Profilbild von Jecke

Jecke

Lesejury Star
offline

Jecke ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Jecke über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.11.2025

✎ Leonardo Mazzeo - Tierische Helden: Unglaublich & echt wahr

Tierische Helden
0

Das Buch „Tierische Helden: Unglaublich & echt wahr“ von Leonardo Mazzeo lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück …

Das Konzept ist einfach: Tiere werden zu Helden, ihre Geschichten werden erzählt - ...

Das Buch „Tierische Helden: Unglaublich & echt wahr“ von Leonardo Mazzeo lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück …

Das Konzept ist einfach: Tiere werden zu Helden, ihre Geschichten werden erzählt - zumindest aus ihrer Perspektive. Weil die Erzählung bewusst aus der Sicht der Tiere gehalten ist, erfährt man nur Bruchstücke der Handlung, also das, was meistens sie selbst getan und gefühlt haben.

Jede Geschichte bekommt zwei Doppelseiten im Buch. Bilder dominieren, der Text bleibt knapp. Das macht das Lesen für Kinder schnell möglich, aber auch oberflächlich.

Meine Tochter, gerade Zweitklässlerin, schnappte sich das Buch eigenständig und las eine Geschichte. Danach nutzten wir gemeinsam das Internet, um mehr über die Tiere zu recherchieren und vor allem, um Originalfotos zu sehen, denn im Buch gibt es nur Illustrationen.

Ich als Erwachsene kannte bereits ein paar der Geschichten und habe sogar 2 Filme gesehen, die meisten waren mir jedoch unbekannt.

Mich schockiert, dass es eine Geschichte wie die von Laika, der Hündin, die ins Weltall flog, in das Buch geschafft hat.

Auf den ersten Blick klingt das heroisch und erstaunlich. Doch bei genauerem Hinsehen und Nachlesen wird klar, dass es sich hier um Tierversuche handelte, und Laika sogar wenige Stunden nach dem Start verstarb. Für uns war dies keine Heldinnengeschichte, sondern eine, die traurige Fragen aufwirft.

Im Rückblick überzeugt das Buch durch seine Bilder und durch den Ansatz, Kinder mit wahren Tiergeschichten zu erreichen. Es fehlt jedoch Tiefe. Kurztexte und Illustrierbarkeit reichen nicht immer aus, wenn komplexere Themen wie Mut, Loyalität oder ethische Dimensionen angesprochen werden.

Ich finde: Wer ein kindgerecht gestaltetes Tierbilderbuch ab etwa sechs Jahren sucht, ist gut bedient, doch wer nach inhaltlicher Tiefe, Reflexion oder kritischer Auseinandersetzung sucht, wird unzufrieden sein. Vor allem denke ich, dass Erwachsene die Geschichten mit zusätzlicher Recherche begleiten sollten, wenn sie nicht bloß oberflächlich bleiben wollen.

Die illustratorische Gestaltung von Bianca Austria ist stark und trägt das Buch visuell, der Textumfang jedoch limitiert die Tiefe.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 03.11.2025

✎ Andreas Winkelmann - Ihr werdet sie nicht finden

Ihr werdet sie nicht finden
0

Ich hatte mir für den Finnlandurlaub vorgenommen, mal wieder etwas Spannendes zu lesen. Bei einem Besuch am offenen Bücherschrank fiel mir dann der Thriller „Ihr werdet sie nicht finden“ von Andreas Winkelmann ...

Ich hatte mir für den Finnlandurlaub vorgenommen, mal wieder etwas Spannendes zu lesen. Bei einem Besuch am offenen Bücherschrank fiel mir dann der Thriller „Ihr werdet sie nicht finden“ von Andreas Winkelmann in die Hände. Da ich bisher noch nichts von ihm gelesen habe, die Klappentexte seiner Bücher jedoch schon oft interessant fand, nahm ich es kurzerhand mit.

Der Einstieg machte mir zunächst auch Hoffnung: Zwei Erzählstränge, parallel geführt, die nach und nach zusammenlaufen.

