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Veröffentlicht am 19.12.2022

Schräg-verrückte, warmherzige Gangsterstory mit sehr sympathischen Kriminellen

Die Smartphone-Waisen 1: Das Schloss der Smartphone-Waisen
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Kalli, Leo, Tara, Bodhi und Bhavani sind Smartphone-Waisen. Ihre Eltern verloren ihr Leben, weil sie sich lieber mit ihren Handys als mit den akuten Gefahren des echten Lebens beschäftigten. Nun leben ...

Kalli, Leo, Tara, Bodhi und Bhavani sind Smartphone-Waisen. Ihre Eltern verloren ihr Leben, weil sie sich lieber mit ihren Handys als mit den akuten Gefahren des echten Lebens beschäftigten. Nun leben sie gemeinsam bei Marla in einem kleinen Haus in einem Berliner Hinterhof. Doch ihr Zuhause soll abgerissen werden und die Kinder brauchen dringend eine neue Bleibe. Als sie Hermine, eine ältere, sehr nette Dame, kennenlernen, hoffen sie, in deren Schloss unterzukommen. Doch Hermine droht selbst der Rauswurf aus ihrem Domizil. Also schmieden die Kinder einen aberwitzigen Plan, der mit der kuriosen Entführung von Hermines Enkel Archibald beginnt. Doch bald schon läuft alles völlig anders als erhofft…

Autor Salah Naoura schreibt humorvoll, kindgemäß, flüssig, abwechslungsreich und sehr lebendig. Er wendet sich immer wieder an seine Leserschaft, geht auf ihre potentiellen Einwände ein und spricht sie direkt mit „du“ an. Das macht den Schreibstil sehr unterhaltsam.
Kai Schüttlers witzige und drollige, schwarz-weiß Bilder passen ganz prima zur Geschichte.
Das Buch richtet sich an Mädchen und Jungen ab neun Jahren.

Alle wichtigen Charaktere finden sich auf dem bunten Cover. Marla, die „Heimleiterin“ ist liebevoll und nett, kümmert sich rührend um ihre Schützlinge, ist sie doch selbst eine Smartphone-Waise und weiß, was es heißt, seine Eltern zu verlieren. Bodhi und Bhavani streiten sich wie Geschwister das nun mal tun. Leo vergisst die Welt um sich herum, wenn er strickt, Tara ist überzeugt, die Tochter einer Fee zu sein und Kalli ist ziemlich gut im Pläneschmieden. Hermine mit ihrem Rennrollstuhl ist eine Seele von Mensch und schließt die Kinder sofort in ihr großes Herz. Und dann kommt auch noch Hermines Enkel Artschie ins Spiel, der zu Beginn recht unangenehm auffällt, doch schließlich ziemlich überrascht.

Teils ganz schön böse und skurril wie hier die Smartphonesucht der Gesellschaft aufs Korn genommen wird. Salah Naoura steckt sehr direkt den Finger in die Wunde der Elterngeneration. Und wenn man genauer drüber nachdenkt, ist das nicht nur komisch und originell, sondern auch eigentlich ganz schön traurig, weil es leider wirklich Eltern gibt, die ihrem Smartphone mehr Aufmerksamkeit angedeihen lassen als ihrem eigenen Nachwuchs. Eine Entwicklung, die durchaus kritisch zu sehen ist und hier auf sehr komische Art überspitzt dargestellt wird.
Was die Kinder unternehmen, um an ein neues Zuhause zu kommen, ist absolut illegal, kriminell , und mindestens genauso schräg, überdreht und interessant wie die Grundidee der Smartphone-Waisen. Diese ungewöhnlichen Gangster muss man einfach mögen und verteidigen.
Besonders gut hat uns der zauberhafte Laden „Tausend tolle Dinge“ gefallen. So einen Laden sollte es in jeder Stadt geben.
„Das Schloss der Smartphone-Waisen“ ist ein modernes, freches Märchen mit Gut, Böse, Schwarz, Weiß, Action, Witz und ganz viel Herz und Wärme. Uns hat die verrückte, phantasievolle, nicht ganz ernstzunehmende, aber sehr unterhaltsame und humorvolle Geschichte überzeugt.

