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Veröffentlicht am 08.05.2026

Adam und Eva - Reversed

Götter
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Ich bin mal wieder überaus positiv überrascht von diesem Roman von Will Hofmann. Nach Lektüre des Klappentextes war ich von einer Dystopie, welche mindestens 200 Jahre in der Zukunft spielt, ausgegangen. ...

Ich bin mal wieder überaus positiv überrascht von diesem Roman von Will Hofmann. Nach Lektüre des Klappentextes war ich von einer Dystopie, welche mindestens 200 Jahre in der Zukunft spielt, ausgegangen. Aber nein, Hofmann entwirft eine Schreckensherrschaft in unserer Gegenwart. Wie dies mitten in Deutschland möglich sein könnte, leitet er plausibel her und macht damit das Undenkbare gar nicht mehr so undenkbar.

Agnes und Günter entkommen unabhängig voneinander zwei Reservaten, in denen Männlein und Weiblein getrennt von einander "gehalten" werden. Das Leben ist rückständig, ein Glaube an die "Götter" herrscht vor, dem allen untergeordnet wird. Dabei dreht sich der Roman gar nicht durchweg um diese Reservate, sondern auch sehr ausführlich um ein Leben in der Freiheit, und damit für die beiden in der freien Natur. Die Geschichte der beiden mutet dabei an wie die von Adam und Eva. Nur umgekeht, da diese das Paradies durch Erkenntnis verlassen mussten. Hier verlassen die beiden die Hölle und landen im Paradies der Erkrenntnis.

Der Plot ist durchgängig zügig, zackig, süffig erzählt. Es gibt nie Längen, vielmehr mausert sich der Roman als echter Pageturner. Ich bin wieder einmal vollends begeistert und würde das Buch jederzeit weiterempfehlen. Dabei sollen sich durchaus nicht nur Personen angesprochen fühlen, die sich für Sekten (wie Colonia Dignidad, von deren Gründer und einer bekannten Betroffenen Zitate dem Buch vorangestellt sind), Verschwörungstheorien über "die Mächtigen" oder die Auswirkungen von strikter Geschlechtertrennung auf die Persönlichkeitsentwicklung interessieren, sondern auch diese, welche ein Interesse an (Über-)Leben in der Wildnis bzw. in einer völlig fremden Umgebung haben.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Leider nicht so gut gelungen

OKTAN
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Leider bin ich von diesem Werk von Will Hofmann nicht sonderlich überzeugt. Das Buch behandelt die Thematik der Genmanipulation an Bakterien, welche durch Mutation verheerende Folgen für die Menschheit ...

Leider bin ich von diesem Werk von Will Hofmann nicht sonderlich überzeugt. Das Buch behandelt die Thematik der Genmanipulation an Bakterien, welche durch Mutation verheerende Folgen für die Menschheit hat. Es wird die Geschichte eines Nobelpreisträgers, dessen direktem sozialen Umfeld aber auch der Gesellschaft im Laufe der Entdeckung bzw. nach Ausbruch einer schrecklichen Seuche erzählt.