Aber schon früh im Verlauf des Buchs hatte ich das Gefühl, viele Zusammenhänge überblicken zu können. Der Plot bleibt klar strukturiert und viele Wendungen wirkten auf mich vorhersehbar - das schmälerte den Spannungsaufbau. Die Auflösung war allerdings nicht komplett abzusehen. Dennoch empfand ich einen Teil davon als ziemlich konstruiert, fast an den Haaren herbeigezogen. Gleichzeitig jedoch hat er mich emotional sehr mitgenommen. Insgesamt bleibt der Spannungsbogen jedoch flach und der Thrill-Effekt ist deutlich geringer als erwartet.

Für mich las sich das Buch nicht wie ein klassischer Thriller, sondern eher wie ein Krimi: Die Ermittlungsarbeit steht im Vordergrund, weniger das Spiel mit Macht, unterschwelliger Bedrohung oder psychologischen Terror.

Warum man heutzutage noch den Begriff „Indianer“ verwenden muss, erschloss sich mir nicht. Direkt mehrfach ist er im Text zu finden. Eine Formulierung, die heute fragwürdig ist und leicht hätte vermieden werden können.

Ganz arg haben mich auch die italienischen Sätze im Originaltext gestört: „Come sta la tua figlia? Quanto al fine posso sposaria? […] Uno momento.“ (S. 303) Handwerklich sind sie grammatikalisch wie semantisch fehlerhaft.

Bei diesen zwei Dingen scheint das Lektorat nicht korrekt gearbeitet zu haben und ich persönlich empfinde dies als wirklich ganz große Schwäche.

Winkelmanns Schreibstil wirkt auf mich insgesamt solide: Er liefert eine flüssige Erzählweise, klar verständlich, mit Blick auf eine Leserschaft, die Unterhaltung erwartet. Dennoch reicht mir dieser Stil nicht aus, um den Thriller voll zu tragen. Für mich machte gerade der fehlende dramatische Spannungsaufbau den Unterschied.

Obwohl sich die Klappentexte seiner Thriller interessant lesen, bin ich nicht sicher, ob ich noch einen von ihnen lesen werde, denn „Ihr werdet sie nicht finden“ blieb weit hinter meinen Erwartungen zurück. Wer jedoch einen gut lesbaren Krimi mit soliden Figuren und einem überraschenden Ende sucht, dem könnte das Buch genügen.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 20.10.2025

✎ Claudia Martin - Wie kommt der Popel in die Nase?

Wie kommt der Popel in die Nase?
0

Kindersachbücher sind ein heikles Terrain, wenn man sein Kind dort abholen möchte, wo es gerade steht, und ihm zugleich ein bisschen mehr zutrauen möchte, ohne es zu überfordern. „Wie kommt der Popel in ...

Kindersachbücher sind ein heikles Terrain, wenn man sein Kind dort abholen möchte, wo es gerade steht, und ihm zugleich ein bisschen mehr zutrauen möchte, ohne es zu überfordern. „Wie kommt der Popel in die Nase? Das passiert in deinem Körper“ von Claudia Martin schmiegt sich solide an diese Idee: Es ist gut strukturiert und aufgebaut und liefert faktenreiche Einblicke in den menschlichen Körper.

Man erfährt zum Beispiel, was im Alltag im Körper läuft, was sich im Lauf der Jahre verändert und wie etwa Zellen funktionieren oder welcher der größte Knochen ist. Auch Sinne, Gefühle und Schutzfunktionen werden berücksichtigt. Das Buch zielt auf breites Körperwissen, welches sich lebendig und zugänglich entfaltet.

Jede Doppelseite widmet sich einem Thema, was den Einstieg erleichtert und das Lesen überschaubar macht. Die Illustrationen sind bemerkenswert: divers, realitätsnah, detailliert – verschiedene Lebensrealitäten werden abgebildet und das macht das Werk aus meiner Sicht kindgerecht und hochwertig.

Im Glossar werden Fachbegriffe erklärt, was ich als großen Vorteil sehe, denn damit entsteht ein Nachschlagewerkcharakter. Ich hätte mir vielleicht noch Seitenzahlen gewünscht, damit Kinder schneller nachlesen können.

