Platzhalter für Profilbild

Gisel

Lesejury Star
offline

Gisel ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Gisel über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.12.2018

Überraschend anders als erwartet

Ich, Santa
0

Mit sechzehn Jahren verliert der Protagonist seine Mutter und kommt in den Haushalt seines Onkels Frank mit dessen beiden Söhnen Bastian und Tobias. Der Onkel pflegt seine Sammlung kurioser Sachen ganz ...

Mit sechzehn Jahren verliert der Protagonist seine Mutter und kommt in den Haushalt seines Onkels Frank mit dessen beiden Söhnen Bastian und Tobias. Der Onkel pflegt seine Sammlung kurioser Sachen ganz besonders, seine Regeln sind streng, was diese betrifft. Als eine Jahrmarkttruppe im Ort Halt macht, sind die Jungs besonders begeistert von Jules, einem begabten Motorradfahrer. Doch dies ist nur einer seiner Berufe, wie unser junger Erzähler bald merkt. Und schon ist er mittendrin in einer schier unglaublichen Geschichte, in deren Mittelpunkt er plötzlich selbst steht…

Diese Geschichte ist keine Weihnachtsgeschichte, wie der Titel suggerieren mag, sondern eine Erzählung über die Kinder der Erde, deren Teil Santa ist. Ihre Welt ist in Gefahr, und es liegt an dem jungen Erzähler, seine Rolle zu finden und anzunehmen. Viele Mythen sind in dieses Buch hineingearbeitet, die der Autor Jay Kay mit viel Liebe zum Detail weiter gesponnen hat. Mit dem Ich-Erzähler erlebt der Leser seine Suche nach sich selbst, nach all dem, was nun plötzlich wichtig für ihn wird und von dem er bisher keine Ahnung hatte. Das wird manchmal ein bisschen verwirrend, doch insgesamt werden die einzelnen Handlungsfäden zum Schluss gekonnt zusammengeführt. Der Schreibstil ist teilweise nicht ganz einfach zu lesen, und dennoch passt er genau zu dieser märchenhaften Geschichte voller Figuren aus dem Fantasy-Bereich.

Dieses Buch gehört dem Genre des Magischen Realismus an, in dem die Grenzen zwischen Realität und Fantasie vermischt werden. Mit „Ich, Santa“ ist eine Geschichte entstanden, die Teil eines größeren Ganzen um die Kinder der Erde ist. Wer sich auf den Schreibstil des Autors einlassen kann, wird eine Geschichte für sich finden, die eine ganz besondere Welt eröffnet.

Veröffentlicht am 01.12.2018

Hatte mehr erwartet

Das Jahr, in dem Dad ein Steak bügelte
0

Frisch getrennt von ihrem Verlobten, entscheidet sich Ruth, bei ihren Eltern zu bleiben. Ihr Vater ist demenzkrank geworden, ihre Mutter kommt damit überhaupt nicht klar. Wie wird sich wohl das Zusammenleben ...

Frisch getrennt von ihrem Verlobten, entscheidet sich Ruth, bei ihren Eltern zu bleiben. Ihr Vater ist demenzkrank geworden, ihre Mutter kommt damit überhaupt nicht klar. Wie wird sich wohl das Zusammenleben der drei in den folgenden Monaten entwickeln?

Es ist kein leichtes Vorhaben, das Ruth in die Tat umsetzt. Da ist zum einen die Trauer um das Ende ihrer jahrelangen, scheinbar sicheren Beziehung zu Joel. Da sind zum anderen die Erinnerungen an einen starken, liebenden Vater, der nun plötzlich mit dem Leben nicht mehr zurechtkommt. Und da ist ihre Mutter, der die Veränderungen ihres Ehemannes sehr zu schaffen machen. In Tagebuchform erzählt Rachel ihre Erlebnisse in der Zeit, die sie mit ihren Eltern verbringt. Dabei bleibt sie insgesamt eher sachlich, wobei ihre Verzweiflung immer wieder durchscheint.

Leider jedoch klingen Ruths Ergüsse wie ein einziges, langes Lamento, das sich fast bis zum Schluss des Buches erstreckt. Erst gegen Ende werden einzelne Situationen humorvoll gesehen, so wird dann auch das Lesen leichter. Doch da hatte ich schon sehr viel Lust an der Lektüre verloren. Mir fehlte die Spannung, die der Geschichte den nötigen Biss gibt.

Insgesamt bleibt die Erzählung zu sehr an der Oberfläche, trotz all der wissenschaftlichen Erkenntnisse, die eingearbeitet sind. Doch ich konnte nicht wirklich die Personen hinter den Protagonisten erkennen, was für mich bei diesem Thema eigentlich wichtig wäre. Schade, hier hatte ich mir mehr erwartet.

Veröffentlicht am 28.11.2018

Mörderischer Heiligabend in Nordschweden

Der Schmetterling
0

An Heiligabend wird in Hudiksvall, Nordschweden, eine junge Mutter ermordet, als sie dem Weihnachtsmann die Tür öffnet. Doch es ist nicht ihr verkleideter Ehemann, der in diesem Kostüm steckt, sondern ...

