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Veröffentlicht am 22.09.2025

Frauen zwischen persönlichen Wünschen und gesellschaftlichen Erwartungen

Hello Baby
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Sechs südkoreanische Frauen und ein Wunsch: Mutter werden. In einem Gruppenchat tauschen sie sich über ihren bislang unerfüllten Kinderwunsch und die Behandlung in einer Fruchtbarkeitsklinik in der Stadt ...

Sechs südkoreanische Frauen und ein Wunsch: Mutter werden. In einem Gruppenchat tauschen sie sich über ihren bislang unerfüllten Kinderwunsch und die Behandlung in einer Fruchtbarkeitsklinik in der Stadt Seoul aus. Dabei erfährt man viel über die verschiedenen Frauen, was den Leser*innen auch einen Einblick in die südkoreanische Gesellschaft gibt.

Ich fand es erschütternd, was die Frauen auf ihrer „Kinderwunschreise“ so alles erleben müssen. Ich habe schon bei Frauen aus meinem Freundeskreis mitbekommen, dass eine Kinderwunschbehandlung körperlich und psychisch hart ist, aber die Einblicke aus dem Roman haben mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie hart dieser Weg tatsächlich ist. Die Autorin macht im Nachwort deutlich, dass sie persönliche Erfahrungen in diesem Bereich machen musste, weshalb ich die Schilderungen im Roman als sehr realistisch einschätze. Abgesehen von den Einblicken in die Kinderwunschbehandlung haben mich vor allem die Schilderungen der gesellschaftlichen Umstände sehr fasziniert. In Südkorea scheint das Paradoxon zu existieren, dass insbesondere die älteren Generationen die Frauen unter Druck setzen, doch bitte möglichst schnell Nachwuchs zur Welt zu bringen, während die Wirtschaft hofft, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt verfügbar bleiben und nicht durch Schwangerschaft und Eltern-Dasein ausfallen. Die Autorin Kim Eui-kyung verwebt diesen Widerspruch wunderbar in ihrem Roman und macht deutlich, was diese nicht miteinander vereinbaren Ansprüche auf emotionaler Ebene mit ihren Romanfiguren macht.

Auch wenn der Erzählsstil recht nüchtern ist, werden die Emotionen sehr gut deutlich und man fühlt sich schnell in die verschiedenen Frauen hinein. Ich mochte die abwechselnden Erzählperspektiven sehr gern und habe mich durch diesen Roman insgesamt sehr gut unterhalten, aber auch informiert gefühlt. In der Zukunft werde ich definitiv anders auf IVF blicken.

Für alle, die gesellschaftskritische Romane mögen und Interesse am Thema haben, kann ich diesen Roman nur wärmstens empfehlen!

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Politisch, klug, begeisternd

Das Geschenk
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Deutschland verbietet die Einfuhr von Jagdtrophäen, der Präsident von Botswana schickt daraufhin 20 000 Elefanten als „Geschenk“ nach Berlin, was Politik, Gesellschaft und Machtstrukturen in einer satirischen ...

Deutschland verbietet die Einfuhr von Jagdtrophäen, der Präsident von Botswana schickt daraufhin 20 000 Elefanten als „Geschenk“ nach Berlin, was Politik, Gesellschaft und Machtstrukturen in einer satirischen Krisensituation gnadenlos auf die Probe stellt.

Nachdem mich Schoeters’ Roman „Trophäe“ sehr begeistert hat, konnte ich es kaum abwarten, „Das Geschenk“ endlich in den Händen zu halten und zu lesen.
Das Szenario ist natürlich reichlich absurd, aber doch auch genial. Gaea Schoeters schafft es auf kluge Art und Weise, diese absurde Situation mit den großen Fragen unserer Politik zu verknüpfen. Besonders begeistert hat mich, wie die Autorin gesellschaftliche Debatten, politische Strategien und mediale Mechanismen in einem kurzweiligen Roman unterbringt. Sie zeigt dabei einen humorvollen, aber in der Konsequenz doch auch ernsten Umgang mit aktuellen Machtverhältnissen und der Frage, wie Politik, die häufig von kurzsichtigen Interessen der verschiedenen Akteure geleitet wird, mit den großen Fragen unserer Zeit umgeht. Die Sprache ist dabei sehr pointiert und unaufgeregt.

