Profilbild von JennifersBooks

JennifersBooks

aktives Lesejury-Mitglied
offline

JennifersBooks ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit JennifersBooks über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.05.2026

Eine schöne Geschichte über das Erwachsenwerden

Der letzte Sommer vor dem Rest unseres Lebens
0

Schon das Cover hat mich sofort angesprochen. Die warmen Farben, das Licht und die Personen auf dem Steg vermitteln ein Gefühl von Nähe, Freundschaft und dem Wunsch, die Zeit für einen Moment festhalten ...

Schon das Cover hat mich sofort angesprochen. Die warmen Farben, das Licht und die Personen auf dem Steg vermitteln ein Gefühl von Nähe, Freundschaft und dem Wunsch, die Zeit für einen Moment festhalten zu wollen. Gleichzeitig schwingt durch den Sonnenuntergang ein leiser Hinweis auf das Ende mit und all die Möglichkeiten, die vor einem liegen – ein stimmungsvolles Versprechen, das perfekt zu der sommerlichen Atmosphäre passt, die mich schon beim Aufschlagen des Buches erwartet hat. Mit genau dieser Mischung aus Wehmut und Hoffnung bin ich in “Der letzte Sommer vor dem Rest unseres Lebens” gestartet – und wurde überrascht, wie viel mehr das Buch zu erzählen hat, als man zunächst vermutet.

Was auf den ersten Blick wie eine leichte Young-Adult-Romanze wirkt, entpuppt sich schnell als tiefgründige Geschichte über Freundschaft, Verlust und das Erwachsenwerden. Im Mittelpunkt stehen Caplan und Mia, die sich seit der Grundschule kennen und trotz ihrer Unterschiede unerschütterlich füreinander da sind. Caplan, laut, beliebt und voller Energie, und Mia, introvertiert, lesend und oft Ziel von Gemeinheiten – ihre Freundschaft ist das Herz des Romans. Man spürt in jedem Kapitel, wie wichtig sie einander sind, wie sie sich stützen, anfeuern und trösten. Ich habe beide schnell ins Herz geschlossen, Mia vielleicht sogar ein wenig mehr, und selbst Nebenfiguren wie Hollis und Quinn haben mich berührt.

Besonders beeindruckt hat mich, wie sensibel die Autorin ernste Themen einbindet. Mias Vergangenheit ist schwer, ihre Panikattacken sind nachvollziehbar, und die Darstellung bleibt stets altersgerecht. Man versteht, was passiert ist, ohne dass unnötige Details erzählt werden – genau die richtige Balance für ein Jugendbuch. Gleichzeitig schafft es die Geschichte, dieses typische Schulgefühl zurückzubringen: erste Schwärme, erste Enttäuschungen, Cliquen, Lachen auf dem Pausenhof. Man fühlt sich, als würde man selbst noch einmal durch die Schulflure laufen und all die kleinen Dramen und großen Gefühle der Jugend erneut erleben.

Die Umgebung ist ausreichend beschrieben, um ein Bild im Kopf zu haben, doch der Fokus liegt klar auf den Figuren und ihrer Entwicklung. Das funktioniert gut, auch wenn ich mir an manchen Stellen etwas mehr Atmosphäre gewünscht hätte. Gegen Ende hatte ich zudem das Gefühl, dass die Geschichte etwas zu schnell zum Abschluss kommen musste. Die letzten Kapitel wirkten kürzer, und manche Entwicklungen kamen für mich etwas abrupt oder nicht ganz charaktertypisch rüber. Vielleicht liegt das daran, dass ich Mias Trauma nicht aus eigener Erfahrung nachvollziehen kann, aber einige Reaktionen fühlten sich für mich etwas hastig an.

Trotz dieser kleinen Schwächen hat mich das Buch emotional sehr berührt. Die Freundschaften, die sich im Laufe der Handlung entwickeln, sind warmherzig und glaubwürdig, und das eher offene Ende passt wunderbar zu dieser Lebensphase, in der alles möglich scheint und die Zukunft noch unbeschrieben vor einem liegt.

