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Veröffentlicht am 04.06.2022

Eindrucksvoll

Solo auf See
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Schenkel ist Anfang 40 als sie zufällig auf einen Artikel stößt, in dem sie erfährt, dass man über den Atlantik rudern kann. Sofort ist sie Feuer und Flamme und beginnt einen Ruderkurs zu belegen und Freunde ...

Schenkel ist Anfang 40 als sie zufällig auf einen Artikel stößt, in dem sie erfährt, dass man über den Atlantik rudern kann. Sofort ist sie Feuer und Flamme und beginnt einen Ruderkurs zu belegen und Freunde zu finden, die sich ihr anschließen wollen. Nachdem es sich als schwierig erwies, Kameraden zu finden, entschließt sie sich diese Reise alleine zu bewältigen.

Stilistisch gefiel mir, dass sie sofort ins kalte Wasser gesprungen ist und mit dem ersten Tag ihrer Reise begonnen hat, ohne große Umschweife zu ihrem Leben zu erzählen. Dies geschieht in kurzen Sequenzen innerhalb des Buchs, sodass das Buch insgesamt nicht ganz chronologisch aufgebaut ist. Allerdings stört das den Lesefluss nicht.

Außerdem schreibt sie authentisch ohne zu beschönigen über sowohl positive Erfahrungen als auch negative Erlebnisse. Insgesamt schweift sie dabei oftmals in die Philosophie und driftet dabei schnell in ihre Vergangenheit ab, wodurch sie zurückblickend einige Lektionen über sich selbst und ihre Kindheit lernt.

Zusammenfassend ist das ein Buch, das jeder Abenteurer gern einmal lesen kann. Man lernt, dass man eigentlich viel stärker ist, als man sich selbst zugestehen würde. Jeder Person, die selbst einmal solch ein Unterfangen bestreiten will, lege ich das Buch ans Herz. Sicher wird man einiges daraus lernen können, wie man in problematischen Situationen Hilfe akzeptieren und diese mit einem kühlen Kopf lösen kann.

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Veröffentlicht am 29.05.2022

Romantisch, mit einem vorhersehbaren Twist

Ein Lied für Molly
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Bonnie findet eine Mappe mit Musiknoten im Bus in Dublin. Ihrem Sohn Josh verspricht sie den Besitzer ausfindig zu machen und so landen sie bei dem einzigen Namen, den sie in den Unterlagen finden: Musikprofessor ...

Bonnie findet eine Mappe mit Musiknoten im Bus in Dublin. Ihrem Sohn Josh verspricht sie den Besitzer ausfindig zu machen und so landen sie bei dem einzigen Namen, den sie in den Unterlagen finden: Musikprofessor Brenner, der aber vehement beteuert, diese Musik nicht komponiert zu haben, aber den Besitzer gern herausfinden will.
So machen sich die drei auf den Weg und erleben so einige Überraschungen.

Mir fiel es wirklich schwer in das Buch hineinzufinden. Das Buch wirkte am Anfang zunächst zäh und dümpelte vor sich hin aufgrund der wirklich langen Einleitung, die ich oben gekürzt habe. Außerdem gibt es zwei Handlungsstränge mit einem Zeitunterschied von 17 Jahren (2002 und 2019). Generell mag ich Romane mit zwei Zeitebenen, aber nur, wenn es dann auch um verschiedene Personen geht. Die Großeltern im 2. Weltkrieg und die Enkel in der heutigen Zeit zum Beispiel. Erst ab Seite 150 etwa habe ich dann das Buch in einem Rutsch durchgelesen.

Inhaltlich war es etwas schwierig. Um nichts Wichtiges vorweg zu nehmen: Es geht hauptsächlich um zwei Mütter, die mit der Alleinerziehung heillos überfordert sind. Ich, keine Kinder, kann mich damit einfach nicht gut identifizieren, da ich mir denke: Wenn man nicht erziehen kann und auch gar nicht über die finanziellen Mittel für ein weiters Lebewesen verfügt, sollte man verhüten...Aber klar, man kann nicht in die Zukunft sehen...