Ich habe diesen Roman sehr gern gelesen und kann ihn uneingeschränkt empfehlen. Abgesehen von politischen und medialen Machtverhältnissen habe ich auch noch eine ganze Menge Neues über Elefanten gelernt. Diese meisterhafte Satire regt definitiv zum Nachdenken an, unterhält einen als Leser*in aber auch gut.

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Veröffentlicht am 22.09.2025

Lust auf Literatur

Einfach Literatur
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Dieses Buch macht einfach Lust auf Literatur! Doch vorab: Ich finde die Geschichte rund um die Beziehung zwischen Klaus Willbrand und Daria Razumovych einfach wunderbar. Zwei Menschen, die viele Lebensjahre ...

Dieses Buch macht einfach Lust auf Literatur! Doch vorab: Ich finde die Geschichte rund um die Beziehung zwischen Klaus Willbrand und Daria Razumovych einfach wunderbar. Zwei Menschen, die viele Lebensjahre trennen, aber doch eines verbindet: die Literatur. Die Idee, Klaus Willbrand und sein Kölner Antiquariat über Social Media bekannt zu machen, war toll und ich mochte die Videos unglaublich gern.

„Einfach Literatur“ weist eine tolle Mischung aus Informationen über Klaus Willbrands Leben und seinen literarischen Tipps auf. Dabei sind die Literaturtipps in „deutschsprachige Literatur“, „angloamerikanische Literatur“ und „französischsprachige Literatur“ unterteilt. Als Germanistin interessiere mich sehr für Literatur und habe mich sehr über die persönlichen Empfehlungen des Antiquars gefreut. Einige Autor*innen haben es nach dem Lesen des Buches auf jeden Fall auf meine Wunschliste geschafft. Neben den Empfehlungen hat mich aber insbesondere die Schilderung des Lebenswegs von Klaus Willbrand und seines Zugangs zur Literatur begeistert. So lernt man nicht nur etwas über die vorgestellten Bücher, sondern entdeckt auch, wie diese mit dem Leben des Antiquars verwoben waren. Es ist unglaublich schade, dass dieser die Veröffentlichung des Buches nicht mehr miterleben konnte. Mir gefällt auf jeden Fall sehr, was Daria Razumovych aus all den gemeinsamen Gesprächen und aufgenommenen Videos geschaffen hat! Dieses Buch macht definitiv Lust auf Literatur und ist etwas für alle, die sich gern mit Büchern auseinandersetzen.

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Veröffentlicht am 07.12.2017

Absoluter Pageturner!

Palast der Finsternis
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„Palast der Finsternis“ war eines meiner Lieblingsbücher in diesem Jahr: unglaublich spannend, mit dem ein oder anderen Schocker-Moment versehen und vor allem durch die Wahl des Handlungsortes sehr überzeugend ...

„Palast der Finsternis“ war eines meiner Lieblingsbücher in diesem Jahr: unglaublich spannend, mit dem ein oder anderen Schocker-Moment versehen und vor allem durch die Wahl des Handlungsortes sehr überzeugend und interessant!

Inhalt:
Die 17-jährige Anouk fliegt gemeinsam mit vier weiteren Jugendlichen nach Paris, um dort an einer streng geheimen Expedition teilzunehmen. Unglaublich froh, das strenge Auswahlverfahren bestanden zu haben und bei dieser spannenden Reise dabei zu sein, können es alle fünf Auserwählten kaum abwarten, endlich den lange versteckten unterirdischen Palast aus den Zeiten der Französischen Revolution zu betreten. Doch was erwartet sie dort? Kann die Expedition möglicherweise nie dagewesene historische bzw. wissenschaftliche Erkenntnisse ans Tageslicht bringen? Soviel kann vorab gesagt werden: Nicht nur der mysteriöse unterirdische Palast, sondern auch die verschiedenen Charaktere der Auserwählten werden für zahlreiche Probleme sorgen!

Eigene Meinung:
Bereits das Cover hat mir sehr gut gefallen und hat mich neugierig auf das Buch gemacht! Die Gestaltung der Diogenes-Bücher finde ich sonst häufig etwas „altbacken“, doch dieses Cover spricht ganz klar auch jüngere Altersstufen an! Ein toller Hologramm-Effekt sowie ein mysteriös und leicht gruselig wirkendes Motiv ziehen sicher die Blicke vieler Bücherfreunde auf sich!
Neben der äußeren Erscheinung konnte mich jedoch auch der Inhalt des Buches vollkommen überzeugen! Es wurde sehr schnell spannend und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass der Spannungsbogen während der gesamten Handlung nie abgeflaut ist und sich „Palast der Finsternis“ somit zum absoluten Pageturner für mich entwickelt hat! Ich hatte wirklich Mühe, das Buch zwischendurch aus der Hand zu legen.
Anfangs dachte ich, dass es sich möglicherweise um die typische Gruselstory in einem alten Gemäuer handeln würde – dies ist jedoch nicht der Fall! Vieles kam anders als ich erwartet hatte, was mich positiv überrascht hat. Bachmann hat hier eine tolle Idee in einem tollen Roman verpackt!
Toll finde ich die Perspektivwechsel zwischen der Ich-Erzählerin aus der Gegenwart, Anouk, sowie der Ich-Erzählerin aus der Vergangenheit, Aurélie. Das bringt viel Abwechslung und lässt einen mit beiden Handlungsebenen sehr stark mitfiebern. Insgesamt haben mir auch die Figuren des Romans gut gefallen, da sie nicht die für „Abenteuergeschichten“ typischen Helden mit tollen Charaktereigenschaften sind. Die Protagonistin Anouk wirkt beispielsweise zunächst wie eine absolute Anti-Heldin: hochbegabt, aber in Bezug auf soziale Kontakte sehr unfähig, was sie durch viel Sarkasmus zu überspielen versucht. Im Laufe der Handlung lassen sich jedoch Veränderungen im Verhalten der fünf Auserwählten beobachten, welche die Figuren weniger oberflächlich als zunächst angenommen zeigen. Interessant war, wie sich die Jugendlichen mit ihren sehr verschiedenen Eigenschaften innerhalb der Gruppe verhalten! Außerdem wurde man immer wieder mit der Frage konfrontiert, wem man nun vertrauen kann und wem nicht – auch als Leser hat man sich dies gefragt und war dementsprechend häufig hin- und hergerissen, was die Handlung noch spannender gemacht hat.
Neben dem Inhalt hat mir auch die Sprache gut gefallen! Stefan Bachmann lässt „Palast der Finsternis“ mit viel sprachlichem Geschick zeitweise flapsig und am jugendlichen Leser orientiert wirken, dann aber wiederum auch ernst und informativ.

Fazit:
Ein toller Roman, der sowohl Jugendliche als auch „ältere Leser“ anspricht! Die Handlung ist nicht vorhersehbar und unglaublich spannend, was „Palast der Finsternis“ zu einem absoluten Pageturner macht. Man sollte jedoch fantastische Elemente mögen und sich auf die Idee Bachmanns einlassen!

Veröffentlicht am 26.11.2017

Gewohnt spannend, lehrreich und toll geschrieben!

Origin
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Viele haben lange auf den neuen Robert Langdon-Band von Dan Brown gewartet und vor ein paar Wochen war es endlich so weit: „Origin“ wurde veröffentlicht! Die Erwartungen waren natürlich enorm und ich wurde ...

Viele haben lange auf den neuen Robert Langdon-Band von Dan Brown gewartet und vor ein paar Wochen war es endlich so weit: „Origin“ wurde veröffentlicht! Die Erwartungen waren natürlich enorm und ich wurde auch definitiv nicht enttäuscht!

Inhalt:
Der Symbologe Robert Langdon wird von seinem ehemaligen Studenten Edmond Kirsch zu einer Abendveranstaltung im Guggenheim-Museum in Bilbao eingeladen. Vor den Augen vieler anderer geladener Gäste und, durch die Medien verbreitet, mehrerer Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen möchte Kirsch eine Entdeckung verkünden und dadurch die existenziellen Menschheitsfragen beantworten. Dass dabei möglicherweise sämtliche Weltreligionen Schaden nehmen könnten, ist dem Futurologen bewusst und als bekennender Atheist nimmt er dies gern in Kauf. Doch natürlich ruft ein solches Vorhaben auch Feinde auf den Plan und es kommt zu enormen Komplikationen. Plötzlich befindet sich Robert Langdon auf der Flucht und muss versuchen, das Geheimnis um Edmond Kirschs Entdeckung zu lüften! Dass auch das spanische Königshaus in die ganze Sache verwickelt zu sein scheint, macht die Aufgabe jedoch nicht unbedingt leichter.