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Veröffentlicht am 18.12.2022

Wohligwarmes Vorleseabenteuer mit drolligen, liebenswerten Figuren

Die Stoffis - Alle für einen (Band 2)
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Dass die Stoffis jetzt ein eigenes Zuhause in Hulda Regensteins Garten gefunden haben, heißt nicht, dass ihr Leben nun langweilig geworden ist. Als Sternchen bei einem Ausflug von einer Gruppe Kindergartenkinder ...

Dass die Stoffis jetzt ein eigenes Zuhause in Hulda Regensteins Garten gefunden haben, heißt nicht, dass ihr Leben nun langweilig geworden ist. Als Sternchen bei einem Ausflug von einer Gruppe Kindergartenkinder aufgesammelt wird, müssen die Stoffis Sternchen natürlich unbedingt zurückholen. Doch das kann nur mit Huldas Hilfe gelingen. Ob die alte Dame dazu bereit ist? Unterdessen macht Sternchen in der Kita die Bekanntschaft von anderen abenteuerlustigen Kuscheltieren, die auch gerne mal die weite Welt sehen wollen. Ihr Wunsch soll sich schon bald erfüllen…

Sabine Städing erzählt lebendig, bildhaft und kindgemäß. Nadine Reitzs bunte, hübsche und niedliche Bilder illustrieren die Geschichte passend und ansprechend. Ein besonderes Highlight sind die Sticker mit Abbildungen der Stoffhelden im Anhang. Nach jedem gelesenen Kapitel können die kleinen Leserinnen und Leser einen runden Aufkleber nach Wahl auf den dafür vorgesehenen nummerierten Platz auf der Umschlaginnenseite kleben. So macht das Lesen natürlich doppelt Spaß, wenn das Zuhören auch noch belohnt wird.
Das Vorlesebuch richtet sich an Kinder ab vier Jahren.

Die Stoffis sind eine besonders nette, sympathische Truppe, die man sofort ins Herz schließen muss. Kater mag seinen eigentlichen Namen nicht, er ist clever und packt die Dinge an. Einhorn Sunny kann manchmal ein eingebildeter Angeber sein, hat aber das Herz am rechten Fleck. Hund Helmut lässt lieber Vorsicht walten, hat er doch schon viel erlebt. Sein Geruchssinn bringt die Stoffis oft auf die richtige Spur. Schildkröte Melisande ist zwar nicht schnellste, aber ziemlich weise und vernünftig. Dann gibt es noch den immer gut gelaunten Seestern Sternchen. Ohne Sternchen sind die Stoffis einfach nicht komplett. Der einarmige Bär Rumpel ist stark und kann ganz prima Probleme lösen. Diesmal bekommen die Stoffis noch weiteren überraschenden Zuwachs und müssen sich auch mit wirklich unangenehmen Zeitgenossen auseinandersetzen.
In der netten Hulda Regenstein haben die Stoffis eine verlässliche, geduldige Freundin gefunden.

Was für eine schöne und gemütliche Vorstellung, dass Stofftiere eigentlich lebendig sind und in einem Spielhaus in einem Garten ein eigenes Zuhause gefunden haben! Auch das zweite Buch um die Stoffis macht viel Spaß. Der Zusammenhalt der flauschigen Helden, die in „Alle für einen“ wie Musketiere immer füreinander einstehen, ist bemerkenswert. Jeder ist hier wichtiger Teil der Gruppe und wird uneingeschränkt akzeptiert. So sieht echte Freundschaft aus. Eine phantasievolle, wohlig-warme, abenteuerliche Freundschaftsgeschichte mit einnehmenden Figuren und gelungenen Bildern. Ein Muss für alle Kuscheltierfans.

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Veröffentlicht am 11.12.2022

Von ungesunden und heilenden Beziehungen

Fang jetzt bloß nicht an zu lieben
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„Wie das Sprichwort ganz richtig sagte: Eine Lüge war schon um die halbe Welt, ehe die Wahrheit sich die Schuhe angezogen hatte.“

Nachdem Hochzeitsfotografin Harriet den Heiratsantrag ihres Freundes Jon ...

