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Veröffentlicht am 17.04.2026

Mystische Reise in alte Erinnerungen!

Die Geister von La Spezia
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Genua im Jahr 1822. Die frisch verwitwete Mary Shelley erhält Besuch von Pat Colombari, die den Tod von ihrem Mann Percy Shelley untersuchen soll. Schnell wird klar, dass es sich bei Pat nicht um eine ...

Genua im Jahr 1822. Die frisch verwitwete Mary Shelley erhält Besuch von Pat Colombari, die den Tod von ihrem Mann Percy Shelley untersuchen soll. Schnell wird klar, dass es sich bei Pat nicht um eine normale Ermittlerin handelt – sie verfügt über einen Apparat, mit dessen Hilfe sie in die Erinnerungen anderer Menschen eintauchen kann und in die Vergangenheit der handelnden Personen reist. Dadurch lernen wir den berühmten Freundeskreis des Ehepaars kennen, darunter Lord Byron, John Polidori und Claire Clairmont. Ob wir alle Hintergrunde erfahren und herausfinden ob es ein Unfall oder Mord war, wird sich zeigen.

Mich hat das Buch regelrecht angezogen wegen Mary Shelley und den schon frühzeitigen Bezug zu ihrem Buch Frankenstein. Warum ihr Mann tödlich verunglückt ist und was seine Freunde damit zu tun haben sollen, fand ich perfekt dazu abgerundet. Ich hatte so gehofft, dass die Stimmung, die Zeit und auch die Ermittlung mich an die Matthew Corbett Bücher von Robert McCammon erinnern. Nicht nur die Zeit passt, auch die Anfänge der Ermittlungen und vor allem mit Tendenzen des Übernatürlichen.

Den größten Unterschied habe ich schon in den ersten Seiten bemerkt und habe mich schnell von dem Corbett-Flair lösen können. Das Buch ist sehr düster und melancholisch geschrieben und man findet hier kaum oder eher selten Humor. Die Ermittlung beschränkt sich auf eine Apparatur, die in die Erinnerungen von Mary Shelley eintauchen und somit uns nicht nur die Konflikte, sondern auch den Freundeskreis der Shelley-Familie aufzeigen. Es wird also weniger ermittelt und recherchiert, sondern wir begeben uns auf Zeitreise in alte Erinnerungen und das hatte gleich einen neuen Anreiz für mich. Die erste Hälfte des Buches war aber leider sehr zäh und der Aufbau der Geschichte zog sich. Die Zweite Hälfte wiederum war spannender aufgebaut, sehr mystisch und durch den Wechsel der erinnerungs-Perspektiven schon wesentlich interessanter. Was ich sehr schade fand, war wir wenig Informationen über Mnemoskopie erfahren und so war es schwer einzuordnen oder vorzustellen, was hier eigentlich veranstaltet wird. Gerade mit "Gus" oder der anderen inneren Stimme ließ sich wenig anfangen, da ich das System dahinter nicht so richtig begriffen habe.

Die Kapitel sind recht lang formuliert und in Erinnerungsstätten unterteilt. Eine Erinnerung hat mehrere lange Kapitel und man wird langsam durch die Zeit getragen. Die war wiederum sehr authentisch und zeitgemäß dargestellt und hat uns auch ein paar geschichtliche Infos über die Geschehnisse oder berühmte Persönlichkeiten gewährt. Zum Recherchieren hat mich das trotzdem nicht so recht motiviert, weil ich von dem Umfang der Situation schon ausreichend mit Informationen gefüttert wurde. Da es auch alles Erinnerungen sind, wird die Vergangenheit zwar nicht geändert, aber doch etwas verfälscht durch diverse Lücken, oder Pats eingreifen. Schlussendlich hat das die Handlung spannend gestaltet und ich war froh über etwas Aufregung.

Am Ende bleibt für mich ein Roman, der vor allem durch seine Atmosphäre und seine ungewöhnliche Idee wirkt. Er verlangt ein gewisses Maß an Geduld und Aufmerksamkeit, belohnt einen aber mit einer dichten, stellenweise richtig unheimlichen Geschichte, die gegen Ende noch einmal alles rausholt. Wer sich für die Zeit mit ihren literarischen Persönlichkeiten interessiert auf jeden Fall lesenswert.

