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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.08.2022

Unter den Erwartungen geblieben

Intimitäten
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Der Klappentext von Intimitäten hat viel versprochen, leider hat der Roman das nicht gehalten. Ich habe mir, neben der Liebesgeschichte, die ich nicht unbedingt benötigt hätte, mehr von der moralischen ...

Der Klappentext von Intimitäten hat viel versprochen, leider hat der Roman das nicht gehalten. Ich habe mir, neben der Liebesgeschichte, die ich nicht unbedingt benötigt hätte, mehr von der moralischen Zwickmühle erwartet, die der Job als Übersetzerin im Gerichtshof der Vereinten Nationen mitbringt. Da ich kein großer Fan von Liebesgeschichten bin, hatte ich gehofft, dass sich die Themen zumindest 50/50 aufteilen, über das Buch. Leider gab es ziemlich viel von der Affäre, ein bisschen Prozess gegen den menschenrechtsverachtenden Kriegsführer (ist ja nicht so interessant) und sehr viele andere Themen... Es wirkt so, als hätte sich die Autorin einfach zu viel vorgenommen. Sie wollte auf zu wenigen Seiten zu viele Themen ansprechen und hat so den Überblick für die Geschichte verloren. So ist auch die Entscheidung der Protagonistin am Ende des Romans nicht unbedingt nachvollziehbar.
Auch sprachlich ist der Roman keine Besonderheit und reiht sich zwischen die anderen Bücher ein, um möglicherweise schon bald vergessen zu werden.

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Veröffentlicht am 10.08.2022

Wunderschöne Atmosphäre

Findelmädchen
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In dem Roman Findelmädchen dreht sich alles um die jugedliche Helga, die als Kind in der Nachkriegszeit ohne Eltern in Köln leben musste, bis ein französisches Ehepaar sie und ihren Bruder aufgenommen ...

In dem Roman Findelmädchen dreht sich alles um die jugedliche Helga, die als Kind in der Nachkriegszeit ohne Eltern in Köln leben musste, bis ein französisches Ehepaar sie und ihren Bruder aufgenommen haben. Doch im Winter 1954 meldet sich plötzlich ihr Vater aus Köln.
Wie auch schon in ihrem ersten Roman Trümmermädchen schafft es Lilly Bernstein wunderbar die Atmosphäre einzufangen, wie es war in den 50er Jahren in Westdeutschland zu leben. Sie schreibt von fortsetzenden Anfeindungen gegenüber Bevölkerungsgruppen, die schon im 2. Weltkrieg verfolgt wurden, von Kindern, die in Waisenhäusern misshandelt werden, vom aufkommenden Rassismus und von einer mutigen, jungen Frau, die sich in dieser Zeit traut ihre Stimme zu erheben.
Bernstein schafft es ihren Leser*innen das Gefühl zu geben, als würden sie selbst in dieser Zeit des beginnenden Umbruchs zu leben. Sie verwebt eine einzigartige Geschichte mit historischem Wissen und nebenbei werden auch wichtige Ereignisse behandelt, ohne auch nur einmal belehrend von oben herab zu erzählen. Gelungen ist auch die Verbindung zum ersten Roman Trümmermädchen, die schöne Erinnerungen weckt, bei denen, die den Roman gelesen haben, wobei es nicht notwendig ist, diesen zu kennen.
Auch wenn es, dem Genre verschuldet, stellenweise etwas kitschig ist, ist es doch ein sehr gelungener Roman!

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Veröffentlicht am 18.07.2022

Anstrengender, aber liebenswerter Protagonist

Samson und Nadjeschda
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Andrej Kurkow präsentiert wieder einmal ein interessantes Kapitel der ukrainischen Geschichte. Nach "Graue Bienen" war ich schon sehr auf "Samson und Nadjeschda" gespannt, der neue Roman Kurkows, bei dem ...

Andrej Kurkow präsentiert wieder einmal ein interessantes Kapitel der ukrainischen Geschichte. Nach "Graue Bienen" war ich schon sehr auf "Samson und Nadjeschda" gespannt, der neue Roman Kurkows, bei dem der kürzlich zum Waisen gewordene Samson plötzlich in der neu gegründeten Sowjetunion bei der Miliz angestellt wird.
Die Zeit kurz nach der russischen Revolution und die Unsicherheiten in Kiew werden, wie nicht anders erwartet, von Kurkow sehr eindrucksvoll und realistisch dargestellt. Die Leser*innen können sich gut in die Zeit einfühlen und bekommen einen Einblick in die Geschichte, der sonst kaum möglich wäre.
Ein Problem stellt eher der Protagonist Samson dar: Dieser wirkt oft unbeholfen und kindlich. Das wird auf fast 400 Seiten jedoch irgendwann anstrengend, auch wenn er liebenswert ist. Als Kriminalpolizist wirkt er einfach nicht überzeugend, auch wenn er am Ende den Fall ganz alleine löst und das auf die humanste mögliche Weise. Wäre Samson am Ende nicht so anstrengend zu lesen gewesen, hätte es auch eine bessere Bewertung gegeben und ich hätte überlegt, die Reihe weiterzulesen.