„Wie das Sprichwort ganz richtig sagte: Eine Lüge war schon um die halbe Welt, ehe die Wahrheit sich die Schuhe angezogen hatte.“

Nachdem Hochzeitsfotografin Harriet den Heiratsantrag ihres Freundes Jon ablehnt, braucht sie dringend eine neue Bleibe. Über eine befreundete Immobilienmaklerin erfährt sie von einem freien Zimmer bei Cal. Sie mietet das Zimmer ungesehen und ohne Cal zu treffen. Die beiden WG-Bewohner verstehen sich zunächst gut. Erst später wird klar, dass Harriets Cals brisantes Geheimnis kennt, das die Situation zwischen den beiden verkompliziert. Auch Harriet schleppt allerhand Ballast mit sich herum. Sie glaubt nach schlechten Erfahrungen nicht mehr an die große Liebe. Ob die beiden Mitbewohner es schaffen, mit ihrer Vergangenheit abzuschließen?

Mhairi McFarlane schreibt unkompliziert und flüssig in der dritten Person Vergangenheit. Der lockere Schreibstil lässt sich leicht und angenehm lesen. Da soziale Medien im Roman eine größere Rolle spielen, sind auch Facebook-Posts oder WhatsApp-Nachrichten abgedruckt, die für die Handlung wichtig sind.

Dass Harriet ein Problem mit Beziehungen hat, zeigt sich spätestens dann, als sie den Heiratsantrag ihres Freundes zunächst unter Zugzwang annimmt und kurz darauf ihre Entscheidung revidiert und die Flucht antritt. Welches Trauma die junge Frau genau zu verarbeiten hat, wird im Verlauf nachvollziehbar erklärt. Harriet ist ein recht authentischer Charakter. Bei Cal wird ebenso rasch klar, warum er sich verhält, wie er sich verhält. Auch seine Erfahrungen und die Konsequenzen, die er daraus zieht, werden recht realistisch dargestellt. Cal wirkt auf mich allerdings etwas zu nett und glatt.

So locker-leicht und zuckersüß sich „Fang jetzt bloß nicht an zu lieben“ gerade am Ende entwickelt, so enthält der Plot auch viel Stoff zum Nachdenken. Es geht im Roman um Freundschaft und Liebe, aber auch um verschiedene Wahrnehmungen der Wirklichkeit und um die Macht des Internets und der sozialen Medien, die gnadenlos und unerbittlich ganze Existenzen zerstören können. Für mich zwar nicht der spritzigste und überraschendste Roman der Autorin - gerade anfangs zieht sich die Handlung ein wenig- aber ein durchaus unterhaltsames und lesenswertes Buch fürs Herz und das Gemüt.

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Veröffentlicht am 11.12.2022

Moderner, abwechslungsreich gestalteter Comicroman mit wichtiger Botschaft

Lina Knut. Schülerin, Gamerin, Weltenretterin
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Lina Knut geht in die fünfte Klasse, sie ist Gamerin, lässt ihre Follower in Let’s- Play-Videos live beim Spielen zusehen und hat online eine feste Clique. Im echten Leben kann sie sich auf ihre beste ...

Lina Knut geht in die fünfte Klasse, sie ist Gamerin, lässt ihre Follower in Let’s- Play-Videos live beim Spielen zusehen und hat online eine feste Clique. Im echten Leben kann sie sich auf ihre beste Freundin Mia verlassen, die sie immer wieder stärkt und die ihr über ihr Stottern hinweghilft. Als Lina die Möglichkeit bekommt, eine Erweiterung ihres Lieblingsspiels Aarona exklusiv vorab zu testen, möchte sie ihren virtuellen Freunden ein einzigartiges Let’s-Play bieten. Doch bei all der Aufregung verliert sie ihre wirkliche Freundin Mia aus den Augen. Ob Mia ihr das verzeihen kann?

Lina erzählt in Tagebuchform. Das Buch ist aufgeteilt in echte Erlebnisse, wenn Lina von ihrem realen Leben in der Schule, der Familie und ihren Freunden berichtet, und Abschnitten, in denen es um das virtuelle Spiel und ihre Online-Kommunikation geht. Optisch sehen der Hintergrund und die Illustrationen dann wie die Grafik eines Videospiels aus. Wenn Lina von ihrem wirklichen Leben schreibt, sind viele motivierende, witzige und unterhaltsame Bilder eingefügt. Wie im Comicroman üblich sind manche Wörter in anderer Schriftart gestaltet oder fett gedruckt. So werden auch weniger lesebegeisterte Kinder die Geschichte ohne Anstrengung lesen können. Das Buch richtet sich an Kinder ab neun Jahren.

