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Veröffentlicht am 19.10.2022

Durchwachsen

Das Fest der Liebe
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"Santa: Ich bin kein Psychotherapeut!" zu einer erwachsenen Jüdin, die Rat auf seinem Schoß suchte. Wer mit solchem Humor nicht klar kommt, sollte die Finger vom Roman lassen. Denn ernst nehmen, kann man ...

"Santa: Ich bin kein Psychotherapeut!" zu einer erwachsenen Jüdin, die Rat auf seinem Schoß suchte. Wer mit solchem Humor nicht klar kommt, sollte die Finger vom Roman lassen. Denn ernst nehmen, kann man hier den Aspekt der beiden Religionen nicht wirklich. Weihnachten wird nur als magisches Lichterfest mit Geschenken ohne religiösen Bezug beschrieben und das Judentum, dazu komme ich später.

Ich hatte am Anfang die Erwartung, dass es sich hierbei um einen humorvollen Liebesroman handeln wird. Aber ich wurde recht schnell eines Besseren belehrt. Anstatt mir das Judentum näher zu bringen und "schmackhaft" zu machen, wurden die Traditionen und Feiertage ins Lächerliche gezogen. Nicht das, was ich erwartet habe, aber nachdem ich eben gelesen habe, in welche Richtung es eher ging, habe ich mich nach 10 Prozent etwa einfach auf das Niveau begeben und meine Erwartungshaltung dementsprechend geändert. Es folgten nämlich sehr viele Klischees über Juden. Und hin und wieder musste ich dann doch über manchen Witz lachen. Ich denke, wenn eine Jüdin das schreibt, dann ist das auch okay und nicht antisemitisch. Aber überrascht hat es mich auf jeden Fall. Rachel witzelt darüber, dass koscheres Essen überteuert sei, Geizkragen, die für ihr Übergepäck nicht zahlen wollen und sich aus solchen Situationen immer herausreden, die Protagonistin erfindet selbst Talmud Verse in sarkastischem Unterton, jüdische Investoren, die nur auf Geld aus sind und daher Partys mit VIPs in Bikinis auf Yachten auf der ganzen Welt feiern und alles omnipräsent auf Instagram zur Schau stellen. Zwischenzeitlich wurden mir die Charaktere so reich dargestellt, dass ich mich fragte, ob an dem Gerücht doch etwas Wahres dranhängt, dass alle Juden in Geld schwimmen... Man darf den Roman also wirklich nicht zu streng sehen.

Mit der Zeit wurde es aber besser, man lernte nicht viel, aber ein bisschen mehr über die Religion. Allerdings wurden die Regeln dann auch nur erzählt und nicht näher erklärt. Daher habe ich nicht verstanden und nachvollziehen können, warum man über Schabbat kein Telefon benutzen darf. Den Herd auszuschalten gilt für sie auch als Arbeit und darf an diesem Feiertag auch nicht erledigt werden. Sie dürfen das Licht nicht an und ausschalten, aber Geschirr spülen? Sie dürfen Geschirr spülen, aber nicht selbst duschen? Ich habe während dem Lesen zunehmend mehr Fragen als Antworten bekommen. Insgesamt bekam ich aber das Gefühl, dass das eine Religion ist, die ein paar Neuerungen gebrauchen könnte, in meinen Augen, aber auch in den Augen von Meltzer, da sie in einer Szene selbst schreibt, dass die Religion eine "obsessive Ablehnung an Entwicklung und Anpassung" strikt durchsetzt. Was mich dann aber richtig schockiert hat ist, dass man an Schabbat Kerzen anzündet und anschließend zum Gottesdienst geht. Was für Versicherungen schließend Juden ab? Da ist doch die Brandgefahr riesig, wenn Kerzen unbeaufsichtigt über Stunden brennen? Und den Sinn habe ich hier wieder nicht nachvollziehen können. Hier ist mir klar geworden, dass ich niemals zum Judentum konvertieren würde.

Die Eltern von Rachel sind sehr konservativ jüdisch. Durch die strenge Erziehung hat Rachel aufgehört Spaß in ihrem Leben zu haben. Dieser Satz im Buch hat mich wirklich traurig gestimmt. Denn gleichzeitig schien durch, wie sehr sie ihre Eltern liebt und diese im positiven Licht darstellt. Das passte nicht, ein bisschen Kritik wäre hier definitiv angebracht gewesen. Aber ich konnte die Eltern dennoch nicht ganz fassen. In einem Punkt erklärte Rachel, dass orthodoxe Juden das fremde Geschlecht nicht berühren außer ihrer ehelichen Partner. Gleichzeitig hat ihr Vater, ein Rabbi kein Problem damit, dass seine Frau fremde Männer in ihrem Haus umarmt? Das passte für mich nicht wirklich zusammen.

