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Veröffentlicht am 18.06.2025

Viele interessante Fakten, doch (für meinen Geschmack) zu wenig Emotion

Joan Didion und wie sie die Welt sah
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"Worte überdauern."

Der Klappentext dieser Biografie las sich so mitreißend und interessant, dass ich unbedingt mehr über die mir bis dato unbekannte Journalistin, Chronistin und (Drehbuch-)Autorin mit ...

"Worte überdauern."

Der Klappentext dieser Biografie las sich so mitreißend und interessant, dass ich unbedingt mehr über die mir bis dato unbekannte Journalistin, Chronistin und (Drehbuch-)Autorin mit dem klangvollen Namen Joan Didion erfahren wollte, zumal ich in den vergangenen Monaten wahre Glückstreffer mit biografischen Werken gelandet hatte.

"Wir wissen viel über Joan Didion, die Intellektuelle, die Ironikerin, den Goth, die trauernde Witwe und Mutter. Weniger bekannt ist uns dagegen von dieser anderen Joan, der Frau, die gepresste Blumen verschenkte, warmherzige Dankeskarten an alte und neue Freunde schrieb. Herzen berührte."

Die Literaturwissenschaftlerin Evelyn McDonnell zeichnet ein gleichermaßen ansprechendes wie mystisches Portrait dieser faszinierenden Persönlichkeit und lässt dabei sowohl die Ergebnisse ihrer akribischen Recherche sowie ihre persönlichen Empfindungen mit einfließen. Insbesondere Joans Gespür für Worte, ihre ansprechenden, aufrüttelnden journalistische Texte beeindruckten mich.

"Für ihren ersten Kriminalbericht wählte Didion interessanterweise den Fall einer Frau, die ihren Ehemann umbringt. [...] Tatsächlich sind auch die Hauptfiguren in Didions Romanen allesamt weiblich. [...] diese Frauen sind keineswegs heldenhaft oder auch nur liebenswert. Sie sind vielmehr Antiheldinnen, Menschen mit Fehlern, die weder vergöttert noch verleumdet werden - weder Madonnen noch Huren. Joan beschrieb Frauen so, wie sie sie sah und wie sie sich selbst sah [...]."

Oftmals kryptisch in ihren Formulierungen und von einer geheimnisvollen Aura umgeben, blieb Joan selbst für die Menschen in ihrem direkten Umfeld irgendwie ein Rätsel. Fest steht: Sie verachtete Schubladendenken und stereotypische Ansichten und Darstellungen, und ging mit einem bemerkenswerten Kampfgeist durchs Leben, der mich schwer beeindruckte.

"Didion mochte aussehen wie ein Mäuschen, doch sie hatte den Mut eines Löwen und war nie jemand, der sich bei Gefahr verkriecht.Sie ging durch die Welt wie eine Frau vom zweifachen ihrer Größe, reiste alleine, besuchte Kriegsgebiete, interviewte Rockstars, stellte sich Politikern."

Sie ließ sich durch nichts und niemanden von ihrer Mission abschrecken. "Als Frau ist man immer Zielscheibe für Gewalt, das ist einer der wesentlichen Punkte des Feminismus."

Auch nach der Lektüre des vorliegenden Werkes hatte ich das Gefühl, nur einen Bruchteil von Joan kennengelernt zu haben, so vielschichtig war ihr Wesen. Vielleicht ist genau das meine abschließende Erkenntnis. - "Man sieht in ihr, was man sehen will; sie ist eine Leinwand, auf die wir uns selbst projizieren können."

Fazit:
Solide recherchiert und voller Fakten zu Didions Schaffen, doch der menschliche Aspekt - die emotionale Ebene - kam mir einen Hauch zu kurz. Ich hätte gerne noch mehr gefühlt statt 'nur' erfahren. Für alle, die sich erstmals über Joans Leben informieren möchten, stellt das Buch gewiss einen guten Einstieg in die Thematik dar.

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Veröffentlicht am 18.06.2025

Leider kam mir der Naturaspekt zu kurz, abgesehen davon ist es ein netter Romance-Read

Wir sind wild und wunderbar
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Passend zum Pride Month möchte ich meinen Leseeindruck zu Anita Kellys Romance "Wir sind wild und wunderbar" mit euch teilen.

Vorab: Neben der Tatsache, dass ich noch verhältnismäßig wenige Queer-Romane ...

Passend zum Pride Month möchte ich meinen Leseeindruck zu Anita Kellys Romance "Wir sind wild und wunderbar" mit euch teilen.

