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Veröffentlicht am 29.11.2021

Ein typischer „Bronsky“: Tieftraurig, schräg-komisch, berührend - einfach grandios

Barbara stirbt nicht
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„Seine nächste Idee war, Karin anzurufen und zu fragen, wie man Kaffee kocht. Als Frau musste sie so was wissen.“

Walter Schmidt ist es gewohnt, dass seine Frau Barbara immer da ist und alle Aufgaben ...

„Seine nächste Idee war, Karin anzurufen und zu fragen, wie man Kaffee kocht. Als Frau musste sie so was wissen.“

Walter Schmidt ist es gewohnt, dass seine Frau Barbara immer da ist und alle Aufgaben im Haushalt erledigt. Doch eines Tages fühlt sich Barbara so müde, dass sie nicht mehr aufstehen kann. Wohl oder übel muss Walter nun selbst ran: Kaffee kochen, Frühstück machen, einkaufen…Da es Barbara auch in den nächsten Tagen nicht besser geht, ändert sich Walters Leben von Grund auf. Jeden Tag warten neue Herausforderungen auf ihn, gleichzeitig setzt er sich zwangsläufig mit seinem Leben und der Beziehung mit Barbara auseinander.

Alina Bronsky schildert die Geschichte aus Walters Sicht als auktoriale Erzählerin in der dritten Person. Sie schreibt direkt und klar, in einfachen Sätzen, teils in Umgangssprache. Die Autorin „spricht“ Walters Sprache, formuliert so, wie sich Walter ausdrücken würde, genau so, wie er denkt. Das macht die Geschichte für mich sehr authentisch.

Walter Schmidt, meist im Buch nur bezeichnenderweise Herr Schmidt genannt, ist alles andere als angenehm. Er selbst ist wie Barbara „Zugezogener“ mit osteuropäischen Wurzeln, lehnt aber alles nicht-deutsche erst einmal ab. Er denkt oft rassistisch, frauenfeindlich, stockkonservativ, zeigt sich als ein absoluter Ignorant. Ein Unsympath, der mir im Laufe des Buchs aber dennoch immer sympathischer wurde. Walter kann nicht aus seiner Haut, ist unglaublich unbeholfen und überspielt das mit Selbstbewusstsein, Sturheit und Strenge. Aber die Situation zwingt ihn, sich anzupassen, sich weiter zu entwickeln, Dinge zu tun, die er eigentlich nicht tun will, wie Kochen. Er wertet seine Frau Barbara permanent ab, kritisiert sie als „unscheinbar“ und nicht „robust“, doch es wird immer klarer, wie sehr er sie wirklich braucht und schätzt. Das erstaunt ihn selbst: „Barbara war perfekt, dachte er überrascht.“
Barbara, die wenig aktiv ins aktuelle Geschehen eingreift, ist eine warmherzige, geduldige, mitfühlende, sensible und tolerante Figur. Eine Sympathieträgerin, die im Leben viel geleistet hat und bei anderen sehr beliebt ist.
Das Verhältnis von Barbara und Walter wird klar und nachvollziehbar dargestellt. Wie die „alltägliche Zweck-Beziehung“ der beiden wirklich aussieht, überrascht Walter selbst am allermeisten. Die Autorin hat sich sehr gründlich mit ihren Charakteren auseinandergesetzt und eine interessante, intensive und eindrucksvolle Figurenkonstellation konstruiert.

„Barbara stirbt nicht“ ist ein außergewöhnliches Buch, das nahegeht und zum Nachdenken zwingt. Eine Geschichte, die deprimiert, aber auch gleichzeitig zum Lachen bringt, ist es doch urkomisch und schräg, wie Walter beispielsweise versucht, Kaffee zu kochen. Angesichts Walters Lebensuntüchtigkeit kann man als Leser nur fassungslos staunen und sich fragen, ob man lachen oder weinen soll. Alina Bronsky hat eine tragische Familiengeschichte verfasst und gleichzeitig eine besondere, bodenständige, fast „derbe“, aber tiefgründige Liebesgeschichte. Dass sich während Barbaras Krankheit etwas in Walter bewegt, dass er erkennt, was wirklich wichtig ist, wie er auf seine ganz eigene, unbeholfene Art versucht, Barbara glücklich zu machen, ist rührend. Und je mehr Walter betont, dass Barbara nicht stirbt, sondern gesund wird, desto deutlicher wird, dass er sich etwas vormacht. Manchmal weiß man eben leider erst, was man hat, wenn es zu spät ist. Ein absolut lesenswerter Roman mit unbequemer, streitbarer, herausfordernder Hauptfigur, der mich stark beeindruckt hat. Ein Roman, der Verständnis auch für solche Menschen aufbaut, die nicht den moralischen Ansprüchen der Mehrheit genügen. Vielleicht ist gerade aber das in unserer Gesellschaft besonders wichtig?