Dem entgegen stand da die kaputte Familie um Jacob, die eigentlich nur von einem nicht vorhandenen Vater und seiner immerzu reisenden, aber liebevollen Oma besteht. Er selbst sehnte sich nach einer Familie und ich wollte ihn direkt ganz fest drücken!

Der beste Freund Rachels ist ein schwuler Jude. Das war für mich auch verwirrend, da orthodoxe Juden Homosexualität abstoßen. Dass Rachel dann so ein großes Problem damit hat, sich vor ihrer Gemeinde als perfekte Rabbitochter zu präsentieren und daher dringend verschweigen muss, dass sie krank ist und Weihnachtsromane schreibt und gleichzeitig aber mit einem Schwulen abhängt, war für mich absolut widersprüchlich. Zunehmend wurde in meinen Augen jeder Funke an Glaubwürdigkeit im Roman zerstört.

Hin und wieder schienen mir einige weitere Szenen auch eher unrealistisch. Dass sie zum Beispiel mitten am Tag allein in einem leeren Waggon der Subway in NYC sitzt.

In einem Punkt wurde erklärt, wie schwer es im nahrungsmittelknappen Holocaust war und man ums reine Überleben kämpfte, nur um dann in der nächsten Szene mit Essen um sich zu schmeißen? Das empfand ich als pietätlos.

Insgesamt wurde mir auch nicht klar, warum Rachel unbedingt auf so einen Ball musste, um einen Roman zu schreiben, wenn sie die Zeit auch einfach mit intensiver Recherche hätte definitiv besser nutzen können.

In diesem Roman wurden sehr viele Wörter in fremder Sprache, hier muss es sich entweder um Jiddisch oder Hebräisch handeln, vorkommen, ohne weiter darauf einzugehen. Das verstehe ich nicht und will nicht andauernd recherchieren. Im Anhang habe ich dann am Ende eine Liste gefunden mit Begriffserklärungen. Im E-Book Format aber eher unhandlich. Fußnoten wären praktischer gewesen.

Durch all die Ungereimtheiten im Buch, empfand ich den Roman als nicht wirklich rund. Schade auch, dass das Buch in NYC spielt und man kaum etwas von der bezaubernden Stadt mitbekommt. Sie sitzt meist in einem Taxi oder in der Sub und sonst findet der Roman ausschließlich in vier Wänden oder im Four Seasons statt.

Das Schlimmste war aber das Ende. Ich empfand die Aktion einfach nur als degradierend und höchstpeinlich, wobei die Szene wohl eine Geschichte im Judentum nachstellen sollte und daher als romantisch aufgenommen werden sollte. Das hat meiner Meinung nach gar nicht funktioniert. Ich habe mich viel mehr fremdgeschämt während dem Lesen. Der schwule beste Freund war am Ende dann auch too much. So klischeebeladen, dass mir schlecht geworden ist.

Insgesamt hat sich Meltzer wirklich viel Mühe gegeben und das erkenne ich auch an, aber den wichtigsten Aspekt hat sie einfach außer Acht gelassen. Die Gefühlsebene. Da trafen sich zwei Personen, die sich mit 12 Jahren ineinander verguckt hatten, nach 18 Jahren für eine Woche wieder und es war plötzlich die große Liebe? Das kann man als Leser nicht nachvollziehen. Sie hatten dann keine Dates, nichts Romantisches unternommen etc. Die Liebe kam nicht rüber. Ich konnte sie nicht spüren. Es hieß eher andauernd: Er/Sie sah so gut aus! Das reicht mir nicht.

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Veröffentlicht am 17.10.2022

Tiefromantisch

Sechs Tage zwischen dir und mir
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Ich bin schon seit Jahren von Atkins Romanen ganz begeistert und mit ihrem neuesten Roman hat sie es wieder geschafft, dass ich mich in ihren Geschichten verliere. Diese ist in zwei Zeitebenen geteilt. ...