An Heiligabend wird in Hudiksvall, Nordschweden, eine junge Mutter ermordet, als sie dem Weihnachtsmann die Tür öffnet. Doch es ist nicht ihr verkleideter Ehemann, der in diesem Kostüm steckt, sondern ihr Mörder. Kommissar Rokka, gerade wieder in seine Heimatstadt zurückgekehrt, übernimmt mit seinem Team die Mordermittlungen. Doch es wird nicht der letzte Mord bleiben in dieser verschneiten Weihnachtszeit…

Ein typisch nordischer Krimi ist das, mit viel Schnee und Kälte. Die Ermittler stürzen sich nicht nur in ihre Arbeit hinein, sondern tragen auch ihre eigenen Probleme mit sich herum. Da passt es, dass sie tief in der Vergangenheit graben müssen, um voranzukommen. Manche Überraschung kommt dabei heraus, die die Autorin für den Leser versteckt hat. Der Krimi lässt sich flüssig lesen, auch wenn man sich anfangs durch eine hohe Anzahl an Charakteren wühlen muss. Doch jeder dieser Protagonisten ist sehr detailliert angelegt, man erhält einen tiefen Einblick in deren Leben sowie deren Motivationen, sowohl des Täters wie auch der Ermittler selbst. Die verschiedenen Handlungsstränge werden zum Schluss gut miteinander verknüpft, die Auflösung ist gut vorbereitet.

Insgesamt ein solider Auftakt für eine nordische Krimireihe, die auf weitere Fortsetzungen gespannt macht.

Veröffentlicht am 28.11.2018

Rabenschwarzer Humor und viel Wortwitz

Man muss auch mal loslassen können
0

Charlotte, Wilma und Jessy sind fest entschlossen, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Als sie sich in einer Beratungsstelle treffen, beschließen sie, diese Aktion gemeinsam durchzuführen. Doch irgendwie will ...

Charlotte, Wilma und Jessy sind fest entschlossen, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Als sie sich in einer Beratungsstelle treffen, beschließen sie, diese Aktion gemeinsam durchzuführen. Doch irgendwie will es nicht klappen. An einer Tankstelle geraten sie an Ralle und Moritz, die einen Raubüberfall planen. Ob es mit ihnen zusammen besser klappt? Fünf „Loser der Nation“ treffen mit Wucht aufeinander…

So ergibt sich eine vergnügliche Geschichte, die mal mehr, mal weniger ernst bleibt. Denn die drei Frauen hätten sich sonst nie getroffen, und auch mit den beiden Männern hätte es keine Gemeinsamkeiten gegeben. So ergeben sich viele Ereignisse voller Situationskomik, die vom Wortwitz der Autorin unterstrichen werden. Dabei nimmt die Geschichte zunehmend an Fahrt auf. Mehrmals musste ich schmunzeln oder gar lauthals loslachen über den rabenschwarzen Humor der Autorin.

Man sollte nicht glauben, wie witzig ein Buch geraten kann, das sich als Thema den Selbstmord der Protagonisten aussucht! Nicht immer konnte ich die Handlungen der Geschichte nachvollziehen, vor allem in der ersten Hälfte des Buches fiel mir das eher schwer. Doch danach gewinnt die Handlung an Leichtigkeit, es gibt unerwartete Veränderungen, die auch die Geschichte positiv beeinflussen, frei nach dem Motto: „Leben ist das, was passiert, während du es planst.“ (S. 147) Da konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Eine Geschichte, die anfangs mit ihrem Potenzial zurückhält, aber dann doch noch gut in Fahrt kommt, deshalb möchte ich sie gerne weiter empfehlen.

Veröffentlicht am 26.11.2018

New Yorks erster Mafia-Jäger

Black Hand
0

1903 droht New York City in den Anschlägen der ersten Mafia in der Stadt zu versinken: Entführungen, Erpressungen, Bombenanschläge beherrschen den Alltag der italienischen Einwanderer. Da beginnt ein junger ...

1903 droht New York City in den Anschlägen der ersten Mafia in der Stadt zu versinken: Entführungen, Erpressungen, Bombenanschläge beherrschen den Alltag der italienischen Einwanderer. Da beginnt ein junger Mann italienischer Abstammung eine Ausbildung bei der Polizei – er wird eine entscheidende Figur im Kampf gegen die Mafia werden.

Der Autor Stephan Talty erzählt das Leben des ersten italienischen Detectives in New York, der sich dem Kampf gegen die Machenschaften der Mafia verschrieben hatte und dabei sehr erfolgreich war. Das Buch orientiert sich dabei an den historischen Gegebenheiten über Joseph Petrosino und stützt sich auf vielerlei Quellen, die es zu diesem Thema gibt. So entsteht ein Sachbuch, das die Fakten mit vielerlei belegten Anekdoten um diesen genialen Polizisten würzt. Petrosino arbeitet sich von ganz unten hoch, er muss sich aber auch immer wieder der Vorurteile seiner Mitmenschen gegenüber den italienischen Einwanderern erwehren.

Das Buch bleibt eng an den tatsächlichen Ereignissen, es wird nichts dazu erfunden, was nicht belegt ist, schließlich ist das Buch ja als Sachbuch konzipiert. Das allerdings bedeutet auch immer wieder Sprünge in der Erzählung, andererseits gibt es mehrfach Wiederholungen. Ein bisschen fehlte mir der rote Faden, so dass ich mich beim Lesen zunehmend schwer tat dabeizubleiben. Gut gelungen und äußerst informativ ist allerdings, wie der Autor die Situation der italienischen Einwanderer darstellt, die in der amerikanischen Gesellschaft keinen guten Stand hatten.

Dem Autor ist ein beeindruckendes und informatives Sachbuch über eine einzigartige Persönlichkeit im New York des angehenden 20. Jahrhunderts gelungen, das allerdings manchmal etwas langatmig daherkommt.