Anschaulich erzählt
Anna oder: Was von einem Leben bleibtAnna oder: Was von einem Leben bleibt: Die Geschichte meiner Urgroßmutter von Henning Sußebach, gelesen von Nina Petri, erschienen als ungekürztes Hörbuch im Aragon Verlag am 10. Juli 2025.
Cobbenrode ...
Anna oder: Was von einem Leben bleibt: Die Geschichte meiner Urgroßmutter von Henning Sußebach, gelesen von Nina Petri, erschienen als ungekürztes Hörbuch im Aragon Verlag am 10. Juli 2025.
Cobbenrode im Jahr 1887. Anna Kalthoff kommt als Lehrerin ins Dorf und passt dort nicht wirklich hin. Unverheiratete Frauen können nicht am aktiven Dorfleben teilnehmen und wer nicht auf Feste gehen darf, sitzt daheim und wird im Dorf nicht ankommen. Trotzdem bandelt sie mit dem Sohn des Postargenturchefs an, dessen Vater erlaubt eine Verbindung jedoch nicht. Erst nach dessen Tod können sie und der Dorfprinz eine Verbindung eingehen. Ihren Beruf als Lehrerin muss sie aber dafür aufgeben. Inklusive ihrer Pensionsansprüche.
Henning Sußebach erzählt von einer Frau, die schon hinter dem Vorhang des Vergessens verschwunden ist. Er versucht sie etwas zu einer der Frauen hochzustilisieren, denen wir unsere Frauenrechte verdanken, rudert dann aber auch selbst zurück. In seiner Familie ist nur wenig von Anna geblieben. Einige Gegenstände, einige Aussagen von ihr als Lehrerin und einige Eckdaten, die mit ihrem Beruf als Postargenturchefin und amtlichen Registern nachzuvollziehen sind.
Annas Vater stirbt als sie 12 ist, und so schickt sie ihre Mutter in ein Kloster wo sie zur Lehrerin ausgebildet wird. Sie wird niemals so bezahlt wie die männlichen Lehrer, und damals gab es noch den Lehrerinnenzöllibat, weil eine Frau sich ja nicht um Mann und Kinder kümmern muss und so auch Rentenansprüche verfallen, so man denn nicht ledig bleiben möchte.
Angereichert wird das Sachbuch durch die Weltereignisse, die sich in diesen Jahren ereignen. Das schlägt einen Bogen zu Büchern, die man über diese Menschen und Ereignisse gelesen hat, und veranschaulicht wie normale Menschen, und im speziellen Frauen, vom Leben ausgeschlossen wurden und im schlimmsten Fall, Maschinen nicht an die Menschen angepasst wurden, sondern Frauen eine bestimmte Körpergröße haben mussten, um als Telefonistin arbeiten zu können.
Es ist schwierig sich über Anna ein Urteil zu bilden. Da sind einfach zu wenig Fakten übrig geblieben. Dorfleben und Beamtentum sind aber anschaulich erklärt und der Muff der Zeit weht durch dieses sehr schön vorgetragene Hörbuch, gelesen von Nina Petri.