Eigene Meinung:
Zunächst einmal ein großes Lob an den Designer oder die Designerin des Covers! Der typische Dan Brown-Titelschriftzug und die angedeutete Silhouette der Sagrada Família im Hintergrund sind wirklich sehr gelungen. Neben dem äußeren Erscheinungsbild des Buches konnte mich jedoch auch der Inhalt vollkommen überzeugen!
In gewohntem Dan Brown-Stil werden interessante Informationen über Kunst, Bauwerke und ihre Architekten sowie technisches Know-how mit einer unglaublich spannenden Handlung verwebt. Immer wieder schafft der Autor es, den Leser durch seine interessanten Beschreibungen so neugierig zu machen, dass man bestimmte Kunstwerke oder die Schauplätze des Romans im Internet recherchiert, um ein noch genaueres Bild vor Augen zu haben. Eine solche Begeisterung für neue Sachverhalte zu entfachen schaffen meiner Meinung nach nur sehr wenige Autoren! Auch sprachlich hat mich „Origin“ wirklich begeistert, da das Buch – wie seine Vorgänger - ein etwas höheres Sprachniveau als das anderer Autoren aufweist, aber trotzdem sehr angenehm zu lesen ist.
Neben diesen Aspekten haben mir auch die Charaktere wieder einmal sehr gut gefallen! Neben dem Sympathieträger Robert Langdon fand ich auch die Figur Ambra Vidal äußerst interessant und vielschichtig. Insgesamt ist es Dan Brown sehr gut gelungen, dem Leser trotz vieler Personen einen guten Überblick zu geben, sodass sich bei mir nie die Frage einstellte, wer denn der bzw. die noch einmal war. Außerdem wirkten viele Charaktere trotz teilweise kurzen Auftritten sehr detailreich und man konnte ihre Weiterentwicklung im Laufe des Romans feststellen. Besonders spannend fand ich die Verwicklung des spanischen Königshauses in die Handlung und die Schilderungen aus Sicht des Prinzen.
Die kurzen Kapitel und der sehr gut konzipierte Spannungsbogen haben dazu geführt, dass ich das Buch nahezu verschlungen habe. An einigen Stellen dachte man, der Handlung einen Schritt voraus zu sein und etwas zu erahnen, meist wurde man kurze Zeit später jedoch mit einer anderen Auflösung überrascht. Eine solche Unvorhersehbarkeit einer Handlung schätze ich bei Thrillern sehr! Vor allem das Ende hat mich noch einmal überrascht und einige Aspekte des Romans in ein anderes Licht gerückt!
Man sieht in „Origin“ wunderbar, dass der Autor mit der Zeit geht und das Thema „Medien“ und die Technik ganz anders in den fünften Roman rund um Robert Langdon integriert hat als in die vorherigen. Vor allem das Thema KI, Künstliche Intelligenz, fand ich überaus spannend dargestellt!
Als klitzekleinen Kritikpunkt muss ich jedoch anführen, dass das Erkennen geheimnisvoller Symbole in diesem Band leider deutlich zu kurz kam. Diese thematische Besonderheit habe ich bei den Robert Langdon-Romanen immer sehr geschätzt und war deshalb etwas enttäuscht, dass hierfür auf mehr als 600 Seiten kaum Platz war.

Fazit:
„Origin“ ist nicht nur etwas für eingefleischte Dan Brown-Fans, sondern für jeden, der Lust hat, sich in das heutige Spanien entführen zu lassen und die Einbettung von viel Wissenswertem über Kunst und Bauwerke in eine unglaublich spannende Handlung zu erleben! Sowohl aufgrund des Inhalts als auch aufgrund der sprachlichen Gestaltung eine absolute Leseempfehlung von mir!

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