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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.06.2019

Spannend, aber auch schwierig

Schneewittchensarg
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Stina Forss und Ingrid Nyström stehen bei ihrem neuen Fall vor einem besonderen Rätsel. Bei der Eröffnung der Jubiläumsausstellung eines Glaskunstimperiums kommt es zu einem Eklat. Berit Gustavsson, die ...

Stina Forss und Ingrid Nyström stehen bei ihrem neuen Fall vor einem besonderen Rätsel. Bei der Eröffnung der Jubiläumsausstellung eines Glaskunstimperiums kommt es zu einem Eklat. Berit Gustavsson, die ehemalige Braut des Firmenchefs, die am Tag ihrer Hochzeit vor nahezu achtundvierzig Jahren spurlos verschwand, taucht in Form eines bizarren Kunstwerks wieder auf. Ihre sterblichen Überreste in ihrem Hochzeitskleid gekleidet liegen in einem gläsernen Sarg.
Gunnar Gustavsson ist entsetzt und fordert nach fast fünfzig Jahren der Ungewissheit und des Wartens Aufklärung.

Schneewittchensarg ist ein wirklich spannender und kniffeliger skandinavischer Krimi. Für einen Leser, der bis jetzt nur den ersten Band dieser Reihe gelesen hat, so wie ich, war es aber leider schwierig den Hintergrundgeschichten richtig zu folgen bzw. den Verlauf zu verstehen. Es ist einiges passiert in den letzten fünf Büchern, Verletzungen, Traumata und Morde, wobei ich die Ursachen zum Ende dieses Buchs immer noch nicht richtig verstehe. Ich denke, das ist auch so beabsichtigt und wird sicherlich auch noch nicht im nächsten oder übernächsten Band gelöst werden.

Das stört mich ein bisschen.

Der Kriminalfall in diesem Buch ist kurios und besonders. Die beiden Autoren zeigen akribisch, wie Polizeiarbeit funktioniert, wie umfangreich und langwierig die Recherche ist, dass eine buchstäbliche Nadel im Heuhaufen auch gefunden wird und viele Sackgassen ergründet werden.

Das macht Spaß zu lesen. Mitunter kann man miträtseln.

Die einzelnen Ermittler werden mit ihren Schrullen und ihren Stärken beleuchtet. Interessante Einblicke in die Moralvorstellungen der jungen Mutter Anette Hultin und auch der Chefin Ingrid Nyström verführten manchmal zum Schmunzeln.

Dem Cold-Case-Fall wird mit den unterschiedlichsten Methoden nachgegangen, Pensionäre und Enkel werden gesucht und befragt, Aktenberge aus den Archiven gesichtet und Puzzlestein für Stein eingefügt. Durch Berits veröffentlichte Tagebucheinträge sind wir Leser dem Ermittlerteam öfters voraus. Woher diese Tagebucheinträge stammen wurde aber nie geklärt.

„Ein Muss für Liebhaber skandinavischer Krimis“ Donaukurier

Dem kann ich mich anschließen. Ich freue mich auf den nächsten Band, den ich dieses Mal nicht verpassen werde, um der Hintergrundgeschichte richtig folgen zu können.

Veröffentlicht am 05.06.2019

Anfangs unterhaltsam, aber .....

Schatz, wir werden reich! (vielleicht)
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„Ein einfallreiches Paar lässt uns humorvoll an seinen Anläufen zum großen Geld teilhaben – mit 20 verschiedenen Methoden, die alle den großen Geldregen versprechen....“

Dieses Zitat aus der Buchbeschreibung ...

„Ein einfallreiches Paar lässt uns humorvoll an seinen Anläufen zum großen Geld teilhaben – mit 20 verschiedenen Methoden, die alle den großen Geldregen versprechen....“

Dieses Zitat aus der Buchbeschreibung fasst eigentlich am Besten zusammen, was uns in diesem Buch erwartet.

Zu Beginn, ich würde sagen, während der ersten Hälfte,t ist wirklich äußerst unterhaltsam und amüsant. Mit welcher Beharrlichkeit und Naivität die beiden Autoren jede Methode, die verspricht reich zu machen, verfolgen ist schon bemerkenswert. Dabei weiß man meist schon beim ersten Satz über die auszuprobierende Methode, dass das garantiert nicht erfolgversprechend ist, aber es ist köstlich Christine und Gideon bei ihren Feldversuchen zu begleiten.

Beide sind so alltäglich und normal in ihrer Vorgehensweise, dass man sich in ihnen immer wieder selber wiederfindet. „Es dauert also einen Tag, bis wir in Schubladen, Ordnern und alten Kisten die wichtigsten Unterlagen entdeckt haben, die unsere regelmäßigen Ausgaben dokumentieren.“ Dieser Hinweis könnte auch aus meiner Familie stammen.

