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Veröffentlicht am 13.05.2026

Ein Sommerroman, der mitten ins Herz trifft

Last Kiss of Summer
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Sommerromane haben für mich gerade einen ganz besonderen Reiz. Vielleicht liegt es am sonnigen Wetter, vielleicht daran, dass man endlich wieder gemütlich auf der Terrasse lesen kann – aber „Last Kiss ...

Sommerromane haben für mich gerade einen ganz besonderen Reiz. Vielleicht liegt es am sonnigen Wetter, vielleicht daran, dass man endlich wieder gemütlich auf der Terrasse lesen kann – aber „Last Kiss of Summer“ hat mich schon mit seinem Cover sofort eingefangen. Der rosa getönte Himmel, das Meer im Hintergrund, die Figuren in sommerlicher Kleidung: All das versprach Leichtigkeit, Wärme und eine klassische Young-Adult-Romance mit Friends-to-Lovers und Second-Chance Tropes. Zwei beste Freunde aus Kindheitstagen, erste Liebe, Missverständnisse, ein wahrscheinliches Happy End – was sollte da schon schiefgehen? Wie sich herausstellt: sehr viel mehr, als man erwartet.

Denn diese Geschichte besitzt eine Tiefe, die man dem Cover und dem Klappentext nicht ansieht. Ich habe gelacht, mitgefiebert – und seit Langem nicht mehr so sehr bei einem Buch geweint. Taschentücher sind beim Lesen definitiv Pflicht. Gleichzeitig möchte ich gar nicht zu viel über die Handlung verraten, denn schon kleine Details könnten Wendungen vorwegnehmen, die ihre volle Wirkung nur entfalten, wenn man sie selbst erlebt.

Sera und Luke sind zwei Figuren, die sich sofort echt anfühlen. Ihre Gefühlswelt ist feinfühlig, nachvollziehbar und manchmal schmerzhaft authentisch. Beide tragen ihre eigenen Lasten mit sich herum, beide verheimlichen einander Dinge, obwohl sie beste Freunde sind – und genau daraus entstehen die Konflikte. Sie reagieren wie 18‑Jährige nun einmal reagieren: impulsiv, eifersüchtig, unsicher, manchmal verschlossen. Ja, manches Drama hätte sich mit Ehrlichkeit vermeiden lassen, aber dann wäre es kein Jugendroman, sondern eine Therapiesitzung.

Besonders beeindruckt haben mich die unerwarteten Wendungen. Ich war fest überzeugt, die Richtung der Geschichte zu kennen, doch sie hat mich mehrfach überrascht – und genau das hat sie für mich in den 5‑Sterne‑Bereich katapultiert. Es ist lange her, dass mich ein Buch so sehr mitgerissen hat, dass ich es an einem Tag durchgelesen habe. Dieses hat es mühelos geschafft. Und das Ende… auf seine ganz eigene Art wunderschön, bittersüß und absolut tränenreich.

Fazit: „Last Kiss of Summer“ ist weit mehr als eine sommerliche Young-Adult-Romance. Es ist eine emotionale Achterbahnfahrt über Freundschaft, Verlust, erste Liebe und den Mut, offen mit den eigenen Gefühlen umzugehen. Ein Buch, das man nicht nur liest, sondern fühlt – und das lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 12.05.2026

Bezaubernde Hommage an die Autorin, die meine Kindheit geprägt hat

Kennst du Astrid Lindgren?
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Schon in der Grundschule war Astrid Lindgren für mich mehr als nur eine normale Autorin. Pippi Langstrumpf war mein Lieblingsbuch, Ronja Räubertochter mein liebster Film, und das schönste Geburtstagsgeschenk ...

Schon in der Grundschule war Astrid Lindgren für mich mehr als nur eine normale Autorin. Pippi Langstrumpf war mein Lieblingsbuch, Ronja Räubertochter mein liebster Film, und das schönste Geburtstagsgeschenk war ein dicker Madita-Sammelband, den ich bis heute wie einen Schatz hüte. In meinem Bücherregal gab es ein eigenes Fach nur für meine Astrid-Lindgren-Sammlung. Rückblickend kann ich also mit voller Überzeugung sagen, dass sie meine erste Lieblingsautorin war.

