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Veröffentlicht am 05.02.2026

Ein Kochbuch, das die Zeit überdauern wird

Ich lieb's
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Seit vielen Jahren haben die Kochbücher von Alexander Herrmann ihren festen Platz in unseren Regalen (von ihm haben wir u.a. gelernt, wie man ein Steak auf den Punkt zubereitet).Ob es nun um „Geschmacksgeheimnisse“ ...

Seit vielen Jahren haben die Kochbücher von Alexander Herrmann ihren festen Platz in unseren Regalen (von ihm haben wir u.a. gelernt, wie man ein Steak auf den Punkt zubereitet).Ob es nun um „Geschmacksgeheimnisse“ oder „Weil’s einfach gesünder ist“, schlussendlich zählt auf dem Teller doch nur, und hier wird mir jede/r Hobbyköchin/Hobbykoch zustimmen, das Ergebnis bei der Frage nach dem Warum: „Weil’s einfach besser ist“. Die Rezepte des fränkischen Sterne- und Fernsehkochs haben die Zeit überdauert, weil er seinem Credo treu geblieben ist, sich unsinnigen Trends verweigert und uns über die Jahre mit Rezepten versorgt hat, die Emotion, Perfektion und Persönlichkeit in sich vereinen.

„Ich lieb’s“ ist, fast könnte man schon plakativ sagen, die Quintessenz eines Kochlebens, findet man darin doch auch viele seiner „Heimatklassiker“ wieder (teilweise bereits in einem seiner anderen Kochbücher zu finden, was allerdings keinen Makel darstellt), deren Rezepte meist nur noch in Schulkochbüchern zu finden sind: Frikadellen und Frikassee in verschiedenen Variationen, Böfflamot und Oma Hertas Rindsrouladen. Jedes Rezept mit dem Herrmann‘schen Twist ganz gleich ob Zutaten oder Zubereitung, der das Endergebnis auf dem Teller zu etwas Besonderem macht.

Die 120 Lieblingsrezepte und Geschmacksgeheimnisse sind auf 251 Seiten in 7 Kapiteln verteilt und werden durch das alphabetisch geordnete, vierseitige Zutatenregister ergänzt, in dem gleichzeitig auch die dazugehörigen Rezepte zu finden sind: Salate & Tatar, Gemüse-Life-Hacks, Pasta & Risotto, Fisch & Ceviche, Geflügel & Fleisch, Fleischpflanzerl, Klopse & Schnitzel sowie Schokoladig & Süß. Dazu kommen jede Menge Tipps für Geschmacksgeheimnisse und Kitchenhacks, die für die Geling-Garantie sorgen. Bebildert sind die Rezepte mit ansprechenden Fotos, die einem schon allein beim Anschauen das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.

Die Zutaten sind, mit Ausnahme der Fische, in jedem gut sortierten Supermarkt erhältlich, der Zeitaufwand ist bei den meisten Rezepten überschaubar, setzt aber bei einigen ein gewisses Maß an Küchen-/Kocherfahrung voraus.

Ein Kochbuch, das die Zeit überdauern wird. Nachdrücklich sowohl Anfängern als auch Fortgeschrittenen empfohlen

Veröffentlicht am 05.02.2026

Von der Eierspeis‘ bis zum Ribiselschaumkuchen

Wiener Küche
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Kräftige Rindssuppe mit Frittaten, danach zarter Tafelspitz mit Kren und zum Abschluss Palatschinken mit Marillenmarmelade. Ein klassisches Sonntagsessen, wie es gerne in Wien auf den Tisch kommt.

Ihr ...

Kräftige Rindssuppe mit Frittaten, danach zarter Tafelspitz mit Kren und zum Abschluss Palatschinken mit Marillenmarmelade. Ein klassisches Sonntagsessen, wie es gerne in Wien auf den Tisch kommt.

Ihr liebt Österreich und seine Hauptstadt? Mögt ehrliche, bodenständige Gerichte, gerne auch mit einem unerwarteten Twist? Dann ist die Neuauflage von Susanne Zimmels „Wiener Küche“, genau das, was ihr sucht, denn hier findet ihr Hintergrund-Informationen zur kulinarischen Tradition und Wiener Lebensart und natürlich - wie es sich für ein Kochbuch gehört – auch die Rezepte für die Gerichte, die wir mit der Stadt der Fiaker und des Praters in Verbindung bringen und die die meisten von uns kennen. Viele davon klassisch, aber auch das eine oder andere in der Rezeptur behutsam und stimmig angepasst.

Bei der Rezeptauswahl folgt die Autorin der klassischen Menü-Einteilung: Frühstück und Jause (knapp gehalten, mit Schwerpunkt Eierspeisen), Suppen (von der Rindssuppe bis zu den verschiedenen Einlagen), Hauptspeisen (vom Kalbstafelspitz bis zum Paprikahendl), Beilagen und Salate (alles über Knödel, Nockerl, Erdäpfel und Fisiolen, aber auch Zwetschken und Marillen) sowie Mehlspeisen und Süßes (Buchteln, Striezel und Strudel). Ergänzt wird dies mit höchst interessanten Informationen zu den kulturhistorischen Hintergründen der Zutaten, detaillierter Warenkunde sowie wunderschön illustrierten Impressionen der Donaumetropole.

Eine kulinarische Reise nach Wien und eine umfangreiche Rezeptsammlung, die keine Wünsche offenlässt. Präsentiert in hochwertiger Ausstattung, die alle Sinne anspricht und in keinem Kochbuch-Regal fehlen sollte.

Veröffentlicht am 12.01.2026

Zum passenden Zeitpunkt erschienen

Minnesota
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Jo Nesbøs Harry Hole ist Geschichte, sein Nachfolger wird Bob Oz (zumindest darf man das vermuten). Und natürlich wird auch Jo Nesbøs neues Buch als Kriminalroman vermarktet – nichts anderes erwarten die ...

Jo Nesbøs Harry Hole ist Geschichte, sein Nachfolger wird Bob Oz (zumindest darf man das vermuten). Und natürlich wird auch Jo Nesbøs neues Buch als Kriminalroman vermarktet – nichts anderes erwarten die Leser von diesem Autor – aber „Minnesota“ ist mehr.

Der Autor nimmt uns mit nach Minneapolis, diese Metropole, die aktuell in sämtlichen Medien präsent ist, da einmal mehr Beamte der ICE (United States Immigration and Customs Enforcement) ihre Waffen nicht stecken lassen konnten und mit ihren schnellen Fingern am Abzug das Leben eines Menschen ausgelöscht haben. Ihr Name war Renee Nicole Good, und sie tat nichts, was diesen Todesschuss gerechtfertigt hätte. Ähnlich wie 2020 George Floyd, der damals bei einem Einsatz der City Police getötet wurde und an den Jo Nesbø hier erinnert.

Was muss ein Mensch erlebt haben, damit alle Dämme reißen, blind vor Wut Waffen eingesetzt um seine Rache zu bekommen? Kann es daran liegen, dass die Gewalt auch von offiziellen Stellen geduldet und von mächtigen Organisationen gefördert wird?

Diese Frage bestimmt in diesem Kriminalroman über weite Strecken die Handlung, nicht zuletzt durch die drei Akteure, deren Wege sich in der Dunkelheit der Stadt kreuzen: Bob Oz, der alkoholabhängige Detective auf der Suche, der den Unfalltod seiner kleinen Tochter bis heute nicht verkraftet hat und von seiner Frau verlassen wurde. Typ einsamer Wolf, traumatisiert, wütend und vom Dienst suspendiert. Ein Shooter, Typ einsamer Rächer, der seit Jahren sein Unwesen in der Stadt treibt und dessen nächstes Ziel der Bürgermeister ist. Ein Autor auf der Suche nach Oz, der in eine geschundene Stadt kommt, um Recherchearbeit für sein Buch zu betreiben und kaum glauben kann, was er sieht.

Nesbø erzählt die Geschichte in zwei Zeitebenen aus wechselnden Perspektiven und legt nicht nur Stück für Stück die Motivation seiner Protagonisten offen, sondern zeigt uns auch eine Metropole mit all ihren Schattenseiten, die insbesondere, aber nicht nur, in der Nacht zutage treten. Ein düstere Portrait, in dem die Schwärze aus jeder Seite dringt. Sehr gut gelungen und genau zum richtigen Zeitpunkt erschienen.

Veröffentlicht am 10.01.2026

Lest lieber "Shutter Island"

Die stumme Patientin
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War okay, leidlich spannend, aber mehr auch nicht.

"Faszinierend, kunstvoll geplottet, ausßergewöhnlich" - die Blurbs der Autorenkollegen überschlagen sich förmlich. Aber offenbar hat noch keine/r von ...

War okay, leidlich spannend, aber mehr auch nicht.

"Faszinierend, kunstvoll geplottet, ausßergewöhnlich" - die Blurbs der Autorenkollegen überschlagen sich förmlich. Aber offenbar hat noch keine/r von ihnen Dennis Lehans "Shutter Island" gelesen...

Veröffentlicht am 31.12.2025

Historie light

Lebensbande
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Mechtild Borrmann bleibt auch in „Lebensbande“ ihrem Stil und der zeitlichen Einordnung treu. Rund um den Zweiten Weltkrieg bis zu Beginn der neunziger Jahre lässt sie ihre Leserinnen an Leben, Lieben ...

Mechtild Borrmann bleibt auch in „Lebensbande“ ihrem Stil und der zeitlichen Einordnung treu. Rund um den Zweiten Weltkrieg bis zu Beginn der neunziger Jahre lässt sie ihre Leserinnen an Leben, Lieben und Leiden dreier Frauen - Lene, Lieselotte und Nora - teilhaben. Verbindendes Element sind hier die Tagebuch-Aufzeichnungen der ehemaligen Krankenschwester Nora. Und ja, da Borrmann das Buch für die weibliche Leserschaft geschrieben hat (man schaue sich nur das misslungene Cover an), darf natürlich auch eine zarte Lovestory nicht fehlen.

Im Zentrum stehen jedoch Lene und deren Sohn Leo, der nach Komplikationen bei der Geburt gehandicapt ist, bei Schuleintritt auf den Radar des NS-Regimes gerät und mit dem Stempel „unwertes Leben“ und „Reichsausschusskind“ versehen wird. Und wie mit diesen Kindern verfahren wurde, sollte uns allen bekannt sein. Zusätzlich zur Euthanasie packt die Autorin aber auch noch Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft, Einmarsch der Russen, Vergewaltigung, Verschleppung gen Osten in einen Gulag etc. in ihre Geschichte ein.

Allerdings werden die meisten dieser Themen nur en passant und mit abgeschliffenen Kanten angerissen. Das große Mank dieses Romans. Alles sehr oberflächlich, weichgespült und leicht lesbar. Aber wahrscheinlich war das die Intention der Autorin, um Schockeffekte für die Leserschaft zu vermeiden. Was allerdings auffallend ist, im persönlichen Umfeld der Protagonistinnen gab es keine Sympathisanten, keine Mitläufer, keine Funktionsträger, keinerlei Anhänger der NS-Ideologie. Sehr verwunderlich.

Eigentlich reicht es schon, wenn man nur den Klappentext liest, denn der Roman hat kaum mehr als diese Zusammenfassung zu bieten, ist nicht mehr als Historie light, und konnte meine Erwartungen noch nicht einmal in Ansätzen erfüllen. Sehr enttäuschend.