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Veröffentlicht am 16.11.2021

Fräulein Kniffke zum Zweiten - originelles Heldenabenteuer zum Pupsen komisch

Fräulein Kniffkes geheime Heldenschule 2: Verpupst noch mal!
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Was stinkt denn da? Seit Tagen ist die Luft in Arthurs neuer Heimatstadt alles andere als frisch. Und Arthur ist schnell klar, warum. Ein übles Virus grassiert in der Stadt und es befällt nur die Erwachsenen, ...

Was stinkt denn da? Seit Tagen ist die Luft in Arthurs neuer Heimatstadt alles andere als frisch. Und Arthur ist schnell klar, warum. Ein übles Virus grassiert in der Stadt und es befällt nur die Erwachsenen, die nach der Ansteckung pausenlos pupsen müssen. Das riecht nach der nächsten Mission für Fräulein Kniffke und ihre Heldenschüler mit den Blockflöten. Ob sie es schaffen, die Luft wieder rein zu machen?

Autorin Lena Havek schreibt flüssig, gut verständlich und sehr lebendig aus Arthurs Sicht in der ersten Person. Die Autorin hat ein „Händchen“ für irrsinnig komische Formulierungen und Ausdrücke wie beispielsweise ihre Passage über das „Furz-Yoga“ beweist. Trainerin Frau Diepfurth gibt ihren Kursteilnehmern folgende Anweisung: „»Eure Ventile sind blockiert«, schrie sie. »Lasst den überflüssigen Dampf ab, öffnet euch! Spürt ihr schon, wie die Energie wie eine Flutwelle durch eure Körpermitte fließt? Das ist das Chi! Befreit die Winde!«, befahl sie.“
Jan Bircks witzige, comicartige Illustrationen passen sehr gut zur Geschichte. Mitunter wiederholen sich die Bilder von den Figuren allerdings.
Zum Selberlesen ist das Buch für Kinder ab acht Jahren geeignet. Jüngere Kinder lassen sich die Geschichte sicher gerne vorlesen.

Fräulein Kniffke ist eine sehr originelle Figur. Unter ihrer Tarnung als harmlose Oma verbirgt sich eine durchtrainierte Superheldin mit rosa Igelfrisur, die ihre Blockflötenschüler in Kampftechnik unterrichtet, gemeinsam mit ihnen unterirdisch unterwegs ist und so schon mal die Welt rettet. Von einer derart coole Blockflötenlehrerin träumen bestimmt viele Kinder.
In Arthur, der etwas schüchtern ist und sich immer noch für durchschnittlich hält, werden sich die jungen Leserinnen und Leser gut hineinversetzen können. Arthur muss erst noch lernen, was es heißt, ein Held zu sein. Die forsche Maxi und Tim, der nur in der normalen Welt stottert, sind da schon etwas weiter. Während ihrer Mission lernen Arthur und Co die Power Papas kennen, die ähnliche Ambitionen haben wie Fräulein Kniffkes Truppe. Außerdem bekommen sie es mit einem besonderen Bösewicht zu tun, der ein überraschendes Motiv für seine Taten hat, und dann ist da noch die ehrgeizigen Sportlehrerin Frau Diepfurth, die aus der unangenehme Situation Kapital schlagen möchte. Die herrlich schrägen, witzigen Figuren machen großen Spaß.

Werden Fräulein Kniffke und ihre Schüler der Geruchsbelästigung den Garaus machen? Ihr Weg führt sie mal wieder in unterirdische Gefilde, diesmal sind sie mit der pfeilschnellen R.A.T.T.E unterwegs. „Fräulein Kniffkes streng geheime Heldenschule 2: Verpupst nochmal“ ist ein turbulentes, actionreichen, schräges und sehr phantasievolles Abenteuer, das nebenbei noch die Trennung von Arthurs Eltern thematisiert und auch auf die Conona-Situation anspielt, aber trotzdem nicht nervt. Dafür ist es viel zu lustig und absurd. Einfach Pupskomisch! Lena Havek hat sich eine absolut lesenswerte Figurenkonstellation und Reihe ausgedacht, deren Fortsetzung wir kaum erwarten können.