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Veröffentlicht am 31.05.2022

Konnte mich leider nicht abholen

Nachtschwärmerin
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Cover, Titel und Klappentext wirkten vielversprechend und ich habe mich schon auf eine interessante Geschichte gefreut, in der Feminismus und Rassismus thematisiert werden und den Leser:innen aufgezeigt ...

Cover, Titel und Klappentext wirkten vielversprechend und ich habe mich schon auf eine interessante Geschichte gefreut, in der Feminismus und Rassismus thematisiert werden und den Leser:innen aufgezeigt wird, welche Missstände in unserer Gesellschaft existieren, die wir immer noch ignorieren.
Was ich bekommen habe, war leider etwas ganz anderes. Die Protagonistin ist für mich nicht fühlbar, das Buch wirkt kalt und emotionslos. Die Geschichte berührt mich nicht und wird dadurch schnell uninteressant. Die restlichen Charaktere machen anscheinend einen Wettstreit, wer am unsympathischsten sein kann und am Ende stehen sie alle gemeinsam auf Platz eins. Die Hintergrundgeschichte der Protagonistin wird zwar stellenweise beleuchtet, doch wird nicht genug erklärt, wodurch sie diffus und undurchschaubar wird. Dazu kommen noch Ausdrücke und Metaphern, die wohl besonders eloquent wirken sollen, die aber so abstrus sind, dass man erst mal eine halbe Ewigkeit darüber nachdenkt, was die Autorin da wohl gemeint haben könnte, um dann aufzugeben und weiterzulesen, bis man zwei Sätze später wieder auf so eine Formulierung stößt.
Das Buch hat Potenzial und wenn man die seltsamen Formulierungen ignorieren kann und einen Zugang zur Protagonistin findet, erzählt es eine Geschichte, von der man doch manchmal wissen möchte, wie es weitergeht, leider interessiert es mich nicht wirklich...

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Veröffentlicht am 05.05.2022

Interessanter Protagonist* - solide Handlung

Der letzte Schrei
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Um ehrlich zu sein: Die Leseprobe dieses Buches konnte mich zuerst nicht überzeugen. Trotzdem habe ich dem Buch eine Chance gegeben, denn wie oft liest man das Buch eines israelischen Autors, in dem er ...

Um ehrlich zu sein: Die Leseprobe dieses Buches konnte mich zuerst nicht überzeugen. Trotzdem habe ich dem Buch eine Chance gegeben, denn wie oft liest man das Buch eines israelischen Autors, in dem er die High Society und die queere Gesellschaft Israels thematisiert? Ich hatte kaum Vorstellungen vom Leben in Israel und die, die ich hatte, waren sehr religiös geprägt, da passte diese Handlung nicht wirklich hinein - aber Sangiv überzeugt die Leser:innen und lässt sie in Bereiche der israelischen Kultur blicken, die sonst kaum im Rampenlicht stehen.
Der Schreibstil orientiert sich stark an der Persönlichkeit Odeds, was am Anfang anstrengend sein kann. Mit der Zeit gewöhnt man sich jedoch daran und man fühlt sich Oded durch den sehr eigenen Schreibstil sehr nahe. Spannend ist auch, die Geschlechtlichkeit Odeds, bezeichnet er sich doch selbst oft mit weiblichen Beschreibungen, fasst kommt das Gefühl auf, der Charakter könnte genderfluid sein - auf die Geschlechlichkeit wird im Roman selber jedoch nie genau eingegangen, was auch daran liegen könnte, dass es eigentlich schon der dritte Roman mit dem Ermittler Oded ist, jedoch der erste, der ins Deutsche übersetzt wurde... Hebräisch kann ich leider nicht lesen und so bleibt meine Frage offen, ob es in einem früheren Roman Thema ist, ob es an der Übersetzung liegt oder ob ich zu viel hineinlese... Sollte Oded wirklich genderfluid gelesen werden, und für mich ist es nun so, ist das ein Grund das Buch zu feiern, denn das ist ein großer und wichtiger Schritt in eine tolerantere Zeit!

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