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Veröffentlicht am 17.03.2018

Von der Einsamkeit des Jägers

Killer City
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Killer City von Wolfgang Hohlbein, erschienen im Bastei Lübbe (Lübbe Hardcover) Verlag am 29. März 2018.

Thornhill ist zur Weltausstellung nach Chicago gekommen. Es ist das Jahr 1893. Er ist davon überzeugt, ...

Killer City von Wolfgang Hohlbein, erschienen im Bastei Lübbe (Lübbe Hardcover) Verlag am 29. März 2018.

Thornhill ist zur Weltausstellung nach Chicago gekommen. Es ist das Jahr 1893. Er ist davon überzeugt, dass er dort seinen Geschäften unentdeckt nachgehen kann. Sein Geschäft ist Mord, Mord der so blutig ist, dass einem das Blut in den Adern gefriert. Er braucht die Toten um selbst zu überleben, aber Chicago ist anders. Korruption, Banden und gewissenlose Politiker haben Chicago zu dem gemacht was es ist: das Mörderhauptquartier der USA. Thornhill muss aufpassen, dass aus ihm, dem Jäger nicht der Gejagte wird.

Dem Autor ist auch diesmal wieder eine spannende, wunderbar erzählte Geschichte gelungen. Kaum fängt man zu lesen an taucht man ab in das Chicago des ausgehenden 19. Jahrhunderts. In einem weiteren Erzählstrang erfahren wir auch wie aus einem Jungen der in der Armee diente der Serienkiller Thornhill geworden ist. Dabei zeichnet Hohlbein ein ausgezeichnetes Bild der Gesellschaft, der Spannungen der Bevölkerung untereinander, der selbstverständliche Rassismus dieser Zeit. Er beschreibt ein Leben der Geheimnisse, der Einsamkeit, ein Leben in dem es scheinbar keinen Platz für Liebe gibt.

Wir begleiten Thornhill auf seinem Lebenskampf. Leider bleibt in diesem Buch nicht genug Platz für Leben und Zuviel Kampf für meinen Geschmack. Thornhills Kämpfe und Morde werden ausführlich und blutig beschrieben. Zuviel für mich, sicher aber sehr lesenswert für Leute bei denen es ein bisschen mehr Blut sein darf. Wer also Simon Beckett liebt und bei Der Augensammler von Sebastian Fitzek gut unterhalten wurde, der sollte sich auf jeden Fall den neuen Thriller von Wolfgang Hohlbein besorgen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Action
  • Atmosphäre
  • Handlung
Veröffentlicht am 12.03.2018

Klarer Fall von Klappentextspoiler

Aisha
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Aisha (Axel Steen ermittelt, Band 4) von Jesper Stein, erschienen im KiWi Verlag am 26. Januar 2018.
Kommissar Axel Stehen wird zu einem Toten gerufen. Ein ehemaliger Mitarbeiter des dänischen Geheimdienstes ...

Aisha (Axel Steen ermittelt, Band 4) von Jesper Stein, erschienen im KiWi Verlag am 26. Januar 2018.
Kommissar Axel Stehen wird zu einem Toten gerufen. Ein ehemaliger Mitarbeiter des dänischen Geheimdienstes PET ist brutal ermordet worden. Hat der Mord etwas mit seiner früheren Tätigkeit zu tun, oder aber sind ihm seine zahlreichen Frauengeschichten zum Verhängnis geworden?

Es dauert lange bis die Geschichte wirklich startet. Lange beschnuppern sich die Protagonisten. Es wird in zwei Erzählsträngen erzählt. Einmal wird von einem Fall des PET berichtet wo die Mitarbeiter des PET zwei pakistanische Brüder die einen Terroranschlag ausführen wollen 24/7 überwachen, der andere Erzählstrang kümmert sich um den aktuellen Leichenfund und die Animositäten zwischen Geheimdienst und normaler Mordermittlung, wobei es das Zusammenarbeiten nicht erleichtert, wenn die persönlichen Gefühle auch noch eine Rolle spielen.

Jesper Stein schreibt nachvollziehbar, formt interessante Charaktere bis hin zu den Nebendarstellern und schafft eine düstere Stimmung. Die Story glänzt durch interessante Wendungen die man sehr gut nachvollziehen kann.

Es ist der erste Thriller von Jesper Stein den ich gelesen habe, aber ich werde mir auch die Bände 1 bis 3 besorgen. Man wird zwar sehr gespoilert, wenn man zuerst den 4. Band liest, aber der Hauptprotagonist und seine Beziehungen scheinen doch interessant genug zu sein, die anderen Bände zu lesen.

Klare Kaufempfehlung, aber man braucht etwas Geduld bis das Gerüst des Plots steht.

Veröffentlicht am 05.02.2018

Abgerechnet wird zum Schluss

Die Ehefrau
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Die Ehefrau von Meg Wolitzer, gelesen von Gabriele Blum. Erschienen im Der Hörverlag am 22. August 2016. Ungekürzte Hörbuchfassung

Joan Castleman begleitet ihren Mann auf einem Flug nach Helsinki wo ...

Die Ehefrau von Meg Wolitzer, gelesen von Gabriele Blum. Erschienen im Der Hörverlag am 22. August 2016. Ungekürzte Hörbuchfassung

Joan Castleman begleitet ihren Mann auf einem Flug nach Helsinki wo Joseph Castleman einen Literaturpreis entgegennehmen soll. Joan hat als aussichtsreiche Studentin die Aufmerksamkeit des jungen, wenig erfolgreichen Joseph Castleman auf sich gezogen. Nachdem dessen Ehefrau vom Verhältnis ihres Mannes erfahren hat, fliegen Joan und ihr Professor aus der Uni. Er beschließt ein berühmter Schriftsteller zu werden und Joan heiratet ihn. Auf dem Flug nach Helsinki beschließt sie, genug ist genug. Sie will sich von ihm trennen. Natürlich nicht so, dass es ihm schaden würde und so begleiten wir ihre Erinnerungen durch die Szenen einer Ehe.

Meg Wolitzer beschreibt in ihrem grandiosen Roman das Leben von Millionen Ehefrauen der 70er Jahre. Sie beschreibt aber nicht nur die männliche Vorherrschaft in Wirtschaft und Kultur, sondern auch wie schwierig es für Frauen gewesen ist sich als Frau mit der Erziehung einer Frau überhaupt in dieser Welt zurecht zu finden, geschweige denn Anerkennung zu bekommen. Literatur ist einfach, mit wenigen Ausnahmen, rein männlich gewesen. Dabei wird fröhlich geknifft und getrunken und Ehemänner finden ihre nächste Inspiration in fremden Betten. Diese ruhige Bestandsaufnahme, die Erwartungshaltung der Männer und Frauen wie man sich verhält und gibt wird ihr entspannt zu einer Lebensgeschichte.

Ich bin froh, dass meine Onleihe die ungekürzte Fassung für mich hatte. Ich hätte keine Minute der 8 Stunden und 39 Minuten missen mögen. Falls sie nur eine gekürzte Version ergattern können, kaufen sie lieber das Buch auch wenn Gabriele Blum einen wunderbaren Job gemacht hat und sie die Gedanken von Joan so wunderbar ihre Stimme verliehen hat.

Veröffentlicht am 03.02.2018

Strobel mal ohne Psychospielchen. Richtig gut.

Im Kopf des Mörders - Tiefe Narbe
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Im Kopf des Mörders - Tiefe Narbe von Arno Strobel, erschienen im FISCHER Taschenbuch am 26. Januar 2017. Erster Band der Max Bischoff Reihe.

Max Bischoff und sein älterer Kollege Horst Böhmer ergänzen ...

Im Kopf des Mörders - Tiefe Narbe von Arno Strobel, erschienen im FISCHER Taschenbuch am 26. Januar 2017. Erster Band der Max Bischoff Reihe.

Max Bischoff und sein älterer Kollege Horst Böhmer ergänzen sich hervorragend. Max ist voller Eifer und schwört auf Profiling und Böhmer ist ruhiger, abgeklärter, weiss die gute alte Polizeiarbeit zu schätzen. Max ist gerade im Präsidium als ein völlig verstörter Mann das Gebäude betritt. Er ist barfüßig und überall an ihm ist Blut. Schnell findet Max raus, dass es nicht das Blut des Mannes ist und findet den Ort an dem der Mann in Blut gebadet erwacht ist. Er weiss nicht was sich letzte Nacht ereignet hat. Die Kommissare stehen vor einem Rätsel da zwar viel Blut zu finden ist, aber keine Leiche.

Es ist ein wirklicher Thriller. Wir begleiten Max Bischoff. Wir lernen ihn kennen, wir erfahren über seinen Lebensentwurf und seine Ziele. Wir machen tatsächlich auch Ausflüge in die Gedankenwelt des Täters, welche aber gut zu lesen sind und dessen Gefühle und Beweggründe gut erklärt.

Dies ist das erste Buch des Autors, welches mich nicht verwirrt hat und mich rundum zufrieden gemacht hat. Die Spannung steigert sich kontinuierlich. Der Autor bietet dem Leser viele mögliche Täter an und hält Informationen auch nicht zurück. So tappen wir mit Max Bischoff durch seinen ersten Fall beim KK11 bei dem es richtig gut zur Sache geht. Klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 03.02.2018

Man muss sich darauf einlassen

Vom Ende an
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Vom Ende an von Megan Hunter, erschienen im C.H.Beck Verlag am 25. Mai 2017.

England wird von einer Flut unbewohnbar gemacht. Die Bewohner müssen fliehen. Erzählt wird aus Sicht einer Frau die gerade ...

Vom Ende an von Megan Hunter, erschienen im C.H.Beck Verlag am 25. Mai 2017.

England wird von einer Flut unbewohnbar gemacht. Die Bewohner müssen fliehen. Erzählt wird aus Sicht einer Frau die gerade einen Jungen entbunden hat als die Katastrophe über England einbricht. Sie und ihr Mann machen sich auf den Weg und werden im eigenen Land zu Flüchtlingen.

Ich empfand den Anfang des Buches als sehr verstörend. Ich wusste erst nicht wirklich was damit an zu fangen bis ich mich auf dieses wortgewaltige Buch wirklich eingelassen habe. Es hatte so lange an meinem Ärmel gezupft, bis ich mich in die Situation dieser Mutter hineinversetzt habe. Die Charaktere in diesem Buch erhalten keine Personalisierung, nicht mal einen Namen. Irgendwann merkte ich dann auch, dass dieses Buch überall spielen könnte und die fehlenden Namen kann jeder mit Namen aus verschiedenen Kulturkreisen ersetzen.

Sehr poetisch beschreibt die Ich-Erzählerin die Flucht und das Verständnis für den Vater des Kindes, erzählt vom Lagerleben, und der engen Beziehung zwischen ihr und dem neu geborenen Kind. Eine Geschichte die gerade hundertausendfach auf dieser Welt stattfindet, in wunderbaren Worten eindringlich erzählt.