Fazit: Ein gefühlvoller, berührender Roman, der deutlich mehr Tiefe besitzt, als man zunächst erwartet. Trotz kleiner Schwächen im letzten Drittel hat mich die Geschichte mitgerissen und lange beschäftigt. Für mich klare vier Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.05.2026

Meer, Sand – und ein Sturm, der in der Familie tobt

Summer Storms
0

Aufgefallen ist mir das Buch tatsächlich wegen des Covers. Nach diesem langen Winter hatte ich große Lust auf eine sommerliche Lektüre – und jetzt, wo endlich wieder jeden Tag die Sonne herauskommt, hat ...

Aufgefallen ist mir das Buch tatsächlich wegen des Covers. Nach diesem langen Winter hatte ich große Lust auf eine sommerliche Lektüre – und jetzt, wo endlich wieder jeden Tag die Sonne herauskommt, hat mich das Bild von Meer und Sandstrand sofort angesprochen. Außerdem liebe ich Bücher, in denen es um Inheritance-Drama geht. Es fühlte sich also nach genau der richtigen Stimmung an.

Der Roman hat mich dann auch zu Beginn sofort abgeholt. Alice’ innere Zerrissenheit ist von der ersten Seite an greifbar, und die Metaphern rund um die verschiedenen Fortbewegungsmittel haben für mich perfekt funktioniert. Sie zeigen, wie sehr ihr Leben früher von anderen gesteuert wurde und wie sehr sie sich nach einem Weg sehnt, den sie selbst bestimmen kann. Dieser Einstieg war für mich ein starker Teil des Buches, weil er Alice’ Gefühlswelt so klar und unaufgeregt sichtbar macht und sie damit zu einer starken Protagonistin werden lässt.

Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto deutlicher wird, wie kaputt das Familiensystem durch die Manipulation und Kontrolle des verstorbenen Vaters ist. Die Geschwisterperspektiven in den speziellen Kapiteln haben mir besonders gefallen, weil sie die Dynamik zwischen den Familienmitgliedern verständlicher machen. Man spürt, wie viel Verletzung, Erwartungsdruck und unausgesprochene Schuld in dieser Familie steckt. In den wenigen Momenten, in denen sie wirklich miteinander reden, blitzt auf, wie anders ihr Leben hätte aussehen können. Diese Szenen gehören für mich zu den stärksten des Romans.

Ganz anders ging es mir mit der Mutterfigur Elisabeth. Ihre Kälte, ihr Selbstmitleid und die Art, wie sie ihre Kinder behandelt, haben mich beim Lesen immer wieder fassungslos gemacht. Die späteren Enthüllungen über ihr Verhalten haben das nur bestätigt. Für mich ist sie eine der Figuren, die am stärksten nachhallen – allerdings nicht im positiven Sinne.

Schwieriger wurde es für mich bei der Liebesgeschichte. Was am Anfang noch eine interessante Spannung hatte, verliert sich später in Halbwahrheiten und manipulativen Momenten. Ich konnte die romantische Entwicklung zwischen Alice und Jack einfach nicht fühlen. Zu viel Misstrauen, zu viele unausgesprochene Dinge, zu viele Situationen, in denen er Entscheidungen beeinflusst, die eigentlich ihr gehören. Für mich hat das jede Chance auf eine glaubwürdige Nähe zerstört. Gerade weil der Roman so viel Wert auf Selbstbestimmung und Verletzlichkeit legt, hat diese Beziehung für mich nicht funktioniert.

Das Ende hat mich dann zwiegespalten zurückgelassen. Einige Enthüllungen fand ich stark, andere eher enttäuschend. Besonders die Auflösung rund um die Aufgaben und das Erbe fühlte sich für mich kleiner an, als die Geschichte es aufgebaut hatte. Nach all dem Drama hätte ich mir eine Wendung gewünscht, die den Figuren mehr zutraut und ihnen mehr Raum gibt, sich wirklich zu lösen. Leider ist bis zum Schluss die manipulative Präsenz von Franklin Storm zu spüren.

