunden, wenn es nur ein paar ausgewählte, intensive Szenen gegeben hätte, statt so viele denn so hat der Spice einen großen Teil der Handlung verdrängt. Mir fehlte die emotionale und inhaltliche Basis jenseits der körperlichen Ebene.

Handlung & Plot
Was mir allerdings etwas gefehlt hat, war ein klar erkennbarer Plotbogen. Über weite Strecken hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte mehr auf die Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren fokussiert ist, als auf eine äußere Handlung. Das Buch lebt mehr von der Atmosphäre, den Emotionen und dem Beziehungsaufbau als von konkreter Spannung oder Ereignissen.

Zwar gibt es am Ende nochmal einen Spannungsanstieg, der mir gut gefallen hat, aber bis dahin hatte ich häufig das Gefühl, dass sich die Handlung im Kreis dreht. Ich habe mich zwischendurch gefragt, worauf die Geschichte eigentlich hinauslaufen soll. Insofern wirkt der erste Band eher wie ein umfangreiches Setup, wie ein Einstieg in eine größere Welt, der Charaktere und Mechaniken vorstellt, aber noch nicht richtig Fahrt aufnimmt.

Fazit
Faye Isles ist ein emotionaler, atmosphärischer Reihenauftakt mit einem starken Fokus auf die Bindung der Hauptfiguren, einem durchdachten Magiesystem und einer interessanten Welt. Die Beziehung zwischen den Protagonisten ist gut und glaubwürdig gestaltet, der Schreibstil gefühlvoll und intensiv.

Allerdings fehlte mir über weite Strecken ein klarer roter Faden. Da wir die Geschichte ausschließlich aus Emelins Perspektive erleben und sie selbst kaum weiß, was eigentlich mit ihr passiert oder was das Ziel ihrer Reise ist, fehlte mir oft das Gefühl einer erkennbaren Richtung. Die Handlung plätscherte zeitweise eher dahin, ohne dass echte Spannung aufgebaut wurde.

Dennoch: Die Welt und das Magiesystem haben mich überzeugt, und ich bin gespannt, wie es in den nächsten Bänden weitergeht. Als Einstieg einer Reihe gelungen, auch wenn noch Luft nach oben ist.

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  • Handlung
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Veröffentlicht am 01.08.2025

Ein Mensch zum verlieben und ein Ort zum Bleiben

The One I Stood Beside
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„The One I Stood Beside“ war für mich ein echtes Lesevergnügen! Auch wenn es sich um den zweiten Band der Plain Daisy Ranch- Reihe handelt, lässt er sich wunderbar unabhängig vom ersten Teil lesen. Im ...

„The One I Stood Beside“ war für mich ein echtes Lesevergnügen! Auch wenn es sich um den zweiten Band der Plain Daisy Ranch- Reihe handelt, lässt er sich wunderbar unabhängig vom ersten Teil lesen. Im Mittelpunkt stehen Jude, der älteste der drei Noughton -Brüder, und seine beste Freundin seit Kindertagen, Sadie Wilkins. Die Geschichte spielt auf einer Farm, was der Handlung eine besondere, warme Atmosphäre verleiht, die mir sehr gefallen hat.

Erzählperspektive, Lesefluss & Kapitelaufbau

Die Geschichte wird wechselnd aus der Ich-Perspektive von Sadie und Jude erzählt. Diese Perspektivwechsel machen es leicht, beide Gedankenwelten zu verstehen und mitzufühlen. Auch wenn sich die Kapitel insgesamt recht ausgewogen zwischen Jude und Sadie aufteilen, liegt der anfängliche Fokus spürbar auf Jude, mehrere Kapitel hintereinander geben uns zuerst, Einblicke in seine Gedankenwelt. Das fand ich angenehm erfrischend, denn so startet die Geschichte mal nicht klassisch über die weibliche Sicht, sondern lässt uns zuerst in seine Rolle, seine Verantwortung und seine Emotionen eintauchen.

Der Schreibstil ist angenehm flüssig und leicht zugänglich. Die Kapitel sind mit rund zehn Seiten schön kompakt gehalten, was den Lesefluss sehr angenehm macht. Ich konnte problemlos "noch ein Kapitel“ weiterlesen. Die klare Struktur hilft dabei, immer gut in der Handlung zu bleiben, auch in emotionalen oder sprunghaften Szenen.

