Wunderbare Sprachbilder
Wild wuchernMarie flieht aus zu Beginn noch unbekannten Gründen aus Wien in die Berge auf die Alm zu ihrer Cousine Johanna. Atemlos, gehetzt erzählt die Protagonistin von ihrer Flucht. In kurzen Sätzen, etwas grob ...
Marie flieht aus zu Beginn noch unbekannten Gründen aus Wien in die Berge auf die Alm zu ihrer Cousine Johanna. Atemlos, gehetzt erzählt die Protagonistin von ihrer Flucht. In kurzen Sätzen, etwas grob wirkt anfänglich die Sprache, und dennoch war ich sofort mit allen Sinnen in der Geschichte, habe mit Spannung die weitere Dynamik verfolgt. Es gibt keine Unterteilung in Kapitel, was aber sehr gut zum Fluss der Geschichte passt. Ich mochte die Sprachbilder sehr, z.B. "Wenn einen die Angst mal hat, dann hängt sie dran an einem, als wäre man ins Spinnennetz gerannt. Spinne noch im Nacken, Fäden im Haar"(S.8). Die Dialoge zwischen den beiden Frauen sind sehr reduziert, keine Rührseligkeit, mehr Skepsis und Herantasten. Die Bilder der Berghütte und der umgebenden Berglandschaft entstehen sehr kontrastreich im Kopf. Gleichzeitig ist der Text weit weg von jeglichem Kitsch, wirkt eher rauh. Immer wieder stolper ich beim Lesen, z.B. "...versteckt sich in der kargen Einöde. Und nach ein paar Tagen geht die geprügelte Frau dann wieder zurück nach Haus und lässt sich weiterprügeln. So machen das doch alle." Achja? Psychologisch sehr fein zeigt Katharina Köller neben dem Leben auf der Alm und der Annäherung zwischen den beiden unterschiedlichen Frauen insbesondere Maries kindliche Suche nach Anerkennung in einem Milieu, was von Narzissmus, Abwertung und fehlender Feinfühligkeit geprägt ist. Ihr naiver Glaube, dass wenn sie sich nur genug anpasst und anstrengt, irgendwann wie die Goldmarie belohnt wird. Spannend aber auch wie ihr die Veränderung gelingt ausgelöst durch eine existentielle Not - plötzlich traut sie sich lästig zu sein, hört auf gefallen zu wollen, zeigt einen bisher ungeahnten Willen. Katharina Köller schafft es die Dynamik konstant zu halten und sogar nochmal zu steigern und gerade einige Szenen aus dem letzten Drittel sind mir sehr in Erinnerung geblieben bzw. haben mich berührt. Ein wunderbares Buch, was ich ganz erfüllt und zufrieden beendet habe und das ich von Herzen weiterempfehle.