Trotz dieser Kritikpunkte bleibt ein Roman, der in seinen familiären Konflikten unglaublich stark ist. Die Atmosphäre, die Dynamik zwischen den Geschwistern, die emotionalen Brüche – all das hat mich sehr berührt. Nur die Liebesgeschichte konnte für mich nicht mithalten.

Fazit: Ein intensiver Roman über Familie, Kontrolle und Verletzungen, der in seinen stärksten Momenten richtig unter die Haut geht. Die Geschwister, ihre Vergangenheit und ihre Entwicklung haben mich bewegt und oft wütend gemacht – im besten Sinne. Die Liebesgeschichte dagegen bleibt für mich blass und unausgewogen. Wer vor allem wegen des Familiendramas liest, bekommt hier viel geboten. Wer eine überzeugende Romanze erwartet, könnte enttäuscht werden. Da für mich die Romanze zweitrangig war, gibt es von mir 4 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 03.05.2026

Ein Kind sucht Halt – und findet Worte

Mit beiden Händen den Himmel stützen
0

„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist ein autofiktionaler Roman, in dem Lilli Tollkien ihre Kindheitserlebnisse aus den 80er Jahren literarisch verarbeitet. Die Protagonistin Lale ist zwar erfunden, ...

„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist ein autofiktionaler Roman, in dem Lilli Tollkien ihre Kindheitserlebnisse aus den 80er Jahren literarisch verarbeitet. Die Protagonistin Lale ist zwar erfunden, aber man spürt sofort, wie nah die Handlung an der Realität der Autorin liegt. Ich habe mir bewusst Zeit gelassen, um dieser Art von Erinnerungsarbeit gerecht zu werden, und das hat meinen Zugang zum Buch verändert.
Der Roman spricht sehr ernste Themen an: Alkoholsucht, Drogenkonsum, Vernachlässigung, verbale, psychische sowie sexualisierte Gewalt. Beim Lesen geht man durch viele Emotionen. Man ist betroffen, wütend, traurig, manchmal abgestoßen, und gleichzeitig fühlt man Lales Angst, ihre Verletzlichkeit, ihre Verlorenheit und ihre Suche nach Halt. Es gibt Momente, in denen man das Buch einfach zur Seite legen muss, um das Gelesene zu verarbeiten.
Einige Dinge konnte ich sehr gut nachvollziehen, weil ich selbst mit einem alkoholsüchtigen Elternteil aufgewachsen bin. Die morgendlichen Gerüche nach kaltem Rauch und Bier, die Treffen am Kiosk, die übergriffigen „netten“ Erwachsenen, die einen auf den Schoß ziehen wollen – das alles hat mich direkt in meine eigene Kindheit zurückgeworfen. Solche Erfahrungen verändern Kinder nachhaltig, und das zeigt der Roman sehr deutlich.
Gleichzeitig hat das Buch viele nostalgische Momente, die mich als 80er-Jahre-Kind sofort abgeholt haben. Klebrige Schlümpfe, Wassereis, bunte Polyester-Jogginganzüge, Sticker, Kaufhäuser, in denen man alles bekommen hat – das hat schöne Erinnerungen ausgelöst, die neben den schweren Themen stehen, ohne sie zu relativieren.
Am Anfang wirkte der Text auf mich etwas wirr. Als ich dann noch einmal von vorne begonnen und mir mehr Zeit genommen habe, ergab die Erzählweise plötzlich Sinn. Erinnerungen verlaufen nicht linear, sie springen, sie verschieben sich, und genau so erzählt Tollkien. Lale spricht durchgehend aus ihrer Sicht, zwischendurch tauchen Dialoge anderer Personen aus ihrem Umfeld auf. Die Sprache ist poetisch, aber nicht überladen.
Was einen immer wieder beschäftigt, ist die Frage, warum niemand Lale geschützt hat. Warum das Jugendamt Besuche ankündigt. Warum Erwachsene wegsehen, obwohl das Elend offensichtlich ist. Diese Fragen bleiben hängen und machen das Buch so herausfordernd.
Auch das Cover mit dem Bild der Künstlerin Xenia Hausner möchte ich hervorheben. Ich finde es sehr schön – die Farben und der Stil passen unglaublich gut zur Stimmung des Buches. Auf Instagram gibt es ein Foto der Autorin, auf dem sie sich das Cover teilweise vors Gesicht hält, und es ist faszinierend, wie perfekt das Design in seiner Gesamtheit harmoniert.

