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Veröffentlicht am 03.03.2025

Familiendrama und interessant konstruierter, wendungsreicher Krimi

Allein gegen die Lüge
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„Wenn im Zusammenhang mit polizeilicher Ermittlung die Sprache auf die Intuition kam, rümpften viele ihrer FBI-Kolleginnen und -Kollegen die Nase. Sie hielten das für magisches Denken, das die Wahrnehmung ...

„Wenn im Zusammenhang mit polizeilicher Ermittlung die Sprache auf die Intuition kam, rümpften viele ihrer FBI-Kolleginnen und -Kollegen die Nase. Sie hielten das für magisches Denken, das die Wahrnehmung einschränkte und letztendlich zu Fehlurteilen führte. Aber Keller folgte stets ihrem Gefühl. Und in diesem Fall war es ganz eindeutig: Fremdeinwirkung.“

Matt Pines Bruder Danny sitzt wegen Mordes an seiner Freundin Charlotte in Haft. In einer Netflix-Dokumentation wird der Fall näher beleuchtet. Die Sendung legte den Verdacht nahe, dass Danny kein Mörder ist und zu Unrecht verurteilt wurde. Dannys Vater Evan und seine Schwester Maggie sind von Dannys Unschuld felsenfest überzeugt und versuchen den Fall eigenmächtig aufzuklären. Mit Mutter Olivia und dem kleinen Sohn Tommy reisen sie nach Mexiko, um dort eine Spur zu verfolgen. Doch dann geschieht eine schreckliche Katastrophe: Die Familie wird tot in ihrem Ferienhaus gefunden. Weder Matt noch FBI-Agentin Sarah Keller glauben an einen Unfall: Hängt Dannys vermeintliche Tat womöglich mit dem Tod der Pines zusammen? Was passierte damals wirklich mit Charlotte?

Der Autor stellt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven dar. In Rückblenden schildert er, was die Pines kurz vor ihrer Mexikoreise erleben. Zudem wird von den aktuellen Ermittlungen der FBI- Agentin Keller und von Matts Situation erzählt. Der Roman liest sich leicht, unkompliziert und flüssig.

Mit Matt Pine möchte wohl aktuell niemand tauschen Was für eine furchtbare Vorstellung, plötzlich keine Familie mehr zu haben. Mit Matt muss man einfach mitleiden. Er hat nichts mehr zu verlieren. Daher kann er einiges riskieren, um die Wahrheit herauszufinden. Und er gibt nicht auf. Auch Ermittlerin Sarah Keller lässt die Sache nicht los. Sie ist davon überzeugt, dass sich die Fälle der Familie Pine anders gestalten, als sie scheinen….

Wie kamen Charlotte und die Pines wirklich ums Leben? Die vielschichtige Erzählweise, die Darstellung mehrerer verschiedener Sichtweisen macht den Roman sehr interessant. Kontinuierlich tauchen neue Hinweise auf und es werden für die Leser neue Spuren gelegt. Im Mittelteil herrscht Ruhe vor dem Sturm, hier ziehen sich die Entwicklungen ein wenig zäh dahin. Mit dem fesselnden, spektakulären und dramatischen Ende wird man allerdings belohnt, durchgehalten zu haben, eine unvorhergesehene Wendung folgt auf die nächste.
Ich habe „Allein gegen die Angst“ insgesamt gerne gelesen. Der Roman ist sowohl Familiendrama, als auch ein stimmig konstruierter, packender Krimi mit einigen Überraschungen.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Spannend mit einigen Überraschungen, aber ohne den Mitfieberfaktor

Die Villa
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„Ja, sie will etwas von diesem Ausflug, etwas, was sie ohne die Anwesenheit der anderen nicht bewerkstelligen kann. Es geht nicht nur darum, sich an Aoife zu erinnern- es geht darum, die Vergangenheit ...

„Ja, sie will etwas von diesem Ausflug, etwas, was sie ohne die Anwesenheit der anderen nicht bewerkstelligen kann. Es geht nicht nur darum, sich an Aoife zu erinnern- es geht darum, die Vergangenheit wieder zum Leben zu erwecken.“

Vor drei Jahren feiern Dani, Tiffany, Beth und Celine unter der Sonne Marbellas Aoifes Junggesellinnenabschied. Doch ihr Aufenthalt in einer traumhaften Villa entwickelt sich zum Albtraum. Es fließt reichlich Alkohol, wodurch manche der Frauen die Kontrolle verlieren. Dann passiert etwas Unfassbares: Die Braut wird von einem Einbrecher ermordet. Drei Jahre später ist Dani, Aiofes beste Freundin, immer noch von den Ereignissen traumatisiert. Sie organisiert ein Treffen mit den anderen Teilnehmerinnen des Junggesellinnenabschieds, um die Geschehnisse aufzuarbeiten. Doch jede der Frauen hat ihre eigene Version der Geschichte zu erzählen. Ob die Wahrheit ans Licht kommt?