Atmosphäre, Nebenfiguren & Humor

Ein großes Highlight des Buches war für mich die stimmungsvolle Atmosphäre. Die Farm, das Kleinstadtleben und das familiäre Miteinander wurden authentisch und liebevoll beschrieben. Man spürt die ländliche Ruhe, aber auch die Herausforderungen, die mit Verantwortung, Tradition und Gemeinschaft einhergehen. Besonders gelungen ist, wie stark das Familiengefühl vermittelt wird, dass hier jeder mit jedem verbunden ist.

Die Nebenfiguren tragen viel zu dieser Stimmung bei. Judes Brüder Emmett und Ben, aber auch Sadies Cousine Lottie, bringen Humor und Leben in die Geschichte. Ich musste oft schmunzeln über die typischen Neckereien unter den Brüdern, charmant, schlagfertig, und voller Brüderlichkeit.

Besonders schön fand ich außerdem, dass die Hauptfiguren über 30 sind, Sadie ist 33, Jude 34. Das verleiht der Geschichte mehr Realismus und Bodenhaftung, gerade in Bezug auf Themen wie Farmverantwortung, Hausbau und Lebensplanung. Einziger kleiner Kritikpunkt: Die Eltern von Jude und Sadie blieben im Vergleich etwas blass, ohne jedoch den Gesamteindruck zu trüben.

Die Beziehung zwischen Jude und Sadie

Da sich die beiden seit ihrer Kindheit kennen, war von Anfang an eine natürliche Vertrautheit spürbar, kein langes Kennenlernen, keine künstlich erzeugte Spannung, sondern ehrliche Emotionen, die auf einer langjährigen Verbindung beruhen. Das hat der Geschichte Authentizität und Wärme gegeben. Dennoch wirkte es auf mich stellenweise etwas unrealistisch, dass sie nie vorher gemerkt haben sollen, dass da mehr zwischen ihnen ist, obwohl es für alle anderen offensichtlich war.

Emotionale Tiefe & Entwicklung

Die Geschichte ist nicht einfach nur romantisch oder süß, sie hat auch emotionale Tiefe. Besonders bei Jude zeigt sich eine stille, aber spürbare Entwicklung. Man merkt, dass sich bei ihm innerlich etwas verändert: Er reflektiert, übernimmt Verantwortung und stellt sich seiner Vergangenheit. Es geht nicht nur um „wir lieben uns jetzt plötzlich“, sondern darum, was es bedeutet, jemanden wirklich zu sehen, und zu vertrauen. Diese innere Bewegung hat der Geschichte eine schöne Substanz gegeben, ruhig, nachvollziehbar und ohne künstliches Drama.

Spice-Faktor

Ja, es gibt Spice, gut geschrieben und nicht übertrieben, aber stellenweise empfand ich es als etwas zu viel oder deplatziert. An diesen Stellen hätte ich mir mehr emotionale Verbindung und Dialoge gewünscht, statt schneller körperlicher Nähe.

Kritikpunkte:

Trotz meiner Begeisterung gibt es kleinere Kritikpunkte: Die Geschichte ist stellenweise etwas sprunghaft erzählt. Manche Szenen wie die Hochzeit, wirken zu kurz oder abrupt beendet, diese hätten mehr Raum verdient. Ich hätte mir gewünscht, dass bestimmte emotionale oder erzählerische Momente etwas ausführlicher ausgearbeitet werden. Das Buch hat mit seinen knapp 295 Seiten leider nicht immer genug Raum, um alles voll auszuerzählen. Auch manche Spice-Szenen kamen mir etwas zu deplatziert vor, hier hätte ich mir lieber stärkere emotionale Dialoge gewünscht.

Fazit:

Ein gefühlvoller, unterhaltsamer Roman mit einer stimmungsvollen Kleinstadt-Atmosphäre, liebenswerten Figuren und einer berührenden Friends-to-Lovers-Geschichte. Trotz kleiner Schwächen in der Tiefe einiger Szenen und einem leicht überhasteten Erzähltempo konnte mich das Buch trotzdem emotional voll mitnehmen, das Ende hat mich sogar zu Tränen gerührt. Dank der starken Figuren, des angenehmen Stils gibt es von mir eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Ein magischer Alltag zwischen Immobilien und Zauberei

Magie und Liebe
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Einstieg

Tagsüber zeigt Elionore Brevent ihren Kunden schicke Häuser, doch in der Nacht widmet sich die Maklerin lieber magischen Dingen denn Elionore ist eine Hexe.
Damit beginnt ein urbanes Fantasy-Abenteuer, ...

