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Veröffentlicht am 15.05.2018

Ich hatte mir etwas Anderes darunter vorgestellt

Couchsurfing in Russland
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Couchsurfing in Russland: Wie ich fast zum Putin-Versteher wurde von Stephan Orth, erschienen im Malik Verlag am 20. März 2017

Der Autor nutzt das Gastfreundschaftsnetzwerk CouchSurfing. Gastgeber und ...

Couchsurfing in Russland: Wie ich fast zum Putin-Versteher wurde von Stephan Orth, erschienen im Malik Verlag am 20. März 2017

Der Autor nutzt das Gastfreundschaftsnetzwerk CouchSurfing. Gastgeber und Gast finden sich über dieses Internetportal. Die Übernachtungen sind kostenlos. Stephan Orth nutzt diesen Dienst um sich dieses Russland zwischen Moskau und Wladiwostok an zu sehen und die Menschen in Russland näher kennen zu lernen.

Ich wollte etwas von der russischen Seele einfangen und mir Russland ohne Touristenmeile ansehen. Leider bin ich für das System Couchsurfing wohl schon zu alt und für den arrogant „wir im Westen können das alles besser“ Stil des Autors noch nicht alt genug. Ich habe das Buch abgebrochen, da ich Urlaubserinnerungen wie „Am nächsten Tag bleibe ich einfach in meinem Gartenhäuschen und schaue grünen, gelben und roten Tomaten beim Wachsen zu.“ nicht unbedingt als so wirklich prickelnd empfinde. Wie schon gesagt, ich bin offensichtlich nicht das Zielpublikum für dieses Buch.
Ich habe sicher auch einige Informationen mitgenommen die ich so nicht im nächsten Reiseführer aufgelistet bekommen hätte, es reichte aber nicht um mich bis über die Hälfte des Buches zu bringen.

Die Idee Leute dazu zu bringen kostengünstig durch Länder zu reisen und Menschen einander näher zu bringen wird sehr schön in diesem Buch beschrieben. Solltest Du also einen Trip mit Rucksack und ohne Hotel planen und möchtest Du Dich von fremden Menschen auf einen Schnaps oder zwei einladen lassen, ist es sicher nicht falsch dieses Buch im Gepäck zu haben.

Veröffentlicht am 10.05.2018

Das schlichte Leben der Kate

Böse Seelen
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Böse Seelen (Kate Burkholder Buch 8) von Linda Castillo, erschienen im Fischer Verlag am 27. Juli 2017

Chief Kate Burkholder wird diesmal gebeten in einer Amischen Gemeinde in State New York undercover ...

Böse Seelen (Kate Burkholder Buch 8) von Linda Castillo, erschienen im Fischer Verlag am 27. Juli 2017

Chief Kate Burkholder wird diesmal gebeten in einer Amischen Gemeinde in State New York undercover zu ermitteln. Seitdem der charismatische Eli Schrock der Bischof der Gemeinde ist gehen seltsame Dinge vor sich. Die Amishen blocken sich aber gegen die Englischen und so machen nur Gerüchte das die Kinder der Amischen in Gefahr sind die Runde. Tatsache ist, dass die junge Rachel Esh tot aufgefunden wird. Warum das Mädchen in einem Schneesturm ums Leben gekommen ist unklar. Fest steht, dass sie bis vor kurzem schwanger gewesen ist, das Kind jedoch verloren hat. Einen Vater könnte niemand benennen. Kate spielt nun die Rolle einer verwitweten Frau die ihre Gemeinde verlassen hat um unter dem strengeren Bischoff Schrock zu leben. Gegen den Willen ihres Freundes willigt Kate ein für einige Zeit unter den Amish zu leben, die sich seitdem Schrock ist mehr und mehr vom Dorf abkapseln.

Endlich erleben wir Kate in der Umgebung von Leuten die das schlichte Leben gewählt haben. Natürlich kann sie den Chief nicht wirklich ablegen und so tritt sie voller Schwung allen Männern auf die Füße. Ich empfand das Setting außerhalb ihres eigenen Berufsumfelds erfrischend und es bleibt durchgehend spannend. Die Beschreibung des Lebens der Amish bleibt auch weiter etwas oberflächlich, aber vielleicht macht das auch etwas die Romantik aus. Der Schreibstil ist einfach zu lesen. Dieses Buch kann man auch ohne das Vorwissen der ersten 7 Bücher lesen. Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 09.05.2018

Diese Leere diese entsetzliche Leere

Herr Katō spielt Familie
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Herr Katō spielt Familie von Milena Michiko Flašar , erschienen im Wagenbach Verlag am 02.02.2018

Ein neuer Lebensabschnitt. Er will es anders machen als sein Kollege Ito bei dem die Kollegen drüber lachen, ...

