ein Roman der sich zu lesen lohnt
Jetzt ist unsere Zeit„Jetzt ist unsere Zeit“, das neue Buch von Virginie Grimaldi, erschienen im @penguinrandomhouse Verlag ,war für mich wieder ein richtiger Volltreffer. Ich liebe die Bücher dieser Autorin, die Leichtigkeit ...
„Jetzt ist unsere Zeit“, das neue Buch von Virginie Grimaldi, erschienen im @penguinrandomhouse Verlag ,war für mich wieder ein richtiger Volltreffer. Ich liebe die Bücher dieser Autorin, die Leichtigkeit mit viel Humor in ihren Büchern verbindet, die schwere Themen erträglich machen. Genau dies ist ihr auch mit ihrem neuen berührenden Roman gelungen.
Julianne ist eine sehr strukturierte Persönlichkeit, die nichts mehr verabscheut als Überraschungen und Chaos. Als ihr mehr als unkonventioneller Vater nach einem Hausbrand bei ihr einzieht, sieht sie dem Ganzen mehr als skeptisch entgegen. Ihr Vater war immer schon „anders“. Er ist ein Freigeist,hat nie das getan, was „man“ oder die Gesellschaft von ihm erwartete, er hat immer „sein Ding „durchgezogen, auch wenn er viel Kopfschütteln erntete. Als Kinder fanden fanden Juliane und ihre Schwester Adele das toll, als Jugendliche haben sie sich für ihren Vater geschämt.Die Ehe der Eltern zerbrach, der Kontakt zum Vater wurde immer weniger und jetzt zieht er bei Julianne ein,ob das gut geht?
Das Zusammenleben gestaltet sich bunt, spontan, chaotisch und immer überraschend, Langeweile ist ein Wort, dass im Leben des Vaters nicht existiert, deshalb fällt es Julianne zu Anfang auch nicht auf, dass ihr Vater immer vergesslicher wird. Doch nach und nach wird ihr bewusst, dass ihr Vater krank ist und unter einer Art der Demenz leidet und das mit 67 Jahren. Für Adele und Julianne ist klar, sie wollen die Zeit, die ihnen mit ihrem Vater noch bleibt genießen und ihm seinen größten Wunsch erfüllen. Was sie dabei alle voneinander lernen, merken sie erst später.
Wir erleben als Leser mit, wie schwer es ist sich dieser Tatsache zu stellen, sie zu akzeptieren, dass der Mann, der dein Vater ist und dich dein Leben lang begleitet hat und vielleicht sogar dein Vorbild war, sich immer mehr „auflöst“ und zu einer dir fremden Person wird. Er verliert seine kognitiven Fähigkeit, seine Orientierung, sein Einfühlungsvermögen, sein Urteilsvermögen und ist plötzlich das Kind in der Familie. Ein schmerzlicher Prozess, den ich leider auch bei meiner Mutter erleben musste,
„Da mein Vater nicht mehr ganz in dieser Welt wohnt, werde ich einen Blick in seine werfen“ S. 211
Dieser Satz sagt so viel über die Liebe, die Kindern ihren dementen Eltern geben können. Sie annehmen , wie sie sind und versuchen ihnen das Leben in ihrer Welt so angenehm wie möglich zu machen, denn alles andere würde sie noch mehr verwirren.
Virginie Grimaldi hat dieses Thema wunderschön in ihrem Buch beschrieben. Mit viel Humor und Situationskomik nimmt sie dem ernsten Thema die Traurigkeit und man erwischt sehr oft dabei lauthals loszulachen und diesen Mann einfach nur zu mögen und am liebsten in den Arm nehmen zu wollen.
Auch überdenkt man seine Sichtweise hinsichtlich Perfektionismus.
Julianne hat einen Sohn, der unter Dysphasie leidet, was eine Störung der Sprache bedeutet, Wortfindung, Satzbildung, Sprachverständnis.
Es war immer schwer für Julianne die Behinderung ihres Sohnes zu akzeptieren. Durch die Erkrankung ihres Vaters und seine Leichtigkeit die er dem Leben abtrotzt, bekommt sie auch dort ein differenzierteres Weltbild.
Perfekt sein ist nicht wichtig, die Hauptsache ist, man ist glücklich und so akzeptiert wie man ist ist.
Ist es nicht einfach schön, wenn man voneinander lernen kann ?
Dieses Buch ist Balsam für Herz und Seele und ich wünsche ihm eine große Leserschaft, denn man verpasst was, wenn man es nicht liest.❤️