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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.05.2026

Ein tolles Konzept!

Laufen
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In Isabel Bogdans neuen Roman läuft der Leser mit der Ich-Erzählerin viele viele Kilometer und gewinnt dabei einen Einblick in ihre verwundete Seele.
Die Geschehnisse setzen ein Jahr nach dem Tod des Partners ...

In Isabel Bogdans neuen Roman läuft der Leser mit der Ich-Erzählerin viele viele Kilometer und gewinnt dabei einen Einblick in ihre verwundete Seele.
Die Geschehnisse setzen ein Jahr nach dem Tod des Partners der Erzählerin ein. Sie entscheidet sich dafür wieder Joggen zu gehen und nutzt die Zeit, um sich Gedanken über den Tod des Partners, die gemeinsame Vergangenheit aber auch die Trauer, ihre Freunde und die Zukunft zu machen. Dabei begleiten wir die Erzählerin über ein Jahr hinweg und erleben sie immer wieder in ihrem unablässigen Gedankenstrom während des Laufens.

Bogdan gelingen hier mehrere Kunststücke. Sie beschäftigt sich nicht, wie einige andere Autoren, mit der Zeit direkt nach einem Verlust, sondern setzt später im Trauerprozess ein. Nachdem "das Trauerjahr" eigentlich schon vorbei sein sollte und alles wieder in Ordnung. Dass dies eben nicht so ist, zeigt sie durch den Kniff allein den Gedankenstrom der Erzählerin auf den Leser wirken zu lassen. Und so wie das Laufen den Menschen in Bewegung hält, hält es auch die Handlung in Bewegung und lässt den Roman nie langatmig werden. Die Länge von 200 Seiten ist auch perfekt getroffen, um einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt einer "Hinterbliebenen" zu bekommen.
Mich hat dieser Roman gefesselt und auch berührt. Mir sind sogar einmal die Tränen gekommen und zwar nicht an einer traurigen Stelle, nein, an einer Stelle in der es um Mut, Freundschaft und Apfelstückchen geht.

Es handelt sich hierbei um einen aus meiner Sicht großartigen, reduzierten Roman, der den Trauerprozess einer Person mal aus einer ungewöhnlichen Perspektive heraus erzählt. Sehr empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Vom Cover blenden lassen...

Die Dame hinter dem Vorhang
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Der Roman von Veronika Peters über das Leben der realen Person Edith Sitwell ist aus der Sicht des Hausmädchens Jane geschrieben, welche "für Edith" die Aufgabe der Zusammenfassung der Lebensgeschichte ...

Der Roman von Veronika Peters über das Leben der realen Person Edith Sitwell ist aus der Sicht des Hausmädchens Jane geschrieben, welche "für Edith" die Aufgabe der Zusammenfassung der Lebensgeschichte übernehmen will.

Die Geschichte setzt dann aber unvermittelt viel früher ein, nämlich beim Leben der Mutter von Jane, Emma. Dieser Umstand und die Tatsache, dass sich Emma und Edith sehr nah gewesen sind, wirken auf den ersten 50 bis 100 Seiten manchmal verwirrend. Mir viel es zunächst schwer Emma und ihre Tochter Jane in der Geschichte auseinander zu halten, zumal sie fiktiven Figuren ähnliche Funktionen im Leben der Roman-Edith einnahmen.
Von diesem Verwirrspiel abgesehen, plätschert der Plot leider nur vor sich hin. Es zeigt sich ein konventioneller Historischer Roman, ohne große Überraschungen. Der Spannungsbogen wird einzig von der Frage nach dem wahren Vater von Jane getragen. Die Anekdoten über Edith Sitwell wirken gut recherchiert, sind aber eher durch die Rahmenhandlung des erzählenden Hausmädchens aneinander gereiht. Hier habe ich mich von der tollen Aufmachung der Wunderraum-Veröffentlichung blenden lassen. Ich erwartete Ungewöhnliches, bekam aber eher Null-Acht-Fünfzehn-Erzählkunst. Der Schreibstil der Autorin besticht leider nicht durch literarisch anspruchsvolle Formulierungen. Da wird ein Kapitel schon einmal folgendermaßen eingeleitet: "Ach, Paris! Was hatte ich mich darauf gefreut, diese Stadt endlich selbst zu erleben! [...] und malte mir die Ankunft in der 'elegantesten Metropole der Welt', wie sie in den Zeitschriften genannt wurde, in den leuchtendsten Farben aus."...Hach.
Auch bleiben für mich die Figuren eher blass. Edith Sitwell natürlich nicht, aber das liegt an der Natur der Sache, über diese Frau zu schreiben. Beweggründe der Erzählerin Jane, weshalb sie ein Leben lang bei der Exzentrikerin bleibt, erfährt der Leser leider nicht. Hier hätte ich mir mehr psychologische Tiefe gewünscht.