Lina ist ein nettes Mädchen mit wirklich guten Freunden, das unter seinem Stottern leidet. Gamen ist für Lina eine Möglichkeit, aus dem Alltag zu entfliehen und ihre Schwäche zu vergessen. Auf ihre immer fröhliche, offene Freundin Mia kann sie sich stets verlassen. Im Laufe der Lektüre wird sehr deutlich, dass Lina nicht die einzige ist, die Probleme hat. Mir gefällt, wie selbstverständlich und natürlich hier mit den vermeintlichen Schwächen der Figuren umgegangen wird.

Mit dem Gaming Trend Let‘s Play kann ich wenig anfangen. Mir erschließt sich nicht, was faszinierend daran sein soll, anderen online beim Computerspiel zuzusehen. Dennoch ist Lina Knut ein Buch, das sicher auch Nicht-Gamer abspricht. Die Botschaft, dass niemand perfekt ist, wie bedeutend Freunde und wie notwendig Spaß auch im echten Leben sind, ist für alle Kinder wichtig. Diese ist in einem absolut motivierend gestalteten Comicroman mit ungewöhnlicher Idee verpackt. Und wer weiß, vielleicht bringt gerade dieses Buch Kinder, die etwas zuviel Zeit vor dem Computer verbringen, zum Lesen?

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Veröffentlicht am 03.12.2022

Grundlegende, motivierende Einführung in das Brotbacken mit tollen Fotos

Das große Brotbackbuch
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Christina backt wieder. Diesmal backt sie Brot.
In ihrem neuesten Buch „Das große Brotbackbuch“ werden alle wichtigen Basics zum Brotbacken sehr genau erklärt. Die Einführung beschäftigt sich mit den ...

Christina backt wieder. Diesmal backt sie Brot.
In ihrem neuesten Buch „Das große Brotbackbuch“ werden alle wichtigen Basics zum Brotbacken sehr genau erklärt. Die Einführung beschäftigt sich mit den Fragen: Warum lohnt es sich Brot selber zu backen? Welche Ausstattung braucht man dafür? Welche Methoden und Techniken sind beim Brotbacken wichtig? Anschließend werden die vier Grundteige, klassischer, süßer, pikanter und Kleingebäckteig vorgestellt und erläutert, wie man selbst Sauerteig herstellt. Es gibt zudem eine Tabelle, wie sich Zutaten austauschen lassen, Tipps zur Brotaufbewahrung und schließlich jede Menge Rezepte: Brote für alle Lebenslagen, Weckerl und Kleingebäck, Vollkornbrote, süße Hefeteilchen und Snacks, Brote zum Verschenken, Rezepte zur Brotverwertung. Im letzten Kapitel findet man Hilfe bei Problemen, zum Schluss ist ein Glossar mit Fachbegriffen und ein alphabetisches Rezepteregister angefügt.

Die Texte sind gut verständlich, klar und anschaulich formuliert. Die Leserinnen und Leser werden direkt angesprochen, was recht persönlich und lebendig wirkt. Besonders gelungen sind die herrlichen Bilder der ausgesprochen lecker aussehenden Gebäcke, die den Appetit anregen und sofort Lust aufs Losbacken machen.

Brotbacken ist kein Hexenwerk, sondern mit guter Anleitung ganz einfach, das zeigt Autorin Christina Bauer. „Das große Brotbackbuch“ ist definitiv ein besonderer Augenschmaus. Wer sich bisher noch nicht mit Brotbacken beschäftigt hat, für den ist das Buch ein perfekter Einstieg in die Thematik. Es vermittelt wichtiges Grundwissen und alle notwendigen Techniken rund ums Brotbacken. Die Rezepte sind vielfältig und bieten sicherlich für jeden Geschmack etwas - ob Süßschnabel oder Herzhaftesser. Die bodenständigen Rezepte sind ideal für Anfänger, werden genau erklärt, sind einfach nachzumachen und gelingen leicht. Wer es etwas raffinierter und anspruchsvoller mag, wird die Rezepte an der ein oder anderen Stelle sicher noch abwandeln müssen. Insgesamt aber sehr empfehlenswert für alle, die das Brotbacken gerne einmal ausprobieren wollen.

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