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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.10.2025

Trauer, Wut und eine starke Jugendliche

Durch das Raue zu den Sternen
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Arkadia, genannt Moll, will in einem Knabenchor singen. Damit möchte sie erreichen, dass ihre Mutter zurückkehrt, die vor einem Jahr “nur kurz” wegging und nie wiederkam. Mit ihren 13 Jahren ist Moll musikalisch ...

Arkadia, genannt Moll, will in einem Knabenchor singen. Damit möchte sie erreichen, dass ihre Mutter zurückkehrt, die vor einem Jahr “nur kurz” wegging und nie wiederkam. Mit ihren 13 Jahren ist Moll musikalisch hochbegabt, in ihrem Dorf aber ist sie zur Außenseiterin geworden. Ihr Vater ist nach dem Verschwinden der Mutter oft traurig, so sehr, dass er nicht wirklich für Moll da sein kann. Es ist unbedingt ihre Mutter, die Moll wieder nach Hause zurückholen will.

Man ahnt von Anfang an, dass hinter Molls Geschichte mit der Mutter noch etwas anderes steckt, allerdings muss man bis zum Ende der Erzählung warten, bis das Geheimnis gelüftet wird. Das erhöht die Spannung, die sich zunächst vorwiegend mit der Aufnahme im Knabenchor beschäftigt. Moll ist zum einen sehr talentiert, zum anderen aber auch sehr ehrgeizig, ist es doch ihr Ziel, mit der Teilnahme am Knabenchor ihre Mutter wieder zurückzuholen. Erst ganz zum Schluss erhält die Trauer ihren Platz, um die sich das Buch eigentlich dreht. Ich mochte Moll von der ersten Seite an, und nach und nach und vor allem mit dem Aufdecken ihres Geheimnisses wächst das Verständnis für sie. Dabei ist sie stark von der ersten Seite an.

Diese Geschichte von Trauer und Verlust, aber auch von der Stärke und Klugheit einer Jugendlichen hat mich sehr berührt. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe alle 5 möglichen Sterne.

Veröffentlicht am 10.10.2025

Tänze und Machtspiele

A Dance of Lies
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Vasalie, einst die erste Tänzerin am Hof von König Illian, sitzt bereits seit zwei Jahren im Kerker und erwartet nur noch ihren Tod, als sie überraschend frei gelassen wird – allerdings soll sie für den ...

Vasalie, einst die erste Tänzerin am Hof von König Illian, sitzt bereits seit zwei Jahren im Kerker und erwartet nur noch ihren Tod, als sie überraschend frei gelassen wird – allerdings soll sie für den König zur Spionin werden bei der Versammlung der Königreiche. Dabei muss sie Menschen auch Schaden zufügen. Überraschend erhält sie Hilfe von Illians Bruder Anton, der gleichzeitig auch Illians größter Widersacher ist. Wem kann Vasalie überhaupt vertrauen?

Die Autorin Brittney Arena versetzt die Handlung in ein Königreich, das mit mehreren anderen zusammen die Welt beherrscht. Der Frieden ist eher brüchig, bei der Versammlung der Königreiche weiß keiner so recht, wem man vertrauen kann. Das geht auch Vasalie so, die einerseits fest an Illians Vorgaben gebunden ist, gleichzeitig aber auch ihren eigenen Weg sucht, um aus seiner Abhängigkeit zu entkommen. Doch kann ihr das überhaupt gelingen? Dieses Dilemma kann man als Leser sehr gut nachvollziehen, wobei die Geschichte einige überraschende Wendungen bereit hält und zum Ende des Buches alles nochmal in einem ganz anderen Licht zeigt. Nicht immer wirkte Vasalie für mich so richtig überzeugend, doch ich ließ mich von der Geschichte leiten. Das letzte Kapitel macht endgültig Lust auf eine Fortsetzung.

Mich hat die Geschichte gut unterhalten können, ich bin schon ganz gespannt auf Vasalies weitere Abenteuer. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 10.10.2025

Wichtiges Thema, Umsetzung gewöhnungsbedürftig

Die Schrecken der anderen
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In einem zugefrorenen See wird eine Leiche gefunden. Die Polizei bittet um die Mithilfe des Archivars Schibig, der am See auf Rosa trifft, die neben dem See in einem Wohnwagen lebt. Dann ist da noch der ...

In einem zugefrorenen See wird eine Leiche gefunden. Die Polizei bittet um die Mithilfe des Archivars Schibig, der am See auf Rosa trifft, die neben dem See in einem Wohnwagen lebt. Dann ist da noch der schwerreiche Erbe Kern, der mit seiner hundertjährigen Mutter und seiner jungen Frau in einem Haus lebt, leider lässt der gewünschte Erbe noch auf sich warten. Was haben all diese Geschehnisse nur miteinander zu tun?

