Falsche und toxische Vermarktung. KEINE Plus Size Heldin, eher das Gegenteil
Ein Schloss aus Silber und ScherbenDiese Rezi fällt mir besonders schwer und ich habe sie mehrfach schon getippt und wieder verworfen.
Ich wurde auf das Buch aufgrund von einer speziellen Werbung aufmerksam.
Diese versprach mir „endlich ...
Diese Rezi fällt mir besonders schwer und ich habe sie mehrfach schon getippt und wieder verworfen.
Ich wurde auf das Buch aufgrund von einer speziellen Werbung aufmerksam.
Diese versprach mir „endlich eine Plus Size Heldin“. Hierauf freute ich mich. Denn bei Prinzessinnen denke ich zuerst immer an das Bild, welches mir Disney malt. Dies bedeute wunderschöne, anmutig, aber vor allem sehr schlanke junge Frauen. Hier ist eine Änderung dringend erforderlich. Alle Menschen sollten gesehen werden. Und bisher gibt es das nicht. So freute ich mich auf Maren und ihre Geschichte.
Zu Beginn, stellen wir uns einmal vor eine Jugendliche um die 14 Jahre.
Sie wird von ihren Mitschülern gemobbt, aufgrund ihres Mehrgewichts. Sie liest in der Werbung, dass sie endlich (zumindest in einem Roman) stark sein kann, sie wird zur Titelheldin. Diese junge Dame stürzt sich nun voller Freude in das Buch. Sie liest ab Seite 1 bis zur Letzten, das sie aufgrund ihres Mehrgewichts nicht liebenswert ist. Sie wird durch jede einzelne verdammte Figur in diesem Buch nicht ernst genommen, bekommt nie ein nettes Wort gesagt, sondern wird dauerhaft und von jedem aufs schlimmste beleidigt. Die einzige Beschreibung, die sie erfährt, ist „dick, hässlich, klein und verkrüppelt“ und sie wird nur darauf reduziert.
Okay, könnte ich akzeptieren, wenn dies irgendwann innerhalb der Geschichte reflektiert, werden würden. Wenn der Erzähler aus dem Off sagt, dass dies ein ekliges Verhalten ist. Wenn andere Beteiligte dagegen vorgehen, wenn Maren selbst irgendwann Selbstbewusstsein erlangt und Rache fordert, Vergeltung. Oder den bösen Menschen zumindest sagt, dass sie viel mehr ist als nur ihre optische Erscheinung. Passiert nur leider nicht. Dieses schlechte Verhalten wird konsequent durchgezogen, sogar ihre eigenen Gedanken drehen sich fast ausschließlich darum. Oder um Will, ihren „Jugendfreund“. Dies in „“ da Will auch in seiner Jugend bereits das Rückgrat einer Gummischlange hat. Er mag Maren, aber reduziert sie trotzdem nur auf ihr Äußeres.
Hier hätte ich mir eine Charakterentwicklung gewünscht, so dass aus dem extrem toxischen Verhalten ein Lerneffekt entsteht. Das er eventuell einsieht, wie falsch er sich verhält und dies bewusst ändert. Er denkt das einmal kurz, äußert es aber nie laut und sein Verhalten wird danach nur noch schlimmer. So dass ich persönlich die Anziehung der beiden nicht nachvollziehen kann. Ich habe nicht verstanden, warum Maren immer noch so sehr an ihm hängt und ihm einfach alles verzeiht. Auch vermeintliche Freundinnen bestärken Maren nicht in ihrem selbst, sondern eher im Gegenteil. So dass eine Wendung eintritt, welche ich persönlich nicht gutheißen kann und die zuvor gut gemeinte Werbung für das Buch noch negativer dastehen lässt. Hier zeigt sich das mit den falschen Dingen für das Buch geworben wurde.
Hätte ich von Anfang an gewusst dass das Buch vor Bodyshaming nur so überquillt, oder das wir hier Mobbing romantisieren und es eine Bully Romance ist, hätte ich das Buch mit anderen Augen gesehen. Hätte es vielleicht deswegen gar nicht gelesen, oder zumindest mit anderen Erwartungen. So aber wurde ich leider enttäuscht. Denn der Stil als solches gefiel mir sehr. Die düstere Atmosphäre, welche geschaffen wurde, sowie die Monster und ihre Entstehung waren sehr gut und ich hätte gern detaillierter davon erfahren. Auf der einen Seite möchte ich die Reihe hier abbrechen, auf der anderen Seite würde ich ein Hörbuch zu Teil 2 hören. Einfach in der Hoffnung, dass das toxische Verhalten aus Band 1 reflektiert wird und Konsequenzen hat. Das aufgezeigt wird, das dies nicht normal ist.
Erinnern wir uns an das junge Mädchen vom Anfang. Was nimmt sie aus dieser Geschichte mit? Sie wollte endlich eine Heldin sein und was musste sie hier erfahren? Ist dies das Bild was „Plus Size Heldinnen“ uns geben sollen? Wenn du nicht in die „Norm“ passt, bist du hässlich und nicht liebenswert?