Wer bin ich
Mutters SpracheIch liebe es, wie mein Lesejahr 2026 beginnt. 😏
Gleich zum Auftakt steige ich mit einer Cover-Schönheit ein - und dann ist es auch noch inhaltlich ein Volltreffer.
Ich bin echt zufrieden.
In 'Mutters ...
Ich liebe es, wie mein Lesejahr 2026 beginnt. 😏
Gleich zum Auftakt steige ich mit einer Cover-Schönheit ein - und dann ist es auch noch inhaltlich ein Volltreffer.
Ich bin echt zufrieden.
In 'Mutters Sprache' von Wlada Kolosowa begleiten wir drei Frauen mit russischen Wurzeln auf ihrem Weg zur und durch gewollte wie ungewollte Mutterschaften. Der Roman erzählt von Tragödien und Entwurzelung, von queerer Sehnsucht, tiefer Liebe und stellt immer wieder die großen Fragen: Woher komme ich? Und wo gehöre ich hin?
Dabei werden sowohl die politische Lage in Russland als auch das Thema Mutterschaft ohne Beschönigung und fernab der rosarote Brille beleuchtet.
Lisa ist frischgebackene Mutter - und plötzlich beginnt ihre bis dahin so fest verankert 'deutsche' Fassade zu bröckeln. Die lange verdrängten russischen Wurzeln kommen wieder zum Vorschein. Ihre Hebamme Aljona spielt dabei eine entscheidende Rolle: Sie vermittelt Lisa ein Gefühl von Heimat und weckt zugleich eine bislang unbekannte Begierde. Aus unterschiedlichen Motiven heraus begeben sich die beiden gemeinsam auf eine Reise zurück nach Nikel, Lisas Geburtsort jenseits des Polarkreises - dorthin, wo um Soldaten geworben wird.
Parallel dazu erfahren wir von Aljonas Vergangenheit, und auch Taja, Lisas Mutter, konfrontiert uns mit ihrer eigenen Geschichte - eine die sprachlos macht. Umso schmerzhafter ist es, dass Taja diese Sprachlosigkeit gegenüber ihrer Tochter und deren Herkunft bewahrt.
Dieser Roman spiegelt eindrücklich die Zerrissenheit mehrerer Generationen von Frauen wider, denen durch politische Umstände und nicht zuletzt durch patriarchale Strukturen und Denkweisen ihre Identität genommen wurde.
Ein beeindruckendes Buch, dem ich aus voller Überzeugung eine ganz klare Leseempfehlung ausspreche.