Die Handlung wird aus mehreren Perspektiven auf zwei Ebenen dargelegt. Sowohl der aktuelle Aufenthalt in der Villa als auch der damalige Junggesellinnenabschied stehen im Fokus. Es wird in der dritten und ersten Person geschildert, wie die vier Frauen die Situation damals und heute erleben. Der Roman ist klar und gut verständlich formuliert, liest sich leicht und flüssig.

Wäre es nach Aoifes Vorstellungen gegangen, hätte das Event zu ihrem Junggesellinnenabschied etwas anders ausgesehen. Aber ihr Mann Nathan hat Einfluss auf die Gästeliste genommen und so sind nicht nur Aoifes engste Freundinnen wie Dani, die sie am besten kennt, unter den Teilnehmerinnen, sondern auch Frauen, die recht wenig mit Aoife und den anderen gemein haben. Die Frauen haben teils recht unterschiedliche Interessen, verstehen sich nicht besonders gut und so liegt von Anfang an Spannung in der Luft. Hinzu kommt, dass die Frauen einige Geheimnisse verbergen, die besser auch Geheimnisse bleiben sollten. Ich konnte die individuellen Situationen der Charaktere und ihr Verhalten meist nachvollziehen, sympathisch war mir aber keine der Figuren. Vor allem die Braut Aoife empfand ich als recht unangenehm.

Die Geschichte wird fesselnd erzählt. Nach und nach fügen sich einzelne Aspekte, Rückblenden und Gegenwart zu einem stimmigen Ganzen mit einigen Überraschungen zusammen. Wenig ist so, wie es am Anfang scheint. Insgesamt ein solide konstruierter, recht spannender Thriller. Da mir die Figuren nicht ganz so nah kamen, fehlte mir aber der Mitfieberfaktor. Freilich wollte ich wissen, was damals wirklich geschah, wollte des Rätsels Lösung kennen. Letztlich blieb für mich dabei aber das Schicksal der Beteiligten nur zweitrangig, ich litt nicht so mit, wie ich mir das gewünscht hätte. Unterm Strich: Ein unterhaltsamer, kurzweiliger Thriller mit einigen Wendungen, dem für mich aber das gewisse Etwas fehlt.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Ein gefährliches Unwetter, geheimnisvolle Nachbarn und ein entflohener Häftling- hochdramatisch und fesselnd

Nachtflut
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„Chaos würde Paul so einen Zustand jedenfalls nicht mehr nennen, Apokalypse war vielleicht passender, dachte er, und das ungute Gefühl, dass er damit nicht ganz falsch lag, wurde immer stärker.“

Die Wetterlage ...

„Chaos würde Paul so einen Zustand jedenfalls nicht mehr nennen, Apokalypse war vielleicht passender, dachte er, und das ungute Gefühl, dass er damit nicht ganz falsch lag, wurde immer stärker.“

Die Wetterlage ist lebensgefährlich. Alle Bewohner der Küstenorte sollen ihre Häuser umgehend verlassen. Elisa schiebt ihre Abfahrt bis zum Schluss auf, doch dann ist eine Flucht nicht mehr möglich. Auch ihre Nachbarn Vera und Joachim müssen in ihrem Haus ausharren, Elisa schließt sich ihnen an. Gemeinsam versuchen sie, sich vor der Überflutung in Sicherheit zu bringen. Dann erreicht sie die Nachricht, dass Häftlinge der nahegelegenen JVA ausbrechen konnten. Einen davon kennt Elisa persönlich sehr gut und er hat noch eine Rechnung mit ihr offen….

Hauptsächlich erzählen die Kapitel auf klar und gut verständliche Weise was während des dramatischen Unwetters geschieht. Zwischendurch werden Tagebucheinträge einer zunächst unbekannten Frau eingeschoben. Im Verlauf klärt sich, was diese Passagen mit der Handlung zu tun haben. Aufgrund des leichten, flüssigen Sprachstils hatte ich keine Schwierigkeiten, mich in die Handlung hineinzufinden.