Vorab: Neben der Tatsache, dass ich noch verhältnismäßig wenige Queer-Romane gelesen hatte, war es insbesondere der unheimlich interessante Settingrahmen gewesen (= die Wanderung durch die amerikanische Wildnis), der für mich einen großer Anreiz dargestellt hatte, diese Geschichte lesen zu wollen. Rückblickend kann ich festhalten: Ja, wir lesen zwar von den Etappen des Pacific Crest Trails, doch die eigentlichen Herausforderungen einer solch anspruchsvollen, langen Wanderstrecke finden kaum Erwähnung - immerhin werden Wüstenlandschaften und Hochgebirge durchquert. Diesbezüglich hatte ich mir einfach intensivere, deteilareichere, atmosphärischere Beschreibungen der Natur erhofft. Es war nett, aber nicht überwältigend.

Apropos 'nett' - beide Hauptfiguren waren mir sympathisch, ihr Kennenlernen sowie allgemein ihre Dialoge lasen sich glaubwürdig, und die erotischen Szenen waren geschmackvoll beschrieben. Trotzdem wollte der Funke nicht ganz überspringen - aber das war okay. In meinen Augen nehmen ohnehin der Selbstfindungsprozess, die Selbstliebe und -akzeptanz sowie die problematische Familiendynamik die wahre Hauptrolle ein.

Alexei hat keinerlei Kontakt mehr zu seinen Eltern, wurde nach seinem Coming Out von ihnen verstoßen. Zwar hatte ich mich bereits im Vorfeld auf diesen Handlungsaspekt eingestellt, da die Autorin im vorangestellten Hinweis erwähnt, dass "familiäre Entfremdung aufgrund queerer Identität" thematisiert werden würde, dennoch erwischte mich Alexeis Schmerz eiskalt.

"»Sie haben gesagt, ich wäre nicht länger ihr Sohn.«" Was diese Aussage mit einem Kinderherz anstellt, vermag ich mir - selbst Mutter eines Jungen, der das Licht meines Lebens ist - überhaupt nicht auszumalen. Dennoch gibt es noch immer überall auf der Welt Familien, in denen Kinder es nicht wagen, mit jenen Menschen, die ihnen eigentlich gegen den Rest der Welt zur Seite stehen müssten, offen über ihre Bedürfnisse zu sprechen. Und Eltern, die lieber ihr Kind verstoßen, als es weiterhin auf dessen Weg durchs Leben zu begleiten - nur weil sie an veralteten gesellschaftlichen Normen und starren Glaubenssätzen festhalten.

Der liebenswerte, warmherzige Alexei leidet an Selbstzweifeln, hinterfragt all seine Gefühle und quält sich mit Fragen à la 'was sagt es über ihn als Mensch aus, wenn er seine Sexulität über seine Familie stellt?' Es brach mir das Herz - und Ben ebenfalls, der sich fest vornimmt, Alexei zu zeigen, dass die Welt auch schön und voller Akzeptanz sein kann.

Das Ende habe ich als etwas abrupt abgehandelt empfunden und hin und wieder verhielten sich die Figuren nicht ganz altersentsprechend (sondern wesentlich jünger), abgesehen davon war es ein angenehmer Read, wenn auch mit kleinen Längen.

Fazit: Eine unaufgeregte, ruhige Queer-Romance mit bedeutsamen Themen, die sich gut als unterhaltsame Zwischendurch-Lektüre eignet.

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Veröffentlicht am 17.06.2025

Grumpy Rapunzel & Mister Mexx

Sommerglück am Chiemsee
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"Es ging nicht darum, das Nein-Sagen zu lernen, bis die Leute es aus meinem Mund respektierten. Vielmehr ging es darum, rigoros zu entscheiden: Wer in meinem Leben akzeptierte mein Nein, egal wie leise ...

"Es ging nicht darum, das Nein-Sagen zu lernen, bis die Leute es aus meinem Mund respektierten. Vielmehr ging es darum, rigoros zu entscheiden: Wer in meinem Leben akzeptierte mein Nein, egal wie leise und unsicher? Und bei wem war Hopfen und Malz verloren, sodass mir keine andere Möglichkeit blieb, als einfach zu gehen?"