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Veröffentlicht am 15.11.2021

Lesenswerte Fortsetzung mit atemberaubendem Finale

Die Früchte, die man erntet
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„Er hatte nicht alles zerstört. Doch das war reines Glück gewesen, und deshalb hatte er beschlossen, sein Leben von Grund auf zu ändern.“

Drei Jahre mussten sich die Fans gedulden, jetzt ist endlich ...

„Er hatte nicht alles zerstört. Doch das war reines Glück gewesen, und deshalb hatte er beschlossen, sein Leben von Grund auf zu ändern.“

Drei Jahre mussten sich die Fans gedulden, jetzt ist endlich die langersehnte Fortsetzung der Reihe erschienen. Und die bietet allerhand Zündstoff: Ein Heckenschütze hält die schwedische Kleinstadt Karlshamn in Atem, schon drei Opfer wurden hinterrücks erschossen. Vanja hat bei der Reichsmordkommission Torkels Nachfolge angetreten und ist somit für die Ermittlungen verantwortlich. Ihr Vater Sebastian Bergmann unterstützt sie privat und kümmert sich liebevoll um seine Enkelin Amanda. Sebastian arbeitet mittlerweile als Therapeut, sein neuer Patient, der Australier Tim Cunningham stellt ihn vor eine große Herausforderung. Billy, Vanjas Kollege und bester Freund, wird bald Vater und freut sich sehr darauf. Doch dann holt ihn seine Vergangenheit wieder ein und all sein Glück droht zusammenzubrechen. Billy will das um jeden Preis verhindern.

Die Autoren Michael Hjorth und Hans Rosenfeld schreiben flüssig und klar in kurzen Kapiteln. Auch wenn seit dem letzten Band der Reihe eine längere Zeit vergangen ist, war ich dank des unkomplizierten, angenehmen Sprachstils sofort „drin“ im aktuellen Geschehen. Abwechslungsreich wird die Geschichte vor allem durch die ständigen Perspektiv- und Schauplatzwechsel, verschiedene Handlungsstränge werden immer weiter gesponnen und schließlich zusammengeführt.

Sebastian Bergmann, so unangenehm wie er oft sein mag, ist eine meiner literarischen Lieblingsfiguren. Er ist durch schlimme persönliche Erfahrungen, den Verlust seiner Frau und seiner Tochter, zu einem gebrochenem Mann geworden. Sebastian verhielt sich in der Vergangenheit häufig wie ein rücksichtsloses, manipulatives Ekel. Doch in diesem neuesten Band wirkt er „zahm“, fast geläutert, scheint mit seinem aktuellen Leben zufrieden. Er lebt nun mit Ursula zusammen, die in Vanjas Team arbeitet, und darf seine Enkelin Amanda regelmäßig treffen, was ihn glücklich macht. Doch ihm droht in Gestalt verschiedener Personen große Gefahr. Dass die Beziehungen der Figuren sich mit jeder Fortsetzung verändern, man beim Lesen die Charaktere immer besser kennenlernt, ihre Geschichten kontinuierlich weitergeführt werden, gefällt mir sehr gut. Ich habe mir im Verlauf der Reihe von den verschiedenen Figuren ein ausführliches Bild machen können. In diesem Band scheinen alle Charaktere, auch Sebastian etwas weniger komplex und tiefgründig und nicht mehr ganz so sorgfältig ausgearbeitet. Auch wenn es in der Reihe für mich keine absoluten Sympathieträger gibt - alle Figuren haben ihre Ecken und Kanten - bin ich von den Figuren dennoch gefesselt. Ich möchte unbedingt wissen, wie es für jeden einzelnen weitergeht. Keiner der Mitwirkenden kann sich in dieser Reihe sicher fühlen, alle bewegen sich auf dünnem Eis, sind verwundbar.