Einstieg

Tagsüber zeigt Elionore Brevent ihren Kunden schicke Häuser, doch in der Nacht widmet sich die Maklerin lieber magischen Dingen denn Elionore ist eine Hexe.
Damit beginnt ein urbanes Fantasy-Abenteuer, das zunächst viel Charme, Humor und originelle Ideen verspricht. Die Geschichte entführt uns in eine Welt, in der übernatürliche Wesen wie Vampire, Gestaltwandler, Hexen und Elfen ganz selbstverständlich zum Alltag gehören.

Elionores Doppelleben zwischen Wohnungsbesichtigungen und Zaubersprüchen wird interessant aufgebaut und gibt der Geschichte einen frischen, modernen Anstrich. Wir werden nicht direkt in eine komplexe Fantasywelt geworfen, sondern Stück für Stück mitgenommen, sei es durch Einblicke in ihren Alltag, kleine Erklärungen zur Magie oder Informationen über ihre Familie und Vergangenheit.

Erzählt mit Charme, fast wie ein magisches Tagebuch

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive erzählt, und besonders gelungen fand ich die direkte Ansprache an die Leser*innen. Elionore erzählt uns nicht nur, was sie erlebt, sondern spricht uns auch zwischendurch, höflich an, fast so, als würde sie ein Tagebuch führen oder einen magischen Ratgeber schreiben. Diese Erzählweise verleiht dem Buch eine besondere Atmosphäre, die mich schnell für sich gewonnen hat.

Leichter Humor und gelungenes Worldbuilding

Der Humor ist angenehm dosiert, pointiert und nie zu albern. Besonders gelungen fand ich die Gruppendynamik zwischen den verschiedenen übernatürlichen Rassen, sei es Feindschaft, Freundschaft, Zusammenarbeit oder erste romantische Entwicklungen.

Das Worldbuilding und die Magie werden im ersten Band in angenehmem Tempo eingeführt, gerade so viel, dass man der Geschichte problemlos folgen kann, ohne von Informationen überladen zu werden, aber mit genug offenen Fragen, um Lust auf die Fortsetzung zu machen.

Plötzlicher Bruch im letzten Drittel

Leider konnte das Buch diesen positiven Eindruck nicht bis zum Ende halten. Im letzten Drittel nahm die Geschichte eine abrupte Wendung, die sich für mich nicht mehr stimmig anfühlte. Die Dialoge wirkten auf einmal unnatürlich, die Handlungen der Figuren schwer nachvollziehbar, es fühlte sich fast an, als würde ich ein anderes Buch lesen.

Auch inhaltlich wurden Entwicklungen vorweggenommen, die ich eher in späteren Bänden erwartet hätte. Das nahm der Geschichte einiges an Spannung und zerstörte das langsame, liebevoll aufgebaute Fundament.

Fazit

Eine Hexe zum Verlieben startet mit viel Potenzial: eine charmante Protagonistin, ein liebevoll aufgebautes urbanes Fantasy-Setting und ein angenehmes Erzähltempo. Doch leider bricht die Handlung im letzten Drittel stark ein, sodass ich insgesamt nur drei Sterne vergeben kann.

Empfehlung: Wer Geschichten mit Magie, Gestaltwandlern, unterschwelliger Romantik und einem humorvollen Erzählton mag, sollte sich den ersten Band trotzdem anschauen. Wenn ihr jedoch großen Wert auf eine konsequent durchdachte Handlung legt, könnte euch der abrupte Richtungswechsel gegen Ende stören.

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Veröffentlicht am 26.07.2025

Zwischen Poesie und romantischen Ungereimtheiten

My Dearest Enemy. The Heygate Girls
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Erwartung vs. Einstieg – schwere Anfänge trotz großer Vorfreude

Ich habe mich wirklich auf dieses Buch gefreut, nicht nur, weil ich historische Romane liebe, sondern auch, weil die Atmosphäre, genau mein ...

Erwartung vs. Einstieg – schwere Anfänge trotz großer Vorfreude

Ich habe mich wirklich auf dieses Buch gefreut, nicht nur, weil ich historische Romane liebe, sondern auch, weil die Atmosphäre, genau mein Geschmack ist. Bücher wie My Dearest Enemy sind selten, und ich war neugierig auf Figuren mit Tiefe, emotionale Dynamiken und eine dichte, sprachlich kunstvolle Erzählweise.

