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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.05.2023

Geschichten vom Leben

Morgen, morgen und wieder morgen
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Angesiedelt im Milieu der Videospiele-Entwickler, unterhaltsam und mit leichter Hand geschrieben, ohne mit zu vielen Details die Nicht-Gamer zu überfordern, versprüht dieser Roman über weite Strecken Optimismus.

Ein ...

Angesiedelt im Milieu der Videospiele-Entwickler, unterhaltsam und mit leichter Hand geschrieben, ohne mit zu vielen Details die Nicht-Gamer zu überfordern, versprüht dieser Roman über weite Strecken Optimismus.

Ein Roman, der Geschichten vom Leben erzählt, die so vielfältig wie dieses sind. Von Menschen, die sich finden und auch wieder verlieren. Von Freundschaft und einer tiefen Liebe, die aber so ganz anders ist, als man es von den üblichen Love-Storys kennt. Vom Verstehen und Missverständnissen, die oft aus der unterschiedlichen Herkunft resultieren. Von Erfolgen und dem Scheitern, das zwangsläufig neuen Projekten immanent ist. Von Neid und Groll, speziell dann, wenn sich eine Frau in einer Männerdomäne behaupten will. Von Entfremdung und Trennung. Vom Tod und der Wiederauferstehung. Von Wiedergeburt und Erlösung, denn anders als im realen Leben bieten die virtuellen Welten der Videospiele unzählige Chancen auf Neuanfänge, so dass selbst der Tod niemals das Ende ist.

Veröffentlicht am 18.05.2023

Meckern auf hohem Niveau

Liar
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Als Lenny Howell, ein alter Bekannter von Eddie Flynn, diesen um Hilfe bittet, zögert er zuerst. Aber da er die Qualen aus eigenem Erleben kennt, die ein Vater durchmacht, wenn die Tochter entführt wird, ...

Als Lenny Howell, ein alter Bekannter von Eddie Flynn, diesen um Hilfe bittet, zögert er zuerst. Aber da er die Qualen aus eigenem Erleben kennt, die ein Vater durchmacht, wenn die Tochter entführt wird, stimmt er letztendlich zu. Und das, obwohl er eigentlich andere Sorgen hat. Max Copeland, ein Anwalt ohne Moral, hat ihm eine Vorladung zustellen lassen. Offenbar hat er es auf Richter Ford, Eddies Freund und Mentor, abgesehen und will zu diesem Zweck einen alten Fall wieder aufrollen, in dem dieser eine Drogensüchtige verurteilt wurde, die einen Brand gelegt hat, bei dem ihr Baby ums Leben kam. Im Fall der entführten Tochter ist mittlerweile auch das FBI involviert und bereitet die Übergabe des Lösegelds vor. Zu dumm nur, dass Lenny zweigleisig fährt und seine eigenen Pläne hat, immer angetrieben von der Angst um das Leben seiner Tochter. Aber kann Eddie ihm trauen? Und welche Rolle soll er in diesem Fall spielen? Wer ist der „Liar“, und wer sagt die Wahrheit?

Obwohl ich ein großer Fan von Steve Cavanaghs Eddie Flynn bin und „Liar“ mit dem Gold Dagger Award als bester Thriller des Jahres ausgezeichnet wurde, ist dieser dritte Band im Vergleich meiner Meinung nach der schwächste der Reihe. Aber dennoch sollte man ihn gelesen haben, damit man die Hintergründe der persönlichen Beziehungen entsprechend einordnen kann. Warum also unerwartet schwach? Nun, zum einen mag es daran liegen, dass das Thema Kindesentführung bereits in „Zu wenig Zeit zum Sterben“ (Bd. 1) abgehandelt wurde, zum anderen war die Handlung in „Liar“ recht vorhersehbar und simpel gestrickt. Und die ausufernden Erläuterungen jeder Einlassung in der Gerichtsverhandlung nahmen immer wieder das Tempo aus der Story und sorgten bei mir mehrfach für Augenrollen. Erfreulich hingegen fand ich den ausführlichen Auftritt von Agent Harper, die Fans der Reihe (aus Bd. 4 und 5) bereits kennen. Nun kennen wir auch die Anfänge dieser Freundschaft.

Trotz aller Kritik eine unterhaltsame Lektüre, die sich durch die Schlitzohrigkeit des Protagonisten wohltuend von vielen anderen Justizthrillern abhebt. Lesenswert!

Veröffentlicht am 16.05.2023

Bella Venezia?

Falsche Freunde
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Venedigs Zukunft sieht düster aus, und die Gründe dafür sind vielfältig, laufen aber immer auf den gleichen Punkt hinaus: Gier plus Paarung mit Blindheit, wie wir sie bei den Entscheidungen der Verantwortlichen ...

