Profilbild von Girdin

Girdin

Lesejury Star
offline

Girdin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Girdin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.05.2021

Eine Autobiografie, die dem Leser Kamala Harris persönlich und beruflich näher bringt

Der Wahrheit verpflichtet
0

In ihrem Buch „Der Wahrheit verpflichtet“ erzählt Kamela Harris, die heutige Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten ihre Geschichte bis zum Jahr 2018. Damals vertrat sie den Bundesstaat Kalifornien im ...

In ihrem Buch „Der Wahrheit verpflichtet“ erzählt Kamela Harris, die heutige Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten ihre Geschichte bis zum Jahr 2018. Damals vertrat sie den Bundesstaat Kalifornien im Senat der USA. Ihre eigenen Aufzeichnungen lassen mich als Leser an vielen privaten Momenten teilnehmen, vor allem zeigt die Autorin mir aber wie engagiert sie sich den ihr angetragenen Themen widmet. Dennoch ist es erstaunlich, wie viel Wert sie auf Familienleben und Freunde legt, dabei ist eine perfekte Zeitplanung unerlässlich.

Die Eltern von Kamala Harris sind in die USA eingewandert, ihr Vater stammt aus Jamaika, ihre Mutter hat indische Wurzeln. Obwohl beide in akademischen Berufen beschäftigt waren, haben Kamala und ihre Schwester Maya auch in bescheidenen Verhältnissen gelebt. Sicherlich hat diese Erdung auch dazu beigetragen, dass sich ihr Gerechtigkeitssinn stark ausgeprägt hat. Ihre Mutter hat sie darauf hingewiesen, dass sie sich nicht von dem einschränken lassen soll, was vorgegeben ist. Das Vertrauen ihres Umfelds in Rechtsanwälte ließ sie nach einem Bachelor in Wirtschafts- und Politikwissenschaft auf ein Jurastudium umschwenken. Entschlossen und mit klarem Ziel ging sie ihren Weg als Staatsanwältin, Bezirksstaatsanwältin und Generalstaatsanwältin, um sich dann als Senatorin zu bewerben.

Mir wurde beim Lesen bewusst, für wie viele Probleme Kamala Harris eine Lösung auf den Weg gebracht hat, stets unter vollem persönlichem Einsatz und unter Hinzugewinn weiterer Erfahrungen, die sie bei den folgenden Aktivitäten für alle sozial gewinnbringend eingebunden hat. Ihre Aktivitäten waren breit gefächert. Sie setzte sich beispielsweise für den Schutz von Hauseigentümern vor Zwangsversteigerungen ein, etablierte das Resozialisierungsprogramm „Back on Track“ für Kriminelle, kämpfte gegen Rassismus in der Strafverfolgung und entwickelte einen Plan gegen Schulverweigerung.

Neben ihren großen Erfolgen ließ sie mich aber auch an gelegentlichen Niederlagen teilnehmen, denn zum Beispiel fiel sie durch ihre erste Zulassungsprüfung zur Anwältin und nicht immer konnte sie ihre Ideen gegen Konkurrenten durchsetzen. Sie gibt sich volksnah, denn sie versteht den Wunsch ihrer Wähler, sie als Mensch kennenzulernen und sieht sich als Sprachrohr für alle, auch für diejenigen, die ihre eigene Stimme nicht erheben können. Nie vergisst sie ihre Mitstreiter zu nennen, die treu an ihrer Seite stehen und sie auf bestmögliche Weise unterstützen. Im Anhang sind zahlreichen Anmerkungen und ein Register zu finden.