Der Titel selbst ist sehr reißerisch und spricht sowohl Kinder als auch Erwachsene an. „Wie kommt der Popel in die Nase?“ weckt Aufmerksamkeit, wird im Endeffekt jedoch mit keinem Wort beantwortet. Zwar kommt auf Seite 41 kurz zur Sprache, woher der Rotz kommt, aber ein wirkliches, ausführliches Eintauchen in das Thema Popel, wie man es vom Titel erwarten könnte, findet nicht statt.

Insgesamt eignet sich das Buch - wie vom Verlag vorgesehen - gut als Einstieg für wissbegierige Kinder ab etwa fünf Jahren: kurze Texte, große Bildflächen, klarer Themenfokus.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 18.10.2025

✎ Erich Heinemann - Siebenpünktchen

Siebenpünktchen
0

Ich habe das Kinderbuch „Siebenpünktchen“ von Erich Heinemann gelesen und sehe es inzwischen als Werk, das zwar nostalgischen Charme besitzt, aber in vieler Hinsicht unzeitgemäß wirkt.

Der Anfang wirkt ...

Ich habe das Kinderbuch „Siebenpünktchen“ von Erich Heinemann gelesen und sehe es inzwischen als Werk, das zwar nostalgischen Charme besitzt, aber in vieler Hinsicht unzeitgemäß wirkt.

Der Anfang wirkt idyllisch: Ein Marienkäfermädchen entdeckt die Welt, die Illustrationen von Fritz Baumgarten entwerfen eine heimelige Stimmung und die Sprache verspricht eine heile Tierwelt. Doch dann treten Textstellen hervor, die ich aus heutiger Sicht kritisch sehe.

Es gibt eine Passage, die eindeutig rassistische Implikationen enthält.
Die Textstelle projiziert Hautfarbe (bzw. die Farbe des Käferpanzers) als etwas Fremdes, Unheimliches und potenziell Bedrohliches. Der Bezug auf „rabenschwarze Menschen“ verknüpft Tierfarbe mit menschlicher Hautfarbe und benutzt sie als Metapher für Andersartigkeit und Distanzierung. Die daraus resultierende Reaktion - Abgrenzung und Unbehagen - spiegelt kolonialzeitliche und völkisch geprägte Stereotype.
Inhaltlich zeigt der Text unreflektierte Rassifizierung und distanzierende Wahrnehmung Schwarzer Menschen. Es entsteht keine kritische Gegenrede, kein empathischer Abbau dieser Wahrnehmung, sondern eine ungebrochene Reproduktion.

Zusätzlich gibt es eine Szene, in der ein Lebewesen jämmerlich erstickt, während andere Zuschauer Schadenfreude empfinden, tanzen und singen. Für eine Empfehlung ab etwa vier bis fünf Jahren ist eine solche Darstellung problematisch. Das Motiv des Sterbens wird nicht empathisch behandelt, sondern spöttisch und fast spielerisch durchzogen von Freude über das Leiden eines Wesens. Es fehlt jede moralische Einordnung oder pädagogische Verarbeitung. Die Szene kann in meinen Augen daher Furcht, Schuld oder Verwirrung auslösen, insbesondere, wenn das Kind die Schadenfreude der Figuren nicht einordnen kann.

Später in der Geschichte wird ein Marienkäfermann „aus gutem Hause“ eingeführt. Diese Formulierung schafft eine implizite Rangordnung zwischen Lebewesen, in der Herkunft und äußere Erscheinung als Wertmaßstab gelten. Für Kinder lässt sich daraus leicht ableiten: „Manche sind besser oder wichtiger als andere.“ Aus pädagogischer Sicht widerspricht dies dem Ziel, Gleichwertigkeit und Vielfalt zu fördern.

Zusammenfassend lässt sich sagen: „Siebenpünktchen“ ist deutlich schlecht gealtert. Die verwendeten Stereotype (insbesondere rassistische und kolonialzeitliche Anklänge), die grausamen Szenen ohne moralische Vermittlung und die soziale Hierarchisierung nach Herkunft und Schönheit passen nicht zu heutigen Standards der Kinderliteratur. Heute würde man solche Themen nur mit gezielter Reflexion oder einem aktualisierten Bearbeitungsrahmen vorlesen. Als rein nostalgisches Bilderbuch für Liebhaber einer älteren Zeit kann das Werk noch seinen Platz haben - für das gezielte Vorlesen oder den Alltag mit Kleinkindern halte ich es jedoch nicht mehr für geeignet.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 14.10.2025

✎ Eric Wrede - Wenn wir ins Gras beißen ...

Wenn wir ins Gras beißen - Das Buch vom Tod für große und kleine Menschen
0

In den letzten drei Jahren habe ich an drei Beerdigungen teilgenommen - alles Menschen, die ich in meinem Herzen habe. Mein Kind, mittlerweile sieben Jahre alt, hat alle Trauerphasen von mir mitbekommen, ...

In den letzten drei Jahren habe ich an drei Beerdigungen teilgenommen - alles Menschen, die ich in meinem Herzen habe. Mein Kind, mittlerweile sieben Jahre alt, hat alle Trauerphasen von mir mitbekommen, doch erst in diesem Jahr begann es, wirklich zu begreifen, was „Tod“ bedeutet.

In den letzten Wochen ließ uns „Wenn wir ins Gras beißen …“ von Eric Wrede nicht mehr los. Es hat uns in unserer letzten Trauerphase intensiv begleitet. Die Lektüre spricht Themen an, die schwerer sind, als man denkt, und erklärt sie zugleich kindgerecht. Mein Kind zeigte großes Interesse an dem vielfältigen Spektrum, welches hier behandelt wird.
Eric Wrede erklärt mit klaren und ehrlichen Worten, was mit dem Körper passiert, welche Bestattungsformen bestehen und warum Trauer wichtig ist. Er geht zudem auf Rituale und kulturelle Unterschiede ein. Für sehr junge und / oder sensible Kinder könnten bestimmte Beschreibungen (z. B. körperlicher Zerfall) zu konkret sein.

Wir begleiten verschiedene Kinder, die verschiedene Familienangehörige verloren haben. Meistens sind es die Groéltern, einmal die Tante, einmal der Onkel und einmal der Papa.
Auch wird thematisiert, dass Babys, Jugendliche oder junge Erwachsene durch Krankheit oder Unfall sterben können.
Ich hätte mir noch eine konkrete Geschichte zu einem verstorbenen Geschwisterkind und zu einerm Freundin gewünscht, um noch stärkere Identifikationsmöglichkeiten zu schaffen.

Ebenso mir als Erwachsene bot das Buch neue Erkenntnisse. Vor allem, dass Sterbehilfe in Deutschland mittlerweile erlaubt ist - meinen weiteren Recherchen nach unter strengen rechtlichen, ethischen und ärztlichen Voraussetzungen.

Mache Seiten enthalten Infoboxen, die sich an Erwachsene richten und die zusätzliche Tipps oder vertiefte Gedanken enthalten. Zu manchen Punkten hätte es ruhig ein bisschen mehr Wissen sein dürfen, da es doch schon manchmal speziell ist und mein Kind viele Nachfragen hatte. Auch ich als Erwachsene habe zu einigen Punkten zusätzlich recherchiert, weil es mich einfach interessierte.

Was das Thema Trauer betrifft, fand ich eine Stelle eher irritierend: Es wird mit Traurigkeit verbunden, weil ein Freund wegzieht - das erscheint mir unpassend in einem Buch, das explizit über Sterben und Tod sprechen will. Das lenkt vom zentralen Gegenstand ab.

Trotzdem bietet das Werk viel Raum, um ins Gespräch zu kommen. Für meine Siebenjährige war der Inhalt ideal - früher hätte sie vieles nicht verarbeiten können, weil es sehr komplex ist.

Die Illustrationen von Emily Claire Völker visualisieren das Thema wunderbar und überfordern dabei (meist) nicht.

Durch das Inhaltsverzeichnis lassen sich einzelne Punkte bei Bedarf rasch wiederfinden und ein Glossar erläutert wichtige Begriffe noch einmal präziser.

Für uns ist „Wenn wir ins Gras beißen …“ ein mutiges Buch, das Trauer und Tod aus der Tabuzone holt. Es erlaubt Kindern zu fragen, zu verstehen und Gefühle zu zeigen, und Erwachsenen, Antworten zu finden, die manchmal schwer auszusprechen sind.

©2025 Mademoiselle Cake