Mystische Reise in alte Erinnerungen!
Die Geister von La SpeziaGenua im Jahr 1822. Die frisch verwitwete Mary Shelley erhält Besuch von Pat Colombari, die den Tod von ihrem Mann Percy Shelley untersuchen soll. Schnell wird klar, dass es sich bei Pat nicht um eine ...
Genua im Jahr 1822. Die frisch verwitwete Mary Shelley erhält Besuch von Pat Colombari, die den Tod von ihrem Mann Percy Shelley untersuchen soll. Schnell wird klar, dass es sich bei Pat nicht um eine normale Ermittlerin handelt – sie verfügt über einen Apparat, mit dessen Hilfe sie in die Erinnerungen anderer Menschen eintauchen kann und in die Vergangenheit der handelnden Personen reist. Dadurch lernen wir den berühmten Freundeskreis des Ehepaars kennen, darunter Lord Byron, John Polidori und Claire Clairmont. Ob wir alle Hintergrunde erfahren und herausfinden ob es ein Unfall oder Mord war, wird sich zeigen.
Mich hat das Buch regelrecht angezogen wegen Mary Shelley und den schon frühzeitigen Bezug zu ihrem Buch Frankenstein. Warum ihr Mann tödlich verunglückt ist und was seine Freunde damit zu tun haben sollen, fand ich perfekt dazu abgerundet. Ich hatte so gehofft, dass die Stimmung, die Zeit und auch die Ermittlung mich an die Matthew Corbett Bücher von Robert McCammon erinnern. Nicht nur die Zeit passt, auch die Anfänge der Ermittlungen und vor allem mit Tendenzen des Übernatürlichen.
Den größten Unterschied habe ich schon in den ersten Seiten bemerkt und habe mich schnell von dem Corbett-Flair lösen können. Das Buch ist sehr düster und melancholisch geschrieben und man findet hier kaum oder eher selten Humor. Die Ermittlung beschränkt sich auf eine Apparatur, die in die Erinnerungen von Mary Shelley eintauchen und somit uns nicht nur die Konflikte, sondern auch den Freundeskreis der Shelley-Familie aufzeigen. Es wird also weniger ermittelt und recherchiert, sondern wir begeben uns auf Zeitreise in alte Erinnerungen und das hatte gleich einen neuen Anreiz für mich. Die erste Hälfte des Buches war aber leider sehr zäh und der Aufbau der Geschichte zog sich. Die Zweite Hälfte wiederum war spannender aufgebaut, sehr mystisch und durch den Wechsel der erinnerungs-Perspektiven schon wesentlich interessanter. Was ich sehr schade fand, war wir wenig Informationen über Mnemoskopie erfahren und so war es schwer einzuordnen oder vorzustellen, was hier eigentlich veranstaltet wird. Gerade mit "Gus" oder der anderen inneren Stimme ließ sich wenig anfangen, da ich das System dahinter nicht so richtig begriffen habe.
Die Kapitel sind recht lang formuliert und in Erinnerungsstätten unterteilt. Eine Erinnerung hat mehrere lange Kapitel und man wird langsam durch die Zeit getragen. Die war wiederum sehr authentisch und zeitgemäß dargestellt und hat uns auch ein paar geschichtliche Infos über die Geschehnisse oder berühmte Persönlichkeiten gewährt. Zum Recherchieren hat mich das trotzdem nicht so recht motiviert, weil ich von dem Umfang der Situation schon ausreichend mit Informationen gefüttert wurde. Da es auch alles Erinnerungen sind, wird die Vergangenheit zwar nicht geändert, aber doch etwas verfälscht durch diverse Lücken, oder Pats eingreifen. Schlussendlich hat das die Handlung spannend gestaltet und ich war froh über etwas Aufregung.
Am Ende bleibt für mich ein Roman, der vor allem durch seine Atmosphäre und seine ungewöhnliche Idee wirkt. Er verlangt ein gewisses Maß an Geduld und Aufmerksamkeit, belohnt einen aber mit einer dichten, stellenweise richtig unheimlichen Geschichte, die gegen Ende noch einmal alles rausholt. Wer sich für die Zeit mit ihren literarischen Persönlichkeiten interessiert auf jeden Fall lesenswert.