Herr Katō spielt Familie von Milena Michiko Flašar , erschienen im Wagenbach Verlag am 02.02.2018

Ein neuer Lebensabschnitt. Er will es anders machen als sein Kollege Ito bei dem die Kollegen drüber lachen, wenn er ins Büro kommt um seinen alten Kollegen von seinem erfüllten Ruhestand und von seinem Motorrad erzählen möchte. So richtig weiß er nicht, was er nun mit all der freien Zeit anfangen soll als er auf Mei trifft die in fragt, ob er nicht für ihre Agentur arbeiten will. Sie vermitteln Stand-Ins an Leute, die für einige Stunden Menschen brauchen die das perfekte Leben als Chef, Opa oder Ehemann spielen. Nach einigem Zögern willigt er ein. Dies wirkt sich auf Dauer auch auf die abgekühlte Beziehung zu seiner Frau aus.

Milena Michiko Flašar neuer Roman kommt recht unspektakulär daher. Ein Mann geht in Rente und weiß nicht wirklich was mit sich an zu fangen. Die Kinder sind längst ausgezogen und er hat sein Arbeitsleben lang wichtigeres zu tun gehabt, als sich um sie zu kümmern. Seine Frau hat als die Kinder kamen und das Haus zu versorgen gewesen ist aufgehört zu arbeiten und nun ist ihr ewig meckernder Mann, der sich langweilt aber nicht auf die Idee kommt ihr bei der Hausarbeit zur Hilfe zu kommen zu Hause und will sein altes Leben minus Arbeit so weiter führen. Seine Frau geht daraufhin, von ihm recht misstrauisch beäugt zum Tanzen. Jetzt soll er sich auch noch das Essen selbst in der Microwelle warm machen. Unerhört. Seine neue Arbeit, von der er seiner Frau nichts erzählt, bringt ihn zum Nachdenken und er erinnert sich an die Zeit, als er und seine Frau noch frisch verliebt gewesen sind.

Diese ungewöhnliche und leise Geschichte ist eigentlich wunderschön, aber mir hat der Schreibstil der Autorin nicht gefallen. Sie presst Sätze heraus, sie bildet Halbsätze und alles kommt irgendwie klebrig wie Reis daher. Das Ende des Buches ist dann auch noch fast eine Friede-Freude-Eierkuchen mit extra Zuckerguss Geschichte.

Veröffentlicht am 07.05.2018

Du hast alle Zeit der Welt, womit nutzt du sie?

Wie man die Zeit anhält
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Wie man die Zeit anhält von Matt Haig, erschienen im dtv Verlag am 20.04.2018.
Tom Hazard versucht sich durch sein Leben zu mogeln. Unauffällig, ohne Freunde und nur nicht verlieben.

Er wurde am 3. März ...

Wie man die Zeit anhält von Matt Haig, erschienen im dtv Verlag am 20.04.2018.
Tom Hazard versucht sich durch sein Leben zu mogeln. Unauffällig, ohne Freunde und nur nicht verlieben.

Er wurde am 3. März 1581 geboren und hat eine besondere Eigenschaft. Er altert sehr sehr langsam und ihm kann praktisch keine Krankheit etwas anhaben. Heute arbeitet er als Geschichtslehrer, wer wäre besser geeignet als einer der die Geschichte gelebt hat sie zu erzählen? Wenn da nicht immer diese Erinnerungen wären, die ihn quälen, die ihm Kopfschmerzen bereiten, die ihn wünschen lassen, er wäre doch nicht ins moderne London gekommen und er hätte diese bezaubernde Französischlehrerin nie gesehen.

Tom hat den Namen Hazard wohl nicht unbegründet gewählt. Jemand der augenscheinlich nicht altert ist in einer Gesellschaft, die an Hexen und Dämonen glaubt nicht gut gelitten gewesen und das Wissen um diese Langlebigkeit ist gefährlich da die heutige Gesellschaft versuchen würde einem diese Gnade zu entreißen. Ein Aspekt dieses Buches ist, dass Tom Mitglied einer Gesellschaft ist, die Langlebige aufspürt und ihnen dann hilft unauffällig zu bleiben. Die erste Direktive ist aber auch gleich eine, die Einsamkeit vorprogrammiert: Du darfst dich niemals verlieben. Niemals.