Schnell wird klar, dass alle Charaktere etwas zu verbergen haben. Elisa wirkt sehr passiv, ist abhängig von Beruhigungstabletten. Was steckt hinter ihrer Sucht? Warum zerbrach ihre Ehe mit Exmann Max, der sich beim THW engagiert und nun Menschen vor der Flut rettet? Wieso zeigt sich Nachbar Joachim so skeptisch und scheut engeren Kontakt zu seinen Nachbarn? Und was hat Paul, der seit dem Tod von Elisas Schwester im Gefängnis sitzt, vor? Eine hochspannende, explosive Figurenkonstellation.

Die Geschichte riss mich wie die beschriebene Flut regelrecht mit. Ohne dabei groß nachzudenken, konnte ich nicht aufhören zu lesen, verschlang den leichtgängigen Roman fast in einem Rutsch. Das hochdramatische Szenario wird insgesamt sehr packend geschildert. Dass Elisa allerdings so wenig tut, sich nur darum zu kümmern scheint, dass sie keine Tabletten mehr hat und die sonstigen Entwicklungen überwiegend fast teilnahmslos betrachtet, hat mich allerdings ein wenig gestört. Überhaupt sind die Charaktere nicht sehr ausgefeilt, kommen recht einseitig und wenig komplex rüber, was bei all den actionreichen Entwicklungen und Wendungen aber für mich wenig ins Gewicht fällt.
Am Ende wartet der Thriller noch mit besonderen Enthüllungen und Überraschungen auf. Insgesamt ein leichter Krimi, der mich gut unterhalten hat, sicher aber nicht länger nachwirkt. Für alle, die gerne in dramatische Szenarien abtauchen und die schnelle Unterhaltung suchen, ist „Nachtflut“ sicher die passende Lektüre.

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Veröffentlicht am 11.02.2025

Eine Katastrophe aus der Unterwelt und ein Albtraumurlaub - irre komischer Lesespaß für die ganze Familie

Crazy Family (Band 3) - Die Hackebarts greifen an!
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Nachdem ihre Doppelhaushälfte durch einen unglücklichen Zwischenfall vorübergehend unbewohnbar geworden ist, treten die Hackebarts ihren Urlaub in Kenia an. Und auch der läuft nicht gerade nach Plan. Doch ...

Nachdem ihre Doppelhaushälfte durch einen unglücklichen Zwischenfall vorübergehend unbewohnbar geworden ist, treten die Hackebarts ihren Urlaub in Kenia an. Und auch der läuft nicht gerade nach Plan. Doch die Hackebarts wären nicht die Hackebarts, wenn sie sich durch äußere Umstände irgendwie aus der Ruhe bringen ließen. Und so erleben sie trotz aller Widrigkeiten und Katastrophen einen völlig verrückten, absolut unvergesslichen Abenteuerurlaub.…

Die Geschichte wird in der dritten Person Vergangenheit erzählt. Sie liest sich herrlich leicht, sehr witzig und so flüssig, dass die Seiten fast wie von selbst zu fliegen scheinen. Sehr unterhaltsam sind die originellen, aussagekräftigen Illustrationen, die verschiedene Szenen der Handlung zeigen und perfekt zur Geschichte passen. Das Buch richtet sich an Kinder ab neun Jahren.

Die Hackebarts sind tatsächlich eine ziemlich crazy und äußerst ungewöhnliche Familie: Vater Walter ist Hausmann und leidenschaftlicher Sammler historischer Klobürsten. Sein Hobby bekommt in dieser Episode eine besondere Bedeutung. Mutter Adrijana Hackebart verdient als LKW-Fahrerin das Geld für die Familie, während ihrer Touren gibt sie zudem Konzerte auf dem Klavier. Lulu Hackebart, die jüngste, hochbegabte Tochter fällt mit ihrer Klugheit all ihren Lehrerinnen und Lehrern so auf die Nerven, dass sie mit sechs Jahren kurz vor dem Abitur steht. Ihr Bruder Mönkemeier ist ein begnadeter Künstler mit Vorliebe fürs Abstrakte. Zosch, der ältere Hackebart-Sohn hat nur Zocken im Kopf. Die älteste Tochter Brooklyn ist die vernünftigste Person in der Familie, nur ganz selten wird sie von ihren verrückten fünf Minuten heimgesucht. Und dann gibt es noch Opa Hackebart, der verbissen gegen den Klimawandel und für den Erhalt der Erde kämpft und heimlich ein großer Bibi-und- Tina- Fan ist. Eine urkomische, wunderbar unterhaltsame Figurenkonstellation!