Vielleicht spricht mich dieses Buch deshalb so an. Kennst du Astrid Lindgren? fühlt sich an wie eine liebevolle Einladung, meinen Kindern genau jene zeitlosen Klassiker ans Herz zu legen, die mich selbst geprägt haben. Geschichten über Freundschaft, Mut, Optimismus und den eigenen Kopf; all das, was Kinder brauchen, um ihre ganz persönlichen Abenteuer zu meistern.

Besonders spannend fand ich den Blick in Astrid Lindgrens Kindheit und in ihr Leben, lange bevor sie zur weltberühmten Autorin wurde. Irgendwie hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm, dass sie auch die Lieder zu den Filmen und Kinderserien selbst geschrieben hat. Das hat bei uns sofort einen kleinen Familienmoment ausgelöst: Wir haben unser altes Liederbuch wieder hervorgeholt - Das große Astrid Lindgren Liederbuch vom Oetinger Verlag aus dem Jahr 2007, das ich früher bei meiner Arbeit im Kindergarten und Schulhort ständig benutzt habe - und gemeinsam ein paar der Lieder gesungen. Meine Kinder kennen diese Lieder seit ihrer Geburt, und das gemeinsame Singen hat viele sehr schöne Erinnerungen in uns wachgerufen.

Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie viel man über Astrid Lindgren erfahren und lernen kann. Ein Zitat von ihr hat uns besonders zum Lachen gebracht, vor allem meine Kinder - sie wissen nur zu gut, wie es aussieht, wenn ich versuche, in Bäumen herumzukraxeln, um Kirschen zu pflücken. Gleichzeitig ist es faszinierend zu entdecken, wie viele Elemente aus ihrem eigenen Leben in ihre Kinderbücher eingeflossen sind.

David Sundin hat Texte geschrieben, die die Stationen ihres Lebens wunderbar einfangen. Sie sind informativ, kindgerecht und genau in der richtigen Länge, damit junge Leser:innen den Inhalt gut aufnehmen können. Die Illustrationen von Amanda Berglund strahlen in kräftigen Farben und machen jede Seite zu einem kleinen Kunstwerk. Überall gibt es liebevolle Details zu entdecken: den Teppich unter Astrids Schreibtisch, aus dem Blumen wie auf einer Wiese wachsen, Bilder von Pippi und Michel an der Wand oder den kleinen Herrn Nilsson, der auf der Sofalehne sitzt.

Für mich ist dieses Buch eine rundum gelungene Hommage an eine der bedeutendsten Kinderbuchautorinnen überhaupt. Ich wünsche mir sehr, dass durch solche Bücher noch viele Kinder und Eltern auf Astrid Lindgren aufmerksam werden. Denn Kinder brauchen nicht nur Figuren wie Peppa Wutz, Paw Patrol oder MarvelHelden. Sie brauchen kleine, echte Helden, mit denen sie sich identifizieren können, weil sie ähnliche Sorgen, Freuden und Herausforderungen erleben wie sie selbst. Genau deshalb hoffe ich, dass uns diese wunderbaren Klassiker noch sehr lange erhalten bleiben.

Fazit: Ein warmherziges, wunderschön gestaltetes Buch, das Astrid Lindgrens Leben für Kinder greifbar macht und gleichzeitig die Magie ihrer Geschichten weiterträgt. Für mich ein echtes Herzensbuch und ein Geschenk an die nächste Generation kleiner Leser:innen.

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Veröffentlicht am 09.05.2026

Eine schöne Geschichte über das Erwachsenwerden

Der letzte Sommer vor dem Rest unseres Lebens
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Schon das Cover hat mich sofort angesprochen. Die warmen Farben, das Licht und die Personen auf dem Steg vermitteln ein Gefühl von Nähe, Freundschaft und dem Wunsch, die Zeit für einen Moment festhalten ...