Fazit: Ein intensiver, poetischer und emotional fordernder Roman, der zeigt, wie ein Kind versucht, in einer instabilen Umgebung Halt zu finden. Für mich sind es 5 Sterne, weil die Autorin ihre Erinnerungen in eine Form bringt, die ehrlich wirkt und lange nachklingt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.04.2026

Charmanter Agentenklamauk mit Luft nach oben

Die Reise ans Ende der Geschichte
0

Ich vergebe 3 Sterne für "Die Reise ans Ende der Geschichte", weil das Buch für mich irgendwo zwischen charmantem Agentenklamauk und eher gemächlicher Erzählung hängen bleibt. Die Mischung aus Agentengeschichte ...

Ich vergebe 3 Sterne für "Die Reise ans Ende der Geschichte", weil das Buch für mich irgendwo zwischen charmantem Agentenklamauk und eher gemächlicher Erzählung hängen bleibt. Die Mischung aus Agentengeschichte und komischen Momenten hat mich zwar immer wieder zum Schmunzeln gebracht, aber eben nur bis zu einem gewissen Punkt. Es ist nett, unterhaltsam, manchmal sogar charmant absurd – aber nicht so besonders, dass ich das Gefühl hätte, etwas verpasst zu haben, wenn ich es nicht gelesen hätte.

Im Mittelpunkt steht der Doppelagent Dieter Germeshausen, der am Ende seiner Karriere unbedingt noch ein großes Ding drehen will und dafür den Dichter Jakob Dreiser anheuert. Die beiden könnten unterschiedlicher kaum sein, und genau das hat für mich den größten Reiz ausgemacht. Germeshausen ist mürrisch, pflichtbewusst und fast schon verbohrt, während Dreiser mit seinem Charme, seiner Unbedarftheit und mit einer sehr flexiblen Auslegung von Befehlen eher durch die Handlung stolpert. Ihre Schlagabtausche gehören für mich zu den Momenten, in denen das Buch wirklich auflebt – da sprühen immer wieder kleine, herrlich komödiantische Funken. Dazwischen agiert die Sprachlehrerin Francesca Aquatone, die ebenfalls Spionin ist und die beiden im Auge behalten soll. Überhaupt scheint in diesem Roman jede Figur entweder Spion zu sein, einer zu werden oder zumindest einen zu kennen – völlig absurd, aber irgendwie auch mit dem nostalgischen Charme alter Agentenfilme.

Die Handlung spielt in Rom und Russland kurz nach dem Kalten Krieg, einer Zeit voller Umbrüche. Magnusson beschreibt diese Phase solide, aber ich hatte das Gefühl, dass noch mehr möglich gewesen wäre. Die Euphorie nach dem Mauerfall und der Zusammenbruch der Sowjetunion werden zwar erwähnt, aber ich habe diese Stimmung beim Lesen nicht wirklich gespürt. Die Geschichte selbst plätschert eher dahin – nicht langweilig, aber auch nicht packend. Trotzdem wollte ich wissen, wie alles ausgeht.

Und dann kommt dieses offene Ende, das mich ziemlich frustriert zurückgelassen hat. Ich habe grundsätzlich nichts gegen offene Enden, aber hier wirkte es für mich eher wie ein abruptes Abbrechen. Zu viele Fragen bleiben offen, zu viele Fäden hängen lose herum. Ich hätte mir einfach einen runderen Abschluss gewünscht, der das Ganze etwas stimmiger zusammenführt.

Fazit: Ein unterhaltsamer, stellenweise charmant‑skurriler Agentenroman, der mich gut begleitet hat, aber erzählerisch nicht ganz das ausschöpft, was möglich gewesen wäre. Humor ja, Atmosphäre teilweise, aber am Ende bleibt ein Gefühl von „schade, da wäre mehr drin gewesen“.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.04.2026

Teilweise spannend

Das Kalendermädchen
0

Nachdem ich „REM“ von Annika Strauss und Sebastian Fitzek gelesen hatte und positiv überrascht war, wollte ich unbedingt mehr von Fitzek ausprobieren. In meiner Bibliothek war nur „Das Kalendermädchen“ ...