Diese Frage habe ich mir sehr lange gestellt, zu lange fehlten mir die Zusammenhänge, so dass ich mir schon überlegt hatte, die Lektüre abzubrechen. Nur sehr langsam zeigen sich die Zusammenhänge, und erst dann hat mich die Geschichte fesseln können. Das ist schade, denn die Aussage der Erzählung ist äußerst wichtig. Der Schreibstil ist äußerst gewöhnungsbedürftig und bleibt sehr lange eher sperrig. Letztendlich hat mich das Buch eher zwiespältig hinterlassen, muss man doch sehr lange viel Geduld mit dem Buch aufbringen.

Ich empfehle das Buch weiter wegen dem Thema, das hinter der Geschichte steht, und vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 05.10.2025

Familiengeschichte originell erzählt

Anna oder: Was von einem Leben bleibt
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Was bleibt von einem Menschen übrig, wenn er mal gestorben ist? Immer mehr nimmt die Erinnerung ab, bis sich irgendwann in den nächsten Generationen keiner mehr erinnern kann. Der Autor Henning Sußebach ...

Was bleibt von einem Menschen übrig, wenn er mal gestorben ist? Immer mehr nimmt die Erinnerung ab, bis sich irgendwann in den nächsten Generationen keiner mehr erinnern kann. Der Autor Henning Sußebach versucht, anhand von Fotos, Poesiealben, Postkarten, einem Kaffeeservice und einem Verlobungsring das Leben seiner Urgroßmutter Anna zu rekonstruieren. Sie kam in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts als junge Frau nach Cobbenrode, wo sie zunächst als Lehrerin arbeitete. Doch Annas Leben verlief in mancherlei Hinsicht außergewöhnlich. Sie entscheidet immer wieder über ihr Leben, wo dies in der damaligen Zeit nicht üblich war für Frauen.

Das Buch ist der Versuch der Annäherung an das Schicksal einer Ahnin, die schon fast ganz in der Vergangenheit versunken war. Der Autor schreibt über seine Urgroßmutter, als es schon kaum jemand mehr gibt, der sich an sie erinnern kann. So sind die Zeichen eher spärlich, es ist immer wieder mal ein bisschen Raten, wie das Leben von Anna Kalthoff wirklich verlief. Eingebunden wird ihr Schicksal in die historischen Gegebenheiten ihrer Zeit und was davon Einfluss auf ihr Leben hatte. Das ist immer wieder spannend, zeigt es doch eine ganz andere Sichtweise als das einer Frau von heute in unserer heutigen Zeit. Obwohl einiges aus Annas Leben nicht mehr rekonstruiert werden konnte, ist dieses Buch eine spannende Möglichkeit, seine Familiengeschichte zu erzählen. Es lohnt sich, nach den Annas in der eigenen Familie zu suchen, denn jede hätte ihre eigene Geschichte zu erzählen.

Den Ansatz dieser Familiengeschichte finde ich sehr originell. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 05.10.2025

Gute Idee, Umsetzung noch ausbaufähig

Divisio
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Raya hat einen Alptraum, in dem sie einen Menschen ermordet. Doch das Erschreckende ist, dass es diesen Mord wirklich gegeben hat, und die Täterin sieht genauso wie Raya aus. Nun wird die junge Frau mit ...

Raya hat einen Alptraum, in dem sie einen Menschen ermordet. Doch das Erschreckende ist, dass es diesen Mord wirklich gegeben hat, und die Täterin sieht genauso wie Raya aus. Nun wird die junge Frau mit einem Video erpresst, der ihr den Mord in die Schuhe schieben will. Zusammen mit ihrem Freund David findet Raya heraus, dass sie eine Doppelgängerin namens Amila hat. Doch es zeigt sich, dass es noch viel mehr Verstrickungen gibt, und Raya muss sich entscheiden, was sie tut...

Der Leser entdeckt zusammen mit Raya das Geheimnis ihrer Doppelgängerin, denn hinter Raya und Amila steckt eine gefährliche Idee. Mit Raya ist man schnell derselben Meinung, dass die Idee von Divisio die Freiheit des Menschen einschränkt, und so ist es nur nachvollziehbar, wenn sie sich für den Kampf dagegen entscheidet, auch wenn sie dafür in Lebensgefahr gerät. Die Geschichte bringt immer wieder neue Wendungen, wobei mir hier einige Wendungen weniger gut gereicht hätten: Im letzten Viertel der Geschichte erschien mir das Geschehen nicht ansatzweise mehr glaubhaft, es geriet in meinen Augen ein bisschen zu einer Räuberpistole. Auch die Charaktere blieben mir teilweise ein bisschen zu blass, ihre Motivationen konnte ich nicht immer nachvollziehen.

Mich hat dieser Sci-Fi-Roman im wesentlichen gut unterhalten, das Geschehen kam mir aber in letzter Konsequenz etwas aufgesetzt vor. Die Grundidee fand ich sehr spannend, die Umsetzung ist noch ausbaufähig. Ich vergebe 3 von 5 Sternen.