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Veröffentlicht am 11.01.2026

Wunderbarer Roman

Die Riesinnen
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„Die Dunkelheit ist sprichwörtlich und wild. Sie türmt sich in den Wolken, die über dem Tal liegen, und streckt sich weit bis an die Zipfel des Himmels."
Was für ein schöner Einstieg in den Roman! Mit ...

„Die Dunkelheit ist sprichwörtlich und wild. Sie türmt sich in den Wolken, die über dem Tal liegen, und streckt sich weit bis an die Zipfel des Himmels."
Was für ein schöner Einstieg in den Roman! Mit poetischer, zum Teil leicht verspielter Sprache beschreibt Hannah Häfner das Leben von drei Frauengenerationen im Schwarzwald. Es geht um Außenseitertum, Angenommensein in der Familie, Heimat suchen und finden, weibliche Selbstbestimmung. Besonders beeindruckend fand ich die Schilderung und Beschreibungen der Natur. Aber auch die drei Figuren Liese, Cora und Eva wachsen einem zunehmend ans Herz, so unterschiedlich sie auch sind. Es gibt Sätze, an denen bleibt man hängen, die berühren etwas in einem, sodass man sie manchmal dreimal lesen möchte:
„In Wittenmoos ändern sich selten Dinge, darum geht es ja gerade. Das große Sichdrehen braucht eine Achse. (...) Ein Ort, an dem man hingehört, auch wenn man ihn sich nicht ausgesucht hat. Geh, und alles hinter dir zerfällt, bleib, und du musst bleiben, wer du bist, weil es sonst nicht funktioniert. Was ist Heimat, wenn nicht eine Zuflucht vor einer Angst, die du ohne sie nicht hättest?" (S. 102)
„Alles, was für immer sein soll, (...) nimmt einem die Luft. Lass es für heute sein, für ein Jahr vielleicht. Ein Jahr kannst du tragen. Ein Jahr darf schrecklich sein, und mies. Das macht noch kein mieses Leben." (S. 287)
Alle drei Frauen verlassen, wenn manchmal auch nur sehr kurz, ihr Dorf. Gerade was sie dort erleben, verändert noch mal in unterschiedlicher Weise die Perspektive auf ihre Heimat im Schwarzwald:
„In Wittenmoos hat sie nie über die Dinge nachdenken müssen. Ihre Freunde waren einfach da – und einfach ihre Freunde, da gab es nichts zu denken und nichts zu fürchten, auch nicht die Einsamkeit, nicht einmal ihre Schatten." (S. 270)
Es ist ein Roman, der sich trotz seiner poetischen Sprache ausgesprochen flüssig liest und sehr zugänglich ist, bei dem viele Bilder im Kopf entstehen und der einen immer wieder berührt und zum Nachdenken bringt. Ich bin aufgrund des Einstiegs mit hohen Erwartungen in das Buch gegangen. Zwischendrin flachte für mich die Spannungskurve etwas ab. Dennoch habe ich das Lesen des Romans aufgrund seiner wunderbaren Sprache wirklich genossen bzw. mich immer auf den Moment im Alltag gefreut, wenn ich „Die Riesinnen" als Leserin weiter begleiten konnte.

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Veröffentlicht am 21.12.2025

Verspielte, naturnahe Dekoideen

Meine zauberhafte Dekowelt
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Das Dekobuch von Michaela Waldl hatte ich eher aus reiner Neugierde als aus einem akuten Dekobedarf heraus durchgestöbert. Die Fotos sind ansprechend und einladend. Die Dekotipps sind natürlich gehalten ...

Das Dekobuch von Michaela Waldl hatte ich eher aus reiner Neugierde als aus einem akuten Dekobedarf heraus durchgestöbert. Die Fotos sind ansprechend und einladend. Die Dekotipps sind natürlich gehalten – viele Naturmaterialien wie Zweige, Moos, Blätter – zum Teil verspielt und ein bisschen märchenhaft. Meine Kinder hätten auf jeden Fall ihre Freude an den Sachen.
Mein Eindruck ist zudem, dass die Sachen gut umsetzbar sind, wenn man nicht völlig zwei linke Hände hat. Ich persönlich mag es etwas klarer, skandinavischer, moderner. Daher entsprechen die Vorschläge nicht ganz meinem eigenen Geschmack.
Viele der Ideen wird man auch auf Instagram nachlesen können. Trotzdem macht es Freude, das Buch durchzublättern und sich von der Freude der Autorin anstecken zu lassen. Meine Mutter, die es eher gemütlich und etwas rustikaler mag, hätte hier sicherlich einige Anregungen gefunden. Ein liebevoll gestaltetes Buch für alle, die naturnahe, verspielte Deko lieben – für Fans klarer, skandinavischer Ästhetik eher nicht geeignet.