Doch der Einstieg hat mich leider ziemlich kalt erwischt, vor allem die anfängliche Liebesdynamik zwischen Amabel und Harriet wirkte auf mich unstimmig und überstürzt. Bereits in den ersten 50 Seiten wird erwähnt, dass Amabel eigentlich noch in ihre beste Freundin verliebt war, nur um kurz darauf scheinbar aus dem Nichts eine romantische Anziehung zu Harriet zu verspüren. Das war für mich völlig unglaubwürdig und hat mich zunächst komplett rausgeworfen. Ich habe mich ehrlich gefragt: Was passiert hier gerade? Ich war kurz davor, das Buch zur Seite zu legen.

Die Sprache, ein poetisches Highlight (meistens)

Was mich aber durch viele holprige oder unglaubwürdige Momente getragen hat, war der Schreibstil. Die Sprache war stellenweise so wunderschön, poetisch, lebendig und einfühlsam, dass ich wirklich ins Schwärmen geraten bin. Besonders in den ruhigeren, nachdenklichen Szenen oder in Dialogen, die nicht nur platte Handlung transportieren, sondern echte Tiefe zeigen, war die Sprache ein echtes Highlight.

Leider verliert sich dieser poetische Stil ab der Mitte des Buches etwas. Das ist teilweise nachvollziehbar, schließlich sprechen Freunde, untereinander oft umgangssprachlich, dennoch hätte ich mir gewünscht, dass diese sprachliche Feinheit sich konstanter durch den Text zieht. Es gab aber auch am Ende wieder schöne, gut formulierte Passagen, die mich emotional erreichen konnten.

Vielschichtige Perspektiven, ein echter Gewinn für die Erzählung

Ein echtes Highlight des Romans war für mich die Erzählweise aus mehreren Perspektiven. Im Zentrum stehen natürlich Amabel und Harriet, deren Gedankenwelten uns abwechselnd nähergebracht werden, das allein sorgt schon für Tiefe und emotionale Vielschichtigkeit. Besonders gelungen fand ich aber die zusätzliche, eher selten auftauchende dritte Perspektive. Sie wird sehr gezielt eingesetzt, immer genau dann, wenn in der Handlung ein Wendepunkt oder ein emotionales Missverständnis entsteht. In diesen Momenten eröffnet uns die neue Sichtweise einen frischen Einblick in das Innenleben einer weiteren Figur. Gerade gegen Ende des Romans hatte ich das Gefühl: Jetzt wüsste ich gern, was XY denkt, und genau dann kam dieses Kapitel. Das war für mich erzählerisch extrem klug und emotional bereichernd. Diese Entscheidung hat dem Roman nochmal mehr Tiefe und Menschlichkeit verliehen.

Familiendynamiken, Freundschaft und Internatsleben, die große Stärke des Romans

Was mir hingegen sehr gut gefallen hat, war alles rund um das Thema Familie, Freundschaft und Gemeinschaft. Besonders die Adoptivfamilie von Amabel, ihre Bindung zu Lucie, und die Konflikte, die sich durch Loyalität, Herkunft und Erwartungen ergeben, haben mich sehr berührt. Auch das Internatsleben, die Gruppendynamik und die Gespräche unter den Freund*innen wirkten realistisch und liebevoll ausgestaltet.

Die Romantik

Was die romantische Entwicklung angeht: Ich konnte lange Zeit nicht mitfühlen. Die „Enemies to Lovers“-Dynamik, die der Titel vielleicht andeutet, war inhaltlich kaum vorhanden. Eigentlich gab es gar keine echte Feindschaft, und die nachträgliche Behauptung der Protagonistin, sie habe Harriet zu Beginn „den Hals umdrehen wollen“, widerspricht dem eigentlichen Verhalten völlig. Das wirkte für mich wie ein später, eher künstlich eingefügter Versuch, dem Roman ein gängiges Trope aufzustülpen.

Erst im späteren Verlauf gab es einige Szenen, in denen ich eine echte Verbindung spüren konnte. Hier wurde es authentischer, emotional nachvollziehbarer, aber der ungeschickte Einstieg hat das Verhältnis zur Liebesgeschichte über weite Strecken getrübt.

Was mich beim Lesen immer wieder aus der Geschichte herausgerissen hat, war die ständige Wiederholung, dass Amabel auf keinen Fall romantische Gefühle für Männer hat. Diese Betonung zieht sich durch mehrere Szenen, ich habe bestimmt fünf Mal gelesen, dass ihre Nähe zu männlichen Figuren nicht als Liebe zu verstehen ist.