Venedigs Zukunft sieht düster aus, und die Gründe dafür sind vielfältig, laufen aber immer auf den gleichen Punkt hinaus: Gier plus Paarung mit Blindheit, wie wir sie bei den Entscheidungen der Verantwortlichen für fragwürdige Projekte (Mose, die neue Rinne für Kreuzfahrtschiffe etc.) beobachten können, die die Lagunenstadt an den Rand des Abgrunds bringen. Dazu dann noch die endlosen Touristenströme, die jedes Jahr die Serenissima heimsuchen, Wohnraum verknappen, Mieten in die Höhe treiben, Ramschläden aus dem Boden schießen lassen und viele ihrer ehemaligen Bewohner so vertreiben. Brisante Themen, die auch in „Falsche Freunde“ Einzug gehalten haben.

Morello, der Sizilianer, der auf der Todesliste der Mafia steht und zu seinem eigenen Schutz nach Venedig zwangsversetzt wurde, sich aber bis zum heutigen Tag nichts sehnlicher wünscht, als in seine Heimat zurückzukehren. Sein Wunsch könnte in Erfüllung gehen, als der Vice Questore ihm die Rückkehr zusichert. Doch die Zusage hat einen Haken, denn sie gilt nur dann, wenn er den aktuellen Mordfall aufklärt und den Mörder dingfest macht. Mit seinem starken Team im Rücken sollte das kein Problem sein, zumal sie jetzt Unterstützung durch ein KI-Programm haben, das punktgenau geplante Verbrechen vorhersagen kann. Zu dumm nur, dass sich diese Künstliche Intelligenz auf banale Taschendiebstähle konzentriert, damit personelle Ressourcen binden und verhindern würde, dass sich Morellos Team um die wirklich wichtigen Verbrechen kümmern könnten. Aber der Commisario hat da so eine Idee…

Im aktuellen Fall geht es um den Mord an dem Buchhalter Paolo Salini, ein schmieriger Typ, der bis zu seinem gewaltsamen Tod im Dienst einflussreicher Venezianer stand. Diese möchten mit Hilfe ausländischer Investoren Venedig in ein Luxusresort für die Superreichen verwandeln, wofür allerdings nicht nur die entsprechenden Immobilien zur Verfügung stehen müssen, sondern wieder einmal ein Eingriff in das fragile Ökosystem der Lagune durch den Bau einer direkten Unterwasser-Schnellbahn vom Flughafen in die Stadt geplant ist. Utopische Spinnereien eines Autorenpaares? Nein, denn die Pläne für die Sublagunare liegen bereits in der Schublade bei den Verantwortlichen, die den Ausverkauf Venedigs vorantreiben.

Wie immer orientiert sich auch dieser dritte Band der Krimireihe mit Commissario Morello an der Realität, beschreibt die Schönheit der Lagunenstadt, die durch geldgierige Politiker und Investoren hochgradig gefährdet ist.

Es ist die sehr gute Recherchearbeit, die diese informative und spannende Krimireihe, die ich uneingeschränkt empfehlen kann, auszeichnet. Aber das sind wir ja von diesem Autorenduo, hier insbesondere Wolfgang Schorlau, gewohnt. Und so warte ich wieder einmal gespannt auf den Nachfolgeband, in dem das Geheimnis um die besonderen Fähigkeiten von Morellos Kollegin Anna Klotze hoffentlich aufgedeckt wird.

Veröffentlicht am 14.05.2023

Verschenktes Potenzial

So weit der Fluss uns trägt
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In den amerikanischen Kulturredaktionen wurde im vergangenen Jahr kaum ein anderes Buch so sehr gehypt wie „Go as a river“, Debüt der in Colorado lebenden Autorin Shelley Read, der unter dem Titel „So ...

In den amerikanischen Kulturredaktionen wurde im vergangenen Jahr kaum ein anderes Buch so sehr gehypt wie „Go as a river“, Debüt der in Colorado lebenden Autorin Shelley Read, der unter dem Titel „So weit der Fluss uns trägt“ demnächst in deutscher Übersetzung erscheint. Und auch hierzulande gibt es fast ausnahmslos 5-Sterne-Bewertungen für das Leseexemplar.