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Veröffentlicht am 21.12.2025

Sanfte Einschlafhilfe mit spirituellem Ansatz

Einschlafrituale für dein Kind
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Schlaf – ein immer wiederkehrendes Thema unter Eltern. Das schmale Büchlein möchte dabei helfen, das Einschlafen zu erleichtern. Nicht bei den Eltern, die oft im Stehen einschlafen könnten, sondern für ...

Schlaf – ein immer wiederkehrendes Thema unter Eltern. Das schmale Büchlein möchte dabei helfen, das Einschlafen zu erleichtern. Nicht bei den Eltern, die oft im Stehen einschlafen könnten, sondern für die Kleinen, die zum Teil erst abends so richtig munter werden...
Nach einigen einleitenden Worten zum Aufbau und zur Funktion des Schlafrhythmus ist das Büchlein in die jeweiligen Altersgruppen unterteilt (Baby, Kleinkind, Grundschulalter,...). Dabei greift die Autorin meines Erachtens sehr gut die Besonderheiten der jeweiligen Altersgruppe auf und betont die Notwendigkeit ausgeglichener Eltern, was das Einschlafen für die Kinder deutlich erleichtert. Ganz hübsch fand ich die beschriebene Meditation für die Eltern. Inwieweit es allerdings Eltern abends im allgemeinen Trubel noch gelingt, eine Meditation durchzuführen, wage ich als Mutter von drei Kindern etwas zu bezweifeln. Trotzdem fand ich die Idee bemerkenswert, Einschlafprobleme nicht allein beim Kind zu verorten, sondern auch als Elternteil die eigene innere Verfassung zu reflektieren.
Es gibt immer wieder praktische Tipps (z.B. Monsterspray mit Lavendelduft), und überhaupt ist das Büchlein Kindern gegenüber ausgesprochen wohlwollend, warm und behütend geschrieben. Für mich sind die ganz großen Aha-Momente beim Lesen allerdings ausgeblieben. Persönlich schwierig fand ich die zum Teil spirituell-esoterischen Verknüpfungen (Stichwort Rudolf Steiner). Zudem spürt man beim Lesen eine ganz klare Haltung der Autorin, z.B. gegenüber Stillen, Familienbett etc. Hier hätte ich mir eine etwas offenere Haltung gegenüber verschiedenen familiären Lebenssituationen gewünscht.
Zusammenfassend war es für mich ein nettes Büchlein, von dem ich für uns allerdings in der Praxis wenig umsetzen kann. Eltern, deren Kinder unter ernsthaften Einschlafschwierigkeiten leiden, könnten eventuell sogar deprimiert sein, da alles so einfach dargestellt wird und unrealistische Erwartungen erzeugt werden. Der Druck, es „richtig" zu machen, erhöht sich dadurch nur noch mehr. Eltern, die gegenüber Spiritualität und den Lehren Rudolf Steiners offen sind, finden hier in jedem Fall ein warmes und Geborgenheit vermittelndes Buch.

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Ein eindringlicher Blick in die Abgründe der Bipolarität

Haus zur Sonne
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Bei dem Buch „Haus zur Sonne" von Thomas Melle hat mich die Frage interessiert: Was wäre wenn? Was passiert, wenn ein Mensch, dessen Leben bedingt durch die intensiven Wechsel zwischen tiefsten Depressionen ...