Besonders schade war das in einer Szene, die eigentlich sehr ruhig und emotional war, ein Moment, den ich wirklich genossen habe, weil sich die Dynamiken gerade zum Positiven gewendet hatten. Dann kam wieder dieser Einschub, dieses „aber das ist auf keinen Fall Liebe!“ und plötzlich war diese zarte Stimmung wie zerschnitten.

Gerade weil die Geschichte aus Amabels Perspektive erzählt wird, wirkte das für mich unnatürlich. Sie würde sich ja nicht bei jedem Kontakt mit einer männlichen Figur denken: „Keine Sorge, das ist nur Freundschaft, nur Freundschaft, wirklich nur Freundschaft.“ Viel schöner wäre es gewesen, einfach die Szene für sich sprechen zu lassen, durch Blicke, Dialoge, Körpersprache. Das hat für mich etwas vom emotionalen Gewicht genommen, nicht, weil ich ihre Orientierung infrage stelle, sondern weil die Erzählweise ihr nicht zutraut, sie selbstverständlich zu leben, ohne sich ständig rechtfertigen zu müssen.

Fazit – starkes Potenzial, aber nicht ganz eingelöst

Insgesamt bin ich zwiegespalten. Das Buch hat großartige Einzelmomente, liebevoll gezeichnete Nebenfiguren, eine stimmige Internats-Atmosphäre und einen sprachlichen Zauber, der über vieles hinwegsehen lässt. Aber gerade die Romantik, die für den Titel und das Genre zentral ist, konnte mich nicht überzeugen. Zu viele Widersprüche und ein unausgereifter Beziehungsaufbau haben mein Lesevergnügen geschmälert. Auch wenn sich die Dynamik im Laufe des Buches bessert, blieb ein Rest Skepsis zurück.

Der Ausblick, den das Ende gibt, sowohl thematisch als auch emotional, war für mich stimmig und berührend. Es hat vieles aufgefangen, was ich zuvor als unrund empfand, und einen versöhnlichen Bogen gespannt. Auch wenn der Weg dahin für mich oft holprig war, bin ich froh, dass ich durchgehalten habe, denn das Finale hat sich wirklich gelohnt.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

überraschend spannend, aber nicht ganz perfekt

Never Trust Your Fake Husband
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Ich bin jemand, der Bücher/ Hörbücher oft recht spontan auswählt, ohne große Recherche zum Inhalt. Meist lasse ich mich vom Cover und den Sprechern leiten, und genau so bin ich auch auf Never Trust Your ...

Ich bin jemand, der Bücher/ Hörbücher oft recht spontan auswählt, ohne große Recherche zum Inhalt. Meist lasse ich mich vom Cover und den Sprechern leiten, und genau so bin ich auch auf Never Trust Your Fake Husband gestoßen. Das Cover hat mich sofort angesprochen, sodass ich es direkt gestartet habe, in der Erwartung, eine typische, vielleicht humorvolle New-Adult-Romanze zu hören. Was ich stattdessen bekam, war eine überraschend actiongeladene Agentengeschichte, die direkt Fahrt aufnahm und mich damit auf eine völlig andere Art abgeholt hat, als ich gedacht hätte.

Einstieg & Handlung

Die Handlung beginnt ohne langes Vorgeplänkel. Man wird als Hörer direkt hineingezogen in eine Situation voller Geheimnisse und Gefahr. Im Mittelpunkt steht eine weibliche Hauptfigur, die unter Amnesie leidet. Sie weiß nicht, wer sie ist, was sie dort macht oder wem sie überhaupt trauen kann. Dieser Ausgangspunkt hat sofort Spannung erzeugt und mich sehr neugierig gemacht. Die Geschichte hat mich regelrecht durchgezogen, es passiert ständig etwas, und die wenigen ruhigen Momente wirken dadurch umso intensiver. Ich wollte durchgehend wissen, wie es weitergeht, was hinter der Vergangenheit der Protagonistin steckt und wohin sich alles entwickeln wird.

Erzählweise

Erzählt wird aus zwei Perspektiven, der der Protagonistin und des Agenten. Allerdings handelt es sich nicht um eine Ich-Erzählung, sondern um eine personale Erzählweise mit zwei Erzählern. Für mich persönlich ein kleiner Schwachpunkt: Eine Ich-Perspektive hätte gerade bei der emotionalen Reise der Protagonistin mehr Nähe und Tiefe erzeugt. So blieb man doch ein wenig auf Abstand.

