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Veröffentlicht am 23.12.2025

Jackson und die Joes

Bad Actors
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Es gibt nur wenige Reihen aus dem Krimi-/Thrillerbereich, deren Bücher ich ein zweites oder drittes Mal in die Hand nehme. Zwei Autoren gibt es aber, die mich zur Wiederholungstäterin machen: Alan Parks ...

Es gibt nur wenige Reihen aus dem Krimi-/Thrillerbereich, deren Bücher ich ein zweites oder drittes Mal in die Hand nehme. Zwei Autoren gibt es aber, die mich zur Wiederholungstäterin machen: Alan Parks mit der im Glasgow der 70er Jahre verortete Harry McCoy-Reihe und Mick Herron, dessen Einzelbände um die abgeschobenen MI5-Agenten ich ausnahmslos mehrfach lese, um im zweiten, dritten oder vierten Durchgang in den beiläufig hingeworfenen Sätzen dessen geistreiche und immer zutreffende Kommentare zur politischen Gegenwart Großbritanniens zu genießen. Insbesondere dann, wenn man Spionageromane nicht mag, ist es schon allein deshalb einen Versuch wert.

Nun also „Bad Actors“ (Bd. 8), und wer damit gemeint ist, wird sich im Lauf der Handlung herausstellen. Im Haifischbecken tummeln sich die altbekannten Akteure: Ein unfähiger Premier, Geheimdienstchefin Diana Taverner sowie Jackson Lamb und seine Slow Horses. Ergänzt wird dieses Personentableau durch Claude Wheelan (Taverners Vorgänger auf dem Chefposten), den mehr als zwielichtigen Sonderberater und Strippenzieher des Premiers, einen Neuzugang im Slough House sowie der spurlos verschwundenen Schweizerin aus dem politischen Thinktank des Premiers, mit deren Auffinden Wheelan beauftragt wird. Als ein Red-Queen-Alarm ausgelöst wird, der den Kopf der „Königin“ fordert, eskaliert die Situation. Die einzigen, die jetzt noch helfen können, sind Lamb und die Slow Horses. Aber wehe, jemand vergreift sich an ihnen, denn auch wenn es scheint, als ob Lamb nicht viel von ihnen halten würde, sind sie doch seine „Joes“. Und deshalb sollte man sich tunlichst nicht mit Lamb anlegen.

Die Slow Horses-Reihe und so auch „Bad Actor“ lebt von ihren schrägen Charakteren, den bissigen Dialogen, dem schwarzer Humor und den punktgenauen Analysen der britischen Gegenwartspolitik. Das alles sprachlich on top und hervorragen übersetzt von Stefanie Schäfer. Wer allerdings knallharte Action sucht, wird enttäuscht sein, denn die Story ist vielschichtig und verzwickt, entwickelt sich langsam und braucht ihre Zeit, bis sämtliche Informationen in ihrer Komplexität verbunden sind – was übrigens für alle Bände der Reihe gilt, die ich euch uneingeschränkt empfehlen kann.

Als Einstieg ist meiner Meinung dieser Band allerdings meiner Meinung nach nicht geeignet, fehlen doch sehr viele Hintergrundinformationen/Vorgeschichten sowohl zu den Personen als auch zu einschneidenden Geschehnissen aus den Vorgängern.

Veröffentlicht am 16.12.2025

Nur peinlich - für Autor und Verlag

Stonehenge - Die Kathedrale der Zeit
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Die Kingsbridge-Reihe habe ich geliebt, aber dieses Buch hat in etwas soviel Substanz und Niveau wie ein Groschenroman. Dazu kommt die rattenschlechte Übersetzung. Wörter, die so nie und nimmer in den ...

Die Kingsbridge-Reihe habe ich geliebt, aber dieses Buch hat in etwas soviel Substanz und Niveau wie ein Groschenroman. Dazu kommt die rattenschlechte Übersetzung. Wörter, die so nie und nimmer in den 2000er v. Chr. Jahren Verwendung gefunden haben. Wie ein Lektorat so etwas durchwinken kann, ist mir ein Rätsel. Nur peinlich.

Wer etwas über Stonehenge erfahren möchte, wird mit jeder Doku aus den Mediatheken besser bedient und unterhalten.

Veröffentlicht am 06.12.2025

Vea Kaiser in Höchstform

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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In ihrem neuen Roman „Fabula Rasa“ hat sich Vea Kaiser, die wir aus ihrem mit Augenzwinkern erzählten Romanen Blasmusikpop, Rückwärtswalzer etc. kennen, von einem realen Kriminalfall inspirieren lassen. ...

In ihrem neuen Roman „Fabula Rasa“ hat sich Vea Kaiser, die wir aus ihrem mit Augenzwinkern erzählten Romanen Blasmusikpop, Rückwärtswalzer etc. kennen, von einem realen Kriminalfall inspirieren lassen. Und auch hier bietet sie wieder sämtliche Klischees auf, die einem in den Sinn kommen, wenn man sich das Wien der Haute Volée vorstellt, wobei aber auch die Beschreibungen der „normalen“ Gegenden in ihrer Direktheit Kennern der österreichischen Hauptstadt das eine oder andere Schmunzeln entlocken.

Angelika, die alleinerziehende, in einfachen Verhältnissen aufgewachsene Protagonistin, ist Buchhalterin in einem der ersten Hotels am Platz (es ist zu vermuten, dass es sich um jenes Haus handelt, das durch seine besondere Torte jedem bekannt ist) und kann dreißig Jahre relativ unbehelligt ihr System etablieren, mit dessen Hilfe es ihr gelingt, ihren Arbeitgeber um eine siebenstellige Summe zu erleichtern. Chapeau!

