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Veröffentlicht am 01.07.2026

Homo homini lupus est

Insel der Ratten
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Wenn alle Gesetze ihre Gültigkeit verloren haben und der Kampf um die Ressourcen auf der Zielgeraden ist, was geschieht dann? Werden wir in einer Welt enden, in der jeder gegen jeden kämpft? Wo Egoismus ...

Wenn alle Gesetze ihre Gültigkeit verloren haben und der Kampf um die Ressourcen auf der Zielgeraden ist, was geschieht dann? Werden wir in einer Welt enden, in der jeder gegen jeden kämpft? Wo Egoismus und Rücksichtslosigkeit für das Überleben unabdingbar sind, das Recht des Stärkeren gilt? In der der Mensch des Menschen Wolf ist?

Die Pandemie und das große Sterben sind vorüber. Jetzt geht es drunter und drüber in der Stadt ohne Namen: Brennende Autos, Maschinengewehrsalven, angsterfüllte Schreie, Sirenen, marodierende Banden. Ein Dschungel, beklemmend aktuell, weil vor dem inneren Auge sofort Bilder aus den amerikanischen Megacitys aufploppen. Nicht umsonst hat Nesbø die Westküste Amerikas zum Handlungsort gewählt, verbindet man doch gerade mit Kalifornien Wohlstand, Easy Living und Toleranz. Nichts davon zu sehen. Und es wird noch furchterregender, weil die niedersten Instinkte der Menschen an die Oberfläche drängen.

Nesbø arbeitet mit zwei Perspektiven. Zum einen Colin, steinreicher Unternehmer, der bereits das Weite gesucht hat, zum anderen Will, ehemals Anwalt und sein Freund, dessen Tochter von Colins Sohn entführt wurde. Und ja, es ist vorhersehbar, dass es zwischen diesen beiden zum Showdown kommen wird…

Wollen wir in einer Gesellschaft leben, in der die alten Werte und Regeln ihre Gültigkeit verloren haben, Anarchie die Oberhand gewinnt und der der Kampf ums Überleben die Gesetze des Zusammenlebens außer Kraft setzt? Das ist die Frage, die man sich stellt, wenn das schmale Büchlein zuklappt.

Rau, und mehr als drastisch in den Beschreibungen, konfrontiert uns Nesbø mit dieser Frage und lässt uns damit auch in unser Innerstes blicken.

Veröffentlicht am 30.06.2026

Historischer Roman oder Krimi?

Die Queen von Mayfair
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Wir befinden uns im viktorianischen London, ein Setting, das wir bereits aus dem vorherigen Roman des Autors Alex Hay kennen. Dort treffen wir auf Quinn Le Blanc, eine geniale Trickbetrügerin, eher bekannt ...

Wir befinden uns im viktorianischen London, ein Setting, das wir bereits aus dem vorherigen Roman des Autors Alex Hay kennen. Dort treffen wir auf Quinn Le Blanc, eine geniale Trickbetrügerin, eher bekannt als die „Queen von Mayfair“, die hier den ganz großen Coup im Visier hat. Der dicke Fisch, den sie zu fangen gedenkt, ist der Duke of Kendal, vermögender Spross einer wohlhabenden Adelsfamilie. Unterstützt wird sie dabei von Silk, einem Gauner, mit dem sie schon lange zusammenarbeitet. Fünf Tage haben sie Zeit, um ihren wasserdichten Plan, der aus fünf Schritten besteht, durchzuziehen. Aber ganz so einfach, wie gedacht ist es dann doch nicht, haben sie doch den fatalen Fehler begangen und die Gegenseite unterschätzt.

Hay erzählt multiperspektivisch, lässt in alternierenden Kapiteln die Beteiligten zu Wort kommen. Aber leider macht er dennoch den gleichen Fehler, den ich bereits im Vorgänger moniert habe, er konzentriert sich zu sehr auf die Vorbereitungen plus entsprechender Twists, was leider zu Lasten der Charakterentwicklung der Hauptfiguren geht. Das mag ja in Ocean’s Eleven funktionieren, aber „Die Queen von Mayfair“ ist in erster Linie ein historischer Roman, kein Krimi. Aber in den Beschreibungen des viktorianischen London plus seiner adligen Gesellschaft brilliert der studierte Historiker. Diese sind außerordentlich gut gelungen und erzeugen in der Tat die entsprechenden Bilder im Kopf des Lesers.

3,5 von 4, wohlwollend aufgerundet, verbunden mit der Hoffnung, dass die Gewichtung bei seinem nächsten Roman besser klappt.

Veröffentlicht am 27.06.2026

Leseempfehlung mit Einschränkungen

Schlafende Vulkane
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Michael Hjorth ist ein Autor, der gerne und erfolgreich im Tandem schreibt, man denke an die mehrbändige Sebastian Bergman Reihe mit Hans Rosenfeldt. Nun also ist Bjarni Thorsson, ein isländischer Regisseur ...

Michael Hjorth ist ein Autor, der gerne und erfolgreich im Tandem schreibt, man denke an die mehrbändige Sebastian Bergman Reihe mit Hans Rosenfeldt. Nun also ist Bjarni Thorsson, ein isländischer Regisseur und Autor, sein „Partner in Crime writing“, was durchaus Sinn macht, ist ihre Co-Produktion „Schlafende Vulkane“ doch in Island verortet. Obwohl…typisch für Island ist vor allem das Cover des Buches, die Landschaft könnte, mit Ausnahme der Vulkane, überall im Norden Europas sein.

Und auch das Thema des Thrillers wurde bereits von anderen Autoren weitaus einfühlsamer, gelungener bearbeitet, obwohl ich mich dennoch frage, warum immer wieder Frauen die Opfer sind und man mit den Beschreibungen der Misshandlungen so ins Detail gehen muss. Andeutungen würden durchaus genügen, aber offenbar verlangen die Leser*innen danach.