Als erste Schwarze im Amt der Generalstaatsanwaltschaft und zweite Schwarze im Senat der USA ist Kamala Harris jetzt die erste Frau und erste Schwarze als Vizepräsidentin der USA. Ihre Biographie, die von einem 32-seitigen farbigen Bildteil ergänzt wird und damit weitere Einblicke in ihr Leben bietet, hat mir diese eindrucksvoll agierende Politikerin nicht nur persönlich, sondern auch beruflich auf den verschiedenen Stufen ihrer Karriere nähergebracht. In ihren Worten ist immer ihr Bemühen, um Gerechtigkeit zu spüren, die Dankbarkeit für Leitsätze ihrer verstorbenen Mutter an die sie sich bis heute orientiert, die Freude an ihrem Beruf und die Verbundenheit mit Familienmitgliedern und Freunden. Ich hoffe, dass Kamala Harris sich weiterhin ihren bisher verfolgten Werten verpflichtet und noch viel Gutes bewirken wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.04.2021

Erfordert die Aufmerksamkeit des Lesers

Adas Raum
0

In ihrem Roman „Adas Raum“ deckt Sharon Dodua Otoo nicht nur sprachlich ein breites Spektrum ab, sondern reist auch zeitlich durch Jahrhunderte. Hinter dem Namen Ada stehen viele Frauen, die Bekannteste ...

In ihrem Roman „Adas Raum“ deckt Sharon Dodua Otoo nicht nur sprachlich ein breites Spektrum ab, sondern reist auch zeitlich durch Jahrhunderte. Hinter dem Namen Ada stehen viele Frauen, die Bekannteste unter ihnen ist vermutlich die britische Mathematikerin Ada Lovelace. Die Autorin zieht Verbindungen zwischen Personen und Dingen. Schleifen nennt sie die Übergänge zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Die Covergestaltung passt sich der erzählerischen Vielfalt farblich an und doch sind bei einem zweiten Blick feine Linien zu erkennen die Einschnitte bilden so wie sie im realen Leben vorkommen, auch bei den Frauen im Roman.

Zunächst sind es drei weibliche Figuren, deren Geschichte Sharon Dodua Otoo in den Fokus stellt. Sie erfasst jeweils eine kurze Episode aus dem Leben der Ada genannten Frauen. Am Ende des Mittelalters lebt Ada in Ghana, wurde ihrem Stamm entrissen und als Sklavin in die Nähe der Goldküste gebracht, wo sie die Ankunft der Portugiesen erlebt. Nach der bereits erwähnten englischen Ada, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in London lebt und einen Seitensprung vor ihrem Mann verbirgt, setzt die Autorin ihren Fokus auf die Polin Ada, die als Prostituierte im KZ Mittelbau-Dora arbeiten muss. Im Zeitgeschehen ist die schwangere Ada, die im hier und jetzt in Berlin nach einer Wohnung sucht, die vierte Protagonistin des Romans.

Es sind nicht nur die aufgeführten Adas, die in der Ich-Form aus ihrem Leben erzählen, es sind auch Dinge in ihrem Umfeld, denen eine berichtende Aufgabe zukommt. Titelgebend ist beispielsweise ein Raum, der Ada im Lagerbordell zur Verfügung steht. Es ist aber auch ein Reisigbesen, ein Türklopfer und ein Reisepass, die die Erzählerrolle zwischenzeitlich übernehmen, was die Geschichte durch die wechselnden Perspektiven nicht immer leicht lesbar macht. Jeder Abschnitt fließt in den nächsten über und verknüpft die verschiedenen Leben und Jahrhunderte.

Sharon Dodua Otoo zeigt wie flüchtig ein Leben ist, wie es oft von außen her bestimmt wird. Unabhängig von Hautfarbe und gesellschaftlichem Stand trägt jede der Adas einen Hang zur Selbstverwirklichung in sich. Sie weist auf Rassismus sowie Vorurteile und Klischees über Frauen hin und stellt Moment des Aufbegehrens von Frauen genauso wie deren Machtlosigkeit innerhalb der Möglichkeiten dar, die jedem zur Verfügung stehen. Keine der Adas ist allein, die Autorin stellt jeder eine weibliche Person zur Seite, die zuhört und Ratschläge erteilt, aber auch die gemeinsamen Meinungen in die Welt tragen kann.

