Profilbild von Hanne2

Hanne2

Lesejury Profi
offline

Hanne2 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Hanne2 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.02.2026

Farbenfroh illustriert, das Ende hätte phantasievoller sein dürfen

Vom kleinen Spatz, der eine große Amsel werden wollte
0

Von Werner Holzwarth kennen die meisten vermutlich "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat". Sein neues Buch "Vom kleinen Spatz, der eine große Amsel werden wollte" lebt ...

Von Werner Holzwarth kennen die meisten vermutlich "Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat". Sein neues Buch "Vom kleinen Spatz, der eine große Amsel werden wollte" lebt direkt auf den ersten Blick von seinen Illustrationen - ausgesprochen farbenfroh und fröhlich leuchten sie dem Leser entgegen. Der Text ist wunderbar für kleine Kinder geeignet. Es gibt einen gewissen Rhythmus durch die Wiederholung der Erzählweise, was kleine Kinder oft sehr lieben. Das Buch macht unglaublich neugierig auf den ersten Seiten und man möchte direkt erfahren, ja, was wird denn aus dem kleinen Spatz, der kleinen Amsel, der kleinen Taube,... wenn sie mal groß sind. Das Ende hat uns dann leider nicht überzeugt. Gerade weil die Großen seitenweise so nüchtern gegenüber den kleinen Vogelkindern argumentieren, fiebert man als Leser auf ein besonders kreatives und phantasievolles Finale zu, was dann leider ausbleibt.
So ist es insgesamt ein wirklich wunderbar illustriertes Kinderbuch, inhaltlich blieb es zum Ende jedoch hinter unserer Erwartung zurück.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.02.2026

Persönlich und berührend

Love and be loved
0

"Love and be loved" ist ein typisches Geschenkbuch, das man aber auch gerne selber in einer ruhigen Minute in die Hand nimmt. "Mögest du..." - so beginnt eine jede Seite und es folgt ein Wunsch, der wirklich ...

"Love and be loved" ist ein typisches Geschenkbuch, das man aber auch gerne selber in einer ruhigen Minute in die Hand nimmt. "Mögest du..." - so beginnt eine jede Seite und es folgt ein Wunsch, der wirklich von Herzen zu kommen scheint. Manchmal ist dieser direkt anrührend, vielleicht auch zum Nachdenken anregend, hin und wieder inspirierend, Wünsche an eigene liebe Menschen zu formulieren. Es gibt aber auch immer mal wieder Wünsche, die mich nicht so überzeugt haben. Vielleicht liegt es auch an einer etwas unaufmerksamen Übersetzung.
Die Illustrationen wirken in ihrer schlichten und persönlichen Gestaltung auf eine zarte Weise berührend. Insgesamt ist es mit dem großen Format recht hochwertig gestaltet und eignet sich sicher gut zum Verschenken, z.B. Geburt, 18.Geburtstag...
Es ist vielleicht kein Buch, das man unbedingt besitzen muss, wenn man es aber mit etwas Muße durchblättert, einen warmes und wohliges Gefühl hinterlässt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.02.2026

Familiengeschichte mit einem ganz eigenen, wunderbarem Charme

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
0

Dieses Buch ist etwas Besonderes und ich habe es ausgesprochen gerne gelesen. Im Grunde ist es eine Familiengeschichte. Als Leser begleitet man die Familie über mehrere Generationen - angefangen während ...

Dieses Buch ist etwas Besonderes und ich habe es ausgesprochen gerne gelesen. Im Grunde ist es eine Familiengeschichte. Als Leser begleitet man die Familie über mehrere Generationen - angefangen während des Krieges in einem norddeutschen Dorf nahe der Küste bis hin zu späteren Generationen im Süden. Man erlebt sie in ihren Verstrickungen, (un)erfüllten Träumen, Gewohnheiten und ganz individuellen Besonderheiten. Während andere Familiengeschichten opulent und ausschmückend erzählt werden, bleibt dieser Roman fragmentarisch. Aber gerade das hat für mich einen großen Reiz ausgemacht und mich zum Teil mit wenigen Worten sehr berührt. Besonders geliebt habe ich die Passagen, wenn magische Elemente mit eingeflochten und so der Familienaberglaube fein mit eingesponnen wurde. Ein absolut lesenswertes Buch mit einem ganz eigenen, wunderbarem Charme.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.02.2026

Ein intensives Kammerspiel über Freundschaft, Grenzen und Weiblichkeit

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
0

„Weil sie ein bisschen stolz war auf ihre Fähigkeit, einen Unterschied zu machen, statt immer nur das Nötigste, damit alle überleben. Seit wann war sie so sehr damit beschäftigt? So beschäftigt damit, ...