Ich bin schon seit Jahren von Atkins Romanen ganz begeistert und mit ihrem neuesten Roman hat sie es wieder geschafft, dass ich mich in ihren Geschichten verliere. Diese ist in zwei Zeitebenen geteilt. Die Haupthandlung findet in den im Titel besagten sechs Tagen statt, in der die Protagonistin Gemma verzweifelt versucht herauszufinden, warum ihr Verlobter nicht zur Hochzeit erschienen ist und wo er sich befinden kann. In der zweiten, vergangenen Ebene, die kapitelweise abwechselt erzählt wird, beschreibt Atkins wundervoll, wie beide sich kennenlernen und ineinander verlieben. Ich persönlich liebe Kennenlerngeschichten über alles und mag es nicht, wenn dieser wichtige Punkt in Romanen übergangen wird. Hier wird er zuckersüß und sehr ausführlich beschrieben, sodass man wünschte, man wäre Gemma. Man kann gar nicht anders als sich mit ihr langsam in Finn zu verlieben, auch wenn er parallel in der Gegenwartsebene nicht immer gut wegkommt.

Insgesamt ist die ganze Idee nicht neu, aber wundervoll erzählt. Das ganze Buch hindurch zu lesen fühlte sich wie eine warme Umarmung an, die man dringend benötigt hat. Einfach pur und voller Liebe. Absolute Leseempfehlung für alle hoffnungslosen Romantiker!

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Veröffentlicht am 15.10.2022

Spannend bis zum Schluss

Die versteckte Apotheke
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Dieser Roman spielt in zwei Zeitebenen, die fast stringent kapitelweise wechseln. Stilistisch startet jedes Kapitel mit dem Namen der Protagonistin, die in der Ich-Person erzählt. Diese sind im Jahr 1791 ...

Dieser Roman spielt in zwei Zeitebenen, die fast stringent kapitelweise wechseln. Stilistisch startet jedes Kapitel mit dem Namen der Protagonistin, die in der Ich-Person erzählt. Diese sind im Jahr 1791 die Apothekerin Nella und die 12-Jährige Eliza und in der Gegenwart Caroline.

Ich habe den Roman innerhalb von einem Tag verschlungen, da es bis zum Schluss absolut spannend war. Man muss sich nur für die Thematik interessieren und kann sich so leicht in die Geschichte fallen lassen und alles andere um sich komplett ausblenden.

Caronline, 24, seit 10 Jahren verheiratet, lebt nur für ihren Ehemann und wartet darauf schwanger zu werden, bis sie herausfindet, dass er sie betrügt, sodass sie allein auf die Jubiläumsreise anlässlich ihres Hochzeitstags von Ohio nach London aufbricht und dort eine Flasche an der Themse findet und das Rätsel um diese lösen will.

1791 hilft die Apothekerin Nella Frauen bei gewissen Problemen und deren origineller sowie krimineller Beseitigung. Mehr will ich zur zweiten Zeitebene auch gar nicht erzählen.

Eine winzige Sache bleibt am Ende offen, was mich gestört hat. Zudem ist das Ende sehr unglaubwürdig, da hier von Magie und Hexerei gesprochen wird. Da das ganze Buch hindurch bis dahin aber sehr schlüssig wirkte, war das Ende einfach etwas enttäuschend.

Bonus: In der Buchklappe ist eine alte Karte Londons eingezeichnet, in die man immer wieder gern blicken kann, um sich zu orientieren. Der Schutzumschlag als auch das Hardcover sind sehr schön gestaltet. Klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 13.10.2022

Neues Lieblingskochbuch

Italien! Das Goldene von GU
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Am Anfang gibt es ein paar Brotrezepte, zu denen es verschiedene Toppings für Paninis, Bruschetta und co. gibt. Großes Plus! Ich habe direkt Hunger bekommen! Anschließend folgen Antipasti, Pizza, Minestrone, ...

Am Anfang gibt es ein paar Brotrezepte, zu denen es verschiedene Toppings für Paninis, Bruschetta und co. gibt. Großes Plus! Ich habe direkt Hunger bekommen! Anschließend folgen Antipasti, Pizza, Minestrone, Reis, Gnocchi, Fleisch wie Rind, Lamm und Kalb, Geflügel wie Pute, Hühnchen und Ente.