Interessant war für mich der Besuch des Frankfurter Börsenparketts. Die Informationen waren für mich genauso neu und unverständlichen (definitiv gibt es keinen Handel mehr auf dem Börsenparkett) wie für Gideon.

Lehrreich war auch der Besuch des Geldmuseums.

Gegen Mitte des Buches wechselte die Stimmung aber immer mehr vom Unterhaltsamen ins Lehrreiche und Theoretische. Die Messe für Finanzen und Geldanlage verdeutlichte zwar den Irrsinn mit dem um Anleger geworben wird. Die Informationen über Anlageberatung bei Anleihen waren zwar informativ, aber auch belehrend und weniger unterhaltsam.

Fazit: Gute Idee, guter unterhaltsamer und amüsanter Anfang, aber dann verlor sich der Humor in einer Informationsflut, in der er hin und wieder aufflackerte, aber nie mehr dominierte.

Veröffentlicht am 30.05.2019

Unerwartet

Mine | Erotischer SM-Roman
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Dr. Jonathan Campling, Jahrgang 1974, Vorstandsvorsitzender der MRS-Holding, will keine Beziehungen eingehen. Seinen Durst nach körperlicher Befriedigung stillt er bei jungen, ästhetischen Frauen aus entsprechenden ...

Dr. Jonathan Campling, Jahrgang 1974, Vorstandsvorsitzender der MRS-Holding, will keine Beziehungen eingehen. Seinen Durst nach körperlicher Befriedigung stillt er bei jungen, ästhetischen Frauen aus entsprechenden Etablissements, die er bei Bedarf bestellt. Er lebt allein in einem riesigen mit allen Annehmlichkeiten bestückten Penthouse-Appartement, seinem Reich über der Stadt.
Auf einem seiner Streifzüge begegnet ihm Isabelle, jung, mittellos, ohne Wohnung. Sie versucht ihr künftiges Studium durch Prostitution zu finanzieren. Jonathan wäre ihr erster Kunde. Noch ist sie Jungfrau.
Dieses Zusammentreffen ändert beider Leben.


Dieser Roman hat mich schon überrascht. Ich hatte wegen der 2. Netgalley-Challange ein Buch aus einem mir fremden Genre angefragt, aber ich hatte ganz andere Vorstellungen.

Nach anfänglicher Erleichterung darüber, dass sich im Buch nicht eine Sexszene an die andere reiht, fielen mir aber die ständigen, gebetsmühlenartigen Wiederholungen von Isabelles Kindheit auf.

Mir scheint, mehr als die Hälfte des Romans beinhaltet eh schon die Lebensläufe beider Protagonisten. Prinzipiell finde ich es sehr interessant, verfolgen zu können, wie es zu bestimmten Situationen oder auch wie in diesem Fall zu einem bestimmten Vertrag kommen konnte, aber wenn die Beteiligten darüber ständig reflektieren müssen, will ich das nicht unbedingt immer wieder lesen.

Die Sexszenen sind für mich als 62-jährige, nicht prüde Leserin angenehm zu lesen. Sie sind plastisch, aber bis auf ein, zwei Ausnahmen, nicht übermäßig krass beschrieben und beleuchten sehr viel der Gefühlswelt der Beiden.

Im Mittelteil beginnt ein längerer philosophischer Diskurs, der sicherlich ungewöhnlich für ein Buch mit erotischer SM-Thematik ist. Laut Impressum verarbeitet Myriam Brixton in ihren Büchern zum Teil ihre eigenen Erlebnisse, was die philosophische Aufbereitung der Beziehung zueinander sicher begründet.

Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht so recht, wie ich diesen Roman bewerten soll. Ich kann anmerken, dass ich den Roman bis zum überraschenden Ende gelesen habe. Ich fühlte mich unterhalten. Ich habe über einige widerliche Sexszenen gelesen, die die Protagonisten auch widerlich und erschreckend erlebten. Durch den philosophischen Teil konnte ich das Gefühlsgemenge der Beiden etwas genauer betrachten und nachvollziehen.

Aber an einen erotischen SM-Roman hatte ich andere Erwartungen.

Veröffentlicht am 26.05.2019

Ein ruhiger und beschaulicher Krimi

Nachts schweigt das Meer
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Detective Inspector Benesek Kitto, 34, Polizei London, zieht sich auf Bryher, der Insel seiner Kindheit zurück. Er braucht eine Auszeit um Entscheidungen über seine berufliche Zukunft zu treffen. Bryher ...