„Weil sie ein bisschen stolz war auf ihre Fähigkeit, einen Unterschied zu machen, statt immer nur das Nötigste, damit alle überleben. Seit wann war sie so sehr damit beschäftigt? So beschäftigt damit, Bedürfnisse zu befriedigen, dass darüber hinaus nichts mehr möglich war. Es gibt so viele Bedürfnisse. Unendlich viele. Befriedigt man eins, kommen drei nach, und wer kann entscheiden, welches ignoriert werden darf, ja, vielleicht sogar sollte?" (S. 110)

Der Roman „Es ist hell und draußen dreht sich die Welt" von Dita Zipfel fühlt sich beim Lesen wie ein intensives Kammerspiel an. Zwei Paare reisen gemeinsam in den Urlaub nach Südfrankreich: das eine mit ihren beiden Kindern, gut situiert und Gastgeber; das andere Paar mit unerfülltem Kinderwunsch. Die Männer sind seit Schulzeiten eng befreundet. Die Frauen nähern sich zunehmend aneinander an, dabei so unterschiedlich – die eine fast archaisch-wild. Die andere in ihrer weichen Art vordergründig zufrieden-angepasst.
Die Sprache ist kraftvoll und zugleich auch irgendwie zart. Die Annäherung zwischen Eva und Linn hat mich an den französischen Film „Liebe mich, wenn du dich traust" aus dem Jahre 2003 erinnert: dieses sich gegenseitige Antreiben, über Grenzen bringen, immer ein bisschen am Rande des Wahnsinns.
Was mir besonders gefallen hat, war die Darstellung der beiden unterschiedlichen Frauenfiguren. Beide so besonders und speziell, dass es eine Freude war, ihnen in ihren Gedankengängen zu folgen, die zugleich so vertraut sind. Sie als Leserin bei ihren Taten zu begleiten, die zum Teil nachvollziehbar sind, hat sich mitunter irritierend angefühlt.
Das Ende kam für mich tatsächlich etwas abrupt und hat mich mit hundert Fragezeichen im Kopf zurückgelassen. Ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht – andererseits passt es irgendwie auch wieder sehr gut zu den beiden Frauen mit ihrer in sich schlummernden ungezähmten Wildheit. Letztendlich war es wie eines dieser Bühnenstücke, bei dem am Ende alle nackt über die Bühne laufen und sich gegenseitig mit Tomaten bewerfen und man als Zuschauer sich fragt: Was will die Autorin uns damit sagen? Es ist auf jeden Fall ein emotionales Leseerlebnis, zum Teil wild, dann wieder überraschend feinfühlig. Und auch die Fragezeichen, die die Autorin zum Ende mit Wucht platziert, hallen noch nach.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.01.2026

Wunderbarer Roman

Die Riesinnen
0

„Die Dunkelheit ist sprichwörtlich und wild. Sie türmt sich in den Wolken, die über dem Tal liegen, und streckt sich weit bis an die Zipfel des Himmels."
Was für ein schöner Einstieg in den Roman! Mit ...

„Die Dunkelheit ist sprichwörtlich und wild. Sie türmt sich in den Wolken, die über dem Tal liegen, und streckt sich weit bis an die Zipfel des Himmels."
Was für ein schöner Einstieg in den Roman! Mit poetischer, zum Teil leicht verspielter Sprache beschreibt Hannah Häfner das Leben von drei Frauengenerationen im Schwarzwald. Es geht um Außenseitertum, Angenommensein in der Familie, Heimat suchen und finden, weibliche Selbstbestimmung. Besonders beeindruckend fand ich die Schilderung und Beschreibungen der Natur. Aber auch die drei Figuren Liese, Cora und Eva wachsen einem zunehmend ans Herz, so unterschiedlich sie auch sind. Es gibt Sätze, an denen bleibt man hängen, die berühren etwas in einem, sodass man sie manchmal dreimal lesen möchte:
„In Wittenmoos ändern sich selten Dinge, darum geht es ja gerade. Das große Sichdrehen braucht eine Achse. (...) Ein Ort, an dem man hingehört, auch wenn man ihn sich nicht ausgesucht hat. Geh, und alles hinter dir zerfällt, bleib, und du musst bleiben, wer du bist, weil es sonst nicht funktioniert. Was ist Heimat, wenn nicht eine Zuflucht vor einer Angst, die du ohne sie nicht hättest?" (S. 102)
„Alles, was für immer sein soll, (...) nimmt einem die Luft. Lass es für heute sein, für ein Jahr vielleicht. Ein Jahr kannst du tragen. Ein Jahr darf schrecklich sein, und mies. Das macht noch kein mieses Leben." (S. 287)
Alle drei Frauen verlassen, wenn manchmal auch nur sehr kurz, ihr Dorf. Gerade was sie dort erleben, verändert noch mal in unterschiedlicher Weise die Perspektive auf ihre Heimat im Schwarzwald:
„In Wittenmoos hat sie nie über die Dinge nachdenken müssen. Ihre Freunde waren einfach da – und einfach ihre Freunde, da gab es nichts zu denken und nichts zu fürchten, auch nicht die Einsamkeit, nicht einmal ihre Schatten." (S. 270)
Es ist ein Roman, der sich trotz seiner poetischen Sprache ausgesprochen flüssig liest und sehr zugänglich ist, bei dem viele Bilder im Kopf entstehen und der einen immer wieder berührt und zum Nachdenken bringt. Ich bin aufgrund des Einstiegs mit hohen Erwartungen in das Buch gegangen. Zwischendrin flachte für mich die Spannungskurve etwas ab. Dennoch habe ich das Lesen des Romans aufgrund seiner wunderbaren Sprache wirklich genossen bzw. mich immer auf den Moment im Alltag gefreut, wenn ich „Die Riesinnen" als Leserin weiter begleiten konnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere