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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.03.2026

Weibliche Selbstbestimmung

Sie hat Bock
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Das war schon ziemlich "auf die Fresse" - im besten Sinne. 😅
Am Anfang dachte ich noch: Oha. Und ein paar Kapitel später dann: Ja, genau so.

'Sie hat Bock' von Katja Lewina lag viel zu lange auf meinem ...

Das war schon ziemlich "auf die Fresse" - im besten Sinne. 😅
Am Anfang dachte ich noch: Oha. Und ein paar Kapitel später dann: Ja, genau so.

'Sie hat Bock' von Katja Lewina lag viel zu lange auf meinem SuB. Umso schöner, dass ich es jetzt endlich gelesen habe - und enttäuscht wurde ich definitiv nicht.

Das Buch ist ein sehr ehrlicher, ungeschönter Blick auf weibliche Lust, Selbstbestimmung und die gesellschaftlichen Erwartungen, die damit verbunden sind. Dabei bringt Lewina immer wieder eigene Erfahrungen ein, was das Ganze unglaublich persönlich macht. Gerade dadurch schafft sie es, ein Stück der Scham abzubauen, die vielen von uns anerzogen wurde. Das fühlt sich beim Lesen fast befreiend an.

Wer bereits mehrere Bücher zu feministischen Themen oder weiblicher Sexualität gelesen hat, wird vielleicht nicht allzu komplett neue Gedanken entdecken. Aber genau diese persönliche Ebene macht das Buch besonders. Es liest sich ein bisschen so, als würde man mit einer guten Freundin zusammensitzen - vielleicht leicht angeheitert - und endlich mal ganz offen über Dinge sprechen, über die sonst selten so ehrlich geredet wird. Fragen stellen inklusive.

Mit allem konnte ich mich nicht identifizieren, aber das muss man auch gar nicht. Wir sind schließlich alle unterschiedlich - auch wenn wir oft für ähnliche Dinge kämpfen müssen.

Ein gutes, wichtiges Buch, das viele Menschen lesen sollten - besonders jüngere. Und zwar unabhängig vom Geschlecht. Ehrlich, direkt, manchmal witzig - und ohne um den heißen Brei herumzureden. Das muss man schon aushalten können. 😏

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Familiengeheimnisse

Real Americans
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Es gab ja schon recht viele Vorschusslorbeeren für diesen #deutschlandliesteinbuch Roman. Aber was soll ich Euch sagen - es ist schon ein echtes Stück Leseglück. 😏

'Real Americans' von Rachel Khong ist ...

Es gab ja schon recht viele Vorschusslorbeeren für diesen #deutschlandliesteinbuch Roman. Aber was soll ich Euch sagen - es ist schon ein echtes Stück Leseglück. 😏

'Real Americans' von Rachel Khong ist in drei Teile gegliedert und erzählt die Geschichte einer chinesisch-amerikanischen Familie über mehrere Generationen hinweg - voller Sehnsucht, unausgesprochener Wahrheiten und Entscheidungen, die noch lange nachwirken.

Im ersten Abschnitt begleiten wir Lily Chen, die Tochter chinesischer Einwanderer. Sie wächst zwischen zwei Kulturen auf und merkt früh, dass sie in beiden nie ganz zu Hause ist. Für die Chinesen ist sie zu amerikanisch umd für die Amerikaner zu chinesisch. Erst als sie Matthew kennenlernt, hat sie das Gefühl, wirklich gesehen und geliebt zu werden.

Der zweiten Teil gehört ihrem Sohn Nick. Sein Vater spielt in seinem Leben keine Rolle mehr, und damit fehlt ihm ein wichtiger Teil seiner eigenen Geschichte. Äußerlich sieht er seinem Vater ähnlich und wirkt kaum chinesisch - doch auch er spürt immer wieder dieses Dazwischen, dieses Gefühl, nirgends ganz hineinzupassen. Und Lilys Schweigen über die Vergangenheit schafft eine Distanz zwischen Mutter und Sohn, die beim Lesen wirklich wehgetan hat.

Im dritten Teil lernen wir schließlich Mai kennen - Lilys Mutter und Nicks Großmutter. Ihre Geschichte bringt viele der verborgenen Wahrheiten ans Licht. Trotzdem blieb sie für mich die Figur, zu der ich am wenigsten Zugang gefunden habe. Wahrscheinlich weil sie mir einfach nicht sympathisch ist und ich einige ihrer Handlungen nicht gutheißen kann.

Und doch: Gerade diese Familiengeschichte, die von Geheimnissen, Erwartungen und Identität geprägt ist, hat mich gefesselt. Nach und nach setzt sich das große Ganze zusammen - und genau das hat diesen Roman für mich so besonders gemacht.

Ich hatte eine richtig gute Zeit mit diesem Buch und kann es euch sehr empfehlen.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Wenn die Worte fehlten

Moosland
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Kleine Info vorneweg: Ich konnte wirklich sofort ganz tief in diesen tollen Roman eintauchen und war richtig traurig als er zu Ende war.

Wir befinden uns im Jahr 1949, in der Nachkriegszeit. Überall herrscht ...

Kleine Info vorneweg: Ich konnte wirklich sofort ganz tief in diesen tollen Roman eintauchen und war richtig traurig als er zu Ende war.

Wir befinden uns im Jahr 1949, in der Nachkriegszeit. Überall herrscht Mangel. Auch in Island fehlen Arbeitskräfte auf den Höfen - und potenzielle Ehefrauen. Viele Frauen sind nach den Krieg mit amerikanischen Soldaten fortgegangen. Um diesem Problem entgegenzuwirken, wurde ein Aufruf gestartet: Deutsche Frauen sollten nach Island kommen, um dort ein neues Leben zu beginnen. So machten sich knapp 300 von ihnen auf den Weg - mit Hoffnung im Gepäck, aber auch mit Trauer, Verlust und großen inneren Wunden.

Auch unsere Protagonistin Elsa gehört zu ihnen. Sie ist schwer traumatisiert, voller Hoffnungslosigkeit und zunächst kaum in der Lage zu sprechen. Selbst einfache Worte fallen ihr schwer, und es dauert lange, bis sie ihre eigene Stimme - und gleichzeitig eine fremde Sprache - (wieder)findet.

Besonders mochte ich die Bauernfamilie, bei der Elsa schließlich unterkommt: den ruppigen Bauern und seine Frau, ihre beiden erwachsenen Söhne, eine verschwundene Tochter - und meine absolute Lieblingsfigur, den Knecht Halldór.
Diese Menschen rau, direkt und sehr echt. Genau wie die Natur Islands selbst: wunderschön, aber auch unerbittlich.

An 'Moosland' von Katrin Zipse habe ich vieles geliebt: die bildhaften Naturbeschreibungen, die eingewobenen isländischen Wörter und diesen kleinen sprachlichen Clou rund um die Namen der Isländer (der sich im Laufe der Geschichte entfaltet). Besonders berührt hat mich auch die leise, vorsichtige Annäherung zwischen den Figuren und die sensible Art, wie Elsas Verhalten und Entwicklung beschrieben werden.

Ein kleines bisschen mehr Hintergrund zu ihrem Erlebnis mit Sola hätte ich mir gewünscht - das wird nur angerissen. Außerdem endet die Geschichte für meinen Geschmack etwas abrupt. Ich hätte wirklich gerne noch weitergelesen.

Wie ihr vermutlich schon rauslesen konntet: Mir hat dieses atmosphärische Buch sehr gut gefallen und daher gibt es eine ganz, ganz große Leseempfehlung meinerseits. 😃

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Starkes Debüt

Keine Sorge alles gut
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Ich weiß, es ist vielleicht oberflächlich - aber dieses Cover! 😍 Schöner geht es wirklich kaum.

'Keine Sorge alles gut' ist der Debütroman von Malwina Ledniowska - und man spürt auf jeder Seite, dass ...

Ich weiß, es ist vielleicht oberflächlich - aber dieses Cover! 😍 Schöner geht es wirklich kaum.

'Keine Sorge alles gut' ist der Debütroman von Malwina Ledniowska - und man spürt auf jeder Seite, dass hier jemand schreibt, der weiß, wovon er erzählt. Kein Wunder: Die Autorin hat selbst als Pflegekraft in der Psychiatrie gearbeitet. Diese persönlich Erfahrung verleiht dem Roman eine beeindruckende Authentizität.