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Veröffentlicht am 17.04.2026

Ein poetischer Liebesroman der anderen Art!

Die Liste der Lebenden
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Als Erstes hat mich das Cover magisch angezogen und dann der Klappentext. Ich hatte mir eine kleine Liebesgeschichte mit Titanic Vibes ausgemalt und ein kleines bisschen Drama, aber bekommen habe ich so ...

Als Erstes hat mich das Cover magisch angezogen und dann der Klappentext. Ich hatte mir eine kleine Liebesgeschichte mit Titanic Vibes ausgemalt und ein kleines bisschen Drama, aber bekommen habe ich so viel mehr!

Ein imaginärer Dialog zwischen Henriette Wulff und dem legendären Märchenautor Hans Christian Andersen entführt uns in poetische Gefilde, vielen Spekulationen und ganz viel Gesellschaftskritik und Humor.

Die ersten Zeilen haben nicht nur mein großes Interesse an dem Buch geweckt, sondern auch sofort in die Seiten gezogen. Der Briefwechsel zwischen Hans Christian Andersen und der verunglückten Henriette Wulff ist rein fiktiv und spielt sich nur in dem Kopf von Jette ab. Wie soll sie auch gestrandet auf einer Tür im Meer an Tinte und Papier gelangen. Ob die Briefe von Andersen wirklich verfasst wurden erfahren wir am Ende in einem sehr ausführlichen und informativen Nachwort. Ihr findet hier keine Kapitel und auch die Schrift ist bis auf Absätze der Briefe durchgängig. Aber bitte denkt nicht, dass es damit eintönig, langweilig oder gar trist zu lesen ist. Ganz im Gegenteil, der poetische Schreibstil, die ab und an aufgedeckten Geheimnisse und das schwelgen in Erinnerungen lassen uns durch die Seiten schweben. Dabei werden so viele wichtige Themen angesprochen wie Politik, Judentum, Sinn des Lebens, großen Lieben, Konkurrenz, Meuterei und Poesie. Dazu bekommen wir ab und an geschichtliche Eckdaten, die sich ganz natürlich in die Geschichte einbinden und uns in der Zeit zurückreisen lassen.

Ich fand auch Jettes Beschreibung vom Untergang des Schiffes sehr interessant und spannend. Gerade bei dem Spannungsbogen war ich mir anfänglich unsicher, ob er über die Seiten gehalten werden kann, weil man ja eigentlich weiß, was passiert. Aber bis zur Mitte hin wird die Geschichte richtig gut aufgebaut und dann steht bis zum Ende immer noch die Frage im Raum, wer überlebt und das war schon richtig gut gemacht. Die Sprache ist dabei meiner Ansicht nach zeitgemäß und sehr melodisch und bildlich. Die Gedankensprünge beider sind manchmal etwas wirr, weil man keine Verbindung zum Zusammenhang hat, aber die Briefe wurden ja über Tage verfasst und nicht in einem Gedankengang, so wie wir es lesen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich so gerne in der kleinen Geschichte gelesen habe und sie so lebendig in meinem Kopf war, als wären die Briefe an mich verfasst. Das Ende hält noch eine Überraschung für euch bereit und viele Geheimnisse über einen sehr verschlossenen Märchenerzähler. Ich kann das Buch in jeder Hinsicht empfehlen.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Ein historischer Roman, wie er sein muss!

TINTE und SCHWERT, Sonderedition
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Jacob war mir von Beginn an sehr sympathisch. Ein aufgeweckter Junge, ohne böse Gedanken hat es nicht leicht in Familie und Freundeskreis mit seiner Bildung. Er hinterfragt viel, wird viel geqält und bleibt ...

