Der Krimi "Ein abgezockter Sauhund" von Roland Krause ist ein locker flockig, derb und rotzig gefärbter Krimi mit unterhaltsamen Dialogen und Wendungen.
Das Cover gefällt mir, wenig aufregend, dabei authentisch ...
Der Krimi "Ein abgezockter Sauhund" von Roland Krause ist ein locker flockig, derb und rotzig gefärbter Krimi mit unterhaltsamen Dialogen und Wendungen.
Das Cover gefällt mir, wenig aufregend, dabei authentisch und ich mag die Farbelemente.
Die Geschichte dreht sich um Samson, einen Kleinkriminellen, der durch den Mord an seinem Kumpel Pauli in die Fänge weitaus größerer Mächte gerät.
Insgesamt ist der Schreibstil kurz, knackig und sehr mileaugetrieben. Samson ist ein unsympathischer Kerl von der Straße, auf seinen eigenen Vorteil bedacht und kennt sich aus mit dem Untergrund und seinen Regeln. Die anderen Akteuere sind interessant, vielfältig und beleben die Geschichte immer wieder aufs Neue. Die Sprache ist mir teilweise zu aggressiv und derb, die Vergleiche nicht immer hunderprozent getroffen und der Humor teilweise nicht meins. Jedoch eine spannende, lesenwerte Geschichte mit vielen Wendungen, Überraschungen und Akteuren, die aus dem klein wirkenden Krimi einen riesen Coup hervorzaubern. Definitiv lesenswert für Freunde des schwarzen Humors, rotzigem Straßenslang und verstrickten Krimigeschichten!
Das neue Sachbuch von Tijen Onaran mit dem Titel "Nur wer sichtbar ist, findet auch statt" beschäftigt sich eindrücklich, nahbar und mit natürlichen Beispielen und Hacks mit dem sehr persönlichen Thema ...
Das neue Sachbuch von Tijen Onaran mit dem Titel "Nur wer sichtbar ist, findet auch statt" beschäftigt sich eindrücklich, nahbar und mit natürlichen Beispielen und Hacks mit dem sehr persönlichen Thema Personal Branding, Fokus auf soziale Netzwerke gesetzt.
Tijen Onaran findet einen sehr persönlichen Einstieg in das Thema über ihre eigenen Erfahrungen, was das ganze Pamphlet für den Leser direkt realistischer wirken lässt und auf Augenhöhe holt. Viele Sachbücher verlieren ihren Leser bereits zu Beginn mit Tipps und Tricks, die von oben herab diktiert werden, in diesem Fall hingegen wird der Leser sympathisch abgeholt, mit offenen Armen empfangen, unabhängig seiner vorherigen Vorbereitung zum Personal Branding. Die Kapitel sind klar und deutlich gegliedert, bauen aufeinander auf und greifen thematisch ineinander wie Zahnräder eines Uhrwerks. Der Stil ist leicht, erzählend und gleicht einem Roman, daher liest es sich trotz der Komplexität des Themas schnell und flüssig. Dabei bleibt die Einfachheit bei Erklärungen im Vordergrund, inkludiert so jeden Leser mit beliebigem Background. Herauszuheben sind die schlüssigen Zusammenfassungen am Ende, sowie die Animation das Ganze für sich auszuprobieren, zu hinterfragen und zu reflektieren, eben seinen eigenen Standpunkt zu definieren. Dabei schafft es Tijen Onaran diese sehr schwer zu definierenden Themen immer wieder sympathisch zu be- und umschreiben, Rahmen abzustecken, ihre eigenen Unsicherheiten zu integrieren und dabei aber auch Raum zu lassen für den Leser, der bei dem ganzen Spiel um das Thema Branding vielleicht seine Rolle noch nicht gefunden hat. Es geht nicht darum einen Leitfaden zu bieten für die beste Definition von eigener Darstellung, sondern seinen eigenen Weg zu finden und Möglichkeiten, Diversität aufzuzeigen. Für mich persönlich sind nicht alle Kapitel gleich wertvoll aufgrund meiner Vorbildung und nicht alle Tipps und Tricks umsetzbar, den Anspruch erhebt das Buch jedoch auch nicht. Perfekt geeignet für alle, die sich immer schon gefragt haben, wie sie das Beste aus sich selbst herausholen können und die Social Media eher als ein Netz der Verwirrung ansehen, denn als reale Plattform, die die eigene Position stärken kann.
Der Debütroman "Jahresringe" von Andreas Wagner schildert auf sanfte, jedoch eindrückliche, sowie emotionale Art und Weise den Generationswechsel einer Familie und damit einhergehend eben auch die Veränderung ...