Hofmann nutzt dazu ein recht umständliches Vehikel. Bei den 79 (!) Kapiteln (plus Prolog und Epilog) handle es sich laut Ausführungen eines Ururneffen (!) des Wissenschaftlers um Dokumente, die wiederum der Nachbar des Wissenschaftlers Harry Neubert zusammengetragen und geschrieben hat. Es gibt in diesem Buch drei Schriftarten (!). Eine "Schreibmaschinen"-Schriftart, die für subjektive Schilderungen des Nachbarn Walter Haus steht; eine "Proportionalschrift", die für subjektive Schilderungen des Nachbarn aber aus dritter Hand steht; und eine fettgedruckte Times New Roman (?), die für Bemerkungen aus der Sicht des Ururneffen steht. Klingt kompliziert? Ist es auch. Vor allem aber unübersichtlich. Es ist auch von "Zeitungsausschnitten" zu Beginn die Rede. Diese erkennt man aber nicht als solche. Mitunter fragt man sich, warum jetzt manche Abschnitte Schreibmaschine sind, woher der Verfasser das nun schon wieder weiß oder warum der Ururneffe nun dringend auch noch eine Erklärung abgeben musste. Durch diese unglaublich vielen, mitunter innerhalb noch zerstückelten, Kapitel macht das lesen einfach keinen richtigen Spaß. Es entsteht kein Erzählfluss. Die Figuren bleiben schablonenhaft, müssen jede Handlung und jeden Gedankengang ausformulieren. Es gibt keine Leerstellen, damit sich der Leser selbst mal Gedanken machen könnte. Macht er sich diese trotzdem, wirken Figuren wie der Nobelpreisträger im Erkrennen einfachster Ursache-Wirkung-Zusammenhänge unglaubwürdig schwer von Begriff. Keine Der Figuren hat in ihrer Beschreibung in mir ein inneres Bild der Person aufkommen lassen. Keine Figur war mir emotional nahe, es konnten keine Empathien entstehen. Sehr schade.

Inhaltlich ist die Idee gar nicht schlecht, sich mit den Risiken von Genengeneering und den Folgen für die Menschheit auseinanderzusetzen. Der Autor hat wissenschaftlich gut recherchiert und vermittelt die Hintergründe für unbedarfte Leser sicherlich pädagogisch wertvoll.

Also ingesamt ein interessanter Ansatz, leider nicht gut umgesetzt. Ich habe das Buch dann einfach nur noch stur runtergelesen, gefesselt hat es mich leider gar nicht.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Ein wichtiges Thema mit der Holzhammermethode erzählt

Weil für unsere Hunde jeder Tag zählt
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Sandra Dombrovsky ist eigentlich Hundefotografin, deshalb und weil sie selbst Hunde hat, ist ihr ein Thema besonders wichtig: Welche Bedürfnisse haben unsere Hunde und wie kommen wir diesen im besten Falle ...

Sandra Dombrovsky ist eigentlich Hundefotografin, deshalb und weil sie selbst Hunde hat, ist ihr ein Thema besonders wichtig: Welche Bedürfnisse haben unsere Hunde und wie kommen wir diesen im besten Falle nach. Dabei ist die Novelle in kleine Kapitel, welche an sich Mini-Kurzgeschichten sein könnten, eingeteilt, welche den Protagonisten in verschiedene Hundelebensumstände schlüpfen lassen.

Besonders zu Beginn fand ich die Geschichten literarisch/erzählerisch sehr einfach gestrickt und leider mit viel zu wenig Anspruch an den Leser. Alles wird benannt, nichts ist der Imagination des Lesers überlassen. Die ersten Geschichten über dachte ich häufig gequält, dass das alles doch zu sehr plakativ erzählt ist. Der Leser wird quasi mit dem Zaunpfahl erschlagen. Nämlich, dass wir Menschen häufig die Bedürfnisse des hundes übersehen und ihn damit in seinem Potential vernachlässigen. Ab der Geschichte "Unter den Sternen" (ein Wohnungsloser, der sich rührend um seinen vierbeinigen Begleiter kümmert) wirds dann kreativ und interessant. Diese Blickwinkel z.B. aus Sicht eines Blindenführhundes fand ich dann sehr interessant.

Insgesamt handelt es sich im Gesamtpaket mit Hundefotos und der wichtigen Grundaussage doch ein gutes Büchlein, was durchaus an die Unbelehrbaren, die das Plakative benötigen, um auf einen artgerechten Weg der hundehaltung geführt zu werden, weiterzuempfehlen.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Hat verdient den Man Booker Prize gewonnen

Milchmann
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Der vorliegende Roman von Anna Burns ist eine hochinteressante und literarisch sehr anspruchsvolle Geschichte um eine 18jährige, welche namenlos in einer nicht näher benannten Stadt lebt, die sich in einem ...

