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Veröffentlicht am 08.05.2026

Sex and the Country

Der Große Garten
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Wie kann man diesen Roman (eine Kategorisierung, die sicherlich generell bei diesem Werk ausgehebelt scheint) inhaltlich beschreiben? Radl schreibt ein Sachbuch über Gartentipps und das Leben als Städterin ...

Wie kann man diesen Roman (eine Kategorisierung, die sicherlich generell bei diesem Werk ausgehebelt scheint) inhaltlich beschreiben? Radl schreibt ein Sachbuch über Gartentipps und das Leben als Städterin auf dem Dorf. Dieses ähnelt wohl sehr dem der Autorin, sodass man ihn als "autobiografisch" bezeichnen könnte.

Formell wird der Roman in ultrakurzen Kapiteln von mitunter Halbseitenlänge erzählt. Insgesamt kommt das Buch damit auf - grob überschlagen, nicht nachgetählt - 360 Kapitel bei einer Seitenzahl von 306! Das ist nicht nur "mal was anderes" sondern vor allem anstrengend. Ständig springt die Autorin von Thema zu Thema ein flüssiges Lesen ergab sich für mich nicht. Und obwohl die Beiträge durchaus von Witz und Ironie gespickt sind, bleibt das Buch einfach langweilig. Ich bin bis Seite 155 insgesamt zehn Mal eingeschlafen und habe zweimal das Buch gänzlich weggelegt, um ein anderes Buch zur Abwechslung zu lesen. Die einzelnen Beiträge könnte ich mir gut als Kolumne in einer Großstadtzeitung vorstellen. Den Witz und die Würze haben sie, für ein zusammengewürfeltes Buch, taugen sie aber leider nicht. Hinzu kommt die sehr vereinfachte Sprache der Autorin. Ein Aussagesatz reiht sich an den nächsten. Manchmal hätte ich das Buch in die Ecke werfen wollen, wenn noch ein einziges Mal "Der Mann macht dies oder jenes.", "Der Liebhaber sagt das." usw. in Reihe gestanden hätte.

Die Gartentipps bleiben dabei Allgemeinwissen und sind unzusammenhängend - wie der Rest des Buches - eingestreut. Nebenbei vögelt sich die Protagonistin durch die Schlafzimmer verschiedenster Männer dieses Lebensabschnitts. Einer davon: ein scheinbar sexsüchtiger Analytiker...hm.

So bleibt für mich nach Abbruch der Lektüre auf der Hälfte die Frage zurück, ob dieses Buch nur die hier selbstironisch vorgeführten, sinnsuchenden Städter überzeugen kann. Mich kann es das leider nicht.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Viel Kritik per Holzhammer-Methode, wenig Handlung und Spannung

Die Geschichte des Wassers
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Im Nachfolgewerk zu "Die Geschichte der Bienen" folgt nun der Leser zwei Erzählsträngen, welche sich gleichwohl mit dem Thema Wasser beschäftigen. Diese sind im Jahr 2017 mit der Ende-60jährigen norwegischen ...

Im Nachfolgewerk zu "Die Geschichte der Bienen" folgt nun der Leser zwei Erzählsträngen, welche sich gleichwohl mit dem Thema Wasser beschäftigen. Diese sind im Jahr 2017 mit der Ende-60jährigen norwegischen Umweltaktivistin Signe und im Jahr 2041 mit dem Mitte-20jährigen Vater David angelegt. Erstere begibt sich samt Segelboot und Gletschereis nach Frankreich, der zweite ist mit seiner 5jährigen Tochter als Klimaflüchtling innerhalb von Frankreich Richtung Norden, Richtung Wasser, unterwegs.

Leider entsteht bereits bei der Wahl der Zeiträume und der Reduzierung im Vergleich zum Vorgänger auf nur noch zwei Erzählstränge ein viel geringeres Spannungsfeld des Plots. Die Geschichte bleibt vorhersehbar, wobei dies auch bei "den Bienen" der Fall gewesen ist. Dort wusste man schon nach 20 Seiten, wie das Buch ausgehen wird. Trotzdem war damals der Weg das Ziel und die einzelnen Erzählstränge sehr spannend erzählt. Diesmal plätschert der Plot so dahin. Es entsteht leider wenig Spannung in der recht kargen Handlung. Dafür gibt es sehr viel Kritik am klimaschädlichen Lebenswandel unserer Generation mithilfe des Holzhammers vermittelt. Wenigstens ein bisschen Subtilität hätte dem buch gut getan. Spätestens wenn Signe nach einem kräftezehrenden Sturm auf ihrem Boot einen Schokoriegel findet und trotz Erschöpfung und Hunger die Energie aufbringt um zu bereuen, dass sie Schokolade mit Palmöl gekauft hat, wird es zu viel des Guten. Ab Seite eins wird die Kritik in Sachbuchmanier vermittelt. Sicherlich im Großen und Ganzen sinnvoll, dies darf aber auch subtiler geschehen.