Wo diese Familie auftaucht, herrscht Chaos. Eine Katastrophe reiht sich an die nächste. Aber die Hackebarts nehmen es stets, wie es kommt und machen das Beste daraus. Die Handlung des neuesten Bands der Reihe ist absolut schräg und freilich völlig übertrieben. Aber das macht gerade den besonderen Charme und Reiz dieser Geschichte aus. Sie bietet so viele irre komische Szenen zum Lachen - unser absolutes Highlight war Zoschs origineller Versuch, an das Paypalpasswort seine Vaters zu gelangen. Bei allem Witz gibt es auch fast philosophische Momente zum Nachdenken, so haben gerade die Söhne der Hackebarts mitunter ein paar sehr interessante Gedankengänge.
Auch der dritte Band der Hackebarts ist ein urkomisches, verrücktes, schräges, phantasievolles und völlig überdrehtes Leseerlebnis, das beim gemeinsamen Vorlesen sicher allen Spaß macht. Zum Glück ist nach diesem Band noch nicht Schluss.

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Durchschnittlicher, vorhersehbarer Krimi ohne Raffinesse

Die Schanze
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Ärztin Ellen hat sich von ihrem Lebensgefährten und Kollegen getrennt. Daher kehrt sie ihrem aktuellen Leben in der Stadt den Rücken, um in ihrer bayerischen Heimat die Praxis ihres ehemaligen Hausarztes ...

Ärztin Ellen hat sich von ihrem Lebensgefährten und Kollegen getrennt. Daher kehrt sie ihrem aktuellen Leben in der Stadt den Rücken, um in ihrer bayerischen Heimat die Praxis ihres ehemaligen Hausarztes zu übernehmen. Doch der Neuanfang wird überschattet von einem Mord. An der Skischanze hängend, wird ein Toter gefunden. Und der ist kein Unbekannter für Ellen. Im Gegenteil, in der Vergangenheit hat der Mann Ellen schlimmes Leid zugefügt und sie selbst hätte gute Gründe, Rache an ihm zu üben…. Wer steckt hinter der Tat?

Autor Lars Menz erzählt seine Geschichte in der dritten Person Vergangenheit. Er schildert die Ereignisse in Ellens neuer, alter Heimat. Immer wieder werden dabei auch Rückblenden eingeschoben, Erinnerungen Ellens an ihre Jugend. Der Schreibstil ist direkt, recht nüchtern und gut verständlich, wirkt auf mich aber ein wenig hölzern, manchmal künstlich und „zu gewollt“. So findet sich im Roman tatsächlich der Satz „Irgendwo draußen bellte ein Hund“, der allzu offensichtlich eine spezielle Atmosphäre kreieren soll, aber mittlerweile doch eher abgedroschen ist.

Die Figuren werden wenig detailliert, sorgfältig und ausführlich gezeichnet. So blieben sie für mich leider etwas blass und fremd. Auch zur Hauptperson Ellen vermochte ich keinen rechten Bezug zu finden, sie war mir nicht besonders sympathisch. Die Rolle des Journalisten kam mir etwas „halbherzig“ vor und wurde möglicherweise nur aus Gründen der Dramaturgie eingefügt.

Wer ist der Mörder? Und wie hängt die Tat mit Ellen zusammen?
Ich habe den Krimi recht schnell und nicht ungern gelesen. Er war insgesamt durchaus unterhaltsam, hundertprozentig abholen und überzeugen konnte mich die Geschichte allerdings nicht. Die Idee hinter dem Buch ist grundsätzlich eigentlich eine solide, wenn auch keine neue. Einige Details, gerade was Ellens traumatische Erfahrungen betrifft, empfand ich als nicht ganz logisch. Insgesamt entwickelte sich die Handlung recht vorhersehbar. Daher war mir eigentlich schnell klar, wer der Täter sein muss und wer noch in die Sache involviert ist. Für meinen Geschmack hätte der Autor sich ruhig etwas mehr Mühe bei der Ausarbeitung seiner Charaktere geben dürfen. So liefert Lars Menz für mich mit „Der Schanze“ nur durchschnittliche Krimikost ohne Überraschungen ab und leider nicht den mitreißenden Wow-Thriller, den ich mir erhofft hatte.

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