Schon das Cover hat mich sofort angesprochen. Die warmen Farben, das Licht und die Personen auf dem Steg vermitteln ein Gefühl von Nähe, Freundschaft und dem Wunsch, die Zeit für einen Moment festhalten zu wollen. Gleichzeitig schwingt durch den Sonnenuntergang ein leiser Hinweis auf das Ende mit und all die Möglichkeiten, die vor einem liegen – ein stimmungsvolles Versprechen, das perfekt zu der sommerlichen Atmosphäre passt, die mich schon beim Aufschlagen des Buches erwartet hat. Mit genau dieser Mischung aus Wehmut und Hoffnung bin ich in “Der letzte Sommer vor dem Rest unseres Lebens” gestartet – und wurde überrascht, wie viel mehr das Buch zu erzählen hat, als man zunächst vermutet.

Was auf den ersten Blick wie eine leichte Young-Adult-Romanze wirkt, entpuppt sich schnell als tiefgründige Geschichte über Freundschaft, Verlust und das Erwachsenwerden. Im Mittelpunkt stehen Caplan und Mia, die sich seit der Grundschule kennen und trotz ihrer Unterschiede unerschütterlich füreinander da sind. Caplan, laut, beliebt und voller Energie, und Mia, introvertiert, lesend und oft Ziel von Gemeinheiten – ihre Freundschaft ist das Herz des Romans. Man spürt in jedem Kapitel, wie wichtig sie einander sind, wie sie sich stützen, anfeuern und trösten. Ich habe beide schnell ins Herz geschlossen, Mia vielleicht sogar ein wenig mehr, und selbst Nebenfiguren wie Hollis und Quinn haben mich berührt.

Besonders beeindruckt hat mich, wie sensibel die Autorin ernste Themen einbindet. Mias Vergangenheit ist schwer, ihre Panikattacken sind nachvollziehbar, und die Darstellung bleibt stets altersgerecht. Man versteht, was passiert ist, ohne dass unnötige Details erzählt werden – genau die richtige Balance für ein Jugendbuch. Gleichzeitig schafft es die Geschichte, dieses typische Schulgefühl zurückzubringen: erste Schwärme, erste Enttäuschungen, Cliquen, Lachen auf dem Pausenhof. Man fühlt sich, als würde man selbst noch einmal durch die Schulflure laufen und all die kleinen Dramen und großen Gefühle der Jugend erneut erleben.

Die Umgebung ist ausreichend beschrieben, um ein Bild im Kopf zu haben, doch der Fokus liegt klar auf den Figuren und ihrer Entwicklung. Das funktioniert gut, auch wenn ich mir an manchen Stellen etwas mehr Atmosphäre gewünscht hätte. Gegen Ende hatte ich zudem das Gefühl, dass die Geschichte etwas zu schnell zum Abschluss kommen musste. Die letzten Kapitel wirkten kürzer, und manche Entwicklungen kamen für mich etwas abrupt oder nicht ganz charaktertypisch rüber. Vielleicht liegt das daran, dass ich Mias Trauma nicht aus eigener Erfahrung nachvollziehen kann, aber einige Reaktionen fühlten sich für mich etwas hastig an.

Trotz dieser kleinen Schwächen hat mich das Buch emotional sehr berührt. Die Freundschaften, die sich im Laufe der Handlung entwickeln, sind warmherzig und glaubwürdig, und das eher offene Ende passt wunderbar zu dieser Lebensphase, in der alles möglich scheint und die Zukunft noch unbeschrieben vor einem liegt.

Fazit: Ein gefühlvoller, berührender Roman, der deutlich mehr Tiefe besitzt, als man zunächst erwartet. Trotz kleiner Schwächen im letzten Drittel hat mich die Geschichte mitgerissen und lange beschäftigt. Für mich klare vier Sterne.

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Meer, Sand – und ein Sturm, der in der Familie tobt

Summer Storms
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Aufgefallen ist mir das Buch tatsächlich wegen des Covers. Nach diesem langen Winter hatte ich große Lust auf eine sommerliche Lektüre – und jetzt, wo endlich wieder jeden Tag die Sonne herauskommt, hat ...

