Adam und Eva - Reversed
GötterIch bin mal wieder überaus positiv überrascht von diesem Roman von Will Hofmann. Nach Lektüre des Klappentextes war ich von einer Dystopie, welche mindestens 200 Jahre in der Zukunft spielt, ausgegangen. ...
Ich bin mal wieder überaus positiv überrascht von diesem Roman von Will Hofmann. Nach Lektüre des Klappentextes war ich von einer Dystopie, welche mindestens 200 Jahre in der Zukunft spielt, ausgegangen. Aber nein, Hofmann entwirft eine Schreckensherrschaft in unserer Gegenwart. Wie dies mitten in Deutschland möglich sein könnte, leitet er plausibel her und macht damit das Undenkbare gar nicht mehr so undenkbar.
Agnes und Günter entkommen unabhängig voneinander zwei Reservaten, in denen Männlein und Weiblein getrennt von einander "gehalten" werden. Das Leben ist rückständig, ein Glaube an die "Götter" herrscht vor, dem allen untergeordnet wird. Dabei dreht sich der Roman gar nicht durchweg um diese Reservate, sondern auch sehr ausführlich um ein Leben in der Freiheit, und damit für die beiden in der freien Natur. Die Geschichte der beiden mutet dabei an wie die von Adam und Eva. Nur umgekeht, da diese das Paradies durch Erkenntnis verlassen mussten. Hier verlassen die beiden die Hölle und landen im Paradies der Erkrenntnis.
Der Plot ist durchgängig zügig, zackig, süffig erzählt. Es gibt nie Längen, vielmehr mausert sich der Roman als echter Pageturner. Ich bin wieder einmal vollends begeistert und würde das Buch jederzeit weiterempfehlen. Dabei sollen sich durchaus nicht nur Personen angesprochen fühlen, die sich für Sekten (wie Colonia Dignidad, von deren Gründer und einer bekannten Betroffenen Zitate dem Buch vorangestellt sind), Verschwörungstheorien über "die Mächtigen" oder die Auswirkungen von strikter Geschlechtertrennung auf die Persönlichkeitsentwicklung interessieren, sondern auch diese, welche ein Interesse an (Über-)Leben in der Wildnis bzw. in einer völlig fremden Umgebung haben.