Die Autorin Sharon Dodua Otoo zeigt in ihrer komplex zusammengesetzten, mystisch angehauchten Geschichte „Adas Raum“ wie Frauen in den letzten Jahrzehnten auf verschiedenen Kontinenten um einen würdigen Platz in der Gesellschaft kämpfen und gekämpft haben. Aufgrund der Konstruktion auf mehreren Ebenen erfordert der Roman zum Verständnis Geduld und belohnt den Leser dann mit einer abwechslungsreichen, nachdenklich stimmenden Erzählung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.04.2021

Ein Roman, mit viel Gefühl geschrieben, über eine bewegende Zeit und familiäre Dramen

Klaras Schweigen
0

In ihrem Roman „Klaras Schweigen“ stellt Bettina Storks Miriam und ihre Großmutter Klara in den Mittelpunkt. Ein Teil der Handlung spielt in Freiburg im Breisgau im Jahr 2015, aber die Recherchen Miriams ...

In ihrem Roman „Klaras Schweigen“ stellt Bettina Storks Miriam und ihre Großmutter Klara in den Mittelpunkt. Ein Teil der Handlung spielt in Freiburg im Breisgau im Jahr 2015, aber die Recherchen Miriams zur Aufarbeitung der Familiengeschichte und die Erinnerungen von Klara führten mich als Leserin in die Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs über die die betagte Klara bisher geschwiegen hat. Das Cover entspricht einem Foto aus der damaligen Zeit, welches Miriam im Album ihrer Oma findet. Klaras Blick darauf, abgewandt vom Betrachter, scheint sich in eine hoffnungsvolle Zukunft zu richten.

Nach einem Schlaganfall, von dem Klara mitten in einem Telefonat mit ihrer Enkelin getroffen wurde, ist ihr Sprachvermögen stark eingeschränkt. Bei einem Besuch im Krankenhaus spricht Klara erste Worte in Französisch, was Miriam sehr wundert. Außerdem erhält sie von ihrer Großmutter bei der Gelegenheit eine alte Taschenuhr mit Gravur in französischer Sprache. Auch Miriams Großtante, die jüngere Schwester von Klara, kann zu den Merkwürdigkeiten keine Auskunft geben. Bald schon wird Miriam klar, dass ihre Großmutter Geheimnisse vor ihr hat, die lange zurückreichen bis zur Besatzung Freiburgs nach dem Zweiten Weltkrieg durch das französische Militär.

Die Geschichte entwickelt sich zügig, beginnend mit der Bombennacht auf Freiburg im November 1944, die Klara als Jugendliche im Keller des Mehrfamilienhauses erlebt, in dem die Familie wohnt und auf diese Weise verdeutlicht, welche Ängsten sie damals wie viele andere gehabt hat. Nach dem Besuch bei ihrer Großmutter beginnt Miriam über die Vergangenheit Klaras Fragen zu stellen und kommt schnell dabei an die Grenzen des verfügbaren Wissens in der Familie. Doch sie gibt nicht auf und es sind kleinste Details, die sie tief in die Familiengeschichte hineinführen nach Konstanz, wo ihre Großmutter eine Weile gelebt hat und schließlich bis in die Bretagne.

Bettina Storks schildert mit sehr viel Einfühlungsvermögen eine Kindheit und Jugend von Klara mit einem strengen Vater, der es versteht, seine Prinzipien durchzusetzen. Sie zeigt die Ohnmacht Klaras, sich dem Vater in bestimmten Punkten zu widersetzen, aber auch ihre klare Vorstellung einer Zukunft und ihr Selbstbewusstsein an ihren Wünschen festzuhalten sowie das Bestreben danach, sie zu verwirklichen. Die Autorin verdeutlicht, welchen Gesetzen und Konventionen Frauen früher ausgesetzt waren und welche Auswirkungen ihr Tun auf ihr Bild und das ihrer Familie in der Öffentlichkeit hatten. Es war eine schwierige Zeit, Lebensmittel und Heizstoff fehlten noch immer. Das Verhältnis der französischen Besatzer zur deutschen Bevölkerung unterlag einem Fraternisierungsverbot, so dass Freundschaften von Beginn an unterbunden wurden.