Letztendlich schwankte ich hier zwischen 2 und 3 Sternen, habe mich aufgrund des doch weniger Happy-End-mäßigen Endes als erwartet, für die 3 Sterne entschieden. Das Buch ist leider weniger intensiv als der Vorgänger, trotzdem liest er sich süffig runter.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Prädikat: "Vom Psychoonkologen empfohlen"

Als ich dem Tod in die Eier trat
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Ich beginne diese Rezension mal ganz persönlich: Als mehrjährige Psychoonkologin auf einer urologischen Station kann ich dieses Buch uneingeschränkt Betroffenen, Angehörigen und Interessierten empfehlen!

Alexander ...

Ich beginne diese Rezension mal ganz persönlich: Als mehrjährige Psychoonkologin auf einer urologischen Station kann ich dieses Buch uneingeschränkt Betroffenen, Angehörigen und Interessierten empfehlen!

Alexander Greiner schildert in seinem Buch sehr authentisch seine eigenen Erfahrungen mit dem Hodenkrebs im Alter von 35 Jahren und dem zwei Jahre später aufgetauchten Rezidiv im Oberarmknochen. So bewegt sich seine Geschichte nicht nur zwischen Krankenhausstationen, Ärzten und Behandlungen hin und her, sondern zeigt auch seine persönliche Entwicklung trotz und wegen der Krebserkrankung auf. Dabei verweist der Autor stets auf ein fundiertes Wissen zu medizinischen, psychoonkologischen und anderen adjuvanten Behandlungen und Sachverhalten. Begriffe werden nicht wie in einem Lehrbuch trocken definiert, sondern geschickt in die Erzählung mit ein bis zwei Sätzen eingeflochten. Für den Laien verständlich nimmt er den Leser mit auf seine Reise zunächst zum Arzt und später zu sich selbst. Bei allen Aussagen zu Behandlungsformen etc. habe ich ausschließlich sachliche Richtigkeit und ausgewogene Einschätzungen lesen können. Eine von vielen Stärken dieses Buches.

Insgesamt kann ich dieses Buch sowohl als Leserin als auch Psychoonkologin uneingeschränkt empfehlen. Eine Lektüre lohnt sich!

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Interessant, aber nicht umwerfend

Ich komme mit
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Nachdem ich Angelika Waldis durch die spätere Veröffentlichung "Die geheimen Leben der Schneiderin" entdeckt habe, las ich nun den umjubelten Vorgänger "Ich komme mit". Thematisch kreist das Buch um eine ...

Nachdem ich Angelika Waldis durch die spätere Veröffentlichung "Die geheimen Leben der Schneiderin" entdeckt habe, las ich nun den umjubelten Vorgänger "Ich komme mit". Thematisch kreist das Buch um eine Freundschaft zwischen der Mitte-70jährigen Vita, verwittwet und vom Sohn vergessen, und dem 20jährigen Lazar, von der Liebe verlassen und krebskrank.

Die Lebenssituation, die Eigenheiten und die Entscheidung der beiden zu einer gemeinsamen Reise beschreibt Waldis ungeschönt und durchaus sprachlich mitreißend. Es gibt kein Wort der Ausschmückung zu viel, tortzdem schwingt der ein oder andere Satz ganz tief im Körper weiter. Langeweile entsteht eigentlich nie. Und trotzdem kann mich dieses Buch von Waldis nicht so vollends überzeugen wie "Die geheimen Leben...". So richtig hat mich die Geschichte nicht gepackt. Themen werden angerissen aber nicht zuende gedacht. Nach dem Auftauchen von syrischen Flüchtlingen fragt man sich nach dem Grund ihrer Erwähnung im Roman. Inwieweit bringen sie die Geschichte weiter?

So richtig festmachen kann ich es nicht, warum dieser solide Roman leider nicht mehr für mich ist als das. Die Sprache sowie das Thema ist interessant, aber leider nicht optimal umgesetzt. Es reißt nicht so richtig mit.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Der Meta-Roman

Der unsichtbare Roman
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Was kann ich über diesen Roman schreiben, ohne den Klappentext (dieser zur Abwechslung mal recht treffend) zu wiederholen aber auch nicht zu viel zur Geschichte preiszugeben?

Poschenrieder verknotet in ...

Was kann ich über diesen Roman schreiben, ohne den Klappentext (dieser zur Abwechslung mal recht treffend) zu wiederholen aber auch nicht zu viel zur Geschichte preiszugeben?

Poschenrieder verknotet in seinem Roman geschickt Fakten mit Fiktion. In den letzten beiden Kriegsjahren des ersten Weltkriegs spielt dieses Werk und auch nicht. Es gibt Einschübe aus Archiven und Werken, entstanden bis ins aktuelle Jahrtausend. Er schreibt über das Schreiben und rückt dabei immer wieder hinauf in die Meta-Ebene. Einem Leser, dem die Akteure des Romans nicht bekannt sind vor dem Lesen, wird bis zum auflösenden, erklärenden Schluss einen knoten im Kopf haben. Einen guten Knoten. Sich fragen, was ist Wahrheit, was Fiktion.

Die Lektüre habe ich sehr genossen. In zwei Zügen war das Buch gelesen, die Seiten flogen nur so dahin.

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