Jacob war mir von Beginn an sehr sympathisch. Ein aufgeweckter Junge, ohne böse Gedanken hat es nicht leicht in Familie und Freundeskreis mit seiner Bildung. Er hinterfragt viel, wird viel geqält und bleibt dabei aber ruhig und lässt es über sich ergehen. Wogegen Graf Heinrich von Hohenfels und sein Berater Moritz mit schlechten Gedanken und Taten aus der Not heraus agieren und sich dabei nicht nur einen Feind machen. Es wird wenig um die familären Zusammenhänge gesprochen, aber die Beschreibung von Land und handelnden Leute ist völlig ausreichend um sich schnell ins Buch zu finden. Die Zeit war hart und grausam und genauso erlesen wir auch die Seiten. Schonungslos wird uns hier alles bis ins Detail berichtet, aber nie langweilig. Gerade der Prolog und auch die Hexenverbrennung am Anfang zeigen uns schnell welch brutalen und detaillierten Schreibstil der Autor hat. Das mochte ich sehr. Man hat mich nicht nur von der ersten Seite ins Buch gezogen, sondern ich hatte stellenweise wirklich das Gefühl, dass ich dabei war. Durch die vielen Sinne, die hier bedacht werden bekommt man schnell ein komplett rundes Bild und das war klasse gemacht. Auch war die Entwicklung, die die Protagonisten durchleben, absolut authentisch und nachvollziehbar. Die Kapitel sind immer recht lang, weil sie jeweils entweder Heinrich oder Jacob begleiten, aber stört überhaupt nicht und man möchte gar nicht aufhören zu lesen. Später stößt noch Annas Perspektive dazu und wir erleben die Angst einer jungen Frau mitten in den Hexenprozessen.

Das Zusammenspiel aus der altertümlichen Sprache, der kargen, rauen Zeit und den blutig, brutalen Ereignissen haben wir hier einen grandiosen Pageturner, den ich jeden nur ans Herz lege, der sich mit historischen Romanen anfreunden kann. Große Empfehlung von meinem ersten Highlight des Jahres und ich freue mich ungemein auf jeden weiteren Band der Reihe und behalte den Autor gut im Blick!

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Sehr schönes Buch über das Meer und Sirenen!

Unbeugsam wie die See
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Beginnen wir mit dem wunderschönen Cover und enden in einer Geschichte, die für mich alles hatte. Die raue Oberfläche des Einbands passt perfekt zur Stimmung des Buches: wild, geheimnisvoll, anders und ...