Die Zutaten sind klassisch italienisch gehalten: Tomate, Olive, Zucchini, Artischocken, Auberginen, Pilze und Paprika an Gemüse, diverse Käsesorten, ganz viel Fleisch wie Salami und Schinken, Meeresfrüchte und Fisch und natürlich auch genauso viel Teig.

Die Rezepte sind dennoch am Anfang eher sehr gemüselastig, was sehr gesund ist und daher top! Bei den Hauptgerichten in der Mitte dominiert eher das Fleisch. Danach folgen Salate, die wieder sehr leicht werden, da hier wieder das Gemüse im Vordergrund steht. Zum Schluss folgen noch Süßes wie Florentiner, Eis, Cantuccini, Amaretti und natürlich der Klassiker Tiramisu.

Mir gefiel der Backkartoffelsalat und der Auberginenauflauf sehr. Überrascht haben mich Kuchen, die ich eher aus der französischen Küche als Quiche kenne.

Fazit: Wer genauso wie ich der italienischen Küche absolut verfallen ist, dem empfehle ich das Buch von Herzen!

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Veröffentlicht am 13.10.2022

Für Fortgeschrittene

Weber's Wintergrillbibel
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Am Anfang erklärt Weber sehr viel rund um Grundwissen zum Grillen im Winter. Welche Vorsichtsmaßnahmen man treffen muss, Tipps wegen der Reinigung des Grills, falls er seit dem Sommer nicht mehr gebraucht ...

Am Anfang erklärt Weber sehr viel rund um Grundwissen zum Grillen im Winter. Welche Vorsichtsmaßnahmen man treffen muss, Tipps wegen der Reinigung des Grills, falls er seit dem Sommer nicht mehr gebraucht wurde, die Unterschiede zu den vielen Grillarten, die Vorbereitung, Techniken und Utensilien, an die man alles denken sollte. Das ist alles sehr kompakt und so wunderbar für jeden geeignet. Er hat an alles sehr ausführlich gedacht.

Rezepte: Zunächst beginnt er kurz mit Gewürzmischungen und Saucen, Dips, Chutneys. Das alles wirkt für mich durchdacht, originell und kreativ.

Außerdem sind die Grillrezepte bei den Zutaten in Füllung, Marinade etc. unterteilt, sodass man hier einen guten Überblick behalten kann. Zudem sind die Zutaten auch nicht exotisch, sodass man sie garantiert in Supermärkten finden kann. Hauptsächlich kommen Fleisch wie Lamm, Spanferkel und Roastbeef, Geflügel wie Gans und Truthahn, Fisch wie Lachs und Meeresfrüchte, viele Alkohole und klassisches Wintergemüse wie Topinambur, Schwarzwurzel, Rote Beete, Schwarzwurzel, Wirsing, Chicorée und Kürbis vor. Aber es gibt auch Pies und Quiches, die ich so noch nie auf einem Grill zubereitet habe. Auch gegrillte Salate und viele Gemüsesuppen, manche mit Fleisch, gibt es. Kaffee auf einem Grill habe ich auch bisher nie geröstet, war für mich auch neu. Insgesamt ist das Buch aber definitiv sehr fleischlastig, daher für Vegetarier absolut ungeeignet. Die rein vegetarischen Rezepte könnte man wohl an einer Hand abzählen.

Vom Aufbau her ist das Buch sehr gut in verschiedene Kategorien eingeteilt: Rind, Kalb und Schwein, Lamm und Wild, Geflügel, Fisch und Meeresfrüchte, Gemüse, Flame Grill Smoke und zuletzt Backen. Insgesamt also sehr viele differenzierte Rezepte.

Zu jedem Rezept gibt es viele Bilder, die sehr gut Schritt für Schritt anleiten. Außerdem gibt es zu einem Rezept sogar ein Leftover Rezept, da garantiert ist, dass das alles nicht an einem Tag zu essen ist. Sehr innovativ. Man sollte aber definitiv viel Zeit einplanen für die Vorbereitung und auch das Grillen. Viele Rezepte scheinen mir zudem vom Schwierigkeitsgrad her absolut nicht für Anfänger geeignet. Nur Würstchen im Sommer grillen, reicht nicht. Man sollte schon Fortgeschrittener sein. Manchmal gibt es zu einer Hauptzutat mehrere Varianten, wie man sie mit verschiedenen Beilagen zubereiten kann.

Fazit: Für Grillfans, die gern auch im Winter grillen oder grillen wollen, sehr zu empfehlen!

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