Bis hierher ist die Erzählung bereits dramatisch, manchmal sind Geschehnisse auch absehbar, doch es wurde noch nicht ganz deutlich, warum Klara über eine bestimmte Zeit bisher geschwiegen hat. Zusammenhänge und das Begreifen der Verwicklungen dazu ergeben sich für Miriam erst im Laufe der Geschichte. Es ist aber längst noch nicht das Ende der Geheimnisse, denn allmählich begreift sie, dass sie bisher nie erfuhr, was sich in der Nacht, als ihre Eltern tödlich verunglückten, zugetragen hat.

Es ist ein langer Weg den Klara und Miriam gemeinsam im Austausch auf der Suche nach Verständnis und Verstehen gehen müssen, angefüllt mit großen Emotionen, Enttäuschungen, Erkenntnissen, mit Freude, Leid und Hoffnung. Beide Charaktere sind gut ausformuliert. Für jede ihrer Figuren zeigt die Autorin Wege zum Verständnis von deren Handlungen auf, auch wenn einige eher unsympathisch bleiben.

Bettina Storks verbindet in ihrem Roman „Klaras Schweigen“ eine Sprachstörung der Großmutter Klara mit einer Chance für ihre Enkelin Miriam, sich mit der Familiengeschichte zu beschäftigen. Sie schreibt mit viel Gefühl und mich berührend über eine bewegende Zeit, familiäre Dramen und Miriams Suche nach Identität, die Klaras langes Schweigen verständlich machen. Gerne empfehle ich den Roman weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.04.2021

Corona-Infektionsgeschehen in 2020 verständlich erklärt

Hotspot
0

„Hotspot“ von Prof. Dr. Hendrik Streek war für mich besonders interessant zu lesen, weil ich die Geschehnisse im Frühjahr 2020 im Kreis Heinsberg aus unmittelbarer Nähe erfahren habe, da ich hier wohne. ...

„Hotspot“ von Prof. Dr. Hendrik Streek war für mich besonders interessant zu lesen, weil ich die Geschehnisse im Frühjahr 2020 im Kreis Heinsberg aus unmittelbarer Nähe erfahren habe, da ich hier wohne. In den ersten Tagen nach Ausbruch von Corona im Kreis schaltete sich Prof. Dr. Henrik Streek als Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn in das Geschehen ein, denn die Ereignisse in Gangelt boten eine Gelegenheit, mehr über das Coronavirus zu erfahren.

In seinem Buch schildert Prof. Dr. Streek zunächst, wie es vermutlich zum Ausbruch von SARS-CoV-2 kam. Schon Ende Januar 2020 war das Virus in Deutschland. Durchgehend präsentiert der Autor Fakten und Daten zur Lage, aber auch seine persönlichen Einschätzungen und seine Meinung. So räumt er auch mit der ursprünglichen Annahme auf, dass es sich um einen Patienten Null gehandelt haben könnte. Durch seine detaillierten Schilderungen wurden mir manche Zusammenhänge von Details klar, die ich aus der Presse erfahren hatte.

Bereits zu Beginn der Pandemie waren verschiedene Materialien knapp, die auch im Institut in Bonn benötigt wurden, obwohl man sich zum Bezug des Bedarfs breit aufgestellt hatte, was sich auf das in Deutschland ergebende Bild, das ich wahrgenommen hatte, übertragen lässt. Prof. Dr. Streek verschweigt auch nicht den Shitstorm der entstand, als er die ersten Ergebnisse präsentierte. Doch durch seine Erklärungen und die Einordnung in die wissenschaftliche Landschaft Deutschlands verstehe ich jetzt, wie es dazu kommen konnte.

Antworten habe ich im Buch auch dazu gefunden, welche Ergebnisse die Studie in Langbroich-Harzelt gebracht hat. Beim Lesen erhielt ich viele Hintergrundinformationen, die Prof. Dr. Streek auf verständliche Weise erklärt. Auch die Wahrnehmung der Krankheit in Verbindung mit entsprechend verordneten Maßnahmen durch Kreis, Land und Bund aus Sicht der Bevölkerung, die der Autor aus seiner Sicht beschreibt, stimmen mit meiner eigenen überein. Ich empfehle das Buch jedem, der sich mit dem Infektionsgeschehen in 2020 auseinandersetzen möchte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.04.2021

Mitreißender und bewegender Roman über zwei ganz unterschiedliche junge Frauen in den 1950ern

Lebenssekunden
0

Im Roman „Lebenssekunden“ erzählt Katharina Fuchs das Schicksal zweier junger Frauen von 1956 bis 1961. Auf dem Cover ist in der Mitte rechts ein Straßenschild zu sehen mit der Bezeichnung „Bernauer Straße“. ...