Beginnen wir mit dem wunderschönen Cover und enden in einer Geschichte, die für mich alles hatte. Die raue Oberfläche des Einbands passt perfekt zur Stimmung des Buches: wild, geheimnisvoll, anders und auch das Bild darauf ist düster, ein bisschen magisch und voller kleiner Details. Das ist mein erstes Buch von Emilia Hart und ich bin schon sehr begeistert, welche Thematik und Umsetzung mich in das Buch gezogen hat. Als Leseprobe bei Vorablesen fing es an und mit der Freude über den Gewinn hörte es noch lange nicht auf. Das Buch spukte mir ständig im Kopf herum, denn ich konnte es kaum erwarten bis es hier war und ich mit dem Lesen beginnen konnte.
Alles beginnt mit einer Geburt, fernab jeglicher Zivilisation in einer Höhle am Meer. Es liest sich schon in den ersten Zeilen sehr atmosphärisch und baut im Nu Spannung auf. Erst spät wird klar, wie diese ersten Zeilen mit dem restlichen Geschehen zusammenhängen. Aber erst einmal geht es um Lucy, die - von Albträumen geplagt - sich in einer bedrohlichen Situation wiederfindet, von der sie sich sofort befreien muss und deshalb schwingt sie sich in ihr Auto und flieht zu ihrer Schwester Jess. Jess lebt seit geraumer Zeit an der australischen Küste in einem Haus, direkt am Meer in Comber Bay. Sie ist aber leider nicht zu finden, Handy am Kabel, Tür nicht versperrt und eine Stille im Haus, die so nicht sein sollte. Lucy findet ein Tagebuch und erhofft sich darin Hinweise zum Verbleib oder Absichten ihrer Schwester.
Parallel dazu geht es auf die Naiad. In dem Schiff werden Sklaven von Irland nach Australien verschifft und unter ihnen sind die Zwillinge Mary und Eliza. Wir lesen, wie beide sich emotional stützen und unter welchen unmenschlichen Bedingungen sie auf dem Schiff ausharren müssen. Die Schwestern leiden unter einer Wasserallergie und doch scheint das Meer eine magische Anziehungskraft auf sie auszuüben. Schlussendlich haben wir noch den Erzählstrang von Jess Tagebüchern, der recht spät im Buch beginnt, aber alles miteinander verbindet.
Es ist eine mystische Erzählweise. So wunderschön und doch verworren und sehr beklemmend. Ich bin sehr beeindruckt, wie bildgewaltig alles beschrieben wird und man gleichzeitig das Gefühl dieser Tristes bekommt. Der mystische und übernatürliche Standpunkt hat mir dabei mit am meisten gefallen. Ich liebe ja die weiten des Meeres und die unendliche Tiefe der See, die Gefahren und auch Schutz für viele bedeuten. Man gerät ins Schwärmen über die poetisch formulierten Zeilen und trotz der bedrohlichen und düsteren Stimmung konnte ich mir ab und an ein Lächeln über die schönen Phänomene nicht verkneifen. Es sind mehrere Ereignisse, die nebeneinander stehen, die abwechselnd erzählt werden und deren Ausgangspunkt der fiktive Ort Comber Bay ist. Rein geschichtlich gesehen erfahren wir schon erste Details im Vorwort über die Versklavung der irischen und britischen Sträflinge nach Australien und das ist nur eins von vielen interessanten Themen in dem Buch. Geheimnisse um die Bucht, Höhlen und die Steilwand aus Felsen runden den Eindruck noch ab und verbinden die Geschwisterpaare mit der Geschichte.
Der Punkt, das Jess Malerin ist und wie ihre Bilder beschrieben werden, fand ich sehr schön. Ich hätte auf alle Fälle ihre Vernissage über die Sirenen besucht. Die Eigenschaften des verschlafenen Örtchens und die sturen Einwohner darin waren sehr gut und treffend beschrieben, denn wir kennen doch alle den Tunnelblick Vereinzelter. Lucys Recherche-Aktivitäten dazu, haben daraufhin die Spannung wiederbelebt und die Artikel das Ganze etwas aufgelockert und so hüpfen wir durch die Zeiten und die Seiten fliegen nur so an uns vorbei.
Für mich ist es nicht nur ein hervorragender Sommerroman für den Urlaub am Meer, sondern auch eine schöne Spätsommerlektüre auf dem Balkon oder Couch mit Hinblick auf die schaurigen Monate und Halloween.

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Geniale Pandemie-Dystopie, die ihr so bestimmt noch nicht gelesen habt!

All Better Now
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Also seit der Scythe Reihe habe ich diesen herausragenden Autor schon auf der Agenda und mich begeistern seine Bücher mit jeder Seite. Aber nicht nur dystopische Fantasie, sondern auch recht realitätsnahe ...

Also seit der Scythe Reihe habe ich diesen herausragenden Autor schon auf der Agenda und mich begeistern seine Bücher mit jeder Seite. Aber nicht nur dystopische Fantasie, sondern auch recht realitätsnahe Dystopien wie "Dry" lassen es einem kalt den Rücken runter laufen. Mit viel Recherche und einem tollen Schreibstil entdecken wir nun die Seiten von "All better Now", was mir freundlicherweise vom Verlag und Vorablesen zur Verfügung gestellt wurde. Ich freu mich wie verrückt drauf.

Mariel Mudroch lebt mit ihrer Mutter in einem Auto und wurschteln sich so durchs Leben. Mit viel Scharfsinn, einem enormen Zahlengedächtnis und etwas Trickserei kommen die beiden mehr schlecht als recht durch. Im Gegenzug dazu lernen wir Rón Escobedo kennen. Er ist der Sohn des drittreichsten Milliardärs und mit seinem Leben überaus unzufrieden. Als Mariel und ihre Mutter bei ihm ein AirBNB buchen lernen sich beide kennen und sind mehr als fasziniert voneinander. Durch einen neuen Virus auf Abstand gebracht und doch skeptisch, lernen wir hier die unterschiedlichen Anschauungen zweier Welten kennen und was die Entscheidungen der Oberen mit Ihnen machen. Denn nach der uns bekannten Corona-Pandemie tritt ein neues Virus auf, eine neue Variante mit den Namen Crown Royal. Doch die Menschen, welche eine Infektion überleben, empfinden keine negativen Gefühle mehr! Sie werden von Mitleid, Empathie und Glück geleitet. Hierbei wenden sie sich insbesondere vom Kapitalismus ab, ihr Charaktere verändert sich und es stellt sich die Frage: ist das wirklich besser? Ist dieser Zustand wirklich erstrebenswert?

