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Veröffentlicht am 17.08.2022

Zurück zu den Wurzeln

Die Rückkehr der Kraniche
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Grete (fast 50) und Freya (46) sind Schwestern, die in ihrer Kindheit und Jugend in einem kleinen Örtchen in der Elbmarsch ein sehr enges Verhältnis zueinander hatten. Ihre Mutter Wilhelmine zog sie, nach ...

Grete (fast 50) und Freya (46) sind Schwestern, die in ihrer Kindheit und Jugend in einem kleinen Örtchen in der Elbmarsch ein sehr enges Verhältnis zueinander hatten. Ihre Mutter Wilhelmine zog sie, nach dem frühen Tod ihres Vaters, unter vielen Entbehrungen allein groß, in der Schule blieben sie aufgrund ihrer ärmlichen Kleidung Außenseiterinnen. Als junge Erwachsene entfremdeten sie sich aber voneinander. Grete wurde früh ungeplant schwanger und musste deshalb ihre Studienpläne aufgeben und blieb ihr Leben lang in ihrem Heimatort, wo sie als Vogelwartin arbeitet und ihre älter werdende Mutter unterstützt, Freya ist mittlerweile in Berlin CEO einer nachhaltigen Modefirma, ihr Wunsch nach einer eigenen Familie ging aber nie in Erfüllung.

Weil es Wilhelmine nun sehr schlecht geht und ihre Beziehung gerade zerbrochen ist, kommt auch Freya zurück in ihr Elternhaus, ebenso wie Gretes 29-jährige Tochter Anne, die noch studiert. Die Frauen der Familie haben aber alle ihre Geheimnisse voreinander und müssen sich erst einmal langsam wieder annähern und sich zudem klar werden, was ihnen wichtig ist im Leben und wie und wo es bei ihnen weitergehen soll.

Der Roman hat mir sehr gut gefallen. Im Mittelpunkt stehen vier starke Frauencharaktere, die alle ihre Ecken und Kanten haben, aber doch auch, jede auf ihre Art, sympathisch sind. Nach und nach erfährt man mehr über das, was sie voreinander verbergen und erlebt mit, wie das Eis zwischen ihnen langsam taut. Der Autorin gelingt es sehr gut, diese Atmosphäre zwischen ihnen einzufangen, sodass man sich gut in alle hineinversetzen kann. Auch ansonsten schreibt sie gut nachvollziehbar und beschreibt auch die Besonderheiten der Elbmarsch, die Einsamkeit und die Natur dort, sehr bildhaft und anschaulich. Ich empfehle den Roman gerne allen, die tiefgründigere Familiengeschichten mögen.

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Veröffentlicht am 17.08.2022

Gelungene Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart

Die versteckte Apotheke
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Der Roman "Die versteckte Apotheke" spielt auf zwei Zeitebenen, der Gegenwart und dem 18. Jahrhundert.

Die Amerikanerin Caroline Parcewell wollte eigentlich mit ihrem Mann in London ihren Hochzeitstag ...

Der Roman "Die versteckte Apotheke" spielt auf zwei Zeitebenen, der Gegenwart und dem 18. Jahrhundert.

Die Amerikanerin Caroline Parcewell wollte eigentlich mit ihrem Mann in London ihren Hochzeitstag feiern, kurz vorher hat sie jedoch erfahren, dass er sie betrügt, und reist daher alleine. Zufällig gerät sie an einen Guide, der eine Art Schatzsuche anbietet, bei der es darum geht, im Schlamm der Themse Gegenstände aus vergangenen Zeiten zu finden. Dabei stößt sie auf ein altes Glasfläschchen mit einer geheimnisvollen Gravur und versucht anschließend, mehr über dessen Herkunft zu erfahren.

Im London des 18. Jahrhunderts hat es sich eine Apothekerin, nachdem sie selbst schwer enttäuscht wurde, zur Aufgabe gemacht, anderen Frauen zu helfen, die unter ihren Ehemännern leiden. Sie mischt, neben ihrer eigentlichen Tätigkeit, in einem geheimen Hinterzimmer ihrer Apotheke giftige Substanzen zusammen, die ihre Auftraggeberinnen ihren Gatten dann verabreichen. Das weckt auch die Neugier des Dienstmädchens einer ihrer letzten Kundinnen, die ebenfalls in die Geheimnisse der Apothekerin eingeweiht werden möchte.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Der Autorin ist es gelungen, die beiden Zeitebenen so miteinander zu verknüpfen, dass die Geschichte am Ende sehr rund wirkt. Zudem steigert dies natürlich auch die Spannung. Immer wieder gibt es auch Parallelen zwischen dem Leben und Denken der Apothekerin im 18. Jahrhundert und dem von Caroline in der Gegenwart. Der Schreibstil der Autorin ist gut lesbar und zugleich anschaulich.

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Veröffentlicht am 10.08.2022

Eine Kreuzfahrt und viele (neue) Liebespaare

MS Kristiana - Märchenhochzeit auf Island
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Die MS Kristiana bricht diesmal mit ihrem Kapitän Adrian zu einer Kreuzfahrt rund um Island auf. Dieser wird auf der Fahrt unter anderem von seiner (Ex-)Frau, der Bordärztin Eva und seiner neuen Freundin ...

Die MS Kristiana bricht diesmal mit ihrem Kapitän Adrian zu einer Kreuzfahrt rund um Island auf. Dieser wird auf der Fahrt unter anderem von seiner (Ex-)Frau, der Bordärztin Eva und seiner neuen Freundin Jasmin begleitet, was für einen gewissen Konfliktstoff sorgt. Aber auch weitere, aus den beiden Vorgängerbänden bekannte, aber auch neue, Mitarbeiter:innen und Gäste sind an Bord und gegen Ende der Fahrt ist sogar eine Hochzeit auf Island geplant.

Ich fand es reizvoll, die mir bereits bekannten Charaktere wiederzutreffen und auch das Reiseziel hat mich diesmal sehr angesprochen, da ich selbst schon einmal rund um Island gereist bin, wenn auch mit dem Auto. Der Lokalkolorit kommt für meinen Geschmack aber dann etwas zu kurz, man bekommt gar nicht so viel von Island "zu sehen" beim Lesen, im Mittelpunkt stehen ganz klar die alten und neuen Liebesbeziehungen von Crew und Passagieren. Hier wäre etwas weniger mehr gewesen, ich hätte es besser gefunden, wenn man sich auf einige "alte Bekannte" konzentriert hätte, da es, bedingt durch die hohe Anzahl an verschiedenen Personen, etwas viele Handlungsstränge auf einmal gab, die dann teils recht oberflächlich zum Happy End geführt werden mussten. Auch die im Titel erwähnte Hochzeit spielt nur eine sehr untergeordnete Rolle, da wäre ein anderer Titel wesentlich treffender gewesen.

Sehr gut gefällt mir aber die Covergestaltung des Buches mit dem für Island typischen Papageitaucher und der charakteristischen Landschaft. Auch der Schreibstil dieses Romans ist gut lesbar, sodass er sich für den Strand, den Badesee oder eben das Kreuzfahrtschiff eignet.



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Veröffentlicht am 07.08.2022

Vom Zweifeln und Neubeginnen

Die Ewigkeit ist ein guter Ort
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Elke arbeitet nach ihrem Theologie-Studium in einem Kölner Altenheim, plötzlich kann sie aber nicht einmal mehr das Vater Unser sprechen und auch keine anderen Gebete oder altbekannten Kirchenlieder. Für ...

Elke arbeitet nach ihrem Theologie-Studium in einem Kölner Altenheim, plötzlich kann sie aber nicht einmal mehr das Vater Unser sprechen und auch keine anderen Gebete oder altbekannten Kirchenlieder. Für sie selbst fühlt es sich wie eine "Gott-Demenz" an und sie hat keine Ahnung, ob sie überhaupt als Pfarrerin arbeiten kann und will. Ihr Freund Jan glaubt nur an die Wissenschaft und versteht Elkes Problem nicht wirklich, sie hält ihn aber auch auf Distanz, was ihre Probleme, ihre Familie und vor allem den Tod ihres Bruders als 17-Jähriger angeht. So entfremden sie sich immer mehr und Elke verbringt stattdessen immer mehr Zeit mit einem Motorradartisten. Irgendwann muss sie sich dann aber doch wieder ihrer Vergangenheit und ihren Zweifeln stellen stellen und zurückkehren in ihren Heimatort, zu ihren Eltern und zu der Kirche, in der ihr Vater Pastor ist.

Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, ich konnte mich total gut in Elke hineinversetzen und kann sehr gut verstehen, wie sie damit hadert, Pfarrerin zu sein, obwohl es ihr zugleich schwerfällt, wirklich an Gott zu glauben. Der Roman bietet einiges an Tiefgang, zugleich finden sich aber auch Stellen mit einem sehr feinsinnigen Humor. Neben Elke gibt es so einige interessante, teilweise leicht verschrobene, aber sympathische Nebencharaktere. Der Schreibstil der Autorin hat mich ebenfalls sehr angesprochen, er ist recht modern und zugleich auch wortgewaltig und ansprechend. Ich würde sehr gerne mehr von Tamar Noort lesen.

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Veröffentlicht am 07.08.2022

Runder Abschluss der Strandbad-Reihe

Die Freundinnen vom Strandbad (Die Müggelsee-Saga 2)
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Der zweite Band rund um die drei Freundinnen vom Strandbad Müggelsee beginnt 1961. Clara lebt nach ihrer Flucht mittlerweile in West-Berlin, Martha und Betty weiterhin im Ostteil der Stadt, ohne (offiziellen) ...

Der zweite Band rund um die drei Freundinnen vom Strandbad Müggelsee beginnt 1961. Clara lebt nach ihrer Flucht mittlerweile in West-Berlin, Martha und Betty weiterhin im Ostteil der Stadt, ohne (offiziellen) Kontakt zu ihrer Freundin. Betty ist zudem in ihrer Ehe unglücklich und Martha versucht, als kritische Journalistin etwas zu verändern.

Mir hat dieser Teil noch etwas besser gefallen, als der erste, weil er recht eindrücklich verdeutlicht, was es für Freunde und Angehörige und auch den Geflüchteten selbst, bedeutet hat, wenn jemand Republikflucht begangen hat. Es war schwer, überhaupt wieder Kontakt zueinander herzustellen, geschweige denn, sich wiederzusehen. Und auch Martha und Betty haben im System der DDR ihr Päckchen zu tragen und können nicht alles tun, was sie gerne tun würden. Das beschreibt die Autorin sehr anschaulich und man kann sich gut in die Protagonist:innen hineinversetzen. Zudem war es interessant, mitzuerleben, wie die Mädchen aus dem ersten Teil nun zu erwachsenen Frauen werden. Der Schreibstil des Romans ist gut lesbar und ich empfehle das Buch gerne allen, die sich für die deutsch-deutsche Vergangenheit interessieren.

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