Der vorliegende Roman von Anna Burns ist eine hochinteressante und literarisch sehr anspruchsvolle Geschichte um eine 18jährige, welche namenlos in einer nicht näher benannten Stadt lebt, die sich in einem Bürgerkrieg befindet. Aus den biografischen Angaben der Autorin und den gegebenen Hinweisen wird schnell klar: Hier handelt es sich um den Nordirischen Konflikt Ende der 1970er Jahre. Diese Rahmenbedingungen sind zwar nicht unabdingbar wichtig zu wissen für die Rezeption des Romans, gibt jedoch eine bessere Vorstellung davon, um was es in diesem Roman geht. Im Klappentext wird allein auf die Entstehung eines Gerüchts und der Umgang der jungen Frau damit eingegangen. Dieses Buch bietet jedoch sehr viel mehr als das. Die Geschichte um den "Milchmann" stellt hier nur die Rahmenhandlung dar, viel wichtiger sind die ausführlichen Gedankengänge und Erinnerungen der Protagonistin. Diese zeichnen ein ausführliches Bild des Lebens als Frau in einer im Bürgerkrieg befindlichen Gesellschaft in den ausklingenden 70er Jahren in Nordirland. Die vermittelten Einstellungen, Eindrücke und Erlebnisse können jedoch global extrapoliert werden und bleiben zum Teil im Rahmen der weiterhin anhlatenden #metoo-Debatte auch heute noch allgemeingültig. Und dies ist eine der größten Stärken dieses Buches. Eine weitere stellt die ausgefeilte, ausufernde Sprache der Autorin und die Meisterleistung der Übersetzerin dar. Dieser Roman ist nicht mal eben nebenher runtergelesen. Nein, er fordert seine Leser und Leserinnen und diese werden mit einem literarischen Meisterwerk belohnt, welches noch lange nachwirkt.

Von mir gibt es eine eindeutige Leseempfehlung für diesen großartigen Roman.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Gutes Buch über die Irakische Gesellschaft, jedoch ausbaufähig

Palast der Miserablen
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In diesem Roman schildert der Autor (sicherlich stark autobiografisch angehaucht) die Geschichte eines jungen Irakers, der in einem Kellerverlies vor sich hinvegetiert. Parallel dazu wird abwechselnd zu ...

In diesem Roman schildert der Autor (sicherlich stark autobiografisch angehaucht) die Geschichte eines jungen Irakers, der in einem Kellerverlies vor sich hinvegetiert. Parallel dazu wird abwechselnd zu den Sequenzen aus dem Verlies die Lebensgeschichte des Mannes, der aus dem Südirak stammt und mit der Familie nach Bagdad in ein Armenviertel auf einer Müllhalde zieht, erzählt. Erzähler ist in beiden Strängen in der Ich-Form Shams.

Von der ersten Szene des Buches, direkt im Arrest beginnend, war ich sofort gefangen. Diese fand ich sprachlich sehr gut und sie weckte mein Interesse am Buch. Für Wissbegierige sind jedoch im weiteren Verlauf weniger die biografischen Deteils von Shams Leben interessant, sondern vielmehr die Hinweise auf das Leben im Irak unter Saddam Hussein. Davon erfuhr man in den Medien wenig und wird hier ein wenig mehr aufgeklärt. Leider wird aber die Lebensgeschichte aus aneinandergereihten Anekdoten eher langweilig und fad erzählt. Das Buch hat einige Längen, die obsolet erscheinen. Erst ganz zum Ende hin wir der Erzählstil und die Plotentwicklung wieder etwas aufregender und ideenreicher.

Insgesamt handelt es sich hier um einen guten Roman, der jedoch sowohl sprachlich als auch im Spannungsbogen noch Luft noach oben gehabt hätte. Nach der Lektüre ist man nicht dümmer geworden und hat eventuell die Anregung bekommen, andere, detailiertere Bücher über die Zeitgeschichte des Irak zu lesen.

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