„Die Früchte, die man erntet“ ist sehr ungewöhnlich aufgebaut. Der Anfang und der Mittelteil lesen sich zwar kurzweilig und flüssig, aber im Vergleich zu den früheren Büchern fast „gemächlich“. Nach der Auflösung des dramatischen, aber wenig rätselhaften Heckenschützenfalls, bei dem der Täter recht bald bekannt ist, geht es erst richtig los. Der Krimi macht eine absolut erstaunliche Wendung, die Handlung nimmt enormes Tempo auf, steigert sich zum Finale noch einmal fulminant. Die letzten Seiten hatten auf mich eine extreme Sogwirkung, das Ende markiert ein „doppelter“ Cliffhanger, der dem aus dem letzten Band in nichts nachsteht. Einen Aspekt der Handlung empfand ich bis jetzt als nicht ganz nachvollziehbar, aber ich kann die Erklärung im nächsten Band kaum abwarten. Hoffentlich dauert es nicht erneut drei Jahre bis zur Auflösung. Ich bin auch nach dem neuesten Band, der meine Erwartungen durchaus erfüllt hat, mich gut unterhalten hat und eine zum Ende hin unfassbar aufregende, wahnsinnig fesselnde Geschichte erzählt, weiterhin ein großer Fan der Reihe. Neulinge sollten meiner Meinung nach allerdings mit dem ersten Band beginnen, um die Entwicklung der Figuren vollständig zu erfassen und die Geschehnisse besser einordnen zu können.

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Veröffentlicht am 11.11.2021

Unsichtbare Heldin trifft auf schüchternes Mädchen: turbulent, originell und sehr witzig

Isa und die wilde Zorra 1: Sei mutig wie ein Puma!
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Isa ist schrecklich schüchtern und unsicher, sie hasst es, im Mittelpunkt zu stehen. Jeden Abend liest ihr Vater ihr Geschichten von Zorro, dem berühmten Helden vor. Gerne wäre Isa selbst so mutig wie ...

Isa ist schrecklich schüchtern und unsicher, sie hasst es, im Mittelpunkt zu stehen. Jeden Abend liest ihr Vater ihr Geschichten von Zorro, dem berühmten Helden vor. Gerne wäre Isa selbst so mutig wie Zorro, dann würde sie aktiv gegen Ungerechtigkeit kämpfen. In ihrer Klasse, in der die Zwillinge Anne und Anna das Sagen haben, ist Isa nicht sonderlich beliebt. Vor der morgigen Klassenfahrt auf den Ponyhof graut es ihr daher sehr, zumal sie nicht reiten kann und sogar Angst vor Pferden hat. Doch dann springt auf einmal ein Mädchen mit schwarzem Umhang, Degen und Maske durchs Fenster ins Klassenzimmer: Zorra, Zorros kleine Schwester, ist gekommen, um Isa zu helfen. Isa ist allerdings die einzige, die sie sehen kann…

Autor Rüdiger Bertram erzählt kindgemäß, abwechslungsreich und sehr humorvoll. Das Buch ist ein Comic-Roman, häufig zeigen Heribert Schulmeyers dynamische, treffende Comicbilder meist mit Sprechblasen, wie es nach einem Textabschnitt weitergeht. Die witzigen Illustrationen machen Spaß und motivieren.
Kinder ab acht Jahren können das Buch sicher selbstständig lesen. Die Schrift ist ein bisschen größer, der Zeilenabstand zur besseren Lesbarkeit etwas weiter.

Isa ist eine prima Identifikationsfigur für schüchterne, ängstliche Kinder. Sie hat ein stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl, kann es nicht leiden, wenn sich andere falsch und fies verhalten, traut sich aber nicht, einzugreifen. Zorra ist genau das Gegenteil von Isa. Unerschrocken, mutig, tatkräftig, spontan und sehr selbstbewusst. Von ihr kann Isa noch sehr viel lernen. Zorra bringt Isa oft ziemlich in die Bredouille, aber das ist genau der Schubs, den die ruhige Isa gebraucht hat. Zorra zeigt Isa auf ihre unkonventionelle eigene Art, dass auch in ihr eine Heldin schlummert, sie muss sie nur wecken. Die beiden entwickeln sich zu einem unterhaltsamen Gespann, das mit den bösartigen Zwillingen Anne und Anna ernstzunehmende gemeine Gegenspielerinnen hat.