Bei dem Buch „Haus zur Sonne" von Thomas Melle hat mich die Frage interessiert: Was wäre wenn? Was passiert, wenn ein Mensch, dessen Leben bedingt durch die intensiven Wechsel zwischen tiefsten Depressionen und überbordender Manie in Scherben liegt, in eine Art Kur kommt – eine Kur, in der er sich alles wünschen kann, unter der einzigen Bedingung, dass er zum Ende sterben wird? Wie verändert sich die Einstellung? Was macht das mit einem Menschen?
Der Autor Thomas Melle spricht aus eigener Erfahrung. Der Text ist eindringlich und intensiv. Zum Teil ist es schmerzhaft zu lesen, mit welcher Realität psychisch Erkrankte zu kämpfen haben:
„Verarschung, Verarschung, Verarschung, so sortierte ich einen nach dem anderen aus: Rechtsanwälte, die einem angeblich beim Bürgergeld helfen wollten, Weiterbildungsstätten, die nur die Zuschüsse absahnen würden, Köder nach Köder für die Verzweifelten" (S. 45)
Man blickt tief in die Seele eines Menschen mit einer bipolaren Störung:
„Es gibt tatsächlich auch in einer schweren Depression Abstufungen. Manchmal lastet alles auf und vor allem in einem, man kann nur da sitzen und die Hände vors Gesicht schlagen, und nicht einmal die Frage nach dem Warum kommt auf. Es ist einfach nichts mehr da, nur Grauen. Dann gibt es leichtere Tage, die aber gleichwohl noch tiefer ins Gemüt schneiden können, da der Geist etwas heller erkennt, was gerade mit ihm passiert: der Dauerangriff auf sich selbst, und das Sekunde für Sekunde." (S. 76)
Immer wieder blitzt eine Spur von Humor und Situationskomik durch. Vom Stil her habe ich den Roman gerne gelesen. Das hilft aber leider alles nichts, wenn man sich letztendlich durch den Roman durchkämpfen muss.
Schwierig für mich war, wie viel das Gedankenkreisen um die eigene Situation und das innere Erleben Raum eingenommen hat – und dabei durchaus redundant ist. Naturgemäß kommt da bei der Thematik einer bipolaren Störung wenig Freude auf. Die Beziehungen nach außen bleiben oberflächlich und leblos. Obwohl es hervorragend geschrieben ist, blieb der Roman letztendlich ein zähes Lesevergnügen.

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Glimmer statt Trigger – Ein erfrischend positiver Blick

Glimmer
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Den Begriff „Trigger" kennt man – er ist beinahe schon inflationär in aller Munde. Von „Glimmer" hatte ich hingegen bisher nichts gehört. Genau damit beschäftigt sich Bernhard Tewes in seinem Buch über ...

Den Begriff „Trigger" kennt man – er ist beinahe schon inflationär in aller Munde. Von „Glimmer" hatte ich hingegen bisher nichts gehört. Genau damit beschäftigt sich Bernhard Tewes in seinem Buch über die neue Psychologie der positiven Trigger.
Das Cover ist mintgrün, lebendig und einladend, ohne überladen zu wirken. Nach einer kurzen Einleitung, in der der Autor beschreibt, wie er zu seinem Beruf als Hypnotherapeut gefunden hat, gliedert sich das Buch in drei wesentliche Teile: Der erste Teil widmet sich dem Selbst (z.B. „Wann warst du das letzte Mal im Einklang mit dir selbst?"), gefolgt von Beziehungen und Interaktionen, und schließt mit Momenten der Präsenz im Alltag ab – etwa im Rahmen von Musik oder Tanz.
Was ich wirklich toll fand, ist wie lebendig der Autor die Beispiele einfügt und damit die Inhalte sehr praktisch erfahrbar und auf das eigene Leben übertragbar macht. Viele Formulierungen konnte ich für mich übernehmen. Spannend fand ich zu lesen, wie Trigger bzw. Glimmer das Nervensystem beeinflussen, aber auch die Unterscheidung zwischen sogenannten „Fake-Glimmern" (extrinsische Glücksgefühle) gegenüber echten Glimmern.
Immer wieder gibt es zwischendrin kleine Aufgaben und Übungen. Ich habe es eher als Denkanstoß empfunden, ohne mich übermäßig unter Druck gesetzt zu fühlen. Viele Absätze habe ich mir markiert – spannend waren z.B. der Wert von Ritualen im Alltag oder der Begriff der „Low-Stake-Kreativität". Insgesamt geht von dem Buch etwas sehr Positives aus, und ich habe es wirklich gerne gelesen, obwohl Sachbücher normalerweise nicht zu meinen Favoriten zählen.
Was mich etwas gestört hat, war die wiederholte Werbung für seine eigene App bzw. seine Hypnotherapiepraxis. Interessierte Leser hätten diese Informationen vermutlich mit geringem Aufwand im Internet selbst herausgefunden. Mich hat es vom eigentlichen Inhalt eher abgelenkt und irritiert – ich hätte die Informationen nicht gebraucht.
Für mich war es dennoch eine Bereicherung – ich habe viel mitnehmen können und es mit beschwingtem Herzen am Ende zugeklappt.

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