Aufgefallen ist mir das Buch tatsächlich wegen des Covers. Nach diesem langen Winter hatte ich große Lust auf eine sommerliche Lektüre – und jetzt, wo endlich wieder jeden Tag die Sonne herauskommt, hat mich das Bild von Meer und Sandstrand sofort angesprochen. Außerdem liebe ich Bücher, in denen es um Inheritance-Drama geht. Es fühlte sich also nach genau der richtigen Stimmung an.

Der Roman hat mich dann auch zu Beginn sofort abgeholt. Alice’ innere Zerrissenheit ist von der ersten Seite an greifbar, und die Metaphern rund um die verschiedenen Fortbewegungsmittel haben für mich perfekt funktioniert. Sie zeigen, wie sehr ihr Leben früher von anderen gesteuert wurde und wie sehr sie sich nach einem Weg sehnt, den sie selbst bestimmen kann. Dieser Einstieg war für mich ein starker Teil des Buches, weil er Alice’ Gefühlswelt so klar und unaufgeregt sichtbar macht und sie damit zu einer starken Protagonistin werden lässt.

Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto deutlicher wird, wie kaputt das Familiensystem durch die Manipulation und Kontrolle des verstorbenen Vaters ist. Die Geschwisterperspektiven in den speziellen Kapiteln haben mir besonders gefallen, weil sie die Dynamik zwischen den Familienmitgliedern verständlicher machen. Man spürt, wie viel Verletzung, Erwartungsdruck und unausgesprochene Schuld in dieser Familie steckt. In den wenigen Momenten, in denen sie wirklich miteinander reden, blitzt auf, wie anders ihr Leben hätte aussehen können. Diese Szenen gehören für mich zu den stärksten des Romans.

Ganz anders ging es mir mit der Mutterfigur Elisabeth. Ihre Kälte, ihr Selbstmitleid und die Art, wie sie ihre Kinder behandelt, haben mich beim Lesen immer wieder fassungslos gemacht. Die späteren Enthüllungen über ihr Verhalten haben das nur bestätigt. Für mich ist sie eine der Figuren, die am stärksten nachhallen – allerdings nicht im positiven Sinne.

Schwieriger wurde es für mich bei der Liebesgeschichte. Was am Anfang noch eine interessante Spannung hatte, verliert sich später in Halbwahrheiten und manipulativen Momenten. Ich konnte die romantische Entwicklung zwischen Alice und Jack einfach nicht fühlen. Zu viel Misstrauen, zu viele unausgesprochene Dinge, zu viele Situationen, in denen er Entscheidungen beeinflusst, die eigentlich ihr gehören. Für mich hat das jede Chance auf eine glaubwürdige Nähe zerstört. Gerade weil der Roman so viel Wert auf Selbstbestimmung und Verletzlichkeit legt, hat diese Beziehung für mich nicht funktioniert.

Das Ende hat mich dann zwiegespalten zurückgelassen. Einige Enthüllungen fand ich stark, andere eher enttäuschend. Besonders die Auflösung rund um die Aufgaben und das Erbe fühlte sich für mich kleiner an, als die Geschichte es aufgebaut hatte. Nach all dem Drama hätte ich mir eine Wendung gewünscht, die den Figuren mehr zutraut und ihnen mehr Raum gibt, sich wirklich zu lösen. Leider ist bis zum Schluss die manipulative Präsenz von Franklin Storm zu spüren.

Trotz dieser Kritikpunkte bleibt ein Roman, der in seinen familiären Konflikten unglaublich stark ist. Die Atmosphäre, die Dynamik zwischen den Geschwistern, die emotionalen Brüche – all das hat mich sehr berührt. Nur die Liebesgeschichte konnte für mich nicht mithalten.