Über einen Zeitraum von annähernd dreißig Jahren begleiten wir Victoria „Torie“ auf ihren verschlungenen Lebenswegen. Sie lebt außerhalb von Iola, einer Kleinstadt am Gunnison River in Colorado. Ihr Vater bewirtschaftet eine Pfirsichplantage, ihre Mutter, Tante und Cousin kamen bei einem Verkehrsunfall ums Leben als sie gerade einmal elf Jahre alt war. Seither führt sie den Haushalt, zu dem noch ihr Bruder Seth, ein aggressiver Trinker, und ihre Onkel, ein mürrischer Kriegsveteran im Rollstuhl, gehören. Ihr Leben ist eintönig, bestimmt von den täglichen Pflichten, bis sie Wilson Moon begegnet. Aber Indigene sind in Iola nicht gern gesehen, und so kann sie sich nur heimlich mit ihm treffen. Und so beginnt eine zarte Liebesgeschichte mit unausweichlichen Konsequenzen, die Tories Leben für immer verändern wird…

Spätestens der Vergleich mit „Der Gesang der Flusskrebse“ hätte mich misstrauisch stimmen sollen, denn schon dieses Buch konnte mich nicht überzeugen.

Keine Frage, die Landschaftsbeschreibungen sind gut gelungen, aber das ist auch schon fast alles, was „So weit der Fluss uns trägt“ zu bieten hat. Handlung gibt es kaum, und wenn doch, plätschert sie dahin wie der Gunnison River in seinem breiten Flussbett. Kein Wort über die dysfunktionale Familie und die traumatischen Auswirkungen des Unfalls auf die einzelnen Familienmitglieder. Das bleierne Schweigen, das über deren Zusammenleben liegt und zu keinem Zeitpunkt durchbrochen wird. Die Charakterisierung der Personen – und das betrifft ausnahmslos alle, selbst die Protagonistin – kratzt bestenfalls an der Oberfläche. Heimatliebe, Familie, Verlust, Rassismus, jede Menge Themen, die es wert gewesen wären, in die Tiefe zu gehen. Stattdessen langatmige und sich wiederholende Beschreibungen, die meine Geduld über die Maßen strapaziert haben.

Ein langatmig erzählter Roman, der außer jeder Menge verpasster Chancen und verschenktem Potenzial kaum etwas zu bieten hat. Schade.

Veröffentlicht am 12.05.2023

Politthriller mit leichten Schwächen

Die Macht der Wölfe
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„Die Macht der Wölfe“ beginnt relativ unspektakulär. Melia Adans Vater bittet sie um ein Treffen mit der Bundeskanzlerin, die ihre Hilfe benötigt. Diese ist Opfer einer Erpressung, denn ein von ihr verursachter ...

„Die Macht der Wölfe“ beginnt relativ unspektakulär. Melia Adans Vater bittet sie um ein Treffen mit der Bundeskanzlerin, die ihre Hilfe benötigt. Diese ist Opfer einer Erpressung, denn ein von ihr verursachter Unfall mit Todesfolge droht ihr nun auf die Füße zu fallen. Um ihre politische Karriere nicht zu gefährden, hatte sie sich der Verantwortung nicht gestellt, sondern die Eltern des Opfers mit einem großen Geldbetrag zum Schweigen gebracht. Staatssekretär Bovert, den wir bereits aus den Vorgängerbänden kennen, hat Kenntnis von diesem Vorfall und möchte dies zum Vorteil eines rechtskonservativen Netzwerks (ebenfalls aus den Vorgängern bekannt) nutzen, das politische System im Land umbauen und die Macht übernehmen will. Vincent Veih hingegen hat es mit einem kniffligen Fall zu tun. Auf einer Großbaustelle wurde Leichenteile gefunden, aber leider ist es anhand der Teile nicht möglich, die Identität des Toten festzustellen. Und natürlich wird sich im Laufe der Ermittlungen zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Fällen gibt. Stellt sich die Frage, wer der Puppenspieler im Hintergrund ist…

Kurze Kapitel aus wechselnden Perspektiven generieren nicht nur hohes Tempo, sondern halten auch das Interesse der Leser hoch. Keine Frage, Eckert schreibt spannende, realitätsnahe und thematisch brisante Politthriller, aber dass sowohl Melia als auch Vincent mit rechtskonservativen Vätern geschlagen sind…come on. Das ist dann doch schon etwas zu sehr gewollt. Was die Macht der Bilder sowie die politische Einflussnahme mit Hilfe der Medien angeht, das erleben wir tagtäglich, hier bleibt die Handlung nahe an der Realität, auch wenn ich mir hier einen differenzierteren Blick gewünscht hätte, gerade weil die Rollen von Gut und Böse zu offensichtlich verteilt sind. Und zu guter Letzt die Rollen, die Bovert, Osterkamp und Konsorten in dieser Reihe spielen. Das ist mittlerweile hinreichen bekannt, ebenso die Ziele, die sie haben. So ist auch dieser Fall lediglich eine Variation des Themas. Vielleicht sollte der Autor sie endlich aufs Abstellgleis schieben, um Platz für neue Handlungsimpulse zu schaffen.