Nachdem ich „REM“ von Annika Strauss und Sebastian Fitzek gelesen hatte und positiv überrascht war, wollte ich unbedingt mehr von Fitzek ausprobieren. In meiner Bibliothek war nur „Das Kalendermädchen“ verfügbar – aber da mich urbane Legenden ohnehin faszinieren und der Klappentext vielversprechend klang, war das völlig in Ordnung. Allein das Cover hätte mich allerdings nicht zum Zugreifen bewegt. Es wirkt auf mich erstaunlich nichtssagend, fast schon austauschbar, und ich hätte mir etwas Atmosphärischeres gewünscht, vielleicht die schwarze Kerze im Fenster, die in der Geschichte eine so markante Rolle spielt.

Der Einstieg hingegen hat mich sofort gepackt. Die Legende rund ums „Kalendermädchen“ erzeugt gleich zu Beginn eine feine Gänsehaut, und ich war neugierig, wohin das alles führen würde. Doch sobald Olivia als zentrale Perspektivfigur übernimmt, flacht die Spannung für mich spürbar ab. Sie wird als betrogene Ehefrau, als Mutter einer schwer kranken Tochter und als Psychologin mit einem fragwürdigen Podcast über religiös motivierte Straftaten eingeführt – und trotzdem bleibt sie für mich erstaunlich blass. Ich mochte ihren Kampfgeist für ihre Tochter, aber viele ihrer Kapitel wirkten auf mich eher zäh, teilweise sogar überladen mit Details, die für die Handlung kaum Relevanz hatten. Ihre Phobie ist dafür ein gutes Beispiel: Sie wird erwähnt, aber sie trägt wenig zur eigentlichen Geschichte bei.

Auch die Zeitsprünge haben mir das Lesen unnötig erschwert. Dieses ständige „11 Jahre später“, „21 Jahre zuvor“, „21 Jahre später“, „Damals“ – und das im Wechsel zwischen Olivias Perspektive und der des Kalendermädchens sowie zwischen Vergangenheit und Gegenwart – hat mich immer wieder aus dem Lesefluss gerissen. Wenn das Fitzeks typischer Stil ist, dann ist es wohl einfach nicht meiner.

Ganz anders ging es mir mit den Rückblenden zum Kalendermädchen selbst. Diese Kapitel fand ich durchgehend spannend, atmosphärisch dicht und emotional greifbar. Sie waren letztlich auch der Grund, warum ich bis zum Ende dabeigeblieben bin. Die Frage, wie viel Wahrheit in der urbanen Legende steckt, die Olivia zu entschlüsseln versucht, wie weit die Ereignisse tatsächlich zurückreichen und was damals wirklich passiert ist, hat mich durchgehend fasziniert. Auch die Wendungen im letzten Drittel fand ich grundsätzlich gelungen, auch wenn einige davon für mich etwas konstruiert wirkten. Manche Handlungspunkte haben eher Stirnrunzeln ausgelöst, weil sie sich nicht ganz organisch in die Geschichte eingefügt haben. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus starken Momenten und fragwürdigen Entscheidungen, die mich am Ende etwas zwiegespalten zurückgelassen hat.

Insgesamt mochte ich „Das Kalendermädchen“, aber nicht genug, um sofort zum nächsten Fitzek zu greifen. Vielleicht braucht es einfach das richtige Buch zur richtigen Zeit – oder vielleicht ist sein Stil schlicht nicht meiner.

Fazit: Ein atmosphärischer Thriller mit einer faszinierenden urbanen Legende und starken Rückblenden, der jedoch durch eine blasse Protagonistin, verwirrende Zeitsprünge und einige konstruiert wirkende Wendungen an Kraft verliert. Für Fans von düsteren Mythen sicher interessant, für mich aber kein Highlight.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere