Profilbild von Gavroche

Gavroche

Lesejury Star
offline

Gavroche ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Gavroche über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.04.2017

Friedhofsgärtnerin als Ermittlerin

Kaninchenherz
0

Gesinde Cordes arbeitet als Friedhofsgärtnerin. Eines Morgens muss sie feststellen, dass sie gerade alles für die Beerdigung ihrer Schwester Mareike vorbereitet, die sie seit 10 Jahren nicht gesehen hat. ...

Gesinde Cordes arbeitet als Friedhofsgärtnerin. Eines Morgens muss sie feststellen, dass sie gerade alles für die Beerdigung ihrer Schwester Mareike vorbereitet, die sie seit 10 Jahren nicht gesehen hat. Sie versucht sich vor ihren Nichten zu verstecken, doch die beiden lassen nicht locker und aufgrund der Ähnlichkeit zu ihrer Schwester wird sie von den Mädchen, aber auch vom Vater, sofort erkannt. Gesine möchte am liebsten fliehen, denn nach dem Tod ihres kleinen Sohnes vor 10 Jahren hat sie alle Brücken abgerissen und ein neues Leben begonnen, aber nun holt sie die Vergangenheit ein.

Annette Wieners ist ein spannender Krimi gelungen, der neben so einigen Verwicklungen vor allem aufzeigt, dass im Leben nicht immer alles schwarz-weiß ist oder so ist, wie es zu sein scheint. Die Geschichte wird vorrangig aus der Sicht von Gesine erzählt, dann gibt es einige Rückblicke in die Zeit 10 Jahre zuvor und manche Teile werden aus der Sicht der ermittelnden Kriminalbeamtin geschrieben, so dass der Leser auch einen Blick von außen auf Gesine erhält, was mir gut gefallen hat.

Das Buch hat mich in seinen Bann gezogen mit der spannenden Erzähltechnik, ich habe mitgeraten und mich in die Irre führen lassen und mich gut unterhalten. Gefallen haben mir auch die kurzen Beschreibungen zu einigen Giftpflanzen und ihrer Wirkungsweisen.

Veröffentlicht am 21.04.2017

Midi-Krimi

Brennender Midi
0

Ich hatte mich schon sehr auf ein Wiedersehen mit Roger Blanc, Marius Tonon, Fabienne Souillard und der Provence gefreut und bin nicht enttäuscht worden. Seit 9 Wochen ist Blanc nun in der Provence, der ...

Ich hatte mich schon sehr auf ein Wiedersehen mit Roger Blanc, Marius Tonon, Fabienne Souillard und der Provence gefreut und bin nicht enttäuscht worden. Seit 9 Wochen ist Blanc nun in der Provence, der Sommer geht zu Ende, die rentrée ist da. Und gerade in der Nacht vor dem neuen Schuljahr und dem Urlaubsende, an dem es auf den Straßen zu vielen Unfällen kommt, hat Blanc Dienst. Ein Flugzeug stürzt in einen Olivenhain, der Pilot ist tot, die Zeugenaussagen widersprüchlich und die Zeugen auch nicht gerade glaubwürdig, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.
Cay Rademacher ist wieder ein spannender Fall gelungen, der viele aktuelle Ereignisse anreißt und zeigt, dass er sich in der Provence und in Frankreich auskennt. Mir haben auch die vielen eingestreuten französischen Begriffe sehr gefallen, die hier authentisch wirken. Allerdings wäre es wohl gut, wenn es für diejenigen, die der Sprache nicht mächtig sind, ein Glossar im Anhang gäbe.

Veröffentlicht am 21.04.2017

Gute Fortsetzung

Monday Club
0

Dieser Band beginnt dort, wo der erste Teil endete. Für diejenigen, die sich an den ersten Band nicht so gut erinnern, gibt es zu Beginn eine kurze Zusammenfassung.
Virginia Donnellys letzte Worte „du ...

Dieser Band beginnt dort, wo der erste Teil endete. Für diejenigen, die sich an den ersten Band nicht so gut erinnern, gibt es zu Beginn eine kurze Zusammenfassung.
Virginia Donnellys letzte Worte „du wirst die Nächste sein“ gehen Faye nicht mehr aus dem Sinn und auch die „Begegnung“ mit ihrer toten Freundin Amy beschäftigt sie. Josh ist noch unterwegs und so macht sie sich gemeinsam mit Luke daran, nachzuforschen, was es mit den Toten, unter Anderem auch dem Vater von Luke, und dem Monday Club auf sich hat.
In diesem Band werden einige Fragen beantwortet, doch die Geschichte ist weit komplexer als zuerst gedacht. Wer ist Freund, wer ist Feind, welche Motive stecken dahinter, inwiefern ist der Monday Club in die Geschicke der Stadt verwickelt und was ist Sinn und Zweck des Clubs?
Krystina Kuhn gelingt es, die Leser gut zu unterhalten und man lernt die Kleinstadt Blue Haven und ihre Bewohner besser kennen. Der Schreibstil ist einem Jugendbuch angemessen, schafft aber auch, erwachsene Leser zu unterhalten. Das Buch endet mit einem Cliffhanger und ich bin nun gespannt, wie sich alles im dritten und letzten Teil auflösen wird.