Viele Kinder haben unsichtbare Freunde, Isas neue unsichtbare Freundin ist aber eine waschechte Heldin. Eine Klassenfahrt auf den Reiterhof mit Superheldin im Gepäck ist nicht nur aufregend, sie kann auch ganz schön gefährlich werden. Isa vorherige Bedenken waren durchaus berechtigt, aber sie kann sich dem Abenteuer einfach nicht entziehen und galoppiert mitten hinein. Und plötzlich ist Zorra nicht mehr die einzige Heldin. Heldinnen können nämlich ganz unterschiedlich sein.
Vor allem ist diese Freundschaftsgeschichte aber irre witzig: wenn die betreuenden Lehrkräfte Frau Bade und Herr Wanne heißen, da muss Spaß vorprogrammiert sein. Als Running Gag taucht immer wieder eine ebenfalls unsichtbare Band auf, die Zorra besingt, sich aber partout nicht merken kann, dass Zorra „die Rächerin der Armen“ und nicht etwa „die Sprecherin der Aale“ ist. Da kommt es zu allerlei lustigen Wortverwechslungen, die meine Mitleser stets zum Lachen brachten. Und dass Zorra mit ihrem Lasso Rache an den Hinterteilen von Bösewichten übt und zielgenau trifft, oder mit ihrem Degen auf Hosenrückseiten ihr Z hinterlässt, das ist ebenfalls eine ziemlich lustige Vorstellung.
Das Dreamteam Rüdiger Bertram und Heribert Schulmeyer hat erneut ein unterhaltsames, schräges, komisches Freundschaftscomicabenteuer voller Phantasie geschrieben, das großen Spaß und Mut macht. Die Zwei können es einfach, hoffentlich arbeiten sie noch lange zusammen.

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Veröffentlicht am 10.11.2021

Chaotischer, schräger und sehr witziger Hörspaß

Niemals den roten Knopf drücken
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Nach ihrem Vulkanabenteuer und der Sache mit den Robotern machen sich die Freunde Egon und Jojo nun auf die Suche nach Dinosauriern. Bei einem Forscherausflug finden sie einen riesigen Knochen, der bestimmt ...

Nach ihrem Vulkanabenteuer und der Sache mit den Robotern machen sich die Freunde Egon und Jojo nun auf die Suche nach Dinosauriern. Bei einem Forscherausflug finden sie einen riesigen Knochen, der bestimmt von einem echten Dinosaurier stammt und dann tauchen im Düsewäldchen auch noch mysteriöse, gigantische Fußspuren auf. Echte Dinos in Düsedau? Klar, dass der Forscherclub nicht ruhen kann, bis die Wahrheit ans Licht kommt.

Kathi Naumann erzählt aus Egons Sicht, in Form eines Forschertagebuch. Die Geschichte ist lebendig, abwechslungsreich, kindgemäß und vor allem sehr witzig formuliert. Zwischendrin gibt es auch etwas zu lernen, schließlich sind die Jungs ja echte Forscher. Sprecherin Tanja Bunke liest verständlich, für mich aber ein wenig überbetont und etwas unnatürlich. Ihr Vortrag erinnerte mich an einen Zeitungsjungen aus dem letzten Jahrhundert, der permanent lauthals und aufgeregt die neuesten sensationellen Schlagzeilen verkündet. Im Hintergrund sind immer wieder Geräusche zu hören, die zur Handlung passen: Fernsehmusik, Gequassel, Morsezeichen oder Gebell.
Das Hörbuch richtet sich an Kinder ab sieben Jahren.

Egon und Jojo sind zwei wunderbare, sympathische Hauptfiguren. Egon ist selbstbewusst, spontan, neugierig, wissbegierig und abenteuerlustig. Sein Freund Jojo möchte auch gerne den Dingen auf den Grund gehen, gerät aber leicht in Panik und ist sehr ängstlich, ein Running Gag, der vielmehr witzig als beängstigend wirkt. Während Opa Erwin die Kinder in ihrem Forscherdrang unterstützt und ihnen zuverlässig mit Rat und Tat zur Seite steht, ist Jojos Mutter Frau Haase eine Helikoptermutter wie sie im Buche steht. Sie macht sich ständig übertriebene Sorgen um Jojo und sorgt so immer wieder für absurd-komische Momente.

Ob Jojo und Egon den Dinos auf die Spur kommen? Schaffen sie es gar, die Dinos in ihrer Falle zu fangen? Und werden sie den roten Knopf drücken?
Ziemlich spannend, turbulent, chaotisch, schräg und phantasievoll geht es im neuesten Abenteuer des Forscherclubs zu. Auch wenn ich die Sprecherin als etwas anstrengend und teils penetrant empfand, ist „Niemals den roten Knopf drücken oder die Dinos drehen durch“ ein gelungener, origineller Hörbuchspaß. Hoffentlich forschen Egon und Jojo noch lange weiter.

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