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Joolte_hoert

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.04.2026

Toll

Wem du traust
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Um es schonmal im Vorfeld zu sagen: Ich liebe die Bücher der Autorin sehr! Bereits "Die Schwester" und "Der Steg" haben mir außerordentlich gut gefallen und auch in diese Geschichte konnte ich mich einfach ...

Um es schonmal im Vorfeld zu sagen: Ich liebe die Bücher der Autorin sehr! Bereits "Die Schwester" und "Der Steg" haben mir außerordentlich gut gefallen und auch in diese Geschichte konnte ich mich einfach hineinfallen lassen.

Die Story handelt von einem Vermisstenfall. Eva lebt mit ihrem Mann Daniel und ihrem gemeinsamen Sohn am Stadtrand. Alles ist perfekt. Die Tochter ihrer besten Freundin Susanne passt eines Abends auf den Sohn von Eva auf. Noch in der Nacht bringt Daniel Sofia wieder nach Hause, doch dort ist sie niemals angekommen. Was ist genau passiert und wer sagt hier die Wahrheit?

Petra Johann schreibt immer Geschichten, die nur innerhalb eines kleines "Kosmos" spielen. Deswegen konnte ich mich auch hier wieder total gut hineinfallen lassen. Die bildhafte Sprache und die abwechselnden Perspektiven zwischen Eva, Susanne und der Polizistin machen das ganze noch anschaulicher. Es war ein Sog, ich kam nicht mehr heraus. Einmal angefangen, wollte ich es direkt beenden, weil auch die Spannung hier nicht zu kurz kam. Schnell waren Verdächtige für mich klar, doch nach einiger Zeit habe ich auch diese wieder verworfen. Es gibt Plotttwists, die ich nicht habe kommen sehen.

Mit der Auflösung bin ich aber nicht ganz so zufrieden, und hätte mir tatsächlich lieber ein anderes Ende gewünscht, aber das ist ja nicht zu ändern.

Mit der Zeit nahm es auch an Charakteren zu, das fand ich diesmal leider nicht ganz so gelungen.

Nichtsdestotrotz war es wieder ein toller Kriminalroman, der sich super lesen ließ und durch die Spannung zu einem Pageturner wurde.

⭐⭐⭐⭐ | 5 Sternen

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.04.2026

Ok

Knochenkälte
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Vor vielen Jahren habe ich die Bücher von Simon Beckett nahezu weggesuchtet. Ich habe sie inhaliert. David Hunter als forensischer Anthropologe ist ein unheimlich spannender Charakter. Durch ihn erhielt ...

Vor vielen Jahren habe ich die Bücher von Simon Beckett nahezu weggesuchtet. Ich habe sie inhaliert. David Hunter als forensischer Anthropologe ist ein unheimlich spannender Charakter. Durch ihn erhielt ich einen Eindruck wie die menschlichen Verwesungsphasen ablaufen. Nach mehr als sechs Jahren erschien nun im November der 7. Fall für David Hunter.

Auf dem Weg zu einer Personensuche bleibt Hunter in der kleinen Ortschaft Edendale stecken. Die Straße ist durch das Wasser vom Berg weggeschwemmt worden. Nun sitzt er fest. Und die Dorfbewohner scheinen alle ziemlich seltsam zu sein.

Schon der Einstieg konnte mich fesseln, denn der Schreibstil von Simon Beckett ist unheimlich einnehmend und anschaulich. So habe ich direkt mit David mitgefiebert und fand es dennoch merkwürdig, dass es nur eine mögliche Zufahrt ins Dorf gab. Und genau diese ist nun nicht mehr passierbar. Noch dazu fällt kurz darauf der Strom aus und die Bewohner sind auf sich alleine gestellt. Hunter kommt bei einer Familie unter, die ein altes Hotel besitzt. Doch niemand mag diese Leute.
Die erste Hälfte des Buches wird dafür genutzt, die Menschen in Edendale genauer vorzustellen. Hunter nimmt uns mit bei seinen Begehungen. Erst als die erste Leiche auftaucht, fängt es langsam an spannender zu werden.

Und das ist auch mein größter Kritikpunkt an der ganzen Sache: Es passiert lange wenig bis gar nichts. Und wenn dann doch mal etwas geschieht, dann hat es mich nur kurz gepackt. Was zu Beginn noch aufregend war bezüglich der Beschreibungen, hat sich im Laufe des Buches abgenutzt. Es war lange Zeit langweilig und ich habe nach dem Sinn gesucht.