Überzeugen konnte mich lediglich die Dreierkonstellation der Ermittler, deren Dynamik der Zusammenarbeit besonderen Schwung verleit: Helga, die „Schwedin“, eher unerfahren bei ihrem ersten Fall, Yvette, die clevere Kriminaltechnikerin mit ihrer bisher noch unbekannten Backstory und Bjarki aka „Grettir, der Naturbursche, auf den – wie könnte es anders sein - beide Frauen ein Auge geworfen haben.

Der Handlungsverlauf ist, insbesondere durch die Zwischenkapitel aus Sicht des Täters, vorhersehbar und demzufolge recht unspektakulär, was leider auch auf Kosten der Spannung geht und vor allem in der Schlusssequenz unnötig in die Länge gezogen wird. Wir wissen doch alle, dass in den üblichen Krimis/Thriller das Gute siegen und der Mann im Team die Kollegin aus den Fängen des Täters befreien wird.

Leseempfehlung mit Einschränkungen. Mal schauen, was der nächste Band bringt.

Veröffentlicht am 26.06.2026

Dit is' Berlin

Hope Joanna
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Horst Evers kannte ich bisher nur als Kabarettist, gelesen hatte ich noch nichts von ihm. Aber kann einer, dessen Markenzeichen hintergründiger Humor ist, auch Krimi? Ja, er kann, auch wenn das Ergebnis ...

Horst Evers kannte ich bisher nur als Kabarettist, gelesen hatte ich noch nichts von ihm. Aber kann einer, dessen Markenzeichen hintergründiger Humor ist, auch Krimi? Ja, er kann, auch wenn das Ergebnis eher als ein etwas schräges Produkt daherkommt.

Das Cover, ganz im Stil des Sozialistischen Realismus des Arbeiter- und Bauernstaats gehalten, hat mich angesprungen und sticht ohne Frage aus der Masse der Neuerscheinungen heraus. Und dann noch der Titel „Hope Joanna“. Wer da nicht sofort einen Ohrwurm hat und mit den Füßen wippt…

Die Story fängt dann ja auch so, wie man es von einem Krimi gewohnt ist, an. Zwei Tote, gebissen von einer Giftschlange. Dazu ein brisanter Brief aus dem Nachlass plus ein geheimnisvolles Elixier. Und schon sind wir in medias res…ähm…mitten in der Hauptstadt. Und es wird ziemlich schräg und chaotisch, mit viel trockenem Humor in den Dialogen, insbesondere was Berlin und die „arm aber sexy“ Berliner angeht, aber durchaus auch mit gesellschaftskritischen Untertönen, die die aktuelle politischen Lage im Land aufgreifen. Das ist zwar nicht immer ganz hasenrein, aber Kabarett lebt ja bekanntlich von Übertreibungen. Und unterhaltsam ist es auf alle Fälle.

Worauf ich gerne verzichtet hätte, war die übersinnliche Schiene. Das hat meiner Meinung nach nicht gepasst. Aber ansonsten eine coole Story mit pointierten Dialogen und sympathischen Protagonisten.

Veröffentlicht am 31.05.2026

Wird leider dem brisanten Thema nicht gerecht

In den Fängen der Verräter
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Die Vergangenheit lässt den ehemaligen finnischen Ministerpräsidenten Leo Koski nicht los. Nach dem gewaltsamen Tod seiner Frau hat er sich entschlossen, sein Heimatland zu verlassen und gemeinsam mit ...

Die Vergangenheit lässt den ehemaligen finnischen Ministerpräsidenten Leo Koski nicht los. Nach dem gewaltsamen Tod seiner Frau hat er sich entschlossen, sein Heimatland zu verlassen und gemeinsam mit seiner kleinen Tochter in Washington ein neues Leben zu beginnen.

Aber trotz aller Sicherheitsmaßnahmen kommt es, nachdem ihn der finnische Botschafter um Hilfe gebeten hat, zum Schlimmsten, was einem Elternteil passieren kann. Leo soll auf dessen Wunsch hin beim amerikanischen Präsidenten intervenieren, diesen davon abhalten, dessen geplanten amerikanischen Austritt aus der NATO aufzugeben, damit auch zukünftig die Sicherheit Finnlands gewährleistet ist. Widerstrebend lässt er sich darauf ein.

Doch das kreuzt die Pläne der finsteren Mächte (aka der diversen Geheimdienste aus Ost und West), die nicht zimperlich in der Wahl ihrer Mittel sind, um ihre eigene Agenda durchzusetzen und dafür auch nicht vor Mord und Entführung zurückschrecken.

Ein guter Polit-Thriller sollte realistisch sein, zumindest dieses Kriterium hat der Autor erfüllt. Sieht man ja aktuell schon an den Aktionen des amerikanischen Präsidenten, dessen Plänen bezüglich Abzug der amerikanischen Truppen aus Deutschland. Aber das war’s auch schon, denn was Tuomas Oskari aus dieser Ausgangslage macht, ist hanebüchen, orientiert sich zum einen über weite Strecken am Westen-ist-gut-und-Osten ist-böse Narrativ, zum anderen an den Drehbüchern der Actionserien der Streaming-Dienste. Eine sehr einfach gestrickte Handlung, vorhersehbar geplottet und in mehr als simpler Sprache vermittelt, was diesem brisanten Thema nicht gerecht wird, hölzern heruntergeklöppelt ohne jegliche Raffinesse oder überraschende Wendungen. Eine enttäuschende Lektüre und deshalb leider keine Leseempfehlung meinerseits.

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