Der Debütroman "Jahresringe" von Andreas Wagner schildert auf sanfte, jedoch eindrückliche, sowie emotionale Art und Weise den Generationswechsel einer Familie und damit einhergehend eben auch die Veränderung ihrer Heimat, sowie die nachdrückliche Feststellung, dass nicht nur unsere Handlungen, Entscheidungen im Hier und Jetzt unser Leben nachhaltig bestimmen, sondern auch die Vergangenheit.
Leonore, eine Vertriebene aus Ostpreußen, streift heimat- und orientierungslos umher, getrieben von der Angst um die Zukunft. Sie trifft auf den Süßwarenbäcker Jean, den jedoch alle nur Hannes nennen, der ihr Obhut gewährt in seinem Haus in einem kleinen Dorf zwischen Köln und Aachen. Aufgrund ihrer Herkunft wird sie im Dorf jedoch vielmehr geduldet, als in ihrer Mitte willkommen geheißen. Einzig ihre Verbindung zum Wald lässt sie mit eben diesem Ort verwurzeln. Ihr Sohn Paul erlebt die Epoche, in der der Kohletagebau die Zukunft des Waldes und des Dorfes gefährdet, was letztlich zur Umsiedlung führt und für Paul in eine neue, ungewisse und definitiv andere Zukunft führt, als er es für sich erdacht hat. Die letzte Generation, Jan und Sarah, die Kinder von Paul, groß geworden in dem Dorf der Umsiedlung, könnte zerissener nicht sein: Sarah hat die Verbundenheit zum Wald von ihrer Großmutter geerbt und engagiert sich aktiv für dessen Erhalt, wohingegen Jan im Tagebau arbeitet und demnach auf der anderen Seite steht. Wird dieser Konflikt in einer familiären, generationsübergreifenden Katastrophe enden?
Die Schilderungen im gesamten Buch sind detailreich und sehr nahbar geschrieben. Trotz des ernsten Themas liest es sich leicht, einfach und doch schwingt zwischen den Zeilen die Melancholie, leise und sanft, jedoch nachhallend und einnehmend. Mir gefällt besonders, dass der Autor es schafft den Leser generationsübergreifend abzuholen und jeweils in der entsprechenden Epoche zu binden mit den entsprechenden Sorgen und Nöten, aber auch den kleinen, feinen Glücksmomenten. Ich habe den Roman als sehr authentisch empfunden und besonders die Verbindung zu Leonore gespürt auf ihrer tiefsinnigen Suche nach dem Gefühl anzukommen und sich in einer neuen Heimat verwurzeln zu können. Je weiter die Zeit fortschritt, desto anonymer wurde schlichtweg die Beziehung zu den Protagonisten, was ich in diesem Fall jedoch als schlichtweg realistisch bewerte. Jeder, der die mehrschichtigen, vielfältigen Geschichten seiner eigenen Familie kennt weiß, dass mit fehlender zeitlicher Nähe zu den Geschehnissen der Nachkriegszeit auch leider die Emotionalität, die Betroffenheit schwindet. Das gesamte Thema hat mir unglaublich gut gefallen, denn wir alle sind zuweilen von den Fragen betroffen, was Heimat bedeutet und was eben diese zu unserer Identität beiträgt. Wieviel bestimmt die Vergangenheit der Familie und wieviel bestimme ich? Was ist das Erbe meiner Familie und trage ich es mit Würde und Stolz, im Sinne dessen, was die Vorfahren sich gewünscht hätten und für sich erarbeitet haben? Und wo bleibe ich inmitten dieser komplexen Gedanken? Eben solche Fragen sind mir persönlich immer wieder während des Lesens begegnet und regen zur eigenen Reflektion an. Die einzigen Minuspunkte sind für mir die zuweilen etwas surrealen Szenen, die es meiner Meinung nach nicht gebraucht hätte in diesem durchweg stimmigen Werk zwischen Freude, Leid und dem Neuanfang, sowie die für mich persönlich empfundene Kurzatmigkeit- gerne hätte ich noch mehr gelesen. Für alle empfehlenswert, die generationsübergreifende Handlungen, Nahbarkeit von Charakteren schätzen und sich selbst die Frage stellen, was Heimat bedeutet.
Der Roman "Schwarzer Jasmin" von Manfred Rumpl thematisiert vor allem ein sehr aktuelles Thema: Migration, Integration und die Intention möglicher Gefährder. Eymen wächst in Tunesien auf, seine Kindheit ...