Im Gegensatz zu seinen letzten Fällen,wo Hunter immer die Unterstützung der Polizei hatte, ist er hier auf sich alleine gestellt. Ich glaube das hat für mich den größten Unterschied gemacht.

Erst auf den letzten Metern ist es nochmal mächtig spannend geworden und ist zu einem Pageturner mutiert. Dann ging alles Schlag auf Schlag. Das hätte auch gerne schon viel früher passieren dürfen.

⭐⭐⭐ | 5 Sternen

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Ok

Safe Space
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Ihr Debütthriller "Happy End" konnte mich im letzten Jahr echt überraschen. Dementsprechend neugierig war ich auf "Safe Space".

Anna Salomon ist forensische Psychologin und tritt ihren neuen Job in der ...

Ihr Debütthriller "Happy End" konnte mich im letzten Jahr echt überraschen. Dementsprechend neugierig war ich auf "Safe Space".

Anna Salomon ist forensische Psychologin und tritt ihren neuen Job in der JVA Weyer an. Sie ist auf der Suche nach einem ganz bestimmten Gefangenen.

Der Schreibstil von Sarah Bestgen ist sehr flüssig und anschaulich. Gleich zu Beginn fiel es mir leicht, mich mit dem Geschriebenen vertraut zu machen. Es war direkt spannend und konnte mich fesseln. Es wird aus zwei Perspektiven erzählt: Aus Anna's und Leon's Sicht. Anna erlebt alles in der Gegenwart, wir begleiten sie bei ihren Schichten im Hochsicherheitsgefängnis. Sie durchleuchtet die Insassen und versucht so herauszufinden nach wem sie genau sucht.
Leon erzählt aus zwei Vergangenheiten: Seine Kindheit und ein später erlebtes Geschehen.
Und dann gibt es noch Tagebucheinträge, die mich sehr neugierig gemacht haben.

Nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, habe ich mit einer Story á la "The Institution" gerechnet. Es gibt viele Dialoge innerhalb des Gefängnisses, jedoch war mir das alles irgendwie zu oberflächlich. Im Mittelteil wurde es für mein Empfinden etwas zu ruhig und ich habe mich über die Vorgehensweise der Protagonistin ein wenig aufgeregt. Sie hat sich da in ihren "Ermittlungen" so verfahren, dass ich wirklich öfter mit dem Kopf geschüttelt habe. Auch andere Hinweise hat sie einfach komplett ignoriert.

Die Auflösung habe ich bereits sehr früh erahnt, deswegen war es keine so große Überraschung. Die Hintergründe zur Tat fand ich aber sehr glaubhaft und haben mich gecatcht. Besonders gefallen haben mir die abwechselnden Perspektiven im Zusammenspiel mit den Tagebucheinträgen,das kam dem Lesefluss enorm zu Gute 😊

Insgesamt ein guter Thriller, der aber im Mittelteil etwas geschwächelt hat und mir die Protagonistin ein bisschen zu naiv für eine forensische Psychologin rübergekommen ist.

⭐⭐⭐,5 | 5 Sternen

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.04.2026

Highlight

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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544 Seiten, die ich binnen 48 Stunden verschlungen habe!
Die Geschichte der beiden Heimkinder Hartmut und Margret hat mich so in ihren Bann gezogen, dass ich selbst nachts nicht zur Ruhe kam.

Hartmut ...

544 Seiten, die ich binnen 48 Stunden verschlungen habe!
Die Geschichte der beiden Heimkinder Hartmut und Margret hat mich so in ihren Bann gezogen, dass ich selbst nachts nicht zur Ruhe kam.

Hartmut kommt als Junge ohne Namen 1945 in ein katholisches Kinderheim. Er weiß nicht wer er ist, und hat keine Angehörigen. Sein Alter wird geschätzt, und ein neuer Name wird ihm gegeben. Also heißt er nun Hartmut. Die Umstände in den Kinderheimen nach dem Krieg waren grausam. So erfahren wir als Leser, was Hartmut über sich ergehen lassen muss, und was dort mit anderen Heimkindern angestellt wird. Er lernt das Waisenmädchen Margret kennen, ebenfalls mit ihm in dieser Anstalt. Sie ist einige Jahre älter aber die beiden werden unzertrennlich.

Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen: Der Vergangenheit ab 1945 bis 1966 und der Gegenwart von 2006 bis 2017. Beide sind sehr eindringlich beschrieben; sehr anschaulich. Ich hatte die ganze Zeit das bedrückende Gefühl, selbst dabei zu sein. In der Gegenwart sehen wir Hartmut und Margret zusammenlebend. Sie haben eine Tochter, eine Enkelin und sogar Urenkelin Emily. Letztere lebt bei ihren Urgroßeltern und die Dynamik zwischen den Familienmitgliedern war ganz sonderbar. Wie weit reichen die Folgen der Kriegstraumata?

Mich hat das Buch sehr zum Nachdenken angeregt. Es lässt viel Raum für eigene Gedanken. Mich haben die Informationen über die Zustände in den katholischen Heimen sehr schockiert. Auch wenn schon öfter mal was durchgesickert ist, so war es doch was anderes, das jetzt mal schwarz auf weiß zu lesen.

Eine schicksalhafte, berührende und aufrüttelnde Familiengeschichte. Sie hat mich komplett eingenommen. Der Schreibstil der Autorin ist wunderbar anschaulich, fesselnd und einnehmend. Dieser Sog beim Lesen wäre sonst auch gar nicht möglich gewesen. Ich bin einfach rundum begeistert und kann für mich ein weiteres Jahreshighlight vermerken.

⭐⭐⭐⭐⭐ | 5 Sternen

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Wahnsinn

Am Meer ist es schön
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Beim Lesen des Klappentextes ist mir ganz anders geworden. Kleine Kinder, die getrennt von ihren Eltern und ihrer Familie auf Kur geschickt werden. Weil sie entweder nicht den "Richtlinien" entsprechen, ...

Beim Lesen des Klappentextes ist mir ganz anders geworden. Kleine Kinder, die getrennt von ihren Eltern und ihrer Familie auf Kur geschickt werden. Weil sie entweder nicht den "Richtlinien" entsprechen, sprich: zu wenig oder zu viel Gewicht aufweisen, oder zu frech sind und sich nicht an Regeln halten. Sie wurden damit "Verschickungskinder" genannt. Die Verschickungen erfolgten von der Nachkriegszeit bis in die 1990er Jahre.

Hier im Buch geht es um Susanne, sie ist Ende 50 und sitzt im Altenheim am Sterbebett ihrer Mutter. Plötzlich bricht Luise in Tränen aus und entschuldigt sich bei ihrer Tochter. Susanne weiß direkt um was es geht. Um die Zeit, die für sie die Schlimmste war: 1969. Susanne hat damals nach der Kur von ihren Erlebnissen dort berichtet. Und ihre Eltern haben ihr nicht geglaubt. Haben es als kindlichen Wahnsinn abgestempelt. Denn in den Briefen, die sie schrieb, sagte sie ja immer, dass es ihr gut gefiel. "Am Meer ist es schön". Nach und nach beginnt Susanne ihrer Mutter und ihrer eigenen Tochter von der Zeit im Heim zu erzählen, zum ersten Mal nach so langer Zeit.

Die Autorin schreibt sehr einfühlsam und mit bildhafter Sprache. Sie gibt den einzelnen Charakteren unheimlich viel Tiefe, sie werden greifbar und das, was sie erlebt haben, wird umso realistischer. Auf zwei Zeitebenen wird die Geschichte erzählt. Susanne spricht mit ihrer Familie 2018 über die Geschehnisse aus 1969, dabei wechseln sich die Kapitel immer ab, und es ist ein nahtloser Übergang. Unfassbar was damals passiert ist, und dass die Kurheime und Verantwortlichen da so lange mit durchgekommen sind.

Barbara Leciejewski hat mir einen guten Einblick in diese Thematik gegeben. Ich fand es spannend und unheimlich zugleich. Ich habe mit den Kindern mitgefühlt, die Strafen die sie erleiden mussten waren hart. Zucht und Ordnung war da das große Thema. Es ist großartig geschrieben und ich bin nur so durch die Seiten geflogen. Zwischendurch musste ich immer mal wieder meine Gedanken kreisen lassen und das gelesene verarbeiten.

⭐⭐⭐⭐,75 | 5 Sternen

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