Matt Haig wirft einen mit seinen Romanen immer wieder in neue Welten. Hier führt er uns in Zeitsprüngen durch Jahrhunderte Geschichte, die wir quasi miterleben, die vor unseren Augen lebendig wird, die man quasi fühlen kann. Tom Hazard ist kein wirklicher Zeitreisender, trotzdem nimmt er den Leser mit auf seine Zeitreisen in die Vergangenheit, die er selbst erlebt hat. Wir erleben die Hexenverfolgungen, lernen Rose, die große Liebe von Tom kennen, gehen an Bord mit Captain Cook und treffen ihn als Klavierspieler in der Zeit des Jazz.

Tom ist unglücklich, depressiv, hat die Nase davon voll die normalen Menschen, Eintagsfliegen, immer wieder die gleichen Fehler wiederholen zu sehen und er versucht sich unauffällig durch ein Leben zu mogeln, welchem er überdrüssig ist. Ohne Liebe, ohne Freunde, einsam und ohne Hoffnung, dass da noch etwas kommen wird da seine wahre Liebe vor 400 Jahren gestorben ist und er schon aus Vernunftgründen nicht wieder lieben darf.

Matt Haig lässt mit seiner modernen Sprache auch zu, dass junge Leser diesen Roman mögen werden und philosophische Sätze sind spärlich gesät. Es geht in diesem Buch darum, wie man die Lebenszeit nutzen will und ob man sich darin fremdbestimmen lassen möchte. Zwei sehr wichtige Themen, gerade auch für junge Leute. Mir ist Tom nicht so nahegekommen, da er sich etwas stark in seiner verflossenen Liebe verkrampfte und mehr vom Philosophiestudenten der Veganer ist hatte als von einem Mann des 16. Jahrhunderts der sich bis in unsere Zeit durchs Leben kämpft.

Veröffentlicht am 04.05.2018

Wenig Krimi, viel Geschichte

Bretonische Flut. Kommissar Dupins fünfter Fall
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Bretonische Flut (Kommissar Dupins fünfter Fall) von Jean-Luc Bannalec, gelesen von Gerd Wameling. Erschienen im Der Audio Verlag am 26.08.2016 als ungekürzte Lesung.

In einem Behälter mit Fischabfällen ...

Bretonische Flut (Kommissar Dupins fünfter Fall) von Jean-Luc Bannalec, gelesen von Gerd Wameling. Erschienen im Der Audio Verlag am 26.08.2016 als ungekürzte Lesung.

In einem Behälter mit Fischabfällen liegt die Leiche einer Fischerin die auf der Île de Sein lebte. Sie kämpfte gegen die Zerstörung der Meere und mächtige Hochseepiraten die das Gesetz für sich auslegen. Nachdem auf der Insel eine zweite Leiche auftaucht muss Dupin trotz seiner Schwierigkeit mit Booten nun von Insel zu Insel ermitteln.

Diesmal tritt der Fall schon ziemlich in den Hintergrund und auch die Charaktere bekommen keine Möglichkeit der Weiterentwicklung. Dafür darf der Hörer sich auf lange Beschreibungen der Inseln, des Wetters und natürlich auch der örtlichen Küche freuen. Dupin schlemmt sich durch den Fall und wir bekommen von Riwal keltische Geschichte in der XXL-Version serviert. Dupin sieht sich bombardiert von Sirenen, überzähligen Gräbern und der Legende von Ys. Ein schwerer Fall für Dupin der sich auch noch ständig von seiner Mutter gedrängt fühlt da sein pünktliches Erscheinen auf dem 75. Geburtstag seiner Mutter vorausgesetzt wird.

Ich höre die Bücher um Kommissar Dupin wegen der Geschichte in der Geschichte aber ich habe auch länger überlegen müssen, ob ich wirklich alle Sterne vergeben möchte obwohl man den Fall zwischenzeitlich ziemlich aus den Augen verliert. Ja, volle Punkte für mein Empfinden, aber wenn man das Buch hauptsächlich wegen des Krimis lesen möchte, rate ich doch davon ab.