Wir begleiten Romi Weber durch eine einzige Nachtschicht auf einer unterbesetzten Akutstation einer psychiatrischen Klinik - und erleben den "ganz normalen Wahnsinn" hautnah mit. Personalmangel, Überforderung, Verantwortung: all das schwingt in jeder Szene mit. Besonders schwer lastet auf Romi der Suizid einer Patientin, zu der sie einen engen Draht hatte. Kurz zuvor hatte diese noch um ein Gespräch gebeten - doch Romi hatte keine Zeit. Ein Gedanke, der sie nicht loslässt.

Dieses schmale Buch erzählt eine einzige Nacht - intensiv, atemlos und beinahe wie ein Theaterstück inszeniert. Der gehetzte, drängende Schreibstil überträgt sich unmittelbar auf die Lesenr*innen. Ich habe beim Lesen gemerkt, wie ich selbst immer schneller wurde und mich bewusst bremsen musste.

Sehr authentisch, stellenweise bewusst verwirrend und getragen von einer permanenten Getriebenheit, fliegt man durch diese eindringliche Erzählung. Ein eindrucksvolles Debüt, das nachhallt.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Was ist Heimat

Trag das Feuer weiter
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Eine so eindrucksvolle Familientrilogie - sie hat mich von der ersten bis zur letzten Seite vollkommen in ihren Bann gezogen.
Erst als ich 'Trag das Feuer weiter' in den Händen hielt, bemerkte ich, dass ...

Eine so eindrucksvolle Familientrilogie - sie hat mich von der ersten bis zur letzten Seite vollkommen in ihren Bann gezogen.
Erst als ich 'Trag das Feuer weiter' in den Händen hielt, bemerkte ich, dass es sich um den dritten Band handelt. Deshalb habe ich zuvor die beiden ersten Teile, 'Das Land der Anderen' und anschließend 'Schaut, wie wir tanzen' als Hörbuch gehört - und das war genau die richtige Entscheidung. Die gesamte Familiengeschichte zu kennen, verleiht dem dritten Band noch einmal eine ganz andere Tiefe und ein intensiveres Verständnis für die Figuren.

Leïla Slimani beginnt ihre marrokanisch-französischen Familienchronik kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die abenteuerlustige und leidenschaftlich Elsässerin Mathilde verliebt sich in den marrokanischen Offizier Amine und folgt ihm in seine Heimat. Dort ist sie die Fremde - konfrontiert mit einer anderen Mentalität, schwierigen Lebensumständen und einem traditionellen Frauenbild, mit dem sie erst umgehen lernen muss. Ich mochte Mathilde sehr: sie ist stark, lebensfroh und unangepasst. Bis zum Ende der Trilogie bleibt sie meine absolute Lieblingsfigur.

Der zweite Band spielt in den 1960er- und 1970er- Jahren. Wir begleiten Aïcha, die Tochter von Mathilde und Amine, nach ihrem Medizinstudium: wie sie lebt, liebt und und sich beruflich Respekt verschafft. Gleichzeitig zeichnet der Roman ein eindrucksvolles Bild des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs in Marroko. Aïchas Bruder Selim hingegen zerbricht am Druck seines Vaters und an den Erwartungen, die auf ihm lasten - auch das wird sehr bewegend geschildert.

Im dritten Teil treten Mathilde und Amine leider etwas in den Hintergrund, was ich persönlich schade fand, ohne das es die Qualität des Romans mindert. Nun steht die dritte Generation im Mittelpunkt: Aïchas und Mehdis Töchter Mia und Inès Ringen mit ihren eigenen Herausforderungen. Vieles ähnelt den Konflikten der vorherigen Generationen - und ist doch ganz anders. Auch diese jungen Frauen haben mein Herz erobert. Ebenso Selma, Amines Schwester: Als schönes, aber eingeengtes junges Mädchen geboren, kämpft sie unbeirrbar für ihre Unabhängigkeit. Trotz schwerer Schicksalsschläge bleibt sie aufmüpfig und stark.

Die Trilogie basiert auf der eigenen Familiengeschichte Slimanis, was den Romanen eine besondere Authentizität verleiht. Alles wirkt glaubwürdig und lebendig, die Figuren erscheinen nahbar und echt. Zudem ist die kulturelle Dimension äußerst spannend und bereichernd. Ich habe alle drei Bände sehr genossen.

Hervorragend gesprochen von Wiebke Puls, sensibel und flüssig übersetzt von Amelie Thoma - und großartig geschrieben von Leïla Slimani.

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