Insgesamt schien mir das Buch aber einfach etwas zu sehr nach einem Hollywoodfilm aus den frühen 2000ern, in denen eine Putzfrau auch einen Jackpot in Form von Traummann findet. Verkauft sich einfach gut, wenn es auch extrem unrealistisch ist. Weiterhin ebenfalls etwas an den Haaren herbeigezogen, dass ein 15-jähriger Sohn, dessen Vater kaum vorhanden ist und dessen Mutter eine Reinigungskraft ist, blendend Violine spielt. Woher kann er sie sich leisten? Woher hat er das Spielen erlernt? Nur durch den Schulunterricht ist das ja wohl kaum möglich...

Die Beschreibungen rund um Irland haben mir aber sehr gefallen. Die Charakter der einzelnen Personen waren auch sehr fein gezeichnet. Man sah hin und wieder die klischeehaften Trunkenbolde, die im betrunkenen Zustand gern zu liebevollen und lustigen Raufbolden mutieren. Es tauchten immerzu Weiden voller Schafe und Kühe auf. Es haben eigentlich nur noch ein Topf Gold und ein paar Kobolde gefehlt, um ein perfektes, rundes Bild von Irland darzustellen.

Alles in allem, ein romantischer, aber absolut unrealistischer Roman mit viel Liebe zur Musik.

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Veröffentlicht am 22.05.2022

Finde dein inneres Zen

Mit Zen durch das Jahr
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Mit Zen durch das Jahr ist ein Buch, das man ein Jahr lang bearbeiten muss. Jeden Tag gibt es Übungen, um sein inneres Zen zu trainieren. Für diese muss man sich täglich 10-20 Minuten Zeit für sich nehmen ...

Mit Zen durch das Jahr ist ein Buch, das man ein Jahr lang bearbeiten muss. Jeden Tag gibt es Übungen, um sein inneres Zen zu trainieren. Für diese muss man sich täglich 10-20 Minuten Zeit für sich nehmen und zu seiner inneren Ruhe und Frieden finden. Die meisten Aufgaben bestehen darin kurz über eine Frage nachzudenken und anschließend diese in einem kurzen Text zu beantworten. Alle paar Wochen gibt es auch mal zur Abwechslung eine Übung, in der man malen oder zeichnen muss.


Kritik: Das Buch beginnt im Frühling. Da aber das Buch auf 52 Wochen aufgebaut ist und auch mit Woche 1 beginnt, würde mich das etwas aus dem Konzept bringen. Denn Woche 1 ist für mich noch Winter und beginnt mit dem ersten Tag des Jahres… Das ist etwas undurchdachte geplant.

Von der Optik, Haptik und dem Formalen ist das Buch aber wirklich sehr schön erstellt.

Fazit: Ein Buch zum Verschenken und immer wieder kaufen, um innere Ruhe zu finden.

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Veröffentlicht am 22.05.2022

Für Indienbegeisterte

Götter, Gurus und Gewürze
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Götter, Gurus und Gewürze handelt von den Backpackern Neromand-Soma und Hübbe, die sich dem Reisen verschrieben haben. Das Buch beinhaltet die Jahre 2014-16. Insgesamt sind sie knapp 2,5 Jahre vom westlichen ...

Götter, Gurus und Gewürze handelt von den Backpackern Neromand-Soma und Hübbe, die sich dem Reisen verschrieben haben. Das Buch beinhaltet die Jahre 2014-16. Insgesamt sind sie knapp 2,5 Jahre vom westlichen Nordindien in den Süden und schließlich nach Nordosten getrampt.

Durch diesen Reisebericht konnte ich so viel Neues über Indien lernen. Bisher wusste ich nämlich so einiges nicht. Zum Beispiel, dass es so einen großen kulturellen und sprachlichen Unterschied zwischen dem Norden und dem Süden Indiens gibt.

Das Buch hat aber auch in vielerlei Hinsicht meine Augen geöffnet. Beispielsweise gibt es in Deutschland, einem relativ kleinen Land, aktuell das große Thema des Umweltschutzes. In Indien wird alles, was nicht mehr gebraucht wird, sofort auf die Straße geworfen und endet da dann auch für immer. Müllabfuhr, Sammler, Umweltschützer sucht man vergeblich.

Das Buch ist also etwas für waschechte Indienfans geeignet. Es gibt einen guten Einblick in die Kultur. Dass Kiffen so wichtig ist, wusste ich zum Beispiel auch nicht. Dabei gibt es hier ein ganzes Kapitel detailgenau beschrieben, wo man das beste auf der ganzen Welt herbekommt. Das war nun wirklich nicht das, was ich erwartet habe, aber es war allemal eine Überraschung.

Aber es werden auch hin und wider kritische Stimmen laut, die aber eher in Indien untergehen. Dass selbst eine Frau aus dem Westen immer wieder begafft und sogar im Schritt berührt wird… Dass es einen Hitlerkult gibt, der ebenfalls nicht kritisch hinterfragt wird. Frauen werden von der eigenen Familie als lästig beschrieben. Dass es auch so eine große Schwulenszene gibt, war mir nicht bekannt. Insgesamt konnte ich somit in jedem Kapitel etwas Neues lernen im Hinblick auf Kultur, Land, Leute, Traditionen, Legenden, Religionen, innerpolitischen Kämpfen und Kulten.

Mich hätte aber neben all den Punkten auch interessiert, wie es um die Schulbildung aussieht. Leider haben sie nie mit Kindern oder Menschen mit Kindern im Schulalter geredet, sodass das auch als Thema hätte aufkommen können.

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Veröffentlicht am 15.05.2022

Kühl und distanziert

Das Leben eines Anderen
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Minderheitenkonflikte in Japan, hautnah am Protagonisten zu erleben, ist spannend und zugleich auch traurig. Rassismus ist allgegenwärtig. Und vor allem bemerkenswert, auf was für Ideen man alles kommen ...

Minderheitenkonflikte in Japan, hautnah am Protagonisten zu erleben, ist spannend und zugleich auch traurig. Rassismus ist allgegenwärtig. Und vor allem bemerkenswert, auf was für Ideen man alles kommen kann, wenn man rassistisch angemacht wird oder direkt durch die Geburt durch die Kindheit hindurch aufgrund der Taten der Eltern vorbelastet ist und einem kaum Wege zur Lösung des nicht selbst herbeigeführten Problems einfallen. Um hier ein Beispiel zu nennen, das aber kein Spoiler darstellt: Ein Baby wird von den Eltern verlassen und muss sich damit durch das ganze Leben kämpfen schon bei der Geburt von den beiden, die es am meisten lieben sollten, verstoßen worden zu sein und so zu keinem Menschen Vertrauen und Liebe aufbauen kann.

Kido, der Anwalt, der einen Betrug, in dem Menschen die Leben untereinander tauschen, aufdecken soll, lebt in Japan und kennt sein sogenanntes "Heimatland" Korea gar nicht und hat dennoch in 3. Generation schon als "Fremder" zu leiden.

Wenn man nicht in Japan bewandert ist, muss man viele Orte/Städte erst einmal recherchieren, um sich einzuordnen, wo sich die Protagonisten nun befinden etc. Das Handy immer in griffbereiter Nähe zu haben, war hilfreich.

Auch die Namen haben mir ein bisschen Probleme bereitet, sodass ich hierfür ein Blatt Papier mit Notizen bereit gelegt habe.

Stilistisch schreibt Hirano sehr flüssig. Der Roman ist auktorial geschrieben. Allerdings in einem Punkt auch sehr offen, was mich gestört hat. Außerdem stört eventuell der kühle und distanzierte Ton.

Fazit: Es war allerdings ganz anders als was ich erwartet habe. Man muss sehr konzentriert lesen, um herauszufinden, wer am Ende eigentlich wer war. Ich hatte mehr Action und weniger Politik erwartet. Dennoch interessant. Bisher wusste ich vom Konflikt zwischen Japan und China. Hier lernte ich etwas über den Konflikt zwischen Koreanern und Japanern. Für Literaturbegeisterte zu empfehlen. Es ist im Grunde ein wirklich äußerst wichtiges Buch, das auf jeden Fall jeder mindestens einmal im Leben lesen solle. Aber im Großen gehe ich nicht davon aus, dass sich weltweit etwas im Bezug zu Rassismus ändern wird. Schade.

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