"Der Schlaf der Anderen" von Tamar Noort erzählt die Geschichten zweier Frauen, die beide Schlafprobleme haben. Sina möchte sich im Schlaflabor untersuchen lassen, wo Janis die Nachtwache übernimmt, doch ...
"Der Schlaf der Anderen" von Tamar Noort erzählt die Geschichten zweier Frauen, die beide Schlafprobleme haben. Sina möchte sich im Schlaflabor untersuchen lassen, wo Janis die Nachtwache übernimmt, doch Sina kann nicht einschlafen und so verbringen die beiden Frauen die Nacht gemeinsam und es entwickelt sich eine Beziehung der besonderen Art.
Anfangs hat der Roman noch sehr interessant gewirkt, Janis und Sina wie zwei sympathische Frauen, die manchmal Fehler machen, impulsiv handeln und nicht zufrieden sind mit ihrer derzeitigen Situation. Auch die behandelten Themen, wie Frauenfreundschaften, Familienleben, Leistungsgesellschaft und Schlaflosigkeit waren gut behandelt, doch wenige Tage nach beenden des Romans fällt auf: Es ist nicht wirklich etwas hängen geblieben. Ich kann mich zwar noch an die eine oder andere Szene erinnern, aber wirkliche ein bleibender Eindruck oder gar eine Botschaft ist nicht geblieben.
Wie schon bei seinem ersten Roman, merkt man auch bei "Der Kaiser der Freude", dass Ocean Voung eine wunderbare Art zu Erzählen hat. Dieses Mal geht es um den queeren Hai mit vietnamesischen Wurzeln, der ...
Wie schon bei seinem ersten Roman, merkt man auch bei "Der Kaiser der Freude", dass Ocean Voung eine wunderbare Art zu Erzählen hat. Dieses Mal geht es um den queeren Hai mit vietnamesischen Wurzeln, der von Grazina, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Litauen nach Amerika gekommen ist, vom Brückengeländer "gepflückt" wird und mit ihr nach Hause geht, wo er sich um sie kümmert. Durch die Pflege der alten Frau, die beinhaltet, dass sie ihre Medikamente gegen die Demenz nicht, aber auch dass er ihr vorspielt, ihr Mann oder "Sergeant Pepper" zu sein, und einem neuen Job in einem Fast-Food-Lokal lernt Hai wieder zu leben und findet eine Gemeinschaft.
Besonders beindruckend ist, wie ruhig Voung von alldem erzählt. Trotz schwierigen Themen wie Demenz, Drogenkonsum, Krebserkrankungen und vielen mehr, wirkt der Roman nie reißerisch oder unnötig brutal erzählt. Voung findet eine Sprache, bei der der Roman eigentlich ziemlich leicht und angenehm daher kommt, bei der das Miteinander, die Wärme im Vordergrund steht. Der Roman wirkt wie ein Lächeln mit Tränen in den Augen.
Der Sachcomic "Gaming - Eine Pixelzeitreise" präsentiert die Geschichte der Videospiele. Der Autor, Jean Zeid, der Videospiele studiert hat und diverse Ausstellungen zum Thema kuratiert, und die Zeichnerin, ...
Der Sachcomic "Gaming - Eine Pixelzeitreise" präsentiert die Geschichte der Videospiele. Der Autor, Jean Zeid, der Videospiele studiert hat und diverse Ausstellungen zum Thema kuratiert, und die Zeichnerin, Émilie Rouge, eine leidenschaftliche Gamerin, begeben sich auf eine Zeitreise durch die wichtigsten Stationen in der Entwicklung der beliebten Games und müssen dabei auch die eine oder andere Prüfung bestehen, um wieder nach Hause zu kommen.
Von der Geschichte habe ich mir von Anfang an nicht viel erwartet, soll es doch erstrangig um die Wissensvermittlung gehen und dementsprechend war sie auch nicht wirklich besonders. Man sollte auch nicht zu viel darüber nachdenken, denn dann fallen einem die großen Probleme, wie Plotholes oder das Pacing auf, oder das die Aufgaben teilweise komplett irrelevant oder unklar sind. Es war aber schön, dass die Handlung da war, denn das hat den Comic etwas aufgelockert. Der Fokus ging weg von reinem Aufzählen von Fakten und das Buch ließ sich einfacher und schneller lesen.
Interessant war der Aufbau und die Auswahl der präsentierten Fakten. Dadurch, dass die Kapitel zuerst in die verschiedenen Technologien aufgeteilt sind (ein Kapitel über Spielautomaten, eines über Videokonsolen, eines über PCs) wirkt der Aufbau stellenweise chaotisch, weil sehr viel in der Zeit gesprungen wird. Auch innerhalb der Kapitel finden teilweise nicht nachvollziehbare Zeitsprünge statt, sodass ich manchmal geglaubt habe, dass im druck Seiten verwechselt wurden. Da wurde sich manchmal schon auf eine Entwicklung bezogen, die erst ein zwei Seiten später überhaupt erklärt wurde.
Auch die Auswahl ist manchmal durchaus fragwürdig. Es ist durchaus lobenswert, dass der Autor auch auf unbekannte Entwickler:innen und Spiele aufmerksam machen möchte, jedoch gibt es ein falsches Bild, wenn nur das passiert. In manchen Kapiteln, erwähnt er zuerst, dass es kaum Frauen in der Entwicklungsgeschichte gab und stellt im weiteren Verlauf fast nur Frauen vor. Da denke ich mir dann eben auch: Wenn es so wenige gab, wieso sind sie hier dann so omnipräsent? Auch wird ein gewisses Grundwissen über die großen Namen und Titel vorausgesetzt, so werden sie zwar kurz erwähnt, aber teilweise nicht beschrieben.
Der Comic hat bestimmt seine Schwächen, trotzdem gibt er einen guten Überblick, über die Entwicklung der Videospielindustrie und zeigt auch unbekannte Gesichter und Spiele und inspiriert so, auch neue Spiele auszuprobieren.
Lai Wens Roman "Himmlischer Frieden" nimmt die Leser:innen mit nach Peking, wo Lei als Tochter einer Arbeiterfamilie aufwächst. Die Großmutter hat sich schon in jungen Jahren gegen das Füße-abbinden gewehrt ...
Lai Wens Roman "Himmlischer Frieden" nimmt die Leser:innen mit nach Peking, wo Lei als Tochter einer Arbeiterfamilie aufwächst. Die Großmutter hat sich schon in jungen Jahren gegen das Füße-abbinden gewehrt und macht jetzt Schuhe für eben solche Frauen, der Vater ist Künstler, der unter der Kulturrevolution Maos zerbrochen ist und sich selbst verloren hat. Lei ist ein sehr kluges junges Mädchen, das sich der Vorgänge in ihrem Land durchaus bewusst ist und sie reflektiert regelmäßig darüber, welche Ziele die Regierung verfolgt und was von ihr als "gute Chinesin" verlangt wird. So ist ihre erste Überlegung, als sie einen Aufsatz über einen ihrer Helden schreiben soll, was denn der Lehrer hören möchte, Ob Mao die perfekte Antwort ist oder ob es doch zu einfach wäre. "Himmlischer Frieden" kommt vielleicht nicht mit viel Schockmomenten oder übertrieben genauen Darstellungen von Grausamkeiten daher, dafür ist es aber umso eindrucksvoller, denn es zeigt, wie ein solches Regime wie in China jedes Leben durchdringt. Durch die intelligente Protagonistin, die nicht einfach alles hinnimmt, die einen Freund hat, der ihr hier auch andere Ansichten aufzeigt, bekommen die Leser:innen einen Anstoß, auch kritisch zu hinterfragen, ohne dass ihnen eine Meinung aufs Auge gedrückt wird. Auch der Vater, dem die Kulturrevolution hart zugesetzt hat, ist sehr gut dargestellt, auch wenn es dadurch ist, dass er nahezu abwesend ist im Roman - obwohl er eigentlich physisch durchaus in vielen Szenen da ist. Wens Roman gibt einen guten Einblick in ein Land, das vielen vermutlich zwar namentlich bekannt ist, über das man sich aber nie allzu viel Gedanken gemacht hat. Die Autorin zeigt gut, wie ein Regime vor allem auch in den Köpfen der Menschen wirkt und schafft eine Protagonistin, die klug und sympathisch ist.
Christoph Kramer, Fußballprofi, hat sich entschieden, einen Roman zu schreiben und rausgekommen ist "Das Leben fing im Sommer an". Angekündigt wurde es als der nächste große Jugendroman. Ein Buch, dass ...
Christoph Kramer, Fußballprofi, hat sich entschieden, einen Roman zu schreiben und rausgekommen ist "Das Leben fing im Sommer an". Angekündigt wurde es als der nächste große Jugendroman. Ein Buch, dass die jungen Leute vielleicht wieder zum Lesen bringt. Mich hat es leider nicht überzeugt. Kramer schreibt (anscheinend) aus dem eigenen Leben, zumindest ähneln sich seine Biographie und die des Protagonisten sehr stark. Was da auf der Strecke bleibt, ist der Fußball - im Roman geht es um Liebe und Sommergefühle, um Kinobesuche, Freibäder und Partys. Dass der Junge Fußballprofi werden möchte, wird am Anfang kurz erwähnt und am Ende erzählt er uns, dass er es geschafft hat.
Ob das Buch die heutige Jugend überzeugen kann, bin ich mir auch nicht ganz sicher. Kramer erzählt aus seiner Jugend - den 90ern und das ist doch eine ganz andere Zeit als jetzt. Dementsprechend werden sich die Jugendlichen nicht wirklich einfühlen können - "Was? Der hat kein Smartphone?" - und viele Anspielungen auf die damalige Popkultur werden nicht verstanden werden.
Für mich war es ein Roman, den man nicht unbedingt gelesen haben muss. Für seichte Sommerlektüre über Jugendliebe ist er nicht schlecht, aber das ist eben nicht meins.