Ich war nicht nur von der Leseprobe hin und weg, sondern auch von dem Buch. "All better Now" zeigt uns nicht nur wie eine Pandemie die Welt in 2 Fronten teilt, sondern auch sehr anschaulich und weitsichtig, was völlige Glückselig für tödliche Folgen haben kann. Mariel Mudroch, Ron Escobedo und Morgan Willmon stehen dabei im Fokus und sind nicht nur die Brücke der beiden Seiten, sondern auch die entscheidenden Handlungsträger der Geschichte. Nebenbei lesen wir auch noch von anderen Geschehnissen und Auswirkungen der Krankheit und sehen damit was für Folgen so ein glückliches, uneigennütziges Leben für Auswirkungen auf Industrie und Marktwirtschaft hat. Wenn alle ihren Fokus auf das Leben im Hier und Jetzt legen und nicht daran interessiert sind, mit neuen Produkten ihren Alltag zu verschönern, verschiebt sich der Fokus doch recht schnell auf andere Dinge. Das gefällt weder den Weltwirtschaftskräften noch der Produktion und Industrie. Aber auch die Opferbereitschaft der Genesenen wird anhand eines Bootsunglücks schnell deutlich. Die Kapitel sind zwar recht lang, aber durch die wechselnden Perspektiven und Handlungsorte verlieren wir weder die Spannung, noch das Durchhaltevermögen. Ich finde alles sehr gut durchdacht und vor allem erinnert es an die beklemmende Coronazeit und so spielt dieser Thriller auf amüsante Weise mit den damaligen Ängsten und der Hoffnungen. Die aufkeimenden Konflikte „Wir gegen sie“ und die Diskriminierung sind gut dargestellt und man kann sich ganz hervorragend in die Personen hineinversetzten. Ich wüsste nicht welches Lager ich bevorzugen würde, das liegt aber daran, dass ich alle Seiten zu lesen bekomme. Klar gibt es auch hier wieder überzogene Widerspenstigkeit und sture, machthungrige Gegenspieler, die nicht viele Sympathiepunkte sammeln, aber die Vergleiche Reichtum gegen Glück und Macht gegen Zukunft sind schon sehr gut herausgearbeitet. Gerade die Macht derjenigen, die auf die Unzufriedenheit der Menschen angewiesen sind, empfinde ich als einen richtig interessanten Aspekt bei dem Ganzen.

Vorerkrankungen wie Diabetes, einer Farbenblindheit der Farbe Blau erscheinen anfänglich willkürlich, geben dem Ganzen aber einen spannenden Effekt und verdeutlichen nochmal gut wie rund und gut durchdacht alles ist. Trotz seiner Länge und gewissen Wiederholungen habe ich mich keine Sekunde gelangweilt und habe es gerne zur Hand genommen. Es ist einfach richtig stark geplottet und eine unfassbar gute Idee. Dazu noch der hervorragende Schreibstil und die für mich perfekt durchdachten Charaktere, runden das Ganze zusätzlich ab und ich hatte eine große Freude beim Lesen. Obwohl ich nach wie vor genervt von dem Thema Corona bin, hat mich das hier in keinster Weise gestört und das heißt schon etwas.

Ich kann das Buch einfach jedem empfehlen, obwohl es in die Kategorie der Jugendliteratur geordnet wird, finde ich es ist für alle Altersgruppen etwas. Leider merkt man gegen Ende, das ein zweiter Teil geplant ist und nun muss ich mich gedulden bis 2027 um endlich zu wissen, wie es ausgeht. Aber das Buch steht definitiv schon auf meiner Merkliste und sollte auch zu Eurer gehören.

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