Im Roman „Lebenssekunden“ erzählt Katharina Fuchs das Schicksal zweier junger Frauen von 1956 bis 1961. Auf dem Cover ist in der Mitte rechts ein Straßenschild zu sehen mit der Bezeichnung „Bernauer Straße“. Durch den Bau der Mauer wurde hier in den Alltag der Anwohner besonders drastisch eingegriffen, was im Buch unter anderem thematisch aufgegriffen wird. Der Titel nimmt Bezug auf die wichtigen Momente im Leben, die sich nur in einem genau passenden Augenblick in einem Foto festhalten lassen.

Angelika Stein ist eine der beiden Protagonistinnen. Sie lebt Mitte der 1950er Jahre mit ihren Eltern und drei Geschwistern in Kassel. Aufgrund ihrer schlechten Leistungen und ihrer Fehlstunden wird sie der Schule verwiesen. Insgeheim träumt sie davon, sich zur Fotografin ausbilden zu lassen, doch Lehrstellen scheinen männlichen Mitbewerbern vorbehalten zu sein. Ein tragisches Unglück schärft ihren Blick für das, was Fotografien dem Betrachter vermitteln sollten. Aufgrund glücklicher Verknüpfungen geht ihr Berufswunsch schließlich in Erfüllung.

Währenddessen wird in Ostberlin das Talent der gleichaltrigen Christine Magold als Kunstturnerin erkannt und vom Staat gefördert. Schule und Training gestalten ihren Tagesablauf. Obwohl ihr Vater republikflüchtig ist, kommt ihr Erfolg ihrer im Osten lebenden Familie zugute. Doch ihre Gesundheit leidet zunehmend unter den Bedingungen, so dass sie sich fragt, ob es im Sport eine Zukunft für sie geben wird.

Katharina Fuchs erzählt direkt aus dem Leben. Dank ihrer sehr guten Recherche verknüpft sie gekonnt Fantasie und Fakten miteinander und schafft auf diese Weise ein vorstellbares authentischen Umfeld für ihre handelnden Personen. Angelika und Christine sind eigenwillige Charaktere, die beide einen Traum vom Erfolg auf ganz unterschiedlichen Gebieten haben. Während Angelika durch ihre Tätigkeit an Erfahrung gewinnt und immer selbstsicherer wird, beginnt Christine durch äußere Einflüsse an ihrem Tun zu zweifeln.

Die Autorin schafft bei ihren Protagonistinnen nicht nur durch die verschiedenen Lebensmittelpunkte, sondern bereits aufgrund des Elternhauses ganz unterschiedliche Voraussetzungen für einen Start ins Leben. Beide spüren die damals jeweils geltenden staatlichen Regeln, die sich vor allem für Christine entscheidend auf ihr Leben auswirken. Die Handlungen ihrer Figuren begleitet Katharina Fuchs mit Begründungen und dem Offenlegen der Gefühle, was ihr durch die auktoriale Erzählweise bestens gelingt.

An der Seite von Angelika und Christine geht der Leser über viele Höhen und manches Tal, hofft und bangt und freut sich über die Erfolge. Geschickt setzt Katharina Fuchs zum Ende der Kapitel, die zwischen den beiden Frauen ständig wechseln, kleine Cliffhanger, die dadurch zum schnellen Weiterlesen auffordern.

Der Drill im Leistungssport, Fotojournalismus und die zunehmende Spaltung Deutschland in Ost und West nach dem Zweiten Weltkrieg sind die großen Themen des Romans, denen die Autorin sich einfühlsam und kompetent widmet. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für „Lebenssekunden“, einem mitreißenden, bewegenden Roman von Katharina Fuchs.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere