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Veröffentlicht am 16.05.2025

Reiseführer für Literaturnerds

Schauplätze der Weltliteratur
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Das Sachbuch "Schauplätze der Weltliteratur" stellt den Leser:innen die wichtigsten Orte großer Romane vor. Dabei unterscheidet es nach der Erscheinungszeit der Geschichten und teilt sie in mehrere große ...

Das Sachbuch "Schauplätze der Weltliteratur" stellt den Leser:innen die wichtigsten Orte großer Romane vor. Dabei unterscheidet es nach der Erscheinungszeit der Geschichten und teilt sie in mehrere große Gruppen. Man merkt, dass der Fokus auf doch eher modernen Romanen liegt (18.-21.Jahrhundert), vielleicht auch, weil diese Orte eher noch in zumindest ähnlicher Form bestehen, als die Städte aus griechischen Tragödien.
Für jeden Ort, beziehungsweise jedes Buch, gibt es im Durchschnitt zwei Doppelseiten, die auch Bilder und die Basisinformationen beinhalten. Wie sehr sich die Texte auf die realen Orte beziehen oder bei der Handlung des Buches bleiben. Manchmal, wie zum Beispiel bei "Die Elenden" von Victor Hugo, geht der Autor darauf ein, wie sich das heutige Paris von Hugos Paris unterscheidet und wo der Autor bewusste Veränderungen gemacht hat. Bei anderen Romanen, wie zum Beispiel "Der große Gatsby", bleibt der Text näher an der Buchhandlung, analysiert mehr die Bedeutung von Ortswechsel im Roman und wird schon beinahe literaturwissenschaftlich.
Was auf jeden Fall gut wäre, bevor man in diesem Buch den Eintrag zu einem literarischen Werk liest, ist es, das Buch zu kennen, über das geschrieben wird. Vielleicht entdeckt man dadurch Orte, die man in seinem nächsten Urlaub besuchen möchte. Man kann es aber auch als Vorschläge sehen, wenn man Romane sucht, die an bestimmten Orten spielen. Wenn man eine literarische Weltreise absolvieren möchte, könnte dieses Sachbuch helfen, auch wenn man dann leider überwiegend Stopps in Europa macht.

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Veröffentlicht am 25.04.2025

Ein Mädchen und ein Bär

Pearly Everlasting
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Der Roman "Pearly Everlasting" von Tammy Armstrong erzählt die Geschichte einer ganz besonderen Freundschaft und zwar die eines Mädchens mit einem Bären. Das Mädchen, Pearly, würde jedoch den Bären Bruno ...

Der Roman "Pearly Everlasting" von Tammy Armstrong erzählt die Geschichte einer ganz besonderen Freundschaft und zwar die eines Mädchens mit einem Bären. Das Mädchen, Pearly, würde jedoch den Bären Bruno nicht als einfachen Freund bezeichnen, für sie ist er ihr Bruder. Ihre Mutter hat die beiden großgezogen und der Bär lebte mit der Familie. Jedoch starb irgendwann die Mutter und in dem kleinen kanadischen Dorf geschah ein schrecklicher Todesfall, für den die Bewohner Bruno als Schuldigen sahen. Als Bruno auch noch weggesperrt und in eine größere Stadt gebracht wird, begibt sich Pearly auf eine gefährliche Rettungsaktion.
Der Plot klang wirklich interessant, nur hat mich vor allem der Anfang nicht wirklich abgeholt, sodass ich beinahe abgebrochen habe. Interessant wurde es für mich dann leider erst ab der Hälfte, was immer etwas spät für ein Buch ist meiner Meinung nach. Pearly war zwar nett und sympathisch und das Buch liefert eine wichtige Message, wie mit denen umgegangen wird, die anders sind und wie leicht es dann ist, sie zu Außenseitern und "den Bösen" zu machen, aber ich musste mich zu oft zwingen, weiterzulesen, als das ich es als wirklich gut bezeichnen könnte.

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Veröffentlicht am 28.03.2025

Sci-Fi über anthropozentrisches Weltbild

Lyneham
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Im Roman "Lyneham" von Nils Westerboer geht es darum, dass die Menschen, nachdem sie die Erde nun komplett zerstört haben, auf einen weit entfernten Planeten auswandern - kommt einem wohl bekannt vor. ...

Im Roman "Lyneham" von Nils Westerboer geht es darum, dass die Menschen, nachdem sie die Erde nun komplett zerstört haben, auf einen weit entfernten Planeten auswandern - kommt einem wohl bekannt vor. Dort werden sie vor verschiedene Probleme gestellt, wie unsichtbare Wesen, die bereits dort leben und eine Atmosphäre, die sehr sauerstoffarm ist und somit für Menschen nicht lebensfähig. Die Forscher:innengruppe, die zuerst dort ankommt, versucht alles, um den Planeten habitabel zu machen, doch nicht alle sind über die Vorgehensweisen, die die Eindringline einsetzen, glücklich.
Die Leser:innen verfolgen zwei Erzählstränge. Auf der einen Seite gibt es Henry Meadows, der gerade mit seinem Vater und seinen Geschwistern auf dem neuen Planeten angekommen ist, auf dem bereits die neue Gesellschaft gegründet wurde. Die Familie versucht sich an die neuen Gegenheiten zu gewöhnen und sich in die Gesellschaft einzugliedern.
Die ethisch interessantere, wenn auch komplexere, Perspektive, da viele viele Fachbegriffe und eine stark wissenschaftliche Sprache verwenden werden, ist die von Henrys Mutter, Mildred Meadows. Sie ist bereits früher angekommen und war Teil der "Pioniere", die den Planeten auf die Ankunft der Menschen vorbereiten sollte. Mildred ist unglücklich über die invasive Vorgehensweise, mit der sich die Gruppe den Planeten zu eigen machen möchte. Sie versteht ihre Rolle als "Einwandernde" und möchte lieber versuchen eine Symbiose mit der neuen Welt anzustreben, anstatt auch diese zu zerstören.
Beide Perspektiven sind durchaus interessant. Die Kapitel aus Henrys Sicht sind wesentlich einfacher zu lesen und bieten somit eine gute Abwechslung zu den stark wissenschaftlichen Kapiteln. Durch diesen Fokus wirkt Mildred auch unnahbar, man baut kaum Sympathien für sie auf. Dafür ist es bei Henry umso einfacher. Bei ihm stehen die Gefühle, die neuen Eindrücke und seine Ängste und Unsicherheiten im Vordergrund. Man kann gut mit ihm mitfühlen und so eine Verbindung zu ihm aufbauen.
Am Ende bleibt vor allem der Gedanke, wie wir mit unserer Welt umgehen und unter welchen Umständen ein Auswandern auf einen neuen Planeten passieren sollte. Westerboer stellt klar, dass das anthropozentrische Weltbild, bei dem sich derzeit die Menschheit als absoluten Mittelpunkt sieht, in diesem Fall überdacht werden muss und wir uns nicht einfach neue Planeten unter den Nagel reißen können, weil wir unsere Welt zerstört haben.

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Veröffentlicht am 24.03.2025

Gelungene Urban Fantasy mit leichten Pacingproblemen

Nachtlügen
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Der Urban-Fantasy-Roman "Nachtlügen" von Lisanne Surborg ist eine spannende, aber auch recht angenehme Lektüre für den Abend.
Die Protagonistin Isra ist eine Albin, sie schleicht sich in die Träume schlafender ...

Der Urban-Fantasy-Roman "Nachtlügen" von Lisanne Surborg ist eine spannende, aber auch recht angenehme Lektüre für den Abend.
Die Protagonistin Isra ist eine Albin, sie schleicht sich in die Träume schlafender Menschen, verwandelt diese in Albträume und erntet anschließend den schönen Traum. Das muss sie tun, um zu überleben, denn Albe können nicht selbstständig träumen. Durch den luziden Träumer Marek wird ihr jedoch klar, dass sie vielleicht nicht so viel Kontrolle über ihre Albträume hat, wie sie haben sollte.
In sehr kurzen Kapiteln erzählt die Autorin von der jungen Isra, die anfangs nicht gerade sympathisch oder menschenfreundlich scheint, mit der Zeit aber "auftaut". Zwischen den Kapiteln finden sich immer wieder kurze Schnipsel aus unserer Kultur, die mit Schlaf und Albträumen zu tun haben oder Ausschnitte aus Regelwerken, Podcasts oder Newslettern für Albe. Zu Beginn des Romans ist schon sehr viel passiert, das müssen die Leser:innen aus Gesprächen, Erinnerungen und Rückblenden zusammenpuzzeln zu einer logischen Handlung, die uns die Geschehnisse im Roman erklären. die Geschehnisse, die im Roman zeitlich teils falsch platziert wirken. Da passieren für Isra schreckliche Dinge, die große Konsequenzen haben könnten, doch die werden mal für hundert Seiten zur Seite geschoben, damit scheinbar das Leben für Isra normal weitergehen kann. Das führt dann dazu, dass sich die Ereignisse am Ende überschlagen und das Finale übereilt scheint. Ich hätte mir hier eine bessere Aufteilung gewünscht.
Trotzdem ist "Nachtlügen" ein gelungener Urban-Fantasy-Roman, der ein interessantes Konzept bietet und auch für Fantasy-Neulinge einen guten Einstieg ermöglicht.

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Sanfter Roman über Veränderung

Die Magnolienkatzen
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Der Roman "Die Magnolienkatzen" von Noriko Morishita erzählt die berührende Geschichte von Noriko, einer in die Jahre gekommenen Schriftstellerin, die im Leben feststeckt. Sie lebt mit ihrer Großmutter ...

Der Roman "Die Magnolienkatzen" von Noriko Morishita erzählt die berührende Geschichte von Noriko, einer in die Jahre gekommenen Schriftstellerin, die im Leben feststeckt. Sie lebt mit ihrer Großmutter und ihrer Mutter in einem Haus, bekommt kaum Aufträge und kann sich für die wenigen, die sie bekommt nicht motivieren. Doch plötzlich taucht vor ihrer Tür eine Katzenmama auf, die fünf kleine Kätzchen gebärt. Die geschworenen Hundemenschen der Familie, wollen die Katzen ins Tierheim bringen, dort ist jedoch kein Platz, als nehmen sie diese widerwillig auf.
Mimi, wie sie die Katzenmama nennen, und ihre Kinder werden zum Mittelpunkt des Lebens Norikos und ihrer Mutter und mit der Zeit verändern sie deren Leben und ihre Einstellung zu Katzen.
"Die Magnolienkatzen" ist ein Roman, der so sanft daherkommt, wie die Pfoten der Kätzchen, um die es geht. Erzählt wird das ganze erste Jahr mit den Katzen, wie sie sich verändern, welche Probleme es gibt, was sie alles für sie tun und wie sie dann auch neue Familien finden. Dabei verlässt diese Handlung nie die vier Wände des Hauses, alles was außerhalb passiert, wird in Gesprächen erzählt - es zeigt : Mittelpunkt sind eigentlich die Katzen, nicht Noriko. Einfühlsam und ohne großes Aufregen erzählt der Roman, wie sich Noriko und ihre Mutter verändern, einander annähern, eine neue Aufgabe finden und wieder Halt im Leben finden.

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