Detective Inspector Benesek Kitto, 34, Polizei London, zieht sich auf Bryher, der Insel seiner Kindheit zurück. Er braucht eine Auszeit um Entscheidungen über seine berufliche Zukunft zu treffen. Bryher ist die kleinste der Scilly-Inseln vor der Küste Cornwalls. Auf dieser Insel kennt jeder jeden und Kitto wird mit offenen Armen von den Bewohnern empfangen.
Am Tag seiner Ankunft geschieht aber das Unvorstellbare, ein junges Mädchen, Laura Trescothicks, wird vermisst. Einige Tage später wird ihre Leiche in einer Bucht angeschwemmt.
Kittos Auszeit ist beendet. Er muss einen Mörder unter den ihm sehr vertrauten Inselbewohnern ermitteln.

Wie bereits im Titel erwähnt empfinde ich den Krimi ruhig und beschaulich. Mir war er etwas zu beschaulich.
Er wird größtenteils aus der Perspektive des ermittelnden und mit seinen Gefühlen kämpfenden Detective Kitto erzählt. Auf mich wirkt er verunsichert und verzagt. Er mag nicht bei seinen ehemaligen Schulfreunden und Nachbarn ermitteln. Die Befragten schweigen wahlweise, lügen oder verheimlichen die Wahrheit egal ob sie in Kitto einen Sohn der Insel sehen oder nur den Polizisten. Ich hatte oft den Eindruck, dass er nicht richtig nachhakt und sich nur im Kreis dreht.
Zielstrebig steuert er aber auf Nina Jackson zu. Sie sucht genau wie er Ruhe und Neuorientierung. Ich finde, sie lenkt unnötig ab.
Kate Penrose hat viel Naturbeschreibung und Insel-Feeling in diesen Krimi gepackt. Wären nicht zwei Morde, Häusliche Gewalt und Drogenschmuggel thematisiert worden, hätte ich das Gefühl gehabt einen Rosamunde Pilcher Roman zu lesen.

Schlussendlich fühlte ich mich von diesem Buch gut unterhalten, aber für einen Krimi fehlte mir doch die Spannung.

Veröffentlicht am 20.05.2019

Von Höcksken auf Stöcksken

Das Verschwinden der Stephanie Mailer
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Auf der Abschiedsfeier des „Hundertprozentigen“ Jesse Rosenberg, Captain der State Police des Staates New York, wendet sich die junge Journalistin Stephanie Mailer an diesen mit der Behauptung, dass er ...

Auf der Abschiedsfeier des „Hundertprozentigen“ Jesse Rosenberg, Captain der State Police des Staates New York, wendet sich die junge Journalistin Stephanie Mailer an diesen mit der Behauptung, dass er bei seiner ersten Mordermittlung vor 20 Jahren den falschen Täter verfolgt habe. Bei der damaligen Mordermittlung hätten er und sein Partner Derek Scott etwas Offensichtliches übersehen. Sie werde in den nächsten Tagen die Beweise für ihre Behauptung vorlegen.
Danach verschwand Stephanie Mailer, für immer?

Bis jetzt hatte ich noch nichts von Joel Dicker gelesen. Aber ich war neugierig, weil zahlreiche Leser-Rezensionen und die Feuilleton-Kritiker über sein Buch „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ voll des Lobes waren.

Schon die Leseprobe zog mich in ihren Bann und ich war gespannt wie es weitergeht. Vorweg gesagt, mich hat dieses Buch begeistert.

Joel Dicker dröselt im Rückblick ein zwanzig Jahre altes Verbrechen auf. Regelmäßige Rückblenden ermöglichen uns Lesern Stück für Stück einen Einblick in die damaligen Ereignisse zu bekommen. Die einzelnen, ich nenne sie mal, Rückblick-Puzzleteile werden jeweils aus der Sicht eines der beiden Ermittler erzählt, so dass immer wieder unterschiedliche Sichtweisen und Eindrücke zu Tage kommen.

Jeder einzelne Protagonist der damaligen und der heutigen Mordfälle hat natürlich eine Vorgeschichte. Diese werden uns auch in kleinen Häppchen von dem jeweiligen Beteiligten präsentiert.

Ich finde, Joel Dicker ist ein wundervoller Erzähler. Während der Lektüre hatte ich nicht selten das Gefühl einem alten weißhaarigen Mann auf einem Schaukelstuhl sitzend, zuzuhören, der bei seiner Geschichte von Höcksken auf Stöcksken kommt.

An den spannendsten Stellen wird üblicherweise ein Rückblick eingebaut um das große Ganze auch ja richtig im Blick zu haben und die Hintergründe zu verstehen. Denn es ging nicht nur um ziemlich viele Mordfälle, sondern auch um das amerikanische Kleinstadtmilieu, um starke Gefühle und Begierden.

Ich fühlte mich bestens unterhalten und durch die Geschichte geführt.