Eigentlich möchte Josefine, angereist aus Berlin, in ihrer alten Heimat einen Schritt in Richtung Familienversöhnung machen, denn zwischen ihr und ihren Eltern, den Betreibern einer Kampfsportschule in Bayern, herrscht absolute Funkstille. (Spoiler: Es wunderte mich nicht. In kurzen Erinnerungspassagen Josefines erhaschen wir im Laufe der Handlung hin und wieder einen Eindruck davon, wie es war, mit dieser herzlosen, gefühlskalten Sippe aufzuwachsen. An ihrer Stelle hätte ich ebenfalls die Flucht ergriffen - allerdings ohne jemals wieder einen Gedanken an diese Leute zu verschwenden.)

"»Du taugst nichts.« [...] Ja, den Satz hatte ich als Kind oft gehört. Meist in Verbindung mit: Nimm dir ein Beispiel an deiner großen Schwester. Wie sehr hatte ich es gehasst, mit jemandem verglichen zu werden, der mir nicht weniger ähnlich hätte sein können."

Bevor sie ihren Eltern gegenübertreten kann, haut es Josefine jedoch - im wahrsten Sinne des Wortes - von den Socken. Grund dafür ist nicht etwa ihre attraktive Spontanbekanntschaft im regionalen Bus (= aufgrund seiner Parfumwolke "Mister Mexx" genannt), auch wenn dieser noch eine bedeutende Rolle einnehmen soll, sondern ein quirliger Riesenschnauzer namens Klitschko. Dieses "rüpelhafte Energiebündel" gehört nämlich zum liebenswerten Schreiner Peter, bei dem Josefine vorerst wohnen wird. Resultat der tierischen Kollision: Höllische Rückenschmerzen.

Josefines Hexenschuss nimmt einen Großteil der Handlung ein - etliche Passagen handeln von ihren Schmerzen. Ja, ich verstehe, dass ihre Angst vor fremden Berührungen ein zentrales Element der Handlung ist. Dennoch hätte ich mir statt der Rückenthematik lieber mehr bzw. intensivere Beschreibungen ihrer Trauma-Aufarbeitung oder des immerhin wunderschönen Settings gewünscht. Diese fielen im Vergleich etwas spärlich aus, zumindest für meinen Geschmack. Auch der eigentliche Grund für Josefines Anreise (= das Treffen mit ihrer Familie) wurde nur kurz und knapp abgehandelt.

Was ich hingegen geliebt habe: Peters Söhne (Nico, Leon und Adrian) und ihre humorvollen Wortgefechte, Peter, der die deutsche Sprache zelebriert und so eine liebe, tiefgründige Seele ist, Josefines beste Freundin Finja - chaotisch und charmant zugleich ... Überhaupt ist die gesamte Figurenzeichnung ungemein gut gelungen - auch in Bezug auf toxische Familienverhältnisse. Vielschichtige Charaktere, eine kreative Rahmenhandlung (= der Big Reveal am Ende, der mich tatsächlich komplett überrascht hat - Stichwort "Baxi") und ein wichtiges Thema, das von der Autorin gekonnt und mit viel Feingefühl in die Story eingebaut worden ist. Ich habe Josefines Entwicklung und Lossagung von alten Verhaltens- und Denkmustern gefeiert, am liebsten hätte ich am Ende jubelnd eine Faust in die Luft gereckt!

(Der Romance-Aspekt stand für mich eher im Hintergrund, ich war vielmehr neugierig auf Josefines Begegnung mit ihrer Family gewesen.)

Fazit: Angenehmer Wohlfühlroman unter bayerischer Sonne mit interessanter Hintergrundgeschichte und bedeutsamer Message.

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Veröffentlicht am 17.06.2025

Unterhaltsamer Frauenroman

Die Blütenfreundinnen – Mandelträume
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Bei diesem unterhaltsamen Read, der den zweiten Teil der mir bis dato unbekannten Buchreihe "Die Blütenfreundinnen" darstellt, waren es insbesondere die folgenden Punkte, die meine Neugier entfacht hatten: ...

Bei diesem unterhaltsamen Read, der den zweiten Teil der mir bis dato unbekannten Buchreihe "Die Blütenfreundinnen" darstellt, waren es insbesondere die folgenden Punkte, die meine Neugier entfacht hatten:

das im Klappentext angeteaserte Setting - Portugal (... so urlaubsreif wie ich bin, kommt mir ein literarischer Ausflug in die Sonne gerade recht!),

das offensichtlich im Fokus stehende Thema Frauenfreundschaft,

* die bezaubernde, frühlingshaft-frische Covergestaltung.

