Profilbild von Jecke

Jecke

Lesejury Star
offline

Jecke ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Jecke über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.12.2025

✎ Eva Plaputta - Finn Flosse räumt das Meer auf

Finn Flosse räumt das Meer auf
0

In „Finn Flosse räumt das Meer auf“ von Eva Plaputta begleiten wir einen Meerjungen, der aus Versehen Abfall statt einer Seegurke isst und dadurch unmittelbar mit den Folgen der Meeresverschmutzung konfrontiert ...

In „Finn Flosse räumt das Meer auf“ von Eva Plaputta begleiten wir einen Meerjungen, der aus Versehen Abfall statt einer Seegurke isst und dadurch unmittelbar mit den Folgen der Meeresverschmutzung konfrontiert wird. Die Geschichte zeigt nachvollziehbar, warum Meeresbewohner Müll mit Nahrung verwechseln, wie Netzreste sie verletzen oder gefangen halten können und welches Leid daraus entsteht. Plaputta verbindet eine kindgerecht erzählte Handlung mit Umweltwissen und macht ökologische Zusammenhänge verständlich, ohne belehrend zu wirken.

Besonders überzeugend ist die handwerkliche und gestalterische Umsetzung des Themas Meer und Umwelt. Die Scherenschnitt-Illustrationen schaffen einen deutlichen Kontrast zwischen der fragilen Welt unter Wasser und der allgegenwärtigen Bedrohung durch Abfall und verstärken so die inhaltliche Aussage der Geschichte.

Die Sachinformationen bleiben stellenweise recht kurz und vereinfacht, so dass ältere Kinder oder Erwachsene mehr Tiefgang vermissen könnten, auch wenn das Buch als Einstieg gut funktioniert. Die Idee, den Müll symbolisch zu den Menschen zurückzuschieben, ist eingängig, greift die Problematik aber stark vereinfacht auf, da reale Lösungen deutlich komplexer sind als diese Metapher.

Die typografische Gestaltung mit wechselnden Schriftgrößen, -farben und -richtungen hat meine 7 Jährige besonders fasziniert und macht das Lesen für junge Kinder kurzweiliger, gerade in Kombination mit den Scherenschnitt-Bildern, die Handlung und Emotionen klar transportieren.

Inhaltlich wird der Ernst des Themas einem jungen Publikum nahegebracht, aber das Ende wirkt im Kontext einer Geschichte für Kinder ab etwa sechs Jahren etwas abrupt und weniger ausgearbeitet. Ein stärker reflektiertes Schlussbild hätte die Wirkung noch vertiefen können.

Trotz kleiner Kritikpunkte regt das Buch zum Nachdenken und zu Gesprächen über Meeresverschmutzung und menschliches Verhalten an und bietet gute Ansatzpunkte für weiterführende Diskussionen über Ursachen und mögliche Lösungen.

Aus persönlicher Sicht ist „Finn Flosse räumt das Meer auf“ ein wertvoller Beitrag zur Umweltbildung im Vorschul- und Grundschulalter. Es eignet sich gut für den Einsatz im Unterricht, sowohl zur Auseinandersetzung mit der Technik des Scherenschnitts als auch zur Sensibilisierung für Umweltverschmutzung. Die Verbindung von Geschichte, Gestaltung und Sachthema macht das Buch für Kinder besonders zugänglich, auch wenn Erwachsene die inhaltliche Tiefe ergänzen müssen.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 09.12.2025

✎ Selma Noort - Das kleine Haus am Fluss

Das kleine Haus am Fluss
0

Ich hatte mich auf die Lektüre des Kinderromans „Das kleine Haus am Fluss“ gefreut, weil der Klappentext eine dichte, gefühlsnahe Handlung versprach.

Der Einstieg liefert die erwartete Wucht. Der LKW-Unfall ...

Ich hatte mich auf die Lektüre des Kinderromans „Das kleine Haus am Fluss“ gefreut, weil der Klappentext eine dichte, gefühlsnahe Handlung versprach.

Der Einstieg liefert die erwartete Wucht. Der LKW-Unfall spielt direkt eine zentrale Rolle, doch die Erwähnung dessen nimmt dem Moment die notwendige Fallhöhe. Die Szene bleibt intensiv, verliert für mich aber sofort ihren Nachhall.

Selma Noort legt zahlreiche gesellschaftliche und familiäre Belastungen übereinander. Die älteren Figuren tragen die Folgen eines langen Lebens, welches sie teilweise zunehmend überfordert. Die nachfolgende Generation navigiert Migration, komplexe Familienstrukturen und psychische Krisen. Juss und Amber stehen als Kinder im Zentrum eines Geflechts aus Verlust, Übergang und stillen Brüchen, das sich in Gegenwart und Vergangenheit spiegelt. Diese thematische Fülle wird handhabbar erzählt, aber der erzählerische Zug bleibt gedämpft, weil es sehr viel auf engem Raum ist.

Die Szenen zwischen Juss und Amber bilden den lebendigsten Teil. Ihre impulsive Art wirkte auf mich stellenweise jünger, aber gerade diese Unmittelbarkeit bringt Energie und erinnert an eine Kindheit, die noch ohne ständige Selbstinszenierung auskommt. Ihre Freiheit wirkt nicht künstlich, sondern wie ein Rückgriff auf ein kindliches Erleben, das heute meiner persönlichen Erfahrung nach in städtischer Umgebung selten geworden ist.

Der Roman vermittelt trotz ernster Themen ein Gefühl von Zusammenhalt. Die leise Hoffnung, die zwischen den Zeilen aufscheint, entsteht nicht aus Dramatisierung, sondern aus der Beobachtung alltäglicher Verletzlichkeit. Verlust und Neubeginn liegen oft nah beieinander …

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 04.12.2025

✎ Stefanie Taschinski - Funklerwald

Funklerwald
0

Der Klappentext von „Funklerwald“ hat mich direkt angesprochen. Themen wie Toleranz und Anderssein sind allgegenwärtig und genau diese Werte möchte ich meinem Kind mit auf den Weg geben.Mit der Geschichte ...

Der Klappentext von „Funklerwald“ hat mich direkt angesprochen. Themen wie Toleranz und Anderssein sind allgegenwärtig und genau diese Werte möchte ich meinem Kind mit auf den Weg geben.Mit der Geschichte um das Luchsmädchen Lumi und den Waschbärenjungen Rus hat Stefanie Taschinski in meinen Augen etwas sehr Lesenswertes geschrieben. Anfangs war ich skeptisch, weil die Figuren sprechende Tiere sind. Doch das Konzept funktioniert: Die Tiere werden nicht märchenhaft vermenschlicht, sie tragen keine übersinnlichen Kräfte, sondern erleben Konflikte und Gefühle, die nachvollziehbar bleiben.

Lediglich das Ereignis mit den Früchten passt für mich nicht ins Gesamtkonzept. Ich finde, da hat es sich die Autorin ein bisschen leicht gemacht und die Situation etwas zu bequem gelöst. Ansonsten haben Lumi und ihre Freund*innen einfach eine Stimme bekommen.

Die Handlung ist packend: Rus und seine Familie fliehen und hoffen, im Funklerwald eine neue Heimat zu finden. Viele Bewohner lehnen sie ab - Angst, Misstrauen und Vorurteile bestimmen das Zusammenleben. Stefanie Taschinski schafft mit Lumi eine Figur, die neugierig bleibt, sich empathisch zeigt und bereit ist, Unbekanntes zu hinterfragen. Die Reise von Lumi und Rus zum geheimnisvollen Wandelbaum verdeutlicht eindrucksvoll, wie wichtig Mitgefühl und Zusammenhalt sind.

Freundschaft, Respekt und Mut, sich gegen Diskriminierung zu stellen, sind lobenswerte Aspekte. Die Parabel auf Migration und Ausgrenzung ist sehr gelungen. Das Buch erlaubt es Kindern und Erwachsenen gleichermaßen, über Toleranz nachzudenken.

Die Schwarz-Weiß-Illustrationen von Verena Körting wirken stimmungsvoll und fügen sich dezent ein, dennoch hätte ich mir farbige Bilder gewünscht, da manche Details im monochromen Stil verloren gehen.

Die kurzen Kapitel machen das Buch ideal für Kinder im Grundschulalter, gerade wenn sie noch nicht lange am Stück lesen. Die dramatischen und spannenden Szenen fesseln, ohne zu überfordern. Gleichzeitig kann das Werk Anlass zu Gesprächen über Andersartigkeit, Gerechtigkeit und Empathie sein - so wie ich es mir vorgestellt habe. Ich finde, das Buch eignet sich gut für gemeinsames Lesen oder als Klassenlektüre in einer 4. Klasse.

„Funklerwald“ hinterlässt bei mir den Eindruck einer klugen und sensiblen Erzählung: eine Geschichte, die Einfühlungsvermögen weckt, Mut macht, Freundschaft groß schreibt und zeigt, wie wertvoll Offenheit gegenüber Fremden ist. Taschinski hat ein erschreckend genaues Bild unserer Gesellschaft gezeichnet und hält somit allen einen Spiegel vors Gesicht.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 01.12.2025

✎ Yvonne Kuschel - Gelber Hund, grüne Katze

Gelber Hund, grüne Katze
0

„Gelber Hund, grüne Katze“ von Yvonne Kuschel ist bei uns eher zufällig gelandet. Eine Freundin brachte es vorbei, es wanderte erst auf den Stapel ungelesener Bücher und wartete dort geduldig auf seinen ...

„Gelber Hund, grüne Katze“ von Yvonne Kuschel ist bei uns eher zufällig gelandet. Eine Freundin brachte es vorbei, es wanderte erst auf den Stapel ungelesener Bücher und wartete dort geduldig auf seinen Moment. Der kam, als meine 7-Jährige vom Cover fasziniert war und endlich die Geschichte hinter dem ungewöhnlichen Duo entschlüsseln wollte. Also Buch geschnappt, ab auf die Couch und lesen im Teammodus gestartet.

Als ich sie am Schluss fragte, wie ihr das Buch gefallen hat, konnte sie - genau wie ich - keine richtige Meinung dazu abgeben. Wir haben versucht, zu analysieren, um was es in und zwischen den Zeilen geht, doch so wirklich ist uns das nicht gelungen. Wir hatten verblüffend wenig Handfestes, um das Gelesene klar einzuordnen.

Was blieb, war vor allem ein Gefühl für den Hund. Zwischendurch tat er uns richtig leid, gegen Schluss war die Stimmung dann deutlich heller - und ja, wir haben uns ehrlich mit ihm mitgefreut, als sein Weg doch noch einen guten Dreh bekam. Die Katze hingegen blieb bis zum letzten Bild eine Figur, zu der wir keinen echten Zugang fanden. Diese Distanz lag weniger am Charakter selbst als daran, dass sie kaum emotionale Brücken baut. Sie ist präsent, aber nicht greifbar.

Inhaltlich steckt zwischen den Seiten eine spannende Botschaft, die gerade für Kinder wertvoll sein kann, auch wenn sie nicht laut ausgesprochen wird. Der Hund zeigt, dass Umwege oft Türen öffnen, die man auf der ursprünglichen Route nie entdeckt hätte. Gleichzeitig erzählte das Buch uns leise, dass Persönlichkeitsentwicklung kein abgeschlossenes Kapitel ist. Man trägt immer ungehobene Facetten in sich, die erst in neuen Momenten sichtbar werden. Ein Bilderbuch, das nicht belehrt, sondern wach macht für Wandel, Einsicht und Wachstum.

Die künstlerische Umsetzung mit Filztiften ist handwerklich interessant, aber bei uns nicht ins Herz gewandert. Die Illustrationen wirken oft wie Collagen, mit sichtbaren Kanten zwischen Bildelementen, einer eher groben Farbharmonie und bewusst einfacher Detailtiefe. Die Seiten bieten optisch wenig Such- oder Entdeckungsanlässe, arbeiten stark mit Reduktion und skizzenhafter Komposition.

Trotz aller Unschärfe sorgt „Gelber Hund, grüne Katze“ dafür, dass man ins Gespräch kommt. Nicht darüber, was man verstanden hat, sondern darüber, wie Geschichten jenseits klarer Antworten wirken können - auf Kinder wie auf Erwachsene. Genau dieser Effekt könnte das Buch relevant machen, auch wenn es bei uns kein klassischer Lieblingstitel wird.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 25.11.2025

✎ Sara Aeschlimann & Adrian Wullschleger - Hoch hinaus mit Leni

Hoch hinaus mit Leni
0

Diversität und Inklusion bilden den Kern jeder sinnvollen pädagogischen Arbeit - und genau hier setzt „Hoch hinaus mit Leni“ von Sara Aeschlimann & Adrian Wullschleger an. Die Geschichte zeigt, wie selbstverständliche ...

Diversität und Inklusion bilden den Kern jeder sinnvollen pädagogischen Arbeit - und genau hier setzt „Hoch hinaus mit Leni“ von Sara Aeschlimann & Adrian Wullschleger an. Die Geschichte zeigt, wie selbstverständliche Offenheit aussehen kann, während sie zugleich sichtbar macht, dass nicht jede Umgebung diese Haltung teilt. Die Erzählung vermittelt Mut, Akzeptanz, Rücksicht und die Fähigkeit, sich innerlich zu strecken, wenn Neues irritiert oder Widerstand auftaucht.

Die Figur Leni dient als Beispiel dafür, wie Unterschiedlichkeit nicht zum Hindernis wird, sondern zu einem Ausgangspunkt für Kooperation. Kinder bekommen ein Gefühl dafür, warum Veränderungen manchmal auf Skepsis stoßen und warum genau das Raum für Empathie schafft.

Der Übungsteil für Kinder vertieft das Thema, wirkt jedoch stellenweise konstruiert. Besonders die Aufgabe, gemeinsame Vorlieben aller Kinder zu benennen, erzeugt ein methodisches Problem: Bedürfnisse sind universell, Vorlieben nicht. Diese Aufgabe suggeriert in meinen Augen implizit Vereinheitlichung und damit verfehlt somit das eigene Inklusionsziel.

Mit den meisten Übungen jedoch werden Kinder gestärkt. Das Augenmerk wird meist auf das Positive gelegt. Doch auch andere Gefühle finden in den Übungen ihren Platz.

Der Abschnitt für Erwachsene erläutert die pädagogischen Absichten. Inhaltlich wäre eine Zusammenführung mit dem Kinderteil stringenter gewesen, da beide Teile sich inhaltlich stark überschneiden und junge Kinder ohnehin Begleitung brauchen.

Die Platzierung der letzten Bilderbuchseite nach dem Fachteil wirkt strukturell unpräzise. Für mich gehört sie zum Bilderbuch dazu und hätte an der entsprechenden Stelle ihren Platz finden sollen.

Trotz dieser Schwächen bleibt der Gesamtinhalt wertvoll. Das Buch zeigt (Kindern) klar, was Diversität und Inklusion im Alltag bedeutet und liefert Erwachsenen eine nachvollziehbare Grundlage, um Kindern den Zugang zu erleichtern. Die online verfügbaren Materialien machen den Einsatz in Gruppen unkompliziert und erweitern den praktischen Nutzen.

©2025 Mademoiselle Cake