Positives

Besonders hervorheben möchte ich die weibliche Hauptfigur: Sie ist chaotisch-lustige, hat manchmal eine leicht überdrehte Art. Ihre Rolle war für mich ein echtes Highlight, anders, als man es sonst oft im Romance-Genre kennt. Die Chemie zwischen den Figuren ist sehr gelungen, da die Dialoge sehr humorvoll und die Szenen lebendig sind. Die Action-Elemente der Geschichte, sei es Flucht, Geheimnisse oder die ständigen Wendungen, waren packend erzählt. Ich konnte mir viele Szenen richtig gut vorstellen. Im Laufe der Geschichte gibt es auch immer wieder unerwartete Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hatte und die mir richtig gut gefallen haben.

Kritikpunkte

Trotz der insgesamt gelungenen Umsetzung gab es für mich auch ein paar Schwächen. Der männliche Protagonist durchläuft zwar eine Entwicklung, hat mich aber insgesamt nicht wirklich überzeugt. Er wirkte für mich etwas austauschbar und hat der Geschichte dadurch nicht das gewisse Etwas verliehen. Vor allem die Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptfiguren kam mir etwas zu schnell und ein bisschen zu glatt, daher. Die ganze Handlung spielt sich ja innerhalb weniger Tage ab, und dadurch wirkt es einfach nicht besonders glaubwürdig, dass sich so schnell echte romantische Gefühle entwickeln sollen. Klar, die beiden verbringen fast rund um die Uhr miteinander, was Nähe natürlich begünstigt. Aber gerade, wenn man eher tiefere und realistisch aufgebaute Liebesgeschichten gewohnt ist, fühlt sich das hier doch ein wenig oberflächlich an.

Auch das Ende hat mich nicht ganz überzeugt. Nach dem spannenden Aufbau zu Beginn hatte ich das Gefühl, dass zum Schluss alles ziemlich schnell abgehandelt wird. Die Geschichte zieht zum Finale hin nochmal ordentlich an, aber genau dadurch wirkt vieles ein bisschen gehetzt. Einige Handlungsstränge werden nur oberflächlich abgeschlossen, manche Fragen bleiben offen und mir fiel es dadurch auch deutlich schwerer, mir die Szenen richtig bildlich vorzustellen. Während ich mir die vorherigen Situationen oft lebhaft ausmalen konnte, fehlte im letzten Teil einfach die Ruhe und Tiefe, um wirklich mitzukommen. Das war schade, denn da wäre definitiv noch mehr drin gewesen.

Fazit

Never Trust Your Fake Husband hat mich positiv überrascht, auch wenn es ganz anders war, als ich erwartet hatte. Statt einer typischen Romance bekam ich eine temporeiche Agentenstory mit viel Action, Humor und einer chaotisch-liebenswerten Protagonistin. Die Geschichte war durchweg spannend.

Trotzdem gab es auch Schwächen: Die Liebesbeziehung entwickelt sich für meinen Geschmack viel zu schnell und wirkt dadurch nicht besonders glaubwürdig. Auch das Finale kam etwas zu abrupt, sodass ich mir viele Szenen nicht mehr richtig vorstellen konnte. Wer auf realistische, emotional tiefere Romanzen hofft, wird hier wahrscheinlich nicht ganz glücklich.

Trotzdem: Wenn du Lust auf eine spannende, leichte Geschichte mit Humor, Action und einer ungewöhnlichen Protagonistin hast und dich nicht daran störst, wenn die romantischen Entwicklungen eher zügig passieren, dann wirst du mit diesem Hörbuch wahrscheinlich eine richtig gute Zeit haben. Es eignet sich super zum Abschalten, zum Berieseln lassen, für zwischendurch. Wer sich einfach mitreißen lassen möchte, ohne jedes Detail hinterfragen zu müssen, bekommt hier genau das.

Mit der Bewertung tue ich mich ein bisschen schwer, mittendrin hatte ich durchaus dieses typische Vier-Sterne-Gefühl, weil die Geschichte mich gut unterhalten hat, aber rückblickend fehlt einfach das gewisse Etwas, das es für mich persönlich rund macht.

Wer das Genre liebt, wird hier aber vermutlich eher zwischen vier und sogar fünf Sternen landen.

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