Gleich vorweg möchte ich festhalten (keine Kritik - nur eine persönliche Anmerkung): Mit dem im Präsens und in der dritten Person der jeweiligen Perspektive gehaltenen Erzählstil wurde ich bis zuletzt nicht warm, unabhängig vom Inhalt. Was ich meine: Sätze wie "Noch immer kann Lena nicht fassen, was ihr widerfahren ist." Oder: "Nicole und Toni gratulieren. Lena spricht ihre Bewunderung für Kristin aus [...]" - Fühle ich einfach nicht. Das ist natürlich reine Geschmackssache, aber diese Art von Schreibstil lässt bei mir einfach immer eine gewisse Distanz bestehen.

Was mir hingegen großartig gefallen hat: Wir lernen jede der vier Frauen - allesamt reifere Persönlichkeiten weit jenseits der 30er, was eine erfrischende Abwechslung im Liebesroman-Genre darstellt - individuell in ihren eigenen Kapiteln kennen. Lena muss aufgrund der betrügerischen Machenschaften einer ehemaligen Mitarbeiterin ihre Apotheke schließen und verliert von heute auf morgen ihre Existenz. Nicole trauert um ihren verstorbenen Mann Lutz und erhält ein überraschendes Jobangebot, das letztlich die gesamte Freundesgruppe auf einen unvergesslichen Ausflug nach Portugal führen soll. Kristin nähert sich ihrem Expartner Holger wieder an, nachdem dieser sie für eine jüngere Frau verlassen hatte - kann das wirklich gutgehen? Und Antonia - Toni - hat zwar finanziell ausgesorgt, fühlt sich allerdings einsamer denn je.

Authentische Dialoge, eine glaubwürdige Handlung, bildreiche Settingbeschreibungen ... on paper passte alles. Dennoch wollte der Funke nicht ganz überspringen, wobei ich überzeugt davon bin, dass dies in der besagten Distanz begründet lag.

Fazit: Von mir gibt es eine zufriedene Leseempfehlung für alle Fans von modernen Frauenromanen mit reifen, lebensnah angelegten Charakteren.

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Veröffentlicht am 17.06.2025

Wundervoller Wohlfühlroman

Listen to Love – Jedes Wort führt mich zu dir
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"Das ist das Problem mit Dating-Apps [...].Sie beginnen immer mit einem Algorithmus. Ich wünsche mir aber eine Geschichte. Und wenn ich die nicht haben kann, lese ich lieber ein Buch."

Aufgrund der Covergestaltung ...

"Das ist das Problem mit Dating-Apps [...].Sie beginnen immer mit einem Algorithmus. Ich wünsche mir aber eine Geschichte. Und wenn ich die nicht haben kann, lese ich lieber ein Buch."

Aufgrund der Covergestaltung würde man inhaltlich vielleicht eher eine lockere RomCom erwarten, aber haltet euch fest: Dieser rundum bezaubernde, tiefgründige Liebesroman ist so viel mehr als 'nur' eine unterhaltsame, humorvolle Romanze! Ich habe von der ersten Seiten an alles an Gigis Geschichte geliebt, nicht zuletzt dank des herrlich angenehmen, warmherzigen Schreibstils der Autorin - viel Gefühl und Sanftheit pur in den leisen Momenten, gleichermaßen realistische wie amüsante Dialoge, ungemein bildreiche Settingbeschreibungen ...Schon seit Jahren träume ich von einer Reise durch das malerische Südengland und durch diesen wundervollen 5-Sterne-Read wurde meine Sehnsucht nur noch mehr verstärkt.

Die Figuren - allesamt so liebenswert! Speziell Gigis Reisegruppe hatte es mir angetan - Francis mit seinem Diktiergerät (Taschentuch-Alarm!), Charlotte (die eine neue Liebe findet und für eines meiner Lieblingszitate verantwortlich ist: "»Die schönsten Erinnerungen entstehen aus Pannen und Missgeschicken«"), Nelle & Jenny ... Am Ende hatte ich das Gefühl, alle Reisemitglieder persönlich zu kennen und zu vermissen. Gigi durchlebt im Laufe der Handlung eine bemerkenswerte emotionale Entwicklung und ich gönne es ihr von Herzen, dass sie ihr wohlverdientes Happy End bekommt.

Fazit: Eines meiner bisherigen Jahreshighlights. Was für eine schöne Überraschung! Zwar ahnte ich bereits aufgrund des vielversprechenden Klappentextes, dass mir das Werk sicherlich gut gefallen würde, aber meine Erwartungen wurden gehörig übertroffen. Ich würde mich riesig über eine Verfilmung freuen, das Potential dazu hat die Story definitiv! Klare Leseempfehlung!

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