Insgesamt bin ich vom Buch eher enttäuscht. Es ließ sich zwar zügig runterlesen, war aber leider kein besonderes Leseerlebnis. Deshalb würde ich anspruchsvollen Lesern andere Bücher vom Wunderraum Verlag empfehlen, dieses jedoch nicht.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Glaube keinem Klappentext

Die Altruisten
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Dieser Roman hielt einiges im Petto, was ich so nicht erwartet hätte. Aber auf Anfang: Dreh- und Angelpunkt der Erzählung ist nicht, wie vermutet das Familientreffen der drei hinterbliebenen Alters, nein ...

Dieser Roman hielt einiges im Petto, was ich so nicht erwartet hätte. Aber auf Anfang: Dreh- und Angelpunkt der Erzählung ist nicht, wie vermutet das Familientreffen der drei hinterbliebenen Alters, nein hauptsächlich nutzt der Autor den Roman, um mithilfe von Rückblenden die Befindlichkeiten und psychischen Probleme der einzelnen Protagonisten und ihre Beziehungen untereinander aufzudröseln.

Mir hat dieser Ansatz sehr gut gefallen. Der Autor scheint ein fundiertes psychologisches Fachwissen zu besitzen, da seine Herleitungen der verschiedenen Persönlichkeitsstile durchweg nachvollziehbar und korrekt aufgebaut sind. Was für manch einen leser überzogen wirken kann, gibt es mitunter tatsächlich in diesem Ausmaß in der Realität. Über die ersten Kapitel hinweg schafft es der Autor eine massive Antipathie gegenüber den Familienmitgliedern aufzubauen, was aus meiner Sicht eine literarische Glanzleistung darstellt. Stilistisch verwendet der Autor eine sehr bildhafte, adjektivgetragene Sprache, welche bei mir eine tolle Imagination hervorgerufen hat. Auch empfinde ich das Cover als sehr ansehnlich und äußerst passend zur Geschichte.

Ich ziehe dem Buch trotz meiner Begeisterung dafür einen Punkt ab, da der Übersetzer an einigen Stellen wirklich kurios gearbeitet hat. Besonders im Amerikanischen typische Eigennamen wurden übernommen, ohne eine Umschreibung zum Verständnis zu nutzen. Zum Beispiel ist die Rede davon, dass eine Person eine andere auf dem "Quad" gesehen hat. Erst später erschließt sich, dass nicht das im Deutschen bekannt Fahrzeug, sondern die quadratische Rasenfläche (quadrangle) im Inneren eines Collagecampus gemeint ist. Der Text strotzt vor solchen Begrifflichkeiten, die das Lesen leider zum Stocken bringen.

Insgesamt gefällt mir dieses Buch ausgesprochen gut. Ich würde es vor allem anderen Psychologen empfehlen. Sie würden sicherlich mit Interesse das Buch verschlingen.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Gebt dafür auf gar keinen Fall Geld aus!

If Keanu were your Boyfriend
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Dieses Buch/Heftchen gibt im Klappentext vor, mithilfe von biografischen Angaben zu Keanu Reeves und einer fiktiven Geschichte, der Fantasie auf die Sprünge helfen zu wollen, wenn man für diesen Schauspieler ...

Dieses Buch/Heftchen gibt im Klappentext vor, mithilfe von biografischen Angaben zu Keanu Reeves und einer fiktiven Geschichte, der Fantasie auf die Sprünge helfen zu wollen, wenn man für diesen Schauspieler schwärmt.

Ganz ehrlich: Die Latte ist nicht besonders hoch, aber nicht einmal das bekommt dieser Schund hin. Auf den 32 (!) beschrieben Seiten findet sich immer ein Zitat von Reeves, welches in schrecklicher Wordart eine komplette Seite einnimmt (ja, also gibt es eigentlich nur 16 Seiten reinen Text) und dazugehörig ein Sammelsurium an Trivia zum Schauspieler. Dazu gibt es definitiv keine fiktie Geschichte. Es handelt sich um eine Trivia-Sammlung, die weniger Inhalt hat als die Wikipedia-Seite zu Reeves. Früher in der BRAVO hätte dieses Buch inhaltlich exakt eine Seite ausgemacht - inklusive der Bildchen, die es damals zur genüge als Füllmaterial dazu gab. Dieses Buch hat die Dimensionen in etwa von einer DVD-Hülle und die Textfragmente füllen mit massivem Zeilenabstand ungefähr die Fläche einer CD. Das ist alles sehr, sehr mager.

Vom cross cult Verlag bin ich normalerweise eher hochwertige Comic-Veröffentlichungen gewöhnt. Ich hatte eine Art schwärmerischen Graphic Novel mit Augenzwinkern erhofft. Das hier ist jedoch nur großer Mist, der scheinbar durch Copy&Paste im Internet zusammengesucht wurde. Dafür werden tatsächlich 15 Euro verlangt?! Bitte gebt dafür kein Geld aus! Hier wird einfach nur die Gelddruckmaschine namens "Keanu Reeves" angeworfen. Zum Glück habe ich das Rezensionexemplar kostenlos erhalten.

Eigentlich hatte ich mir vorab, bevor ich das Buch tatsächlich "gelesen" hatte (es dauerte genau 5 min), überlegt es einer Freundin als kleinen Gag zu schenken. Aber selbst das traue ich mir nicht. Niemandem würde ich dieses Buch empfehlen. Es wird eindeutig beim nächsten Schrottwichteln weggewichtelt, denn dafür gebe ich keinen kostbaren Platz im Bücherregel her!

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Ausgeklügelt, weitreichend, spannend

In unseren Herzen die Welt
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In diesem ersten Roman von Virgil Kane verhandelt der Autor eine Vielzahl an Themen aus aktuellen Gesellschaftsdebatten, wobei das Hauptaugenmerk auf der Definition von Leben im Rahmen einer zunehmenden ...

In diesem ersten Roman von Virgil Kane verhandelt der Autor eine Vielzahl an Themen aus aktuellen Gesellschaftsdebatten, wobei das Hauptaugenmerk auf der Definition von Leben im Rahmen einer zunehmenden Vitualisierung liegt. Dabei erfahren wir Schritt für Schritt - oder besser "Protokoll um Protokoll" - mehr von einzelnen Akteuren, welche alle durch verschiedene, schicksalhafte Ereignisse miteinander verbunden sind. Besonders die ersten beiden Personen Phil und Katy begleiten wir im Buch besonders lang und ausführlich. Phil, der durch das Platzen eines Hirnaneurysmas mit einer stark veränderten Persönlichkeit erwacht, Katy die ihn später auch noch zusätzlich in einen Unfall verwickelt. Weitere Personen, die am Ende an der "Katastrophe" teilhaben, welche bereits im Klappentext benannt wird, treten ebenso auf und vervollständigen das Puzzle der Geschehnisse.

Die Erzählstimmen der unterschiedlichen Charaktere variiert angenehm zwischen den Personen, der Schreibstil des Autors ist sprachlich stets ansprechend. Leider ist aus meiner Sicht das erste Kapitel mit allein 252 Seiten zu umfangreich geraten. Der Ich-Erzähler schweift mitunter doch stark aus in seinen Schilderungen und Gedankengängen, sodass man kaummehr von einem "Protokoll" sprechen kann. Außerdem wird einem Erzählstrang um die Person Ahmed sehr viel Raum gegeben, der so nicht notwendig gewesen wäre. So wird das Lesen dieses ersten Drittels des Buches doch mitunter zäh. Dies verändert sich sofort mit dem Beginn des zweiten Kapitels um Katy. Dieses ist inhaltlich rasant erzählt und so spannend und mitreißend, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Wobei man es manchmal regelrecht aus der Hand legen muss...bei fast 700 Seiten und einem Kampfgewicht von 1 kg! Aus meiner Sicht hätte im ersten Drittel ungefähr die Hälfte der Seiten eingespart werden können, um das Buch insgesamt etwas knackiger werden zu lassen.

Die letzten beiden Drittel des Buches lesen sich zügig weg, der Leser wird mitgerissen und es gibt viele Ideen, Hypothesen und philosophische Gedankengänge geboten, die den eigenen Neokortex anregen.
So interessant, wie die Buchunterschrift "Die van Pelt Protokolle" auch klingen mag; es handelt sich nicht um Protokolle, die wir hier lesen. Es wird gezielt die vierte Wand durchbrochen und der Leser demnach direkt angesprochen. Außerdem äußern die Protagonisten viele subjektive Gedankengänge oder Fantasiereisen, die zum eigentlich "Tathergang" nicht beitragen. Das macht das Lesen abwechslungsreicher und ist auch gut so; passt aber eben nicht zu klassischen Protokollen. Auch vermittelt der letzte Satz des Klappentextes ("Diese [Theorien über Hergang und Auslöser] schlussendlich zu beweisen, gelang den Ermittlungsbehörden jedoch bis heute nicht.") ein ungenaues Bild von der Art des Romans. Durch diesen Satz, könnte man schnell denken, es handle sich um eine Art Krimi. So ist es keinesfalls. Ich würde das Buch eher als Kontemplation über gesellschaftsrelevante Themen mit viel Spannung beschreiben. Klingt natürlich nicht so knackig. Das Cover erscheint meines Erachtens auch nicht vollends zu passen, da es recht romantisch wirkt.

Nichtsdestotrotz handelt es sich hier um ein gelungenes Erstlingswerk, welches ich definitiv grundsätzlich und im Speziellen Lesern empfehlen möchte, die z.B. Filme wie "Transcendence" oder "Der Mann mit zwei Gehirnen" mochten. Was nun Johnny Depp mit Steve Martin zu tun hat, müsst ihr euch schon selbst er-lesen :P

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