Der Roman "Schwarzer Jasmin" von Manfred Rumpl thematisiert vor allem ein sehr aktuelles Thema: Migration, Integration und die Intention möglicher Gefährder. Eymen wächst in Tunesien auf, seine Kindheit ist geprägt von Hass, Gewalt und der Willkür der Salafisten. Schnell wird ihm klar, dass er in Tunesien keine Zukunft hat und begibt sich als Flüchtling nach Europa. Dort trifft er auf Julia, eine Vollblut Sozialarbeiterin, die sich auch privat mit der Ungerechtigkeit der Welt, der fehlenden Balance unseres Systems und systemischer Diskriminierung auseinandersetzt. Das bekommt auch ihr Freund Jakob zu spüren, der zwar ein gutes Gespür für Wein besitzt, jedoch ein fehlendes Händchen für zwischenmenschliche Beziehungen. Der letzte Protagonist ist Frank, Polizist kurz vor der Pension, der sich dem Thema der Terrorabwehr im Land widmet. Die Handlungsstränge sind enger verwoben als gedacht und führen zu einem dramatischen Finale.
Die Leseprobe dieses Romans hat mich schlichtweg umgehauen: Eymens Kindheit wird beleuchtet, seine Umstände und eben auch das Leben in Tunesien. Schwarzer Jasmin als Leitfaden taucht immer wieder auf und vernetzt alsbald die ersten Handlungsstränge sanft und trotzdem drastisch. Dazu die Beleuchtung der Liebesbeziehung von Jakob und Julia, sowie die Bedürfnisse von Frank, der sich trotz nahender Pension nochmal komplett in seine Arbeit vertieft. Die Geschichte an sich mit all ihren Handlungssträngen hat unglaublich viel Potential, mir fehlt jedoch die Nähe zu den Charakteren, wahrscheinlich auch aufgrund der vielen, für mich teilweise nicht mehr nachvollziehbaren Sprünge im Zeitverlauf. Dadurch verliert die Geschichte an Tiefe und emotionaler Komplexität, sodass für mich das Ende zwar spannend war, ich mir jedoch eine größere Verbundenheit mit den Protagonisten gewünscht hätte. Das Verhältnis bleibt für mich somit oberflächlich, leicht angeraut. Für mich spannend klingende Handlungspassagen wurden gefühlt auch leider nicht intensiviert oder näher thematisiert, teilweise ebenfalls übersprungen trotz des brachliegenden Potenzials. Ich hätte mir eine tiefergehende Reflektion gewünscht. Eine Leseempfehlung für diejenigen, die sich für die Geschichten hinter potenziellen Gefährdern interessieren, ihren Lebensweg und ihre Sichtweisen, jedoch weniger für Leser, die komplexe Charaktere lieben und Geschichten mit emotionalem Tiefgang.
Gustav Mahler sitzt eingewickelt in Decken auf dem Deck der Americana und blickt seiner letzten Reise entgegen von New York nach Wien, begleitet von Erinnerungen, Erfolgen und Echtzeitaufnahmen lässt er ...
Gustav Mahler sitzt eingewickelt in Decken auf dem Deck der Americana und blickt seiner letzten Reise entgegen von New York nach Wien, begleitet von Erinnerungen, Erfolgen und Echtzeitaufnahmen lässt er sein Leben Revue passieren. Robert Seethaler nimmt den Leser mit auf dieser einzigartigen, eindrucksvollen Reise, die über die letzten Zeilen in die Welt hinaushallt.
Trotz der Kürze des Romans war der Inhalt sehr intensiv, authentisch und es bedarf keiner weiteren Zeilen, da er komplett, in sich schlüssig und schlussendlich fließend erscheint. Der große Künstler, der sowohl auf eine eindrucksvolle Karriere zurückblicken kann, als auch eine liebende Familie, was ihn mit unglaublich viel Wärme und Glück erfüllt. Gleichzeitig ist er Künstler, hadert mit sich, dem Leben, der Liebe und auch seinen Werken. Diese Zerissenheit zwischen den Zeilen, diese Zerbrechlichkeit und teilweise geschilderte Hochsensibilität, gepaart mit vielerlei Widersprüchen zeichnet für mich ein so emotionales, zugleich reales Bild eines Mannes, der das beste Leben gelebt hat, das er konnte, jedoch nicht das beste, was er vielleicht wollte. Die innere Auseinandersetzung zwischen Akzeptanz, dem Bewusstsein um die schönen, erlebten Momente und dem Wunsch nach mehr, dem Gefühl, dass alles nicht reicht, wird begleitet mit wunderschönen, malerischen Schilderungen, Zeitsprüngen und Dialogen. Präzise und fein säuberlich bleibt am Ende die Frage nach dem Glück für mich, im Leben, in der Liebe und im Tod. Wann ist ein Leben lebenswert und wann bereue ich verpasste Chancen? So eindrücklich hat für mich bisher noch kein Autor die letzte Reise eines Menschen verpackt.