Sex and the Country
Der Große GartenWie kann man diesen Roman (eine Kategorisierung, die sicherlich generell bei diesem Werk ausgehebelt scheint) inhaltlich beschreiben? Radl schreibt ein Sachbuch über Gartentipps und das Leben als Städterin ...
Wie kann man diesen Roman (eine Kategorisierung, die sicherlich generell bei diesem Werk ausgehebelt scheint) inhaltlich beschreiben? Radl schreibt ein Sachbuch über Gartentipps und das Leben als Städterin auf dem Dorf. Dieses ähnelt wohl sehr dem der Autorin, sodass man ihn als "autobiografisch" bezeichnen könnte.
Formell wird der Roman in ultrakurzen Kapiteln von mitunter Halbseitenlänge erzählt. Insgesamt kommt das Buch damit auf - grob überschlagen, nicht nachgetählt - 360 Kapitel bei einer Seitenzahl von 306! Das ist nicht nur "mal was anderes" sondern vor allem anstrengend. Ständig springt die Autorin von Thema zu Thema ein flüssiges Lesen ergab sich für mich nicht. Und obwohl die Beiträge durchaus von Witz und Ironie gespickt sind, bleibt das Buch einfach langweilig. Ich bin bis Seite 155 insgesamt zehn Mal eingeschlafen und habe zweimal das Buch gänzlich weggelegt, um ein anderes Buch zur Abwechslung zu lesen. Die einzelnen Beiträge könnte ich mir gut als Kolumne in einer Großstadtzeitung vorstellen. Den Witz und die Würze haben sie, für ein zusammengewürfeltes Buch, taugen sie aber leider nicht. Hinzu kommt die sehr vereinfachte Sprache der Autorin. Ein Aussagesatz reiht sich an den nächsten. Manchmal hätte ich das Buch in die Ecke werfen wollen, wenn noch ein einziges Mal "Der Mann macht dies oder jenes.", "Der Liebhaber sagt das." usw. in Reihe gestanden hätte.
Die Gartentipps bleiben dabei Allgemeinwissen und sind unzusammenhängend - wie der Rest des Buches - eingestreut. Nebenbei vögelt sich die Protagonistin durch die Schlafzimmer verschiedenster Männer dieses Lebensabschnitts. Einer davon: ein scheinbar sexsüchtiger Analytiker...hm.
So bleibt für mich nach Abbruch der Lektüre auf der Hälfte die Frage zurück, ob dieses Buch nur die hier selbstironisch vorgeführten, sinnsuchenden Städter überzeugen kann. Mich kann es das leider nicht.