Fazit: Ein intensiver Roman über Familie, Kontrolle und Verletzungen, der in seinen stärksten Momenten richtig unter die Haut geht. Die Geschwister, ihre Vergangenheit und ihre Entwicklung haben mich bewegt und oft wütend gemacht – im besten Sinne. Die Liebesgeschichte dagegen bleibt für mich blass und unausgewogen. Wer vor allem wegen des Familiendramas liest, bekommt hier viel geboten. Wer eine überzeugende Romanze erwartet, könnte enttäuscht werden. Da für mich die Romanze zweitrangig war, gibt es von mir 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Ein Kind sucht Halt – und findet Worte

Mit beiden Händen den Himmel stützen
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„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist ein autofiktionaler Roman, in dem Lilli Tollkien ihre Kindheitserlebnisse aus den 80er Jahren literarisch verarbeitet. Die Protagonistin Lale ist zwar erfunden, ...

„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist ein autofiktionaler Roman, in dem Lilli Tollkien ihre Kindheitserlebnisse aus den 80er Jahren literarisch verarbeitet. Die Protagonistin Lale ist zwar erfunden, aber man spürt sofort, wie nah die Handlung an der Realität der Autorin liegt. Ich habe mir bewusst Zeit gelassen, um dieser Art von Erinnerungsarbeit gerecht zu werden, und das hat meinen Zugang zum Buch verändert.
Der Roman spricht sehr ernste Themen an: Alkoholsucht, Drogenkonsum, Vernachlässigung, verbale, psychische sowie sexualisierte Gewalt. Beim Lesen geht man durch viele Emotionen. Man ist betroffen, wütend, traurig, manchmal abgestoßen, und gleichzeitig fühlt man Lales Angst, ihre Verletzlichkeit, ihre Verlorenheit und ihre Suche nach Halt. Es gibt Momente, in denen man das Buch einfach zur Seite legen muss, um das Gelesene zu verarbeiten.
Einige Dinge konnte ich sehr gut nachvollziehen, weil ich selbst mit einem alkoholsüchtigen Elternteil aufgewachsen bin. Die morgendlichen Gerüche nach kaltem Rauch und Bier, die Treffen am Kiosk, die übergriffigen „netten“ Erwachsenen, die einen auf den Schoß ziehen wollen – das alles hat mich direkt in meine eigene Kindheit zurückgeworfen. Solche Erfahrungen verändern Kinder nachhaltig, und das zeigt der Roman sehr deutlich.
Gleichzeitig hat das Buch viele nostalgische Momente, die mich als 80er-Jahre-Kind sofort abgeholt haben. Klebrige Schlümpfe, Wassereis, bunte Polyester-Jogginganzüge, Sticker, Kaufhäuser, in denen man alles bekommen hat – das hat schöne Erinnerungen ausgelöst, die neben den schweren Themen stehen, ohne sie zu relativieren.
Am Anfang wirkte der Text auf mich etwas wirr. Als ich dann noch einmal von vorne begonnen und mir mehr Zeit genommen habe, ergab die Erzählweise plötzlich Sinn. Erinnerungen verlaufen nicht linear, sie springen, sie verschieben sich, und genau so erzählt Tollkien. Lale spricht durchgehend aus ihrer Sicht, zwischendurch tauchen Dialoge anderer Personen aus ihrem Umfeld auf. Die Sprache ist poetisch, aber nicht überladen.
Was einen immer wieder beschäftigt, ist die Frage, warum niemand Lale geschützt hat. Warum das Jugendamt Besuche ankündigt. Warum Erwachsene wegsehen, obwohl das Elend offensichtlich ist. Diese Fragen bleiben hängen und machen das Buch so herausfordernd.
Auch das Cover mit dem Bild der Künstlerin Xenia Hausner möchte ich hervorheben. Ich finde es sehr schön – die Farben und der Stil passen unglaublich gut zur Stimmung des Buches. Auf Instagram gibt es ein Foto der Autorin, auf dem sie sich das Cover teilweise vors Gesicht hält, und es ist faszinierend, wie perfekt das Design in seiner Gesamtheit harmoniert.

Fazit: Ein intensiver, poetischer und emotional fordernder Roman, der zeigt, wie ein Kind versucht, in einer instabilen Umgebung Halt zu finden. Für mich sind es 5 Sterne, weil die Autorin ihre Erinnerungen in eine Form bringt, die ehrlich wirkt und lange nachklingt.

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