Aber Vea Kaiser belässt es nicht bei der Beschreibung von Angelikas Schummeleien, die eigentlich nur den Rahmen für eine große Erzählung bilden, die neben den Alltagsprobleme ihrer Protagonistin auch gesellschaftlich brisante Themen aufgreift und ausleuchtet. Das alles macht sie so, wie wir aus ihren Vorgängern kennen. Emotional, äußerst sympathisch, gepaart mit dem Wiener Schmäh, der nie besser als hier gepasst hat. Und ja, eigentlich wünscht man Angelika, dass sie davonkommt. Hat wohl aber nicht sein sollen.

Veröffentlicht am 06.12.2025

Eine Reihe, die ich ohne Einschränkung empfehlen kann

Der Kurator
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Alles beginnt mit einem Heiratsantrag. Der geht gründlich schief, denn statt einem Ring findet die Verlobte zwei abgetrennte Finger und eine kryptische Botschaft im Kaffeebecher, der ihr von ihrem Zukünftigen ...

Alles beginnt mit einem Heiratsantrag. Der geht gründlich schief, denn statt einem Ring findet die Verlobte zwei abgetrennte Finger und eine kryptische Botschaft im Kaffeebecher, der ihr von ihrem Zukünftigen überreicht wird. Aber das ist erst der Anfang. Zwei weitere Fingerpaare tauchen auf, eines in der Auslage einer Metzgerei, eines im Taufbecken einer Kirche. Ein neuer Fall für Washington Poe, Tilly Bradshaw und Stephanie Flynn, wobei letztere durch ihre fortgeschrittene Schwangerschaft etwas gehandicapt ist.

Das Team ist ratlos, hat keinen Ansatzpunkt für die Ermittlungen. Selbst Tilly, die begnadete Analystin, die durch ihre Recherchen in der Vergangenheit immer wieder Unglaubliches zutage fördern konnte, findet keine Antworten auf die Fragen nach dem Wer und Warum. Doch das ändert sich, als sich eine vom Dienst suspendierte FBI-Agentin bei dem Team meldet und den entscheidenden Hinweis gibt.

Aktuell gibt es nur wenige Krimis und Thriller, bei denen ich ungeduldig auf die Fortsetzungen warte. Wie die einzelnen Fälle, so ähneln sich auch die Protagonisten und ihre Herangehensweisen an die Ermittlungen. Alles schonmal gelesen, keine Überraschungen, langweilig und vorhersehbar.

Ganz anders bei M.W. Cravens Poe und Bradshaw Reihe, was zweifelsfrei nicht nur den beiden „Hauptdarstellern“ (hier insbesondere die liebenswerte, immer loyale, naive, aber dennoch mit allen Wasser gewaschene Tilly) sondern auch den cleveren Plots geschuldet ist. Der Autor unterläuft immer wieder die Erwartungen seiner Leser, überrascht mit Twists und Turns, mit denen man nicht rechnet und garniert all das mit nie plattem Humor.

Eine Reihe, die ich ohne Einschränkungen empfehlen kann. Lesen. Unbedingt!

Veröffentlicht am 28.11.2025

Einfache Rezepte für Kochanfänger

Hej!
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Zora Klipp ist „Swedish by heart“. Während eines Sommerurlaubs und der nachfolgenden Zeit als Au Pair verliebte sie sich in dieses Land und seine Küche. Diese Liebe legt den Grundstein für ihr Buchprojekt ...

Zora Klipp ist „Swedish by heart“. Während eines Sommerurlaubs und der nachfolgenden Zeit als Au Pair verliebte sie sich in dieses Land und seine Küche. Diese Liebe legt den Grundstein für ihr Buchprojekt „Hej!“, eine Mischung aus umfangreichem Textteil sowie einer Auswahl von Rezepten, die sich an den Klassikern der schwedischen Küche orientieren.

In drei Blöcken stellt sie 1. Vorspeisen, Snack und Smörgas, 2. Hauptgericht, Das Herz der schwedischen Küche und 3. Fika – die Kunst der Kaffeepause vor. Nun ist die Alltagsküche der skandinavischen Länder nicht unbedingt für raffinierte Gerichte mit exotischen Zutaten bekannt, sondern orientiert sich an dem, was verfügbar und unkompliziert zuzubereiten ist. Viele dieser Gerichte sind auch hierzulande bekannt, und wenn man eine Umfrage starten würde, was man mit Schweden auf dem Teller verbindet, nähmen Hotdogs, Smørrebrød und Köttbullar wahrscheinlich die ersten Plätze ein, was zweifelsfrei dem Angebot im Schnellrestaurant des schwedischen Möbelhauses geschuldet ist.

Fast alle Rezepte sind problemlos zu realisieren und eignen sich in erster Linie für Kochanfänger. Ich habe außer der Kartoffelpfanne Pytt i Panna (wenn’s mal schnell gehen muss) und den Kardamomknoten nichts gefunden, was mich zum Nachkochen animiert hätte. Allerdings gibt es auch hier einen Wermutstropfen, denn sämtliche Rezepte mit Hefeteig verwenden Hefe in hoher Dosierung, was weder gesund ist, noch sich positiv auf die Frischhaltung des Gebäcks auswirkt. Und nur noch nebenbei bemerkt: das versprochene Rezept für Zimtschnecken sucht man vergebens.