Veröffentlicht am 21.04.2017

Spannende Kurzgeschichte

Blood on Snow. Der Auftrag
0

Dies war mein erstes Buch von Nesbø und somit waren meine Erwartungen sicherlich Andere.
Die Geschichte wird aus Sicht von Auftragsmörder Olav erzählt, der in Oslo lebt. Er bezeichnet sich selbst als nicht ...

Dies war mein erstes Buch von Nesbø und somit waren meine Erwartungen sicherlich Andere.
Die Geschichte wird aus Sicht von Auftragsmörder Olav erzählt, der in Oslo lebt. Er bezeichnet sich selbst als nicht sehr intelligent, könne keinen anderen Job machen, so eignet er sich zum Beispiel gar nicht als Fahrer eines Fluchtwagens, er leidet an Dyslexie, liebt aber wohl Bücher, unter Anderem Tierbücher und Les Misérables. Er erledigt seine Jobs für Hoffmann, für den er zu Beginn des Buches gerade einen Mord getätigt hat, wobei er lange über die Blutspuren im Schnee (Blood on snow, wie der Titel) und die unterschiedlichen Arten von Schnee schreibt. Sein Chef hat direkt den nächsten Job für ihn, ablehnen unmöglich. Olav soll die Frau seines Chefs umbringen. Er beobachtet sie erst von einem gegenüberliegenden Hotel, um ihren Tagesablauf kennen zu lernen. Und dann nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Zu Beginn des Buches dachte ich, dass mir der Schreibstil und auch die Geschichte selbst zu simpel und vorhersehbar sind. Nach Beendigung der Lektüre erkenne ich jedoch, dass diese "Vorarbeiten" für das mehrfach überraschende Ende eine Bedingung waren. Wenn man das Ganze als Kurzgeschichte nimmt, so ist diese dem Autor gut gelungen.
Nesbø und auch der Übersetzter beherrschen den Umgang mit der Sprache meisterhaft.
Allerdings bin ich doch eher ein Fan von klassischen Thrillern als von Kurzgeschichten.
Die geplante Verfilmung kann ich mir gut vorstellen und werde danach Ausschau halten.

Veröffentlicht am 21.04.2017

Zauberer

Der Trick
0

Mosche Goldenhirsch kommt kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges in Prag zur Welt, sein Vater ist ein Rabbi (oder ein Schlosser?), wenige Jahre später stirbt seine geliebte Mutter und die beiden kommen ...

Mosche Goldenhirsch kommt kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges in Prag zur Welt, sein Vater ist ein Rabbi (oder ein Schlosser?), wenige Jahre später stirbt seine geliebte Mutter und die beiden kommen eher schlecht miteinander aus. Als Mosche 15 Jahre alt ist, besucht er eine Vorstellung der Zauber-Zirkus und ist fasziniert von dieser fremden Welt und vor allem von der persischen Prinzessin. Er reißt von Zuhause aus und macht sich auf die Suche nach dem Zirkus und wird bald ein Mitglied dieses Zirkus.
Der zweite Erzählstrang spielt in der Gegenwart. Der 10jährige Max hat es befürchtet, seine Eltern wollen sich scheiden lassen - und er ist Schuld daran! Das muss er rückgängig machen und durch Zufall findet er eine alte Schallplatte seines Vaters vom Großen Zabbatini, einem Zauberer, der einen Liebeszauber verspricht - leider hat die Platte an der entscheidenden Stelle einen Kratzer. So macht Max sich auf die Suche nach Zabbatini alias Mosche Goldenhirsch, um die Ehe seiner Eltern zu retten. Doch der Zauberer hat ganz andere Probleme - obwohl, vielleicht ist der kleine Junge ja doch auszunutzen?

Emanuel Bergmann hat mich mit seinem Buch verzaubert und eintauchen lassen in seine Geschichte. Die kapitelweisen Wechsel der Zeit und Perspektive enthüllen nach und nach mehr vom Leben des Zabbatini, der viele Probleme zu meistern hat, vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus, dem aber auch viel Schönes wiederfährt. Das Bild des alten Zabbatini ist ein ganz anderes, nun ist er alt, desillusioniert, unsympathisch und lüstern. Max hingegen voller Hingabe und Überzeugung, dass dieser Mann die Ehe seiner Eltern wieder retten wird.
Das Ende ist eine große Überraschung, allerdings keine kitschige Heile-Welt-Version.