✎ Sara Jin Li & Camila Rivera - Rebel Girls, Growing up powerful 4 Alles über Freundschaft
Rebel Girls - das Original. Growing up powerful: Alles über Freundschaft„Rebel Girls - Growing Up Powerful: Alles über Freundschaft“ von Sara Jin Li und Camila Rivera hat mich anders getroffen, als ich es erwartet hätte. Wer nach einem klassischen Ratgeber sucht, der klare ...
„Rebel Girls - Growing Up Powerful: Alles über Freundschaft“ von Sara Jin Li und Camila Rivera hat mich anders getroffen, als ich es erwartet hätte. Wer nach einem klassischen Ratgeber sucht, der klare Regeln vorgibt, wird hier nicht fündig. Stattdessen entsteht das Gefühl, einem offenen, ehrlichen Austausch zu folgen - stellenweise tröstlich, stellenweise unangenehm nah an eigenen Erfahrungen.
Das Buch entfaltet seine Gedanken entlang verschiedener Aspekte von Freundschaft: vom Kennenlernen über das Wachsen miteinander bis hin zu Konflikten, Verlust und dem bewussten Pflegen von Verbindungen. Diese Struktur wirkt nicht starr, sondern eher wie ein roter Faden, an dem man sich orientieren kann, während man sich durch die unterschiedlichen Perspektiven bewegt. Besonders eindrücklich ist, wie viele Stimmen hier Raum bekommen. Neben persönlichen Erlebnissen der Autorinnen tauchen Fragen von Kindern und Jugendlichen auf, die direkt und unverstellt sind. Dazu kommen Impulse von Fachpersonen und bekannten Persönlichkeiten sowie Szenarien aus dem Alltag, die vertraut wirken.
Was hängen bleibt, ist dieses Gefühl von Echtheit. Sara Jin Li und Camila Rivera scheuen sich nicht davor, auch ihre eigenen Schwächen offenzulegen. Sie sprechen darüber, dass sie selbst nicht immer fair oder loyal waren. Genau das relativiert diesen oft unausgesprochenen Anspruch, immer alles richtig machen zu müssen. Freundschaft wird hier nicht als Idealbild präsentiert, sondern als etwas, das sich entwickelt, scheitert, neu beginnt und manchmal auch einfach wehtut.
Gleichzeitig fordert das Buch dazu auf, die eigene Haltung zu hinterfragen. Es geht nicht nur darum, gute Freundinnen zu finden, sondern auch darum, selbst eine zu sein - ohne sich dabei zu verlieren. Leserinnen werden ermutigt, ihre Grenzen zu setzen und für sich einzustehen, aber ebenso, Unterstützung anzunehmen, wenn sie gebraucht wird. Diese Balance wird nicht belehrend vermittelt, sondern durch viele kleine Denkanstöße. Gerade für Mädchen entsteht so ein Zugang, der Selbstbehauptung und Hilfesuche gleichwertig nebeneinanderstellt.
Auch formal unterstützt die Gestaltung das Lesen. Der Textfluss wird immer wieder durch visuelle Elemente aufgelockert, kleine Einschübe oder hervorgehobene Gedanken geben Raum zum Innehalten. Das wirkt weniger wie ein durchgehender Textblock und mehr wie ein Buch, in dem man blättern, verweilen und auch zurückspringen darf.
Ich habe das Buch nicht nur als Mutter gelesen, sondern auch als Frau und Freundin - und in jeder dieser Rollen etwas daraus mitgenommen. Obwohl die Altersempfehlung bei etwa zehn Jahren liegt, habe ich Inhalte bereits mit meiner achtjährigen Tochter besprochen. Gerade weil Freundschaften bei ihr seit dem Schulstart nicht immer stabil verlaufen, waren viele Beispiele direkt greifbar. Daraus haben sich Gespräche entwickelt, die sonst